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einestages

Singende Schauspieler

Sie kamen, sangen und siechten

David Hasselhoff tat es, Pierre Brice und Mr. Spock auch: Etliche Schauspieler wagten die Zweitkarriere als Sänger. Manche hielten sich für echte Stimmwunder, andere versuchten, ihren Absturz als Mime zu bremsen. einestages zeigt Stars, von denen mancher besser sang- und klanglos verschwunden wäre.

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Montag, 16.07.2012   09:57 Uhr

Als das Keyboard erklang, jubelten Zehntausende Zuschauer. Die Silhouette des Brandenburger Tores schimmerte im goldenen Licht der Scheinwerfer. Der Nebel auf der Bühne schien förmlich zu glühen. Als sich eine schemenhafte Gestalt zeigte, schwollen die Jubelschreie zu einem vielstimmigen Kreischen an. Die Figur stellte sich mit dem Rücken zum Publikum, nur ein Symbol auf dem Rücken seiner Lederjacke war zu erkennen. Es war ein Bundesadler - aus silbernen Nieten. Im Gewirr der Stimmen wurden Sprechchöre hörbar: "David! David!"

Endlich begann er zu singen: Darüber, wie er eines morgens im Juni vor etwa zwanzig Jahren als Sohn eines reichen Mannes geboren wurde. Darüber wie er alles hatte, was man mit Geld kaufen kann. Und darüber, wie ihm eines fehlte: Freiheit! Mit einem Sprung drehte David Hasselhof sich um, und die begeisterte Menge gröhlte wie aus einer Kehle: "I've been looking for Freedom! I've been looking so loooong! I've been looking for freedom - still the search goes on."

Es war schon eine etwas schräge Einheitshymne, die sich Deutschland da neben den bedächtigeren Kompositionen "Wind Of Change" von den Scorpions und "Freiheit" von Marius Müller-Westernhagen ausgesucht hatte. Doch für David Hasselhoff bedeutete dies eine steile Gesangskarriere - zumindest auf dieser Seite des Atlantiks. Seinen Auftritt im gerade wiedervereinten Berlin bezeichnete der "Knight Rider"-Star später als "einen der Höhepunkte meines Lebens". Und tatsächlich - höher als damals, als seine Single "Looking For Freedom" acht Wochen lang auf Platz eins der deutschen Charts stand, im deutschen Radio auf Dauerrotation war und schließlich Platin einspielte, sollte sein Stern als Sänger nie wieder steigen.

Eddy Murphy quietscht, William Shatner spricht

Ob der Schauspieler an diesem Dienstag, wenn er seinen 60. Geburtstag feiert, seinen Gästen auch ein Ständchen seines größten Gassenhauers bringt, wird die Öffentlichkeit wohl nie erfahren. Fest steht: Er verdankt dem erfolglosen alten Schunkel-Ohrwurm von 1978, den der deutsche Schlagerproduzent Horst Nußbaum alias Jack White 1989 mit Hasselhoff recycelte, sehr viel. Denn während er nach seinen Hauptrollen in "Knight Rider" und "Baywatch" in seiner amerikanischen Heimat bald wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwand, erlebte Hasselhoff seinen dauerhaftesten Ruhm in Deutschland - der Heimat seiner Ur-Ur-Großmutter, wie er in Interviews mit deutschen Medien immer wieder werbewirksam betonte.

Nicht jeder liebte das Lied vom reichen Jungen, der auszog, die Freiheit zu finden, so sehr wie die Deutschen: So wählte der US-amerikanische AOL-Radio-Redakteur Matthew Wilkening Hasselhoffs "Looking for Freedom" im September 2010 unter die "100 schlechtesten Songs aller Zeiten". Immerhin musste jedoch selbst Wilkening zugeben: "Dieses großartige, schamlose Lied beweist die Macht absolut grauenvoller Musik, uns alle zu vereinen und zu erbauen." Und genau das ist der Punkt: Denn grölt es sich nicht immer noch herrlich, wenn alle Partygäste gemeinsam das unsägliche "Looking For Freedom" anstimmen - gerade weil es so richtig schön scheiße ist?

Interessanterweise hat sich gerade Hasselhoffs schauspielernde Zunft in dieser Kunst - Menschen mit grauenvoller Musik zu unterhalten - immer wieder mit besonders erbarmungslosen Leistungen hervorgetan: Etwa Eddie Murphy, eigentlich bekannt und beliebt als "Beverly Hills Cop", der 1985 mit Soul-Sänger Rick James umherhüpfte und "Party All The Time" quietschte, als habe er trotz Schnurrbart den Stimmbruch noch nicht erreicht. Oder William "Captain Kirk" Shatner, der sich bei den Aufnahmen zu seinem Album "The Transformed Man" von 1968 nicht weiter davon beirren ließ, dass er überhaupt nicht singen konnte - und die Gesangsspuren von Coversongs wie "Lucy in the Sky with Diamonds" oder "Mr. Tambourine Man" einfach einsprach.

Viele dieser trällernden Leinwandstars hätten einen Ehrenplatz in der Hitparade der miesesten Hits verdient - doch die meisten von ihnen geraten einfach in Vergessenheit. Erinnern Sie sich mit einestages in der Galerie an die zu Unrecht verschütteten schaurigen Meisterwerke singender Schauspieler - und freuen Sie sich mit uns, dass man Bilder nicht hören kann.

insgesamt 17 Beiträge
Udo Fussbroich 16.07.2012
1.
Im Falle William Shatners sei auf sein ganz vorzügliches Album "Has been" hingewiesen, welches zu meinen absoluten Favoriten zählt und dank prominenter Unterstützung von Assen wie Aimee Mann, Joe Jackson, Henry [...]
Im Falle William Shatners sei auf sein ganz vorzügliches Album "Has been" hingewiesen, welches zu meinen absoluten Favoriten zählt und dank prominenter Unterstützung von Assen wie Aimee Mann, Joe Jackson, Henry Rollins u.v.m. das glatte Gegenteil von einem Griff ins Klo ist!
Sebastian Pütz 16.07.2012
2.
Zwar nur Teil eines Soundtracks, aber trotzdem awesome: Stallone´s Drinkenstein http://www.youtube.com/watch?v=IYWDqGP0c9k
Zwar nur Teil eines Soundtracks, aber trotzdem awesome: Stallone´s Drinkenstein http://www.youtube.com/watch?v=IYWDqGP0c9k
Jochen Brand 16.07.2012
3.
Nicht zu vergessen: Lex Barker mit "Mädchen in Samt und Seide". Catherina Valente meinte zu dem Lied, dass Lex Barker so singt wie er aussieht. Und es war vielleicht sogar als Kompliment gedacht, denn Barker brummt - [...]
Nicht zu vergessen: Lex Barker mit "Mädchen in Samt und Seide". Catherina Valente meinte zu dem Lied, dass Lex Barker so singt wie er aussieht. Und es war vielleicht sogar als Kompliment gedacht, denn Barker brummt - zwar hörbar ungeübt - in Tiefen, in denen die meisten Männer nicht vorstoßen.
bugme not 16.07.2012
4.
Leonard Nimoy ist ein großartiger Sänger. Seine Stimmfarbe ist besser als die von Tom Jones. Schade, dass er sein Talent kaum genutzt hat.
Leonard Nimoy ist ein großartiger Sänger. Seine Stimmfarbe ist besser als die von Tom Jones. Schade, dass er sein Talent kaum genutzt hat.
Marcus Bender 16.07.2012
5.
also shatners sachen gelten soweit ich weiss eigentlich schon eher als gelungen, ist ja seine sache ob er spricht oder singt. das letzte album wurde wenn ich nicht irre mit ben folds eingespielt... und einige beispiele waren [...]
also shatners sachen gelten soweit ich weiss eigentlich schon eher als gelungen, ist ja seine sache ob er spricht oder singt. das letzte album wurde wenn ich nicht irre mit ben folds eingespielt... und einige beispiele waren dabei wo ich schon bedeutend schlimmeres gehört habe an stimme oder songwriting klar ist es bei eines tages immer lustiger nur die negativbeispiele zu bringen aber 1-2 schauspieler die es können hätten auch nicht geschadet... wie z.b. jack black der mit tenacious d ja durchaus auch auf cd recht erfolgreich ist... oder bette midler, barbra streisand.... nicht zu vergessen die vielen filme wo eh beides ne rolle spielt (siehe blues brothers, wo auch die songs unabhängig vom film gern gehört werden und beide hauptdarsteller einwandfrei abliefern) und als letztes positives beispiel sei noch juliette lewis genannt, die soweit ich weiss gar nicht mehr spielen will und mit ihrer musik ganz gut klarkommt: http://www.youtube.com/watch?v=klA7MSBFm2M&feature=related

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