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"Playboy"-Gründer Hugh Hefner

"Wir sind kein Familienmagazin"

Ein Nacktfoto von Marilyn, aber fast kein Geld: Mit dem "Playboy" startete Hugh Hefner aus dem Nichts. Sein Magazin sollte zunächst ganz anders heißen, auch die berühmten Hasen kamen erst spät ins Spiel.

Rolls Press/Popperfoto/Getty Images
Von Ariane Stürmer
Donnerstag, 28.09.2017   16:00 Uhr

Als die "Bunnys" zur Ikone wurden, ließ Marilyn Monroe für 50 Dollar ihre Hüllen fallen. Nackt räkelte sie sich auf einem Stück rotem Stoff und lächelte unschuldig in die Kamera. Sie sagte später, sie habe das Geld für ihre Miete gebraucht.

Das Kaninchen bekam nichts, als es Pate für das neue Erotikmagazin stand. Der Herausgeber hatte es wegen seiner "sexuellen Konnotation" ausgewählt. Mit anderen Worten: weil Karnickel den Ruf haben, ständig auf Sex aus zu sein; in Deutschland wurden die "Playboy"-Bunnys als Hasen bekannt. Marilyn Monroe war ausgewählt worden, weil sie das Sexsymbol der Fünfzigerjahre war. Und nackt und in Farbe und auf einem großformatigen Foto hatte die Öffentlichkeit sie noch nicht gesehen.

Hugh Hefner, der jetzt im Alter von 91 Jahren gestorben ist, war 27, als er den "Playboy" entwickelte. Von Jugend an war er von den Pin-Up-Girls der Zwanziger- und Dreißigerjahre begeistert - aber inzwischen etwas gelangweilt. Magazine wie "Esquire", "Wink" und "Flirt" zeigten in Hefners Worten "das brave amerikanische Mädchen". Mit seinem Heft dagegen wolle er die Botschaft vermitteln, "dass auch brave Mädchen Spaß am Sex hatten".

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Tod von Hugh Hefner: Die Hasen tragen Trauer

Hefner machte schon im Editorial klar, was den Leser im Heft erwartete: Sex und Erotik, aktuelle Artikel, Literatur, Cartoons und Humorvolles; alles in allem ein Potpourri an Unterhaltung für den Mann von Welt. Damit auch wirklich alle seine Absichten kannten, schrieb Hefner: "Wir sind kein Familienmagazin. Wenn Sie Schwester, Frau oder Schwiegermutter sind und uns versehentlich in Händen halten, geben Sie uns bitte an den Mann in Ihrem Leben weiter und orientieren Sie sich wieder am Magazin 'Ladies Home Companion'."

Video: "Playboy"-Gründer Hugh Hefner ist tot

Foto: Getty Images/ WireImage

Geld? "Ich hatte keines"

Das lasen die Menschen im ersten Editorial, als sie das neue Magazin im Winter 1953/54 durchblätterten. Dass die 70.000 Exemplare des ersten "Playboy" überhaupt erschienen, war indes ein kleines Wunder.

Hefner sagte einmal, er habe seit Collegezeiten ein eigenes Magazin machen wollen. "Das einzige, das mit diesem Traum schief lief, war das Geld: Ich hatte keines." Über Wasser hielt ihn zunächst sein Job als Werbetexter beim "Esquire-Magazin", einem der führenden Pin-Up-Zeitschriften der Dreißiger- und Vierzigerjahre.

Als "Esquire" von Chicago nach New York umzog, war das der entscheidende Moment für Hefner. Er blieb zurück. Mehreren Biografien zufolge soll er seinen Arbeitgeber um eine Gehaltserhöhung von fünf Dollar pro Woche gebeten haben - sie wurde abgelehnt, Hefner kündigte und startete mit den Planungen für ein Konkurrenzblatt. Es dürften die teuersten fünf Dollar in der "Esquire"-Geschichte sein.

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Nackt im "Playboy": Deutschlands erstes Mal

Seinen Lebensunterhalt verdiente Hefner dann als Vertriebsleiter bei der Kinderzeitschrift "Children's Activities", während er parallel bereits an seinem Magazin arbeitete. Im April 1953 begann Hefner laut seinem Biografen Frank Brady mit ersten Notizen, Skizzen und Layoutideen. Das Magazin sollte "Esquire" ähneln, oder vielmehr dem, "was aus 'Esquire' hätte werden können, wenn es nicht vom Kurs abgekommen wäre", so Hefner.

Um seine Pläne zu verwirklichen, musste Hefner aufs Ganze gehen, auch zum Leidwesen seiner Frau Mildred und seiner Tochter Christie Ann. Hefner verkaufte die einzigen Wertgegenstände, die er besaß: seine Möbel. Das brachte 400 Dollar, eine Bank lieh ihm weitere 200.

Monroe nackt - sensationell

Als er kurz darauf von erotischen Nacktfotos des neuen Hollywoodsternchens Monroe hörte, stürmte er im Juni 1953 ohne Termin ins Chicagoer Büro der John Baumgarth Fotoagentur und verließ es wenig später mit den Veröffentlichungsrechten an einem Farbfoto. Einziger Haken: Der Spaß hatte Hefner 500 Dollar gekostet.

Das Foto war bereits vier Jahre zuvor entstanden, 1949, als Marilyn Monroe noch vor ihrem Durchbruch zur Hollywood-Berühmtheit stand. Beim Shooting mit Fotograf Tom Kelley entstanden Bilder, die vor allem für Pin-Up-Kalender gedacht waren. Bei den meisten trug Monroe ein wenig Stoff. Drei Bilder aber waren reine Nacktfotos - in Farbe. Damals war das eine kleine Sensation, für manchen Amerikaner ein Skandal. Lediglich das "Life-Magazin" habe sich getraut, eine kleine Abbildung in Schwarz-Weiß zu drucken, schrieb Biograf Brady.

Als Hefner das Foto des ersten Playmates 1953 in Händen hielt, war Marilyn Monroe bereits ein Star. Ohne sie, sagte der legendäre "Playboy"-Foto-Editor Gary Cole einmal, "würde das Magazin nicht existieren" - weil ohne Marilyn sich später "keine berühmte Frau für den Playboy fotografieren lassen hätte". Sie habe bewiesen, dass "Nacktheit nicht die Karriere zerstört".

Hefner hatte jetzt Marilyn, aber nur noch 100 Dollar. Damit würde er nicht weit kommen. Im Juli gründeten Hefner, seine Frau Mildred und sein Freund Eldon Sellers daher gemeinsam die "HMH Publishing Company" und verkaufte Anteile an Investoren. Hefners Bruder Keith investierte 500 Dollar, seine Eltern 1000 - obwohl Hefner sie weitgehend über den Magazininhalt im Dunkeln ließ. Insgesamt seien 6000 bis 7000 Dollar zusammengekommen, erzählte Hefner einmal in einem Interview.

Der Herrenabend fiel aus

Das reichte für den Start, wenn Hefner sparsam blieb. Er suchte nach Geschichten, die schon so alt waren, dass jedermann sie kostenlos drucken durfte, weil die Dauer des Urheberrechts abgelaufen war. Ähnlich wie "Esquire", berühmt für seine literarischen Beiträge von Autoren wie Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald, wollte auch Hefner diesen Anspruch erhalten. Doch Angebote wie vom Verlag Random House über 1000 Dollar für eine Kurzgeschichte von John O'Hara hätten das Budget gesprengt.

Also blieb es bei älteren Texten berühmter Autoren, etwa Sherlock Holmes. Im Herbst 1953 war es schließlich so weit: Das Magazin sollte gedruckt werden. Doch nur wenige Tage zuvor erreichte Hefner ein Brief und gefährdete das ganze Vorhaben.

Denn der "Playboy" sollte eigentlich nie "Playboy" heißen. Hefner favorisierte den Namen "Stag Party" (Herrenabend) und hielt daran fest, obwohl Kioskbetreiber und Freunde ihm abrieten. Dann aber drohte das Männermagazin "Stag" im November 1953 mit rechtlichen Schritten wegen der Namensähnlichkeit.

Hefner kapitulierte und setzte sich mit Freunden ein Wochenende lang zusammen, um einen anderen Titel zu finden. Auf der Liste standen "Gent", "Gentry", "Gentlemen", "Satyr", "Top Hat", "Bachelor" und "Sir". Der Durchbruch: Eldon Sellers erinnerte sich an den kleinen Zweisitzer seiner Mutter. Die Playboy Motor Car Corporation hatte nur wenige Autos produziert, bevor sie nach vier Jahren Pleite ging.

Kaninchen statt Hirsch

Eigentlich kein gutes Omen für Hefners Magazin. Doch die Entscheidung war klar: Aus "Stag Party" wurde "Playboy". Weil Stag übersetzt Hirsch bedeutet, hatte Art Paul einen brünstigen Paarhufer als Logo entworfen. Hefner bat ihn nun, in aller Eile ein neues Emblem mit einem Hasen im Smoking zu entwerfen. Das Tier habe etwas Humorvolles, eine sexuelle Bedeutung, zugleich etwas Verspieltes - und durch den Smoking auch eine gewisse Kultiviertheit, sagte Hefner einmal. Art Pauls Bunny sollte Karriere machen.

AP/Playboy Inc.

Der erste "Playboy" von 1953

Als das erste Heft schließlich erschien, winkte eine spärlich bekleidete Marilyn dem Leser zu. Man könne sie zum ersten Mal nackt und in Farbe im Magazininnern bestaunen, stand auf dem Cover. Marilyn Monroe war das "Sweetheart" des Monats. Die Bezeichnung Playmate setzte sich erst in der zweiten Ausgabe durch.

50 Cent mussten die ersten Käufer anlegen. Und sie taten es zuhauf: 70.000 Magazine hatten die Kioskbetreiber im Vorfeld geordert - jetzt schwanden die meisten Stapel binnen Tagen dahin. Und Hefner begann zu ahnen, dass sein Traum vom eigenen Magazin ein Riesenerfolg werden konnte.

Sicher sein konnte er sich keineswegs. Kühn hatte der 27-Jährige wegen des Echos der Kioskbesitzer wenige Wochen vor dem Magazinstart gewagt, seinen Job bei "Children's Activities" zu kündigen. Er habe sein eigenes Blatt entwickelt, eröffnete Hefner seinem Chef - und fügte hinzu, man möge sich keine Sorgen wegen Konkurrenz machen: Sein Magazin unterscheide sich doch einigermaßen von einer Kinderzeitschrift.

Und doch hat Hugh Hefner dem "Playboy" etwas Kindliches hinterlassen: Das Bunny-Cartoon dürfte seinen Schöpfer noch lange überdauern.

Hefner-Quiz

insgesamt 2 Beiträge
Fundas fundierte Ferndiagnose 29.09.2017
1. Nur eines:
Ohne Heffners "Playboy" hätte ich mein Englisch-Abitur nicht bestanden. Danke Hugh!
Ohne Heffners "Playboy" hätte ich mein Englisch-Abitur nicht bestanden. Danke Hugh!
Laura Zaworski  02.10.2017
2.
Sollte man nicht wenigstens erwähnen, dass Heffner die Fotos ohne Monroes Einstimmung veröffentlicht hat? Das war ein großer Skandal für sie und sie musste sich sogar öffentlich entschuldigen.
Sollte man nicht wenigstens erwähnen, dass Heffner die Fotos ohne Monroes Einstimmung veröffentlicht hat? Das war ein großer Skandal für sie und sie musste sich sogar öffentlich entschuldigen.

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