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In sieben Schritten

Wie das Weiße Haus Kim Jong Un zum Diktator Nordkoreas machte

Wie das Weiße Haus Kim Jong Un zum Diktator Nordkoreas machte
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Per Wikipedia durch die Weltgeschichte: Jeden Monat wühlt sich Danny Kringiel durch die uferlose Online-Enzyklopädie - und entdeckt auf einer absurden Zeitreise, dass absolut alles mit absolut allem zu tun hat.


Schon im Jahr 1827, lange bevor Theodore Roosevelt das berühmte Haus des Präsidenten in Washington auf diesen Namen taufte, stand auch in London ein Weißes Haus. In dem Bauwerk im Armenstadtteil Bethnal Green waren allerdings keine Staatsoberhäupter untergebracht - sondern Geisteskranke. Das "White House" war ein Irrenhaus, keineswegs weiß und sauber, sondern ein verdreckter Schandfleck.

Die Patienten vegetierten wie Tiere vor sich hin: Über das Wochenende wurden sie angekettet, schliefen nackt auf demselben Stroh, in das sie auch ihre Notdurft verrichten mussten. Erst am Montagmorgen wurden sie von den an ihnen klebenden Exkrementen befreit. Ohne Seife, mit eiskaltem Wasser - und einem einzigen Handtuch, das sich 160 verdreckte Insassen teilen mussten.

1827 besuchte dann ein Gast die Anstalt, der das Schicksal der Irren in London ändern sollte. Es war…




…der britische Politiker Anthony Ashley-Cooper, "Lord Ashley" genannt. Dieser war entsetzt über die Szenen, die er in der Nervenklinik zu sehen bekam. Er nahm sich vor, die katastrophalen Zustände dort zu verbessern.

Und so hielt Ashley-Cooper - noch nicht allzu lange Mitglied des britischen Unterhauses - seine erste Rede im Parlament als ergreifenden Appell für die Rechte der misshandelten Insassen von Irrenanstalten. Mit dieser flammenden ersten Ansprache machte Lord Ashley sich einen Namen als Menschenfreund, eine Rolle, die bestimmend sein sollte für seine weitere politische Karriere.

Durch seine Bemühungen um das Wohl Benachteiligter sollte Ashley-Cooper als einer der größten Philanthropen der britischen Politik in die Geschichte eingehen: Er machte sich für die Rechte von Minenarbeitern stark, kämpfte gegen Kinderarbeit - und setzte sich dafür ein, den Arbeitern neben dem Sonntag auch den Samstagnachmittag frei zu geben.

Auch außerhalb Großbritanniens fand Ashley-Coopers Idee vom längeren Wochenende Anklang, zum Beispiel in der früheren britischen Kolonie…






…Neuengland im Nordosten der USA. Dort traf Lord Ashleys Ansatz des zweitägigen Wochenendes aus ganz pragmatischen Gründen auf fruchtbaren Boden: In den vielen Baumwollspinnereien der Gegend arbeiteten christliche und jüdische Arbeiter Seite an Seite. Während jedoch die christlichen Arbeiter am Sonntag ihren heiligen Tag feierten, lag der Sabbat der Juden auf dem Samstag.

Und so wagte schließlich eine Baumwollspinnerei zaghaft, die Idee Lord Ashleys noch weiter zu denken - und führte als erster Betrieb der USA die Fünf-Tage-Woche ein. Von hier aus begann der Siegeszug des zweitägigen Wochenendes über die gesamten Vereinigten Staaten.

Allerdings sorgte diese Neuerung nicht nur für Begeisterung, sondern stürzte wenig später eine ganze Branche in die Krise, nämlich die…





…amerikanischen Straßenbahngesellschaften. Mit der Verbreitung des zweitägigen Wochenendes fehlten ihnen nun an zwei von sieben Tagen die zahlenden Kunden, die an Arbeitstagen sonst so zahlreich mit der Bahn zur Arbeit fuhren.

Also erfanden findige Straßenbahnbetreiber Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Geschäftsidee: "Trolley Parks" - Freizeitparks an den Endstationen der Straßenbahnlinien, in denen am Wochenende Konzerte gegeben wurden, gepicknickt, getanzt und flaniert wurde. Erholungssuchende Arbeiter konnten hier bei Bootstouren, Karussellfahrten und abendlichen Feuerwerken ausspannen - und die Straßenbahngesellschaften verdienten an den Fahrten zum Trolley Park und Eintrittsgeldern für die Fahrgeschäfte gutes Geld.

Und nicht nur das: Einer dieser Parks, der Electric Park in Kansas City, sollte sogar die ganze Unterhaltungswelt für immer verändern: Denn 1911 besuchte ihn ein elfjähriger Junge namens…





…Walter Elias Disney. Seine Familie war erst kurz zuvor nach Kansas City gezogen, und der kleine Walt und seine Schwester Ruth gingen oft in ihrer Freizeit in den Electric Park, der nicht weit von ihrem Haus entfernt war.

Doch der Park versüßte Walt nicht nur seine Freizeit - viele Jahre später, nachdem er längst mit Zeichentrickfiguren wie Mickymaus und Donald Duck weltberühmt geworden war, sollten Kindheitserinnerungen an den Park Disney zu seinem eigenen Freizeitparadies inspirieren: Disneyland.

Am 18. Juli 1955 öffnete der Park im kalifornischen Anaheim seine Tore - und wurde ein riesiger Erfolg: Bis zum Jahr 2010 besuchten rund 600 Millionen Gäste das Wunderland, mehr als jeden anderen Freizeitpark der Welt. Bald schon brachte die Erfolgsidee Ableger in anderen Teilen der Welt hervor, zum Beispiel…




…das Tokyo Disney Resort in Urayasu nahe der japanischen Hauptstadt. Als der Freizeitpark am 15. April 1983 eröffnet wurde, war er der erste Disney-Park außerhalb der USA. Schnell stellte er unter Beweis, dass das Disneyland-Konzept auch im Ausland bestens funktionierte: Der mit neun angeschlossenen Hotelkomplexen ausgestattete Park lockte Tausende von Gästen an - nicht nur aus Japan.

Manche von ihnen taten buchstäblich alles dafür, um dorthin zu kommen. So wurde im Mai 2001 Pang Xiong, ein chinesischstämmiger Disney-Fan aus der Dominikanischen Republik, auf dem Flughafen von Tokio festgenommen. Sein Vergehen: Der Dreißigjährige hatte versucht, mit einem gefälschten Pass nach Japan einzureisen, um das Tokyo Disney Resort zu besuchen.

In Wirklichkeit kam Pang Xiong weder aus der Dominikanischen Republik noch aus China, sondern aus Nordkorea. Und hieß auch gar nicht Pang Xiong. Vielleicht war es dieser etwas unglücklich gewählte Deckname, der die Zollbeamten argwöhnisch gemacht hatte - übersetzt bedeutet er "Fetter Bär". Der richtige Name des Mannes war Kim Jong Nam, und sein Vergehen sollte Konsequenzen für die Weltpolitik haben, schließlich…





…war sein Vater niemand Geringeres als Kim Jong Il, Machthaber der Demokratischen Volksrepublik Korea. Kim Jong Il war über die Einreise seines vergnügungssüchtigen Sohnes in das Land des kapitalistischen Nachbarn Japan alles andere als amüsiert: Einen geplanten Staatsbesuch in China sagte er wegen der Peinlichkeit, der ihn die chinesische Scheinidentität seines Sohnes ausgesetzt hatte, kurzfristig ab.

Hatte Kim Jong Nam bisher als favorisierter Nachfolger seines Vaters gegolten, so hatte er nun alle Sympathien verspielt.

Darum war es auch nicht Kim Jong Nam, der am 29. Dezember 2011 auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang nach dem Tod seines Vaters zum neuen Staatsoberhaupt Nordkoreas erklärt wurde - sondern sein jüngster Halbbruder Kim Jong Un, der Nachkomme seines Vaters aus einer Liaison mit einer ominösen Tänzerin.



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