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einestages

Ku-Klux-Klan

Mummenschanz und Rassenwahn

Unter den Ultrarechten der USA ist der KKK die älteste und krudeste Gruppe. 1980 führte David Duke die rassistischen Kapuzenmänner an. Heute applaudiert der Klan-Veteran begeistert Donald Trump.

DPA/Shaban Athuman/Richmond Times-Dispatch
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Mittwoch, 30.08.2017   13:01 Uhr

"Tod dem Klan" lautete das Motto, unter dem sich rund 100 Afroamerikaner und weiße Unterstützer in der von Schwarzen bewohnten "Morningside"-Siedlung in der Universitätsstadt Greensboro versammelten. Plötzlich rasten zwei Autos zum Kundgebungsplatz. Die Insassen brüllten "Hoch lebe der Klan". Mit Stangen und Steinen attackierten die überraschten Demonstranten die Fahrzeuge. Deren Insassen feuerten auf die Kundgebungsteilnehmer - fünf starben an Schussverletzungen, darunter eine schwangere Schwarze.

Das "Morningside-Massaker" in North Carolina ereignete sich am 3. November 1979. Es gibt Parallelen zur Kundgebung in Charlottesville (Virginia) am 12. August 2017. Auch dort kam es zur Konfrontation; auch dort waren viele der 500 rechten weißen Nationalisten bewaffnet, die gegen den Abriss einer Statue aus dem amerikanischen Bürgerkrieg protestierten. Erschossen wurde in Charlottesville niemand - aber ein 20-jähriger Neonazi steuerte sein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete die Rechtsanwaltsgehilfin Heather Heyer, 32.

In Greensboro wie in Charlottesville zerstörte rechter Terror Menschenleben. Was 1979 von heute unterscheidet: Der damalige US-Präsident Jimmy Carter verurteilte eindeutig die rechts-nationalen Gewalttäter; wie er hätten sicher die anderen Amtsinhaber vor wie nach ihm reagiert.

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David Duke: Klan-Veteran und Trump-Fan

Nicht so Donald Trump - er stellte sich letztlich schützend vor die Rechtsextremen und verharmloste den Hass der Horden. Schuld an der Gewalt hätten beide Seiten. Begeistert twitterte David Duke, der selbst am Aufmarsch der Rechtsextremisten und Neonazis teilgenommen hatte: "Danke, Präsident Trump, für Ihre Ehrlichkeit und den Mut, die Wahrheit über Charlottesville zu sagen und linke Terroristen zu verurteilen."

Ein Anführer der Kapuzenmänner

Duke, 67, ist ein prominenter Hetzer gegen Schwarze, Juden und Einwanderer - und Unterstützer von Trumps Präsidentschaftskampagne. Dass der spätere Wahlsieger sich um eine Distanzierung von Duke herumlavierte, empörte liberale Republikaner. Denn in den Siebzigerjahren leitete Duke als Grand Wizzard der "Knights of the Ku Klux Klan" den bedeutendsten von vier Klan-Dachverbänden. Und er vertritt bis heute die Ansichten von Amerikas reaktionärsten Rechten.

Der Sohn eines hohen Shell-Angestellten, geboren 1950, ging einst in den Niederlanden zur Schule, besuchte dann in den USA eine Militärakademie und studierte Geschichte. Als intellektuelle Ausnahmeerscheinung des Klans und geschliffener Redner wurde Duke von TV-Sendern und Universitäten eingeladen. So diskutierte er einmal mit dem schwarzen Bürgerrechtler Jessie Jackson und beantwortete Fragen der Starjournalistin Barbara Walters.

Video: Wie David Duke 2016 Trump im Wahlkampf unterstützte

Foto: YouTube/David Duke

Dabei brandmarkte Duke die staatlichen und privaten Fördermaßnahmen für bislang benachteiligte Minderheiten als "umgekehrte Diskriminierung". Viele weiße Arbeiter und Angestellte sahen ihre Stellung durch diese "Affirmative Action"-Politik gefährdet. In einem Fall, der in den USA stark debattiert wurde, verklagte der Techniker Brian Weber seinen Arbeitgeber Kaiser Aluminium vor dem Obersten Bundesgericht, weil ein weniger qualifizierter Schwarzer an seiner Stelle an einem Fortbildungskurs teilnehmen durfte. Das Gericht gab der Firma recht. Ähnliche Fälle gab es an Universitäten.

"Wo Schwarze Boden gewinnen", schrieb der Kolumnist Carl Rowan, "wird irgendwann der Klan aktiv." In den Siebzigerjahren führten die Folgen der Bürgerrechtsbewegung den Kapuzenmännern neue Mitglieder zu. Was die Welt als Fortschritt feierte, beunruhigte weiße US-Bürger: 1980 gab es im US-Süden 45 Mal so viele Schwarze in Wahlämtern - etwa in Schulvorständen oder als Sheriffs - wie ein Vierteljahrhundert zuvor. In Atlanta (Georgia) wurde 1974 ein Afroamerikaner Bürgermeister, in Birmingham (Alabama) 1979.

Lynchjustiz mit Hasskappen

Bei der Armee stellten Schwarze 1980 rund ein Drittel der Soldaten (elf Prozent waren es 1969) und sieben Prozent der Offiziere (3,3 Prozent 1969). Folge: Bei einigen Klan-Treffs paradierten nun Soldaten in Kampfanzügen, über dem Kopf die weiße Kapuze. Im Jahr 1979, so eine Untersuchung der jüdischen Organisation B'nai B'rith, verdoppelte sich die Zahl der KKK-Sympathisanten.

Der Ku-Klux-Klan entwickelte sich über viele Jahrzehnte wellenförmig, mit vielen Aufs und Abs. Bei seiner Gründung 1866 wollte der Klan die politische Ordnung im Süden aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg wiederherstellen. Der Sieg des Nordens hatte den Schwarzen die Freiheit gebracht. Während nun frühere Sklaven zumindest theoretisch Sheriff oder Bürgermeister werden konnten, waren Ex-Offiziere der Südarmee von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen.

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Gründung des Ku-Klux-Klans: Mordlüstern unter Hasskappen

Unter dem ehemaligen Kavalleriegeneral Nathan Bedford Forrest vereinigten sich etliche Geheimbünde. Die Kapuzenmänner gingen brutal vor. 1869/70 ermordeten sie allein in einem Landkreis in Florida 153 Schwarze. Der Klan tötete bei nächtlichen Ausritten in weißen Laken per Lynchjustiz Afroamerikaner, die in manchen Gegenden tatsächlich die Bevölkerung bedrohten. Überwiegend aber ermordete er solche, die lediglich ihr Wahlrecht ausüben oder in weiße Ortsteile ziehen wollten - ein Konzept des alltäglichen rassistischen Terrors.

Im US-Norden fasste der Klan Fuß, als dort mehr Schwarze in die Industriezentren migrierten. Weiße fürchteten um die "Reinheit" ihrer Viertel und ihre Arbeitsplätze. In Chicago etwa wuchs die farbige Bevölkerung von 44.000 im Jahr 1910 auf 160.000 im Jahr 1930. In den Zwanzigerjahren erreichte der Klan die Rekordzahl von vier Millionen Mitgliedern, darunter Senatoren und Bürgermeister.

Ultrarechts und wendig, wenn nötig

40.000 Klan-Mitglieder, in 43 Sonderzügen angereist, marschierten 1925 durch die Hauptstadt Washington und zelebrierten im Kapitol ein Aufnahmeritual. Doch als Roosevelt in den Dreißigerjahren mit seiner New-Deal-Politik den ärmeren Weißen Hoffnung auf Wohlstand verschaffte, verschwand der sogenannte "städtische" Klan im Norden nahezu völlig.

Rechte Gruppierungen mit dem Klan an der Spitze lebten ab 1954 wieder auf, als das Oberste Gericht die Rassentrennung in öffentlichen Schulen für ungesetzlich erklärte. Die Afroamerikaner begannen ihren Kampf um die vollen Bürgerrechte. Im Süden formierte sich die Abwehr gegen die Integration im Bildungswesen und gegen die Förderung für Afroamerikaner. Und damit profilierte sich schließlich David Duke.

1980 empfing der modern wirkende 30-Jährige den SPIEGEL in seinem Haus in Metairie bei New Orleans. "Die weiße Rasse ist in Gefahr", sagte er im Interview. Den Klan-Mummenschanz mit Kapuzen und Kreuzverbrennungen begründete er mit der "Suche der Menschen nach Gefühlen und Übersinnlichem"; zugleich strebte der wendige Ultrarechte nach einer Öffnung des Geheimbundes.

Seine Klan-Kleidung legte Duke erst auf Wunsch des Fotografen an und führte die Besucher in seinen Zeremonienraum mit Südstaatenflaggen und KKK-Symbolen. "Wir pflegen unsere Traditionen", erklärte er; von "weltweiter Bedeutung" seien die Ideen: "Wir schicken Literatur nach Deutschland" - wo tatsächlich ein KKK-Ableger entstand.

Als Kandidat der Republikaner buhlte Ronald Reagan 1980 auch um die Stimmen der Rassisten und setzte sich bei den Präsidentschaftswahlen durch. Danach allerdings schrumpfte der KKK stark. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Mitgliederzahl der einstigen Millionenbewegung auf nur noch 5000 geschätzt; die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten 2008 brachte dem Rest-Klan nicht das erhoffte "Erwachen".

KKK an der Grenze zu Mexiko

David Duke verkündete seine Ansichten längst in anderen ultrarechten Gruppierungen, etwa der "National Association for the Advancement of White People", einer Gegenbewegung zur NAACP, der 1909 gegründeten Bürgerrechtsorganisation "National Association for the Advancement of Coloured People". 1989 schaffte er es als republikanischer Abgeordneter ins Repräsentantenhaus von Louisiana. Seine Versuche, fürs Präsidentenamt zu kandidieren, scheiterten.

Aber Duke blieb als Hetzer gegen Schwarze, Juden und Einwanderer in den Schlagzeilen. So reiste er 2006 auf Einladung von Mahmud Ahmadinedschad zu einer Anti-Israel-Konferenz nach Teheran. 2009 wurde er in Prag festgenommen, als er für die tschechische Übersetzung seines Buches "The Awakening" warb, in dem er den Holocaust leugnet.

Seit Trumps Triumph sehen sich die Rechtsradikalen in den USA im Aufwind - die Hakenkreuzflaggenschwenker, die Juden-, Schwulen- und Schwarzenhasser, die versprengten alten Neonazis und eine jüngere Generation reaktionärer Nationalisten. Und David Duke sieht sich wieder mittendrin.

Es verblüfft, wie der damalige Klan-Führer schon vor 40 Jahren Vorstellungen seines heutigen Idols umsetzen wollte: Damals schickte Duke mit Handschellen, Sprechfunk und geländegängigen Fahrzeugen ausgerüstete KKK-Mitglieder an die mexikanische Grenze zur Jagd auf illegale Einwanderer. "Wir müssen unseren überlasteten Behörden helfen, die fremde Flut zu stoppen", trompetete er.

Mit der wahnhaften Absicht, eine Mauer zu errichten, übertrifft der heutige Präsident den Klansman noch.

insgesamt 3 Beiträge
Jörg Rother 31.08.2017
1. Duke ist ein Niemand
Die USA sind ein Land von etwa 320 Millionen Einwohnern, der KKK zählt offiziell laut Artikel etwa 5000 Nasen. David Duke spielt keine messbare Rolle. Wenn es ein Problem gibt, dann ist es das medial aufgebaute Spannungsfeld um [...]
Die USA sind ein Land von etwa 320 Millionen Einwohnern, der KKK zählt offiziell laut Artikel etwa 5000 Nasen. David Duke spielt keine messbare Rolle. Wenn es ein Problem gibt, dann ist es das medial aufgebaute Spannungsfeld um ihn herum. Ja, es gibt in den USA nationalistische Bewegungen, aber die sind nicht automatisch alle rassistisch. Durch die schwarz-weiß Denke in der Berichterstattung wird jedoch der Eindruck erzeugt, dass jeder, der nicht alle Ideale der libertären Bewegung teilt, deshalb automatisch ein böser Rassist und Nazi sein muss, der daher auch David Duke gut findet. Weniger offensichtlich: durch dieses 2-Schubladen-Denken wird auch ein Effekt erzeugt, der bewirkt, dass man sich selber unbewusst in einer der beiden einsortiert und sich angegriffen fühlt, wenn jemand in derselben Schublade unter Druck kommt. Trump hat versucht, dieses Problem zu vermeiden, als er sich generell gegen Gewalt positioniert hat und den Fingerzeig vermied. Was Idioten wie Duke aus so etwas machen, das konnte er vermutlich antizipieren, aber meine Einschätzung ist, dass er es bewusst in Kauf genommen hat, um den Trend der sich immer weiter verhärtenden Fronten irgendwie zu unterbrechen. Er hätte vermutlich auch das ahnen können, denn schließlich war durch dieses Attentat endlich der offizielle "Beweis" erbracht worden, dass die Rechten die Bösen sind. So einen saftigen Happen lassen sie die Medien natürlich nicht entgehen, auch wenn es, rational betrachtet, die falsche Reaktion war.
ArRah 31.08.2017
2. @Jörg Rother
Eine erschreckende Analyse ihrerseits. Das Rassismusproblem in dem USA ist gewalltig. In Charlottesville waren aber nicht die Bread&Butter-Rassisten unterwegs sondern die Hardcore-Rassisten. Haben Sie die Bilder, die Fahnen, [...]
Eine erschreckende Analyse ihrerseits. Das Rassismusproblem in dem USA ist gewalltig. In Charlottesville waren aber nicht die Bread&Butter-Rassisten unterwegs sondern die Hardcore-Rassisten. Haben Sie die Bilder, die Fahnen, die Gesänge gesehen? Dagegen sind usere NPD-Demos lächerlich. Sind Sie auch dagegen, dass man etwas gegen KZ-Offiziere sagt, denn es könnten sich ja auch Menschen in die Schublade einordnen? Darf man ISIS nicht kritisieren weil unsere Muslime sich dann angegriffen fühlen könnten? In der Reaktion von Trump ging es nur um diese Proteste und die Teilnehmer. David Duke hat daraus nicht etwas gemacht, sondern Trump hat sich ihm ganz klar angebiedert. Das tut er einerseitz weil er es für politisch opportun hält und andererseits weil er selbst ein Rassist ist. Die Vita ist da absolut eindeutig. Ihm jetzt auch nur den Versuch zu unterstellen bedacht und ausgewogenzu reagieren ist lächerlich. Wann hat er das jemals versucht? Warum versucht er jetzt white washing in eigener Sache zu betreiben anstatt sich seinen eigenen Worten zu stellen? Warum hat er es nicht einmal geschafft mide und ausgewogen auf Kritik zu reagieren? Die Beweggründe die sie ihm andichten passen nicht nur nicht zu dem Gesagten, sie passen auch nicht zu Trumps charakter. Die Reaktionen auf Trumps Rede als eine Reaktion "der Medien" darzustellen, verschweigt die Tatsache dass die Reaktionen aus seiner eigenen Partei, der Wirtschaft, seinen Betraterstäben, etc. ebenfalls vernichtend war.
Al MI 01.09.2017
3. Danke ArRah
.... Für die gelungene Antwort auf den Unsinn von Jörg
.... Für die gelungene Antwort auf den Unsinn von Jörg

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