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Betagte Musiklegenden

Rockgötter im Rentenalter

Rockgötter im Rentenalter
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Sie badeten auf der Bühne im Blut, heute baden sie im Geld: Ozzy Osbourne, Alice Cooper oder Eric Clapton lebten früher den Traum von Sex, Drugs und Rock'n'Roll, doch jenseits der 60 wurden daraus Golf, Wandern und Fantasy-Baseball. einestages über die schrulligen Hobbys der Rock-Großväter. Von Danny Kringiel

Es war ein argloses Huhn, dem Alice Cooper seine Karriere verdankt: Im September 1969 stand der Musiker auf der Bühne des Toronto Rock and Roll Revival Festivals. Besonders bekannt war seine Band damals noch nicht - doch Frank Zappa hatte sie für sein Plattenlabel unter Vertrag genommen und den Musikern damit einen Karriereschub gegeben. Also rockten die fünf jungen Männer aus Detroit mit aller Energie los, um den 80.000 Zuschauern in Toronto eine Show zu bieten, die sie nicht wieder vergessen würden. Ihre androgynen Sadomaso-Kostüme wären für das Hippie-Publikum sicher schon aufsehenerregend genug gewesen, doch für das Showfinale hatten sie sich etwas Besonderes ausgedacht, wie Cooper sich erinnert: "Wir rissen drei oder vier Kissen auf, und wir bliesen die Federn mit CO2-Flaschen über das ganze Publikums hinweg." Mitten in diesem Blizzard aus Federn, der sich zu den dröhnenden Klängen der Gitarren ausbreitete, sei es passiert: "Irgendwer aus dem Publikum warf ein lebendes Huhn auf die Bühne."

Entschuldigend sagt Cooper: "Ich komme aus Detroit - ich war damals noch nie auf einem Bauernhof gewesen." Er habe einfach gedacht: "Es hat Flügel, es ist ein Vogel - es kann fliegen!" Also warf er es in die Luft. Aber anstatt wie erwartet davonzufliegen, stürzte es ab - mitten ins Publikum. "Und die", so Cooper, "rissen es in Stücke." Am nächsten Tag waren die Zeitungen voller Schlagzeilen, Alice Cooper habe auf der Bühne ein lebendes Huhn geschlachtet, es in Stücke gerissen, ihm gar den Kopf abgebissen. Nichts davon stimmte, doch Cooper bekam einen Anruf von Frank Zappa: "Alice, hast du gestern wirklich ein Huhn umgebracht?" "Nein." "Dann verrat es niemandem. Die Leute lieben es!"

Mit dem Auftritt wurde Cooper zum Vater des "Shock-Rock". Er realisierte, dass man Massen begeistern konnte, indem man ihnen auf der Bühne etwas zum Gruseln bot - und perfektionierte diese Kunst: Seit den sechziger Jahren hat Alice Cooper, dessen Geburtsname eigentlich Vincent Furnier war, nicht nur auf Bühnen rund um die Welt gesungen - sondern ist dort auch unzählige blutige Tode gestorben. Mal wurde er zuckend und Funken sprühend auf einem elektrischen Stuhl hingerichtet, mal wurde er am Galgen erhängt, dann wieder um Gnade flehend von einer Guillotine geköpft. Er hatte die Idee, Horror mit Rockmusik zu vermischen, und die Zahl seiner bis heute nicht abreißenden Nachahmer - von Bands wie Lordi oder GWAR bis hin zu Slipknot - beweist, dass die Idee zeitlos war.


Cooper selbst erscheint auf den ersten Blick ähnlich zeitlos: Hält man aktuelle Konzertaufnahmen des exzentrischen Rockers, der immerhin dieser Tage seinen 65. Geburtstag feierte, neben Bilder des jungen Cooper, fallen die 40 Jahre, die zwischen diesen zwei Gesichtern liegen, gar nicht so sehr auf. Vielleicht nicht zuletzt, weil er sein Antlitz immer noch unter dem gleichen Make-up verbirgt wie noch in den siebziger Jahren: Totenbleich und mit tiefschwarz geschminkten Augenhöhlen, erinnert Coopers Aufmachung heute genauso an eine lebende Leiche wie vor vier Jahrzehnten. Tote, so scheint es, altern eben nicht.

Aber natürlich trügt der Schein. Betrachtet man den Großmeister des Shock-Rocks ungeschminkt, sind die tiefen Spuren unübersehbar, die ein Leben als Rockstar hinterlassen hat - mit all seinen Stationen: der Tod seiner Freundin Christine Frka 1972 an einer Überdosis Heroin. Coopers eigener Kampf gegen seinen Alkoholismus und der Entzug Ende der siebziger Jahre. Vor allem aber Tausende von Auftritten auf unzähligen Tourneen, die der Mittsechziger in seinem langen Rockstar-Leben absolviert hat. Heute jagt er allerdings nicht mehr dem Rausch, den Parties, dem Exzess hinterher - er entspannt lieber bei einer Runde Golf. Spießig? Nicht, wenn man Cooper fragt: "Jeder Typ, den ich kenne - von Lou Reed über Bob Dylan bis Neil Young - spielt Golf", sagte er 2007 dem "Daily Express". Denn, so erläutert er: "Das macht genauso süchtig wie Drogen."

Ob wirklich jeder Rockstar im Rentenalter von Heroin auf Golf umgestiegen ist, wer auch mit 65 auf der Bühne noch eine gute Figur macht, und wer statt Gitarren inzwischen Häuser sammelt, erfahren Sie in der einestages-Bildergalerie der Rocklegenden im Rentenalter.

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