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einestages

Beach-Boys-Projekt "Smile"

Das größte Album, das nie erschien

Mehr, mehr, mehr - und am Ende nichts: In den Sechzigern lieferten sich die Beach Boys mit den Beatles einen Wettstreit um das genialste Studioalbum. "Smile" sollte Brian Wilsons Meisterwerk werden. Veröffentlicht wurde die Platte nie - weil die Sessions den Beach Boy in den Wahnsinn trieben.

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Dienstag, 08.11.2011   11:16 Uhr

Die Klänge aus dem Radio trafen ihn wie ein Blitz. Der 24-Jährige war so bewegt, dass er seinen Rolls Royce an den Randstreifen lenken und anhalten musste. Minutenlang lauschte er andächtig, als würde gerade die Mondlandung live übertragen oder der Beweis für die Existenz Gottes geführt. Vielleicht waren diese Minuten im Februar 1967 der endgültige Todesstoß für "Smile", das größte Popalbum, das nie vollendet wurde. Vielleicht war es diese Episode, die Brian Wilson, dem kreativen Kopf der Beach Boys, den entscheidenden Stoß von der steilen Klippe der Genialität in ein tiefes Tal aus Angst und Antriebslosigkeit versetzten. Als die letzten Töne der neuen Beatles-Single "Strawberry Fields Forever" verklungen waren, sah der Beach-Boys-Bandleader seinen Beifahrer an. "Die Beatles haben gewonnen", seufzte er.

Zwischen dem Dezember 1965 und dem Sommer 1967 hatten sich Brian Wilson und die Fab Four einen Wettstreit geliefert, wie es ihn in der Popgeschichte kein zweites Mal gegeben hat. In dieser kurzen Zeit verschoben sie gemeinsam die Grenzen von dem, was musikalisch möglich schien. Während die meisten Interpreten zu dieser Zeit ihre Lieder live einspielten und ihre LPs mit ein paar Hits und einer Menge Füllmaterial bestritten, begannen die beiden Bands, die Möglichkeiten des Musikstudios als Chance zu begreifen, ihre Alben zu in sich geschlossenen Werken zu machen. Sie erhoben das Album zur Kunstform, die Aufnahmeräume zum Atelier - und begannen, sich gegenseitig in einem freundschaftlichen Rennen um die außergewöhnlichsten Produktionsweisen und die unsterblichsten Songs zu überbieten.

Das freundschaftliche Kräftemessen begann, als Brian Wilson das Beatles-Album "Rubber Soul" hörte. Zu diesem Zeitpunkt brachten er und seine Mitmusiker gerade "Beach Boys' Party" heraus. Eine live im Studio eingespielte Sammlung von Coversongs, ein anspruchsloser Schnellschuss für das Weihnachtsgeschäft. Bereits seit dem Sommer arbeitete er an einem neuen Studioalbum der Beach Boys. Die "Rubber Soul" sollte seine entscheidende Inspiration werden. Wilson erkannte, dass diese Platte "eine Sammlung von Songs" war, die "irgendwie zusammenpassten wie auf keinem anderen Album vorher". Im März lieferte er die "Pet Sounds" ab, ein Konzeptalbum über das Erwachsenwerden.

Mit Songs wie "Wouldn't It Be Nice" und "God Only Knows" schrieb er unvergessliche Songs. Mit Akkordeon und Fahrradklingeln, Kirchenorgeln und bellenden Hunden zerschlug er alle gängigen Vorstellungen von der Instrumentierung eines Rocksongs. Und mit komplexen Soundteppichen ließ er die Elite der Musikproduzenten ratlos hinter sich. Kurz: Wilson ließ die Beatles und den Rest der Musikwelt mit seinem Meisterwerk ganz schön alt aussehen. Paul McCartney sagte vor einigen Jahren über die "Pet Sounds", er habe sie damals ständig gespielt - und immer wieder weinen müssen, weil sie so schön war. Das Album wurde zum entscheidenden Einfluss für das Album "Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band".

90 Stunden Rohmaterial - für ein Lied

Brian Wilson unterdessen wollte noch mehr. Zu einer Zeit, als es gang und gäbe war, dass eine Band ins Studio marschierte und in wenigen Tagen ein ganzes Album einspielte, schuf er den Song "Good Vibrations". Die ersten Aufnahmen wurden am 17. Februar 1966 gemacht, die Single erschien acht Monate später. Dazwischen lagen 17 Sessions, elf komplett fertige und wieder verworfene Versionen und 90 Stunden Rohmaterial, das in vier unterschiedlichen Studios entstand. Der Perfektionist Wilson wollte den unterschiedlichen Klang der Orte nutzen. Die Produktion verschlang 50.000 Dollar, der dreieinhalb Minuten lange Song bewies der Welt, dass im Studio nichts unmöglich war.

Brian Wilson beschloss, mit derselben Detailversessenheit ein ganzes Album zu machen - und die Beatles, die mit ihrem kurz zuvor erschienenen Album "Revolver" nicht einmal mit der "Pet Sounds" mithalten konnten, für immer hinter sich zu lassen. Schließlich plante er "das größte Rockalbum, das jemals geschrieben wurde".

Er begann, an einer "Teenagersymphonie für Gott" zu arbeiten. Das Album sollte ein nie dagewesenes Ganzes ergeben, auf dem die Stücke auf musikalischer und auf textlicher Ebene eng miteinander verwoben waren. Sein Titel: "Smile". Der Name sollte das universelle Lächeln widerspiegeln, das der Kopf der Beach Boys auf einem LSD-Trip gesehen hatte. "Eine zutiefst religiöse Erfahrung", wie Wilson 1966 einem Journalisten mitteilte.

Genau hier lag das Problem. Bereits 1964 hatte sich der Einzelgänger nach einem Nervenzusammenbruch auf einem Flug von Los Angeles zu einem Konzert in Houston vom Touren zurückgezogen, um sich ganz auf die Arbeit im Studio zu konzentrieren. LSD und Kokain brachten den ohnehin labilen Verstand des Musikgenies noch weiter ins Wanken. Brian Wilsons Verständnis für Musik war indessen so außergewöhnlich, dass es für Außenstehende schwer nachvollziehbar war. Wer sollte also die Grenze ziehen zwischen der Exzentrik eines außergewöhnlich Begabten und den Momenten, in denen sein Verhalten als Symptome einer Geistesstörung gewertet werden mussten? War es schon irre, wenn er einen Klavierstimmer aufforderte, das Instrument einzustellen, indem er jede Saite auf den Ton stimmte, den der Beach Boy ihm vorsummte? Oder war das noch grandios?

Balanceakt zwischen Magie und Wahnwitz

Die "Smile"-Sessions wurden zu einem Balanceakt auf der Grenze zwischen Magie und Wahnsinn. Am besten zeigen das wohl die Aufnahmen zu dem Song "Mrs. O'Leary's Cow", einem Instrumentalstück für "Smile", das Wilson dem Element Feuer gewidmet hatte. Zu den Aufnahmen hatte er einen Stapel roter Plastikfeuerwehrhelme mitgebracht, und jeder einzelne der Anwesenden - Journalisten, die verdutzten Studiomusiker, Brians Produktionsassistent und selbst seine Sekretärin - mussten einen der Helme aufsetzen. Dann erklärte der 24-Jährige den gestandenen Profimusikern, was sie spielen sollten. Teils indem er ihnen ihre Parts auf ihren Instrumenten vorspielte, teils indem er sie vorsang.

Als Nächstes ließ er die Musiker, die gar nicht genau wussten, was genau sie da spielten, Part um Part, Mal um Mal wiederholen. Er experimentierte mit den Geräuschen eines echten Feuers, ließ die Flöten und Trillerpfeifen aufschreien, Celli heulen wie Sirenen und Trommeln donnern wie zerberstende Dachbalken. Ein abstruses Durcheinander, das alle Anwesenden irritierte - bis Brian Wilson alle in den Kontrollraum rief und ihnen zeigte, was er daraus gemacht hatte: einen Instrumentalsong, wie man ihn noch nie auf einem Popalbum gehört hatte, ein wild loderndes, wummerndes, pulsendes Inferno aus Klängen. "Das ist unglaublich. Unglaublich", flüsterte ein vollkommen fassungsloser, knapp 50-jähriger Studiomusiker ehrfürchtig.

Doch das ist noch nicht die ganze Geschichte. Ein paar Tage nach den Aufnahmen brannte in der Straße ein Gebäude ab, und Wilson meinte, in Los Angeles hätte sich eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Bränden ereignet. Er bekam Angst, dass sein Song diese Ereignisse ausgelöst haben könnte - und beschloss, dass "Mrs. O'Leary's Cow" besser nicht veröffentlicht werden sollte. Brian Wilson glaubte so fest an die Macht der Musik, dass er keinen Zweifel daran hegte, dass sie ein Feuer auslösen könnte. "Ich brauche keine großen beängstigenden Sachen zu machen", sagte er später, "das wäre ein wirklich übler Vibe gewesen, wenn ich das auf die Welt losgelassen hätte. Als Nächstes versuche ich eine Kerze."

Eine Ode an Gemüse

Die Aufnahmen gingen weiter. Mit seinem Rolls Royce pendelte er zwischen drei Studios, die zeitweise rund um die Uhr für ihn reserviert waren. Er nahm endlose Mengen von Material auf, die er am Ende zu seinem großen Meisterwerk zusammenfügen wollte, die restlichen Beach Boys verloren unterdessen immer mehr das Vertrauen in das Projekt. Sie hatten keine Ahnung, wie sie diese vielspurige Symphonie live performen sollten, und konnten auch nichts mit den lyrischen Ergüssen anfangen, die Wilson zusammen mit dem Komponisten, Sessionmusiker und Texter Van Dyke Parks für die Lieder ausheckte. "Vega-Tables" etwa war eine schräge Ode an Gemüse. In "Do You Like Worms" sollten sie ein phantasie-hawaiianisches Kauderwelsch erklingen lassen.

Vom Unverständnis der Band gegenüber seinen Texten und von Brian Wilsons Dominanz abgeschreckt, zog sich bald auch Texter Van Dyke Parks immer mehr aus dem Projekt zurück. Wilson wurde zunehmend unsicherer, vermutete plötzlich an jeder Ecke "bad vibrations". Einmal ließ er deshalb ein ganzes Streichorchester sitzen, weil er dachte, dass es ihm feindlich gesonnen sei. Eine Extravaganz, die ihn 3000 Dollar kostete. Damals etwa der Gegenwert einer Mittelklasse-Limousine.

Noch Mitte Januar 1967 verkündete die Plattenfirma vollmundig das Erscheinen des Meisterwerks "Smile". 466.000 Cover und 419.000 Booklets hatte sie schon drucken lassen. Dabei waren die Aufnahmen bereits einen Monat zuvor zum Erliegen gekommen. Das Anarbeiten gegen den Willen der Band, die unfassbaren Materialschlachten in den verschiedenen Studios, der Druck der Plattenfirma, die ein Album erwartete, und Kokain, Alkohol und andere Drogen sorgten dafür, dass der entfesselte Schaffensdrang sich in Versagensangst und Paranoia verwandelten. Wilson zog sich immer mehr zurück, verließ das Haus nicht mehr, wenn er die Tage nicht im Bett verbrachte, geisterte er in einem Bademantel durch seine Villa.

Die verstümmelte Symphonie

Die kurze, aber heftige Schaffenszeit eines der größten musikalischen Genies des 20. Jahrhunderts war vorüber. Nicht einmal zwei Jahre dauerte sie. Zurück blieben "Pet Sounds", eines der größten Alben, die je geschrieben wurden, "Good Vibrations", eine der größten Singles, die je veröffentlicht wurde - und "Smiley Smile", ein Album, das die Beach Boys auf Druck der Plattenfirma herausbrachten.

Auf der Platte befanden sich fahrig eingespielte Versionen der Songs, die auch auf "Smile" hätten sein sollen. Man merkt dem Album jedoch an, mit wie viel Widerwillen Brian Wilson sein Meisterwerk recycelte. Weil er keine Symphonie mehr abliefern konnte, verstümmelte er die Kompositionen zu zusammengestückelten Skizzen, die an manchen Stellen unvermittelt mit dissonanten Tönen abbrechen. Wie ein Kind, das in einem Anfall von Wut einen Turm von Bauklötzen mit einem Schlag vom Tisch fegt. Aus dem größten Album, das je erscheinen sollte, wurde die am schlechtesten verkaufte Platte in der Karriere der Beach Boys.

Der Mythos um "Smile" blieb und wuchs. Journalisten hatten Aufnahmen beigewohnt, Fans hatten einen Abglanz der wahren Größe dieses Albums in "Good Vibrations" vernommen. Und irgendwo musste all das aufgenommene Material ja schlummern.

Zehn Jahre befand sich Brian Wilson in seinem Zustand der Isolation. In dieser Zeit machten die Beach Boys weitgehend ohne ihren Bandleader weiter. In dieser Zeit rangen ihm Label und Bandkollegen Stück um Stück der "Smile"-Aufnahmen ab, um sie auf den Alben zu veröffentlichen und auch weiterhin Brians Namen unter den Bandmitgliedern führen zu können. Denn die Fans hungerten vor allem nach Lebenszeichen von ihm.

Paul McCartney und die "Pet Sounds"

Auch von den Sessions zu "Smile" tauchten immer wieder Fragmente auf. Bootlegs der Aufnahmen kursierten. Etliche Songlisten, auf denen nun wirklich die definitive Reihenfolge der Lieder, wie sie auf dem Album hätten erscheinen sollen, niedergeschrieben war, wurden herumgereicht wie Reliquien. 2004 versuchte Brian Wilson, sich des Materials noch einmal anzunehmen. Doch nicht einmal dem Meister selbst gelang es bei der Neueinspielung "Brian Wilson presents Smile", die Magie der Original-Sessions einzufangen.

Nun sind erstmals offiziell die "Smile Sessions" erschienen. Zwar sind auch diese Aufnahmen nur ein Abglanz der Vision von einst. Doch ist sicher, dass diese Veröffentlichung Wilsons Traum von "Smile" so nahe kommt wie nichts zuvor.

Und wer hat nun den Wettstreit um das beste Album gewonnen? Ob den Beatles für "Sgt. Peppers" oder den Beach Boys für "Pet Sounds" die Krone für das größte Album aller Zeiten zusteht, ist eine Diskussion für hitzköpfige Musiknerds. Den Bands dürfte es egal sein. Paul McCartney zumindest hat die "Pet Sounds" vor einigen Jahren seinen Kindern geschenkt. Er wollte ihnen "etwas fürs Leben mit auf den Weg zu geben. Ich glaube, niemand weiß wirklich was über Musik, solange er dieses Album nicht gehört hat".

Brian Wilson selbst sieht seinen Versuch, das beste Album aller Zeiten aufzunehmen, heute noch gelassener: "Die Sachen auf 'Smile' sind okay", sagte er 1993 in einem Interview lakonisch, "sie zeigen, wie verrückt wir damals waren."

Zum Weiterhören:

The Beach Boys: "The Smile Sessions" . EMI Music Germany, Köln, 2011.

Zum Eintauchen:

Die "The Smile Sessions"-Box mit dem Album auf CD und Doppel-Vinyl, den Vinyl-Singles "Vega-Tables" und "Surf's Up" und vier weiteren CDs mit mehr als 100 Mitschnitten der Aufnahme-Sessions. In einem großformatigen Booklet finden sich zudem diverse Aufsätze, die Songtexte, sowie Beiträge der Beach Boys Brian Wilson, Mike Love, Al Jardine und Bruce Johnston.

insgesamt 6 Beiträge
Klaus Schuster 13.11.2011
1.
Das läuft bei mir seit einer Woche ständig. Und es hätte wirklich das beste Pop-Album aller Zeiten werden können. Es ist heute noch faszinierend zuzuhören, was ohne Computerunterstützung möglich war. Als Leseempfehlung [...]
Das läuft bei mir seit einer Woche ständig. Und es hätte wirklich das beste Pop-Album aller Zeiten werden können. Es ist heute noch faszinierend zuzuhören, was ohne Computerunterstützung möglich war. Als Leseempfehlung würde ich noch ?Mein kalifornischer Alptraum?, die Biografie von Brian Wilson aus dem Jahr 1991 (!), nennen. Da war er zwar noch nicht so ?fit?, wie es heute scheint, aber 20 Jahre dichter an den Geschehnissen der Endsechziger und 70er Jahre. In den Kapiteln, die auch ?Smile? betreffen, kann man gut herauslesen, dass Brian von seiner Familie und der Band als ?Gelddruckmaschine? gesehen wurde, auf dessen Schultern das Wohl und Wehe der anderen lag. Die (sein Vater, seine Band) hatten null Verständnis für das Album. Das wird heute gern beschönigt, weil Carl und Dennis nun mal tot sind ... Und Mike Love und Al Jardine würden heute auch nichts schlechtes mehr erzählen, weil sie immer noch mit den Songs von Brian auf der Bühne stehen.
Cornelia Keppeler-Grohmann 13.11.2011
2.
Smile ist schlicht: göttlich. Ein Kunstwerk, um das Wilson 40 Jahre gerungen hat - allein so ein Vorgang ist anrührend und hyperaktuell, weil sehr sehr selten. Good Vibrations des neuen Jahrtausends, wie etwa die süddeutsche [...]
Smile ist schlicht: göttlich. Ein Kunstwerk, um das Wilson 40 Jahre gerungen hat - allein so ein Vorgang ist anrührend und hyperaktuell, weil sehr sehr selten. Good Vibrations des neuen Jahrtausends, wie etwa die süddeutsche Combo The Savants, wären ohne die kreativ umgestalteten Flashbacks von Wilson nicht denkbar.
Rainer Starzoneck 13.11.2011
3.
Auch ich habe dieses Album mit Interesse und großem Vergnügen gehört. Hier sind zweifellos eine Reihe origineller Tracks versammelt, zwischen denen gelegentlich einige echt gute Songs hervorlugen (H&V, Cabin essence...) [...]
Auch ich habe dieses Album mit Interesse und großem Vergnügen gehört. Hier sind zweifellos eine Reihe origineller Tracks versammelt, zwischen denen gelegentlich einige echt gute Songs hervorlugen (H&V, Cabin essence...) Alles in allem jedoch ist das Verblüffendste in meinen Augen, wie wenig seinerzeit nötig war, um einen Spiegel-Journalisten ein halbes Jahrhundert später zu veranlassen, von den größten musikalischen Offenbarungen des Jahrhunderts zu sprechen. Aber gerade Popmusik kommt wohl ohne massive Mythenbildungen kaum aus. Und wenn es dann noch um ein Werk geht, das es gar nicht gibt - von dem lediglich Schatten existieren... da geraten alle Snobs mit Kennerblick in Extase (die Musikgeschichte wäre gaaanz anders abgelaufen, wenn Brian und Syd Barrett nicht so viel gekokst hätten... seufz; stattdessen: Dieter Bohlen, Take That und x (beliebig einzufügen))
Ingrid Heilmann 13.11.2011
4.
Es ist schon erstaunlich, daß ich bisher keinen Artikel zu Rubber Soul/Pet Sounds/Revolver/Sgt. Pepper/Smile gelesen habe, der nicht gravierende Fehler, grobe Auslassungen und/oder höchst zweifelhafte Einschätzungen enthielt. [...]
Es ist schon erstaunlich, daß ich bisher keinen Artikel zu Rubber Soul/Pet Sounds/Revolver/Sgt. Pepper/Smile gelesen habe, der nicht gravierende Fehler, grobe Auslassungen und/oder höchst zweifelhafte Einschätzungen enthielt. Im vorliegenden SPIEGEL-Artikel fehlen z. B. die für die weiteren Einschätzungen wichtigen Hinweise darauf, daß weder Revolver noch Pet Sounds noch Sgt. Pepper in der Form erschienen, die die Musiker und Produzenten wollten. So wollte Brian Wilson den Fremdkörper "Sloop John B" nicht auf Pet Sounds haben, und nach Meinung von George Martin war es ein großer Fehler, Sgt. Pepper ohne "Penny Lane" und "Strawberry Fields" herauszubringen. Aber besonders kurios erscheint die Einschätzung des Verfassers "... und die Beatles, die mit ihrem kurz zuvor erschienenen Album "Revolver" nicht einmal mit der "Pet Sounds" mithalten konnten, ...". Sehr viele Kenner und Experten ordnen "Revolver" noch weit über "Sgt. Pepper" ein, wofür es in der Tat auch gute Gründe gibt!
Wolfgang Blank 14.11.2011
5.
Die Beach Boys haben uns "Pet Sounds" geschenkt, eines der großartigsten Alben der Popgeschichte. Aber was ist "Smile"? Ein Fragment, geadelt durch den Staub der Archive? Keineswegs! Es ist und bleibt ein [...]
Die Beach Boys haben uns "Pet Sounds" geschenkt, eines der großartigsten Alben der Popgeschichte. Aber was ist "Smile"? Ein Fragment, geadelt durch den Staub der Archive? Keineswegs! Es ist und bleibt ein Fragment, vielleicht auf hohem Niveau, aber beileibe nicht "göttlich" oder sonst etwas Superlatives. Was wird hier eigentlich abgefeiert? Des Kaisers neue Kleider? All diese "Kenner" sollten mal auf dem Teppich bleiben. Große Songs finden sich auf "Smile" an keiner Stelle, bis auf eine Ausnahme: "Good Vibrations". Der Rest ist eine Ideensammlung für ein vielleicht großes Werk. Mehr nicht. Es ist wie bei allen "unveröffentlichten Meisterwerken" von Hendrix über Dylan bis zu den Beatles: Kommerzielle Legendenbildung. Dass dies kurz vor Weihnachten geschieht, ist natürlich purer Zufall.

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