Lade Daten...
Schrift:
-
+

In sieben Schritten

Wie die Erfindung des Tennis Christian Wulff in die Amtskrise stürzte

Wie die Erfindung des Tennis Christian Wulff in die Amtskrise stürzte
Fotos

Per Wikipedia durch die Weltgeschichte: Jeden Monat wühlt sich Danny Kringiel durch die uferlose Online-Enzyklopädie - und entdeckt auf einer absurden Zeitreise, dass absolut alles mit absolut allem zu tun hat.


Im Mittelalter begannen gelangweilte französische Mönche, in den langen Kreuzgängen ihrer Klöster mit Bällen hin- und herzuwerfen. Weil das aber bald zu öde wurde, ließen sie die Bälle dabei auch auf den Boden auf- und von den Wänden abprallen und versuchten, sie so zu schleudern, dass der Gegner sie möglichst nicht fangen konnte. Sie nannten ihr Spiel "Jeu de Paume" - das "Spiel mit der Handinnenfläche".

Die Jahre flogen vorbei wie ungezählte kleine Bälle auf den Korridoren französischer Abteien, und immer mehr Mönche wiesen schmerzende blaue Flecken auf den Handinnenflächen auf. Ende des 16. Jahrhunderts kam ihnen die rettende Idee: Ein kleiner Schläger aus Holz, der im Gegensatz zur menschlichen Hand keinerlei Schmerz verspürt, dafür aber Bälle umso schneller durch die Luft dreschen konnte. Die Urform des modernen Tennis war geboren. Von dem Aspekt der Selbstkasteiung befreit, machte der neue Sport auch immer mehr Laien Spaß, so dass…

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte


…überall im Land Hallen gebaut wurden, in denen "Jeu de Paume" gespielt werden konnte - unter anderem in Versailles. Und dort wurde eine solche Halle am 20. Juni 1789 zum Zufluchtsort einer Gruppe von Männern, die Geschichte schreiben sollte: Damals war die erste französische Nationalversammlung vom König aus dem Sitzungssaal im Schloss von Versailles ausgesperrt worden - unter dem wenig überzeugenden Vorwand, der Saal werde gerade von Handwerkern für eine andere Tagung vorbereitet. Der Monarch wollte die Versammlung um jeden Preis verhindern, denn ihr Ziel - die erste Verfassung Frankreichs zu schaffen - konnte ihm nicht geheuer gewesen sein.

Doch zum Glück fanden die Ausgesperrten eine ungenutzte "Jeu de Paume"-Halle, den "Salle du Jeu de Paume" in Versailles. Dorthin zog sich die Gruppe zurück und legte feierlich den "Ballhausschwur" ab, in dem man gelobte, "sich niemals zu trennen, bis der Staat eine Verfassung hat". Der Schwur wurde eingehalten - die Sitzung gilt als einer der wichtigsten Schritte zum Sturz der Monarchie in Frankreich. Und die wiederum führte zum Aufstieg von…

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte


…Maximilien de Robespierre, der bekanntlich wenig zimperlich mit seinen politischen Gegnern umging: Nachdem er am 21. Januar 1793 König Ludwig XVI hinrichten ließ, begann seine Herrschaftszeit des "Terreur" von 1793-94, in der er radikal alle Andersdenkenden (und jeden, der dafür gehalten wurde) köpfen ließ. Auf diese Weise landeten etliche Gelehrte unter der Guillotine - so dass es zu einem Mangel an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern kam. Aus diesem Grunde wurde am 1. März 1794 die École centrale des travaux publics in Paris gegründet, die später in École polytechnique umbenannt wurde und für Nachschub an Gelehrten sorgen sollte. Die Hochschule wurde leuchtendes Vorbild für verschiedenste andere Lehreinrichtungen - auch im weit entfernten…

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte


…Karlsruhe, wo am 7. Oktober 1825 das Karlsruher Polytechnikum gegründet wurde. Und dort studierte Mitte des 19. Jahrhunderts ein junger Mann namens
Carl Benz - der einer der berühmtesten Studenten der Hochschule werden sollte. Denn bekanntlich war er es, der am 29. Januar 1886 das Patent für seinen "Motorwagen" anmeldete - und damit das Auto erfand.

Diese Erfindung veränderte die Welt völlig - und zog Dutzende weiterer Erfindungen rund ums Auto nach sich: Etwa Warndreiecke, Überleitkabel, Plüschwürfel oder auch…

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte


…den elektrischen Autoheber, der 1930 von einem Mann namens Willy Müller erfunden wurde. Lästige Handarbeit beim Aufbocken eines Wagens, die herkömmliche Wagenheber wie das hier abgebildete Modell erforderten, sollte damit endlich der Vergangenheit angehören. Zwar setzte sich Müllers Autoheber nie so richtig durch, doch wurde der gelernte Elektriker durch ihn ermutigt zu weiteren Erfindungen wie…

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte


…1957 zu dem "Alibiphon": Der klobige Kasten, der aus einem großen Magnetplattengerät mit einer Ansage und Anschlüssen für einen weiteren klobigen Kasten, das Tonbandgerät, bestand, wurde der erste Telefonanrufbeantworter auf dem deutschen Markt. Seither machte der Anrufbeantworter eine gewaltige Evolution durch - von immer handlicheren Plastikgeräten mit Minikassetten über digitale Anrufbeantworter bis hin zur…

Das Foto wurde von www.radiomuseum.org zur Verfügung gestellt.

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte


…modernen Mailbox eines Handys. Durch sie übermitteln Menschen heute mehr denn je unerreichbaren Telefonpartnern Glückwünsche, Kurzbotschaften - oder Drohungen. Zum Beispiel jene, die Ex-Bundespräsident Christian Wulff am 12. Dezember 2011, einen Tag vor Bekanntwerden seiner Kreditaffäre, auf der Mailbox von "Bild"-Zeitung-Chefredakteur Kai Diekmann hinterlassen haben soll. Es war diese Nachricht, die ab dem 1. Januar 2012 eine riesige Medienaffäre über ihn hereinbrechen ließ und eine Lawine von Ereignissen in Gang brachte, die Wulff am Ende das Amt kostete.

1.Schritt: Matchpoint in der Mönchskutte
2. Schritt: Revolution auf dem Tennisplatz
3. Schritt: Kopflose Gelehrte
4. Schritt: Die Dinge kommen ins Rollen
5. Schritt: Feierabend für Muskelprotze
6. Schritt: Angriff der Alibimaschinen
7. Schritt: Berühmte letzte Worte

Empfehlen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik einestages
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten