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Technikgigant in der Krise

Es war ein Sony

Es war ein Sony
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Walkman, Playstation - Enttäuschung: Sony steckt in der Krise. Dabei stellte der Technikkonzern legendäre Produkte her und erschuf einen Mythos. Wann immer Benjamin Maack in seiner Jugend auf ein Gerät besonders stolz war, kam es von den Japanern. Doch dann war das "Sony-Gefühl" weg. Ein Abgesang.

"It's a Sony." Dieser Werbeslogan stand mal für etwas. Er war mal ein Versprechen. Als ich klein war, wusste ich zwar nicht genau, wofür. Doch ich hatte Vertrauen in meinen Sony. Mit einem Clip hing er an meinem Gürtel, er klickte, klackte und surrte. Und er machte mich ungeheuer stolz und glücklich.

In den achtziger Jahren war es natürlich ein Walkman, der da an meinem Gürtel klemmte. Start. Stopp. Vorspulen. Zurückspulen. So einfach war das - und so vollkommen. Dass etwas ein Sony war, versprach mir, dass ich bekomme, was ich brauche. Und zwar ganz unkompliziert. Der kleine Kasten spielte meine "Jan Tenner"-Hörspiele ebenso ab wie die Michael-Jackson-Kassetten, die ich mir von einem Freund borgte. Mit meinem Walkman konnte ich die Welt aussperren, wenn ich das brauchte. Oder er gab mir einen Soundtrack mit auf den Weg, der dafür sorgte, dass ich mich cooler fühlte, als ich war.

Ich vertraute meinem Walkman, denn er gab mir das Gefühl, dass er für mich gemacht war. Dass nicht irgendwo ein paar Techniker gesessen und darüber gegrübelt hatten, wie sich abstrakte Leistungsdaten und Klangkurven optimieren ließen oder wie sie das Gerät mit noch mehr nutzlosen Funktionen ausstatten konnten, um es teurer zu verkaufen. Irgendwie habe ich mir immer vorgestellt, dass sich die Entwickler gefragt hatten: Wie mache ich Benjamin glücklich? Was braucht Benjamin?

Hätte ich damals in die Zukunft sehen können und gewusst, dass man einmal auf Glasscheiben herumdrücken und damit alles Wissen der Welt abrufen können würde, hätte ich vielleicht gedacht: Sony ist für die Ära der analogen Technik, was Apple für das digitale Zeitalter sein wird.

Das Versprechen von Einfachheit und Lässigkeit

Das Gefühl, dass Sony seine Geräte für mich macht. Dass es unheimliche, komplexe Technik auf meine Bedürfnisse zurechtschrumpft und in schicke Gehäuse steckt, hat mich lange Jahre begleitet. Ging es um Unterhaltungselektronik, suchte ich immer nach diesem Versprechen von Einfachheit und Lässigkeit. Und landete immer bei Sony.


In den achtziger Jahren war das - neben meinem Walkman - der kleine Fernseher in meinem Kinderzimmer. In den Neunzigern die Stereoanlage, die ich von meinem Konfirmationsgeld kaufte. Und die Playstation, die ich bei einem Freund entdeckte, als ich das erste Mal in Berlin war.

Bei diesem Besuch habe ich nicht den Fernsehturm oder das Brandenburger Tor gesehen. Nicht mal die Kneipe direkt um die Ecke. Wir haben einfach 48 Stunden lang das Prügelspiel "Tekken" gedaddelt. Dann bin ich ganz und gar beseelt wieder nach Haus gefahren. Ein paar Knöpfe auf dem Controller in meiner Hand, eine CD, die sich in einem grauen Kasten drehte und ein Fernseher, auf dessen Bildschirm Welten erwachten. Sony hatte es wieder geschafft. Sony hatte mich wieder verzaubert. Ein letztes Mal.

Ich fühlte mich verloren und verraten

Erst in den späten Nullerjahren brauchte ich dann wieder ein elektronisches Gerät, das kein Computer war: einen DVD-Player mit Festplattenrekorder. Wie ferngesteuert marschierte ich in den Elektronikmarkt und kaufte mir ein Gerät von Sony. Als ich ihn zu Hause anschloss, geschah es: Es wollte sich einfach nicht dieses "It's a Sony"-Gefühl einstellen. Ich drückte auf den merkwürdigen Symbolen auf der Fernbedienung herum, die Übersichtlichkeit suggerieren sollten, wo keine war. Ich navigierte mich durch unintuitive Menüs. Ich dachte nicht mehr, dass dieses Gerät für mich gemacht war. Ich fühlte mich verloren und verraten. So, als hätten am Ende auch bei Sony die Techniker gewonnen, die sich gar nicht für mich interessierten. Und als hätten diese Männer vor einem Überangebot unnützer Funktionen kapituliert und sie einfach lieblos und ohne Ordnung in das Gerät gestopft.

Da dachte ich das erste Mal, dass die große Zeit von Sony vielleicht vorbei sein könnte.

Sony geht es nicht gut. Kazuo Hirai, der Chef des Unternehmens, hat seinem Unternehmen gerade einen harten Sparkurs verordnet. Der Konzern hat im letzten Jahr fast fünf Milliarden Euro Verlust gemacht und wird jetzt zehntausend Menschen entlassen. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass Sony einmal ins Wanken geraten könnte.

Die Geräte von Sony gehören so selbstverständlich zu der Produktwelt, die mich umgibt, wie Autos von VW oder die Computer von Apple. Aber MacBook und iPhone sind für mich mittlerweile viel selbstverständlicher als die Geräte von Sony. Apple ist heute für mich das, was früher Sony war: Das Versprechen, dass es auch einfach geht. Ein Hersteller von Geräten, die es einem Technik-Dummie wie mir ermöglichen, etwas Erstaunliches zu erleben.

Trotzdem finde ich es schade, dass es heute nicht mehr ausreicht, wenn etwas "ein Sony" ist. Heute lautet der Slogan des japanischen Technikriesen "make.believe". "Machen", "glauben", das sind große Worte. Aber die beiden Begriffe ergeben gemeinsam auch eine merkwürdige Wendung: "Glauben machen". Als wäre Sony ein fahrender Händler, der den Dorfbewohnern Wundertränke gegen Haarausfall und Müdigkeit verkauft, die nicht wirken und die niemand braucht.

Im Moment denke ich, dass ich Sony nicht mehr brauche. Aber irgendwann werde ich mir bestimmt einen dieser flachen Fernseher kaufen. Und ich weiß jetzt schon, vor welchen Geräten ich dann unvermittelt stehen bleiben werde. Vermutlich werden in meinem Kopf dann wieder keine technischen Daten kreisen, sondern nur diese eine Wendung, die sich in meiner Kindheit unauslöschbar in mein Hirn gebrannt hat: "It's a Sony."

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