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einestages

"Flashdance"-Star Jennifer Beals

Ihr Schweiß war heiß

Schlabberpullis sind sexy? Seit "Flashdance" schon. Der Tanzfilm machte Jennifer Beals zum Star - und bald darauf zu einer echten Horrorbraut. einestages erinnert an den Beginn ihrer Karriere und verrät, wie sie Demi Moore im Casting ausstach.

DDP
Von
Mittwoch, 18.12.2013   17:19 Uhr

Worte sind überflüssig. Noch bevor Jennifer Beals in "Flashdance" den ersten Satz sagt, weiß der Zuschauer: Diese Frau ist tough, emanzipiert, sexy.

In der Rolle der Alex fährt sie mit dem Rennrad durch die nebelverhangene Stahl-Stadt Pittsburgh, schuftet tagsüber mit harten Kerlen als Schweißerin. Doch richtig heiß wird es erst abends, wenn sie in einer heruntergekommenen Bar tanzt, sich verschwitzt auf der Bühne räkelt. Erst danach, knapp neun Minuten nach Filmbeginn, ist Zeit für ihre ersten Worte: "Er wird schon anrufen. Warum sollte er nicht?"

Die Tanzfilme der achtziger Jahre folgen einem simplen Konzept: ein bisschen Kitsch, ein bisschen Romantik, viel Ohrwurmmusik, noch mehr Nahaufnahmen von straffen Körperpartien - und ein Happy End. Der Plot ist Nebensache und in einem Satz erzählt: Der Underdog ertanzt sich gegen alle Widerstände seinen Traum. In "Saturday Night Fever" war John Travolta erst ein einfacher Angestellter und dann Discokönig. Mit "Flashdance" kam 1983 die weibliche Version ins Kino. Und vier Jahre später verknallte sich auf den Kinoleinwänden ein behütetes Mädchen aus gutem Hause - Skandal, Skandal - in ihren Tanzlehrer. Mit "Dirty Dancing" war die Tanzfilmhysterie auf ihrem Höhepunkt. Die Botschaft hinter den Geschichten: Du kannst alles schaffen. Hinfallen, aufstehen, weitertanzen.

Kritiker verrissen die Filme als sinnlos, pathetisch, überflüssig. "Flashdance" sei "ein eineinhalbstündiger Werbefilm, der für sich selbst Reklame macht und für nichts sonst, allenfalls für die LP mit dem Rockmusik-Soundtrack - auch die Platte ist das absolute Nichts und wäre ohne den Film unverkäuflich", kritisierte damals der SPIEGEL. Die Zuschauer sahen das anders. 1983 waren in den USA nur zwei Filme erfolgreicher ("Die Rückkehr der Jedi-Ritter" und "Zeit der Zärtlichkeit"). Jennifer Beals wurde zum Superstar.

"Das Mädchen, das unsere Jugend mitreißt", schrieb die "Bild"-Zeitung im September 1983. Männer begehrten sie, Frauen wollten sein wie sie - und legten sich den Alex-Look zu: Shirts ohne Bündchen, Stulpen, Leggings, zerschlissene Jeans. Der über die nackte Schulter gezogene Schlabberpulli wurde zum Inbegriff der unschuldigen Erotik. Und die 19-jährige Beals mit ihrem braunen Lockenkopf und den Kulleraugen das Gesicht dazu.

"Für mich war klar, dass das nicht real ist", sagte Beals 2011 in einem Radiointerview über ihren "Flashdance"-Ruhm. "Ich war nie das kleine Mädchen, das berühmt werden wollte."

Sexbombe in Stulpen

Beals wurde am 19. Dezember 1963 in Chicago geboren. Mit 13 hatte sie ihre ersten Jobs, kümmerte sich um Babys und Hunde, verkaufte Eis und arbeitete als Model. Sie schaffte es nach Yale, studierte amerikanische Literatur. "Ich hatte Glück, weil ich zu einer Minderheit gehöre", sagte Beals im Mai 1983 der "New York Times" über ihre Aufnahme an der Elite-Universität. Ihr Vater, Alfred, ist schwarz, ihre Mutter, Jeanne, weiß.

Dass sie zum Film kam, nennt Beals einen "Unfall". Sie hatte Freunde, die in Werbefilmen mitspielten, und die begleitete sie zu Castings. "Es ist nicht so, dass ich Schauspielerin oder Model sein wollte", sagte sie 2011 der "Chicago Sun-Times". "Aber ich wusste, dass ich einen Weg finden musste, um genug Geld für die Schule zu verdienen."

Also ging sie zum "Flashdance"-Casting. So wie 4000 andere Frauen auch. Doch sie landete in der Runde der letzten drei - mit Demi Moore. Von der Geschichte, wie Beals ihre Kontrahentinnen aus dem Rennen warf, gibt es zwei Versionen. Erstens: Der Chef der Produktionsfirma Paramount Pictures ließ Sekretärinnen darüber entscheiden, welche Darstellerin ihnen am sympathischsten war. Zweitens: Der Chef lud ausgewählte Machos und ließ sie sagen, mit welcher der drei jungen Frauen sie am liebsten ins Bett gehen würden.

Keine Frage: Beals war die Sexbombe in Stulpen. Umso größer war die Enttäuschung ihrer Fans, als herauskam, dass gar nicht Beals selbst sich im hautengen Body die Schweißperlen auf die Stirn getanzt hatte .

Für die Szenen gab es mindestens drei Doubles am Set. Die französische Profitänzerin Marine Jahan übernahm den größten Part - und ist nicht mal im Abspann erwähnt. "Sie hatten Angst, die Magie des Films zu zerstören", sagte Jahan damals der Zeitschrift "Newsweek". Außerdem tanzten statt Beals noch der Breakdancer Richard Colón und die Turnerin Sharon Shapiro. Sie ist diejenige, die bei dem wichtigen Casting am Ende des Films in Zeitlupe durch die Luft fliegt.

Frankensteins Horrorbraut

Nach "Flashdance" ging Beals erstmal zurück an den Schreibtisch. Sie hatte für die Dreharbeiten ein Semester in Yale ausgesetzt, ihr Studium wollte sie trotz des Ruhms zu Ende bringen. "Die Schauspielerei ist unsicher", sagte sie der "New York Times". "Bildung hast du für immer."

Für ihren nächsten Film wartete Beals die Semesterferien ab, dann stand sie in einem "Frankenstein"-Remake vor der Kamera. An der Seite von Musiker Sting spielte Beals seine aus Leichenteilen zusammengeflickte Horrorfreundin. Das Interesse an "Die Braut" war überschaubar. In den folgenden Jahren spielte Beals in rund 50 weiteren Filmen mit. Ihren "Flashdance"-Erfolg konnte sie nicht wiederholen.

In der Öffentlichkeit gab sich die Schauspielerin zurückhaltend, bis heute spricht sie in Interviews selten über Privates. Nicht mal die Namen ihrer Haustiere will sie verraten, Beals betrachtet sie als Teil der Familie. Es dauerte 20 Jahre, bis sie nach "Flashdance" wieder ins Gespräch kam, in Talkshows eingeladen wurde, auf roten Teppichen unterwegs war. Sechs Staffeln lang spielte Beals eine erfolgreiche Karrierefrau in der Serie "The L Word".

Deprimiert darüber, dass sie nie wieder an den großen Erfolg von "Flashdance" anknüpfen konnte, ist Beals nicht. "Meine Karriere sieht aus wie ein Marathon", sagte sie 2011 der "Chicago Tribune". "Und ich bin stolz, dass ich noch nicht aufgehört habe. Ich mache einfach weiter. Ich denke, das ist der Schlüssel: weitermachen und wirklich versuchen, besser zu werden - und hoffen, dass gute Dinge vor einem liegen."

insgesamt 4 Beiträge
Oliver Koch 19.12.2013
1.
Die Sache mit den Bodydoubles ist gar nicht so ungewöhnlich, hier ging es ja sogar noch um turnerische Fähigkeiten, die normalerweise nur ausgebildete Profis mitbringen und Schauspieler eher nicht. Klar, dass Fans von [...]
Die Sache mit den Bodydoubles ist gar nicht so ungewöhnlich, hier ging es ja sogar noch um turnerische Fähigkeiten, die normalerweise nur ausgebildete Profis mitbringen und Schauspieler eher nicht. Klar, dass Fans von irgendwelchen Schauspielern das gar nicht verstehen können, dass ihr Star nicht so perfekt ist. Aber Film ist eben eine Illusion. Bestes Beispiel ist immer noch "Pretty Woman" Julia Roberts, deren Kopf wir im Film sehen und den Körper von Shelley Michelle.
Tobias Ueberschaer 19.12.2013
2.
"Ihr Schweiß war heiß"?? Ich möchte auch von den Pillen, die der Autor genommen hat.
"Ihr Schweiß war heiß"?? Ich möchte auch von den Pillen, die der Autor genommen hat.
Petra Mayer 19.12.2013
3.
Wie kann man nur einen Artikel über Jennifer Beals schreiben, ohne ihren großartigsten Film, "Four Rooms", zu erwähnen?!
Wie kann man nur einen Artikel über Jennifer Beals schreiben, ohne ihren großartigsten Film, "Four Rooms", zu erwähnen?!
Zdzislaw Beksinski 20.12.2013
4.
auch nur tv.
auch nur tv.

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