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einestages

70 Jahre Citroën 2CV

Die Ente ist sicher

Sie war die wackligste Erfindung, seit es Autos gibt: Als der erste 2CV von Citroën 1948 erschien, sollte er vor allem billig sein - und wurde unerwartet Kult. Enten-Fahrer über ihre schönsten Erinnerungen an das Schunkelmobil.

Corbis/Getty Images
Sonntag, 07.10.2018   07:29 Uhr

Von Ulrich Booms, Sven Christian, Magdalena Hamm, Katja Iken, Matthias Kaufmann, Sabrina Knoll, Corina Kolbe, Danny Kringiel und Frank Patalong


Vier Räder, neun PS, maximal 70 Stundenkilometer - und tausend Abenteuer: Nicht weniger als eine Automobilrevolution stellte der französische Hersteller Citroën am 7. Oktober 1948 auf dem Pariser Autosalon der staunenden Öffentlichkeit vor. Und das sicher nicht, weil ihr neues Modell 2CV raffinierter, stärker oder schneller als die Konkurrenz gewesen wäre. Sondern, weil es so spartanisch war.

Die Grundvorgabe für die Konstruktion lautete: "Ein Auto, das Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln (...) bietet, mindestens 60 Kilometer pro Stunde fährt und nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht". Herausgekommen war eine Blechdose auf Rädern mit aufrollbarem Dach und dem Kurvenverhalten eines betrunkenen Dromedars. Aber billig war sie - und sparsam. Das reichte.

Bei der Presse stieß das Mobil auf durchwachsene Reaktionen: "Eine Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen", ätzte das französische Satireblatt "Le Canard enchainé" über den 2CV. Und ein niederländischer Journalist schuf ausgerechnet mit dem Ausdruck seiner Verachtung den Kosenamen, unter dem der Wagen für die nächsten Jahrzehnte die Herzen tausender Fahrer erobern würde: "Ein hässliches Entlein".

Nicht, dass je ein Entenfahrer seinen Schatz als "hässlich" bezeichnet hätte. Seiner Ente gab man einen Namen wie einem eigenen Kind. Montierte kleine Gummienten als Galionsfigur auf die geschwungene Motorhaube. Oder verschönerte die hochklappbaren Fenster mit selbstgehäkelten Gardinen. Die "Ente" war nicht einfach ein Auto, sie war ein Statement gegen den Konsumwahn, das erste bisschen Freiheit, das man sich auch als Bettelstudent leisten konnte, und vor allem: ein Stück blechgewordene Liebe.

Für einestages erinnerten sich Entenfahrer an diese verflossene Liebe - und das größte Abenteuer, das sie mit ihrer Ente erlebten.

Das tragische Ende der Ulster-Ente
Frank Patalong, SPIEGEL-ONLINE-Autor

1988 zog ich mit meiner in mühevoller Arbeit blau-metallic gepimpten Ente nach Nordirland um. Für die örtliche Bevölkerung war ich damit ein absoluter Exot: Enten gab es dort kaum, aus gutem Grund. Im rau-nassen Klima dort lassen sich südeuropäische Fahrzeuge wie der 2CV auf dem Hochmoor entsorgen - so was stellt man ab, und nach zwei Jahren ist es verschwunden. Vom Winde verweht.

Auch meine geliebte Ente überlebte den rauen Norden nicht lang. Im Spätsommer fuhr ich von Gweedore kommend durch das Poison Glen gen Letterkenny über das Moor, wo ich zwei Anhalter aufnahm. Die fanden das Enten-typische Geschaukel so lustig, dass ich die Bodenwellen und Schlaglöcher regelrecht suchte. Bis der Wagen brach. Und zwar in der Mitte.

Der Boden sackte durch, die Türen sprangen auf, und die vorn liegende Kofferraumabdeckung faltete sich auf. Als der Motor auf dem Boden aufsetzte, gab das ein kreischendes Geräusch, in das sich die Todesschreie meiner Passagiere mischten. Sie dachten, das würden sie nicht überleben.

Fotostrecke

Autolegende Citroën 2CV: Die Ente feiert Geburtstag

Die einzige Tote war am Ende meine Ente. Was ich nicht wusste: 2CVs haben keine Holme, sondern basieren auf einem selbsttragenden Hohlrahmen - eine Art Metallkiste, die die untere Plattform bildet. Sie braucht in nassem Klima Isolierung, Unterbodenschutz, aber auch mächtig viel Hohlraumversiegelung. Schlampt man damit, löst sich der Wagen quasi auf.

So wie meiner: Weil die Räder nach vorn in V-Stellung "schielten" und das Steuer wegen verbogener Lenksäule nur noch in eine Richtung funktionierte, musste man dreimal nach rechts abbiegen, wenn man nach links wollte. Auf diese Weise wurde aus dem Weg zum Schrottplatz eine schier endlose Trauerfahrt. Ich bekam 100 Pfund für den Motor, was meinen Schmerz nicht wirklich mindern konnte: Mein Schätzchen war Baujahr 71, hatte also 17 Jahre auf seinem wunderschönen Buckel. Was auch immer noch mit dem Wrack geschah, nach zwei Jahren - siehe oben - war es sicherlich verschwunden. Sein rotbrauner Rost ging auf im Rostbraun des Hochmoores.

Bis heute blieben meine zwei Enten die einzigen Autos, zu denen ich jemals ein emotionales Verhältnis entwickelte.

Mein Endlichen-erwachsen-Vehikel
Katja Iken, einestages-Redakteurin

Welche Farbe hat die Freiheit? Feuerwehrrot. Leuchtend stand sie vor mir, im Juni 1995, meine erste und einzige Liebe auf vier Rädern. Mein Endlich-erwachsen-Vehikel - und erstes großes Finanz-Desaster.

Hunderte Stunden Inventur bei OBI ermöglichten mir im Juli 1995 den Kauf einer Ente in einem Schwarzwälder Kaff. Baujahr? Mängel? Alles egal. Geblendet von ihrer Schönheit, vergaß ich, Geschichtsstudentin im vierten Semester, sogar zu handeln.

Für 1800 Mark gehörte sie mir, dem Landei, das nie zuvor ein Auto besessen hatte, ja nicht einmal einen Freund mit Auto. Vorbei das Trampen, vorbei der Mitfahrgelegenheits-Horror in verrauchten Rostschüsseln: Ab sofort war ich mobil, unabhängig. Überglücklich.

Wie stark ich mich fühlte, als ich das erste Mal mit ihr umzog. Mein gesamtes Eigentum passte in den 2CV, inklusive Sitzsack und Yucca-Palme. Nach Frankreich bin ich geschaukelt, um ein Jahr lang an einer Schule zu unterrichten. Mit 105 Stundenkilometern Spitze - bergab, mit Rückenwind - flogen wir unserem Ziel entgegen.

Nichts konnte meine Enten-Euphorie erschüttern, weder der Kolbenfresser noch die Eiseskälte im Winter. Ein paar Mal haben meine Schüler versucht, das Wackelmobil umzuwerfen, mit mir am Steuer. Ich tat ihnen den Gefallen und simulierte Todesangst. Dabei wusste ich: Die kippt nie um.

Katja Iken

Katja Iken neben ihrem Citroën 2CV Club

Ein Jahr später kehrte ich zurück aus Frankreich, deutlich ärmer als zuvor. Als die Bank meine Karte einzog, entschied ich schweren Herzens, meinen geliebten 2CV zu verkaufen. Hätte ich es doch nie getan. Wäre ich doch nie zu diesem Entenhändler ins Darmstädter Industriegebiet gefahren.

Der Automechaniker, schwarzer Zopf, Blaumann, legte sich unter den Wagen. Und spuckte 15 Sekunden später die vernichtende Diagnose aus: Chassis durch, Totalschaden, Unfallwagen, nur notdürftig geschweißt. "Parken Sie da hinten, dann sparen Sie sich die Verschrottungsgebühr."

Jetzt nur nicht heulen, dachte ich. Und tat wie mir befohlen. Dann stieg ich aus, streichelte meine Ente ein letztes Mal, wankte vom Hof. Wie benommen lief ich durch die Straßen. An einer Bude spülte ich meine Verzweiflung mit dem ersten Jägermeister meines Lebens runter. Und tat, was ich stets tat in allergrößter Not: meine drei Brüder anrufen.

Einer rettete mich schließlich aus der Darmstädter Vorstadthölle. Wir fuhren zum Griechen, wo ich einen großen Gyros-Teller aß und beschloss: Das Leben muss auch ohne Ente weitergehen, irgendwie. Ist es ja dann auch.

Trotzdem: Auch nach 22 Jahren gibt es eine mindestens erbsengroße Region in meinem Herzen, die für immer meiner feuerwehrroten Ente gehört.

Die goldene Mitte
Sven Christian, Leiter Bewegtbild bei SPIEGEL ONLINE

Eigentlich gibt es sehr gute Gründe für mich, ein traumatisches Verhältnis zur Ente zu haben. Als Kind habe ich definitiv an ihr gelitten. Das lag an der Familienkonstellation der Christians - und der Konstruktion der Rückbank der Ente: Die besteht im Original nämlich aus einem etwas dickerem Stoff und drei Metallbögen. Einer rechts, einer links und einer in der Mitte.

Ich bin aufgewachsen mit zwei älteren Schwestern, die stärker waren als ich, jedenfalls bis zu meinem 15. Lebensjahr. Und mit einer Mutter, die bis Ende der Siebzigerjahre immer Ente fuhr. Wir drei Kinder hinten. Ich saß immer auf der mittleren Metallstrebe. Das war auf kurzen Fahrten noch zu ertragen. Auf Reisen wie Berlin - Schweden - Finnland - Schweden - Berlin nicht so toll.

privat

Sven Christian mit der Ente seiner Familie

Erschwerend kam hinzu, dass wir recht temperamentvolle Kinder waren, die auch aus Mangel an noch nicht erfundenen portablen DVD-Playern auf langen Reisen schnell gelangweilt waren und lautstark Blödsinn machten. Wenn dann meiner Mutter der Geduldfanden riss, was selten aber doch mal vorkam, langte sie vom Fahrersitz aus nach hinten - und wer saß in der Mitte? Auf dem Metallbügel? Genau.

Das hat aber keine wirklich bleibenden physischen und psychischen Schäden hinterlassen. Ich fuhr sogar selbst später einen Döschewo, eine Charleston-Ente. Und als dann meine zwei (!) tollen Töchter in mein Leben traten, fuhr ich ein Auto mit Polsterrückbank. Natürlich bei längeren Reisen immer mit portablen DVD-Playern ausgestattet.

Und plötzlich war das Dach weg
Friedel Grimm, Rentner, aufgezeichnet von Corina Kolbe

Das erste Auto, das wir von unserem eigenen Geld gekauft haben, war eine eierschalenfarbene Ente. An der Heckscheibe hing eine Gardine, vom Vorbesitzer. Wir haben sie hängen lassen, weil sie uns gefiel. Das war 1973, eine wilde Zeit. Ich trug damals längeres Haar und Bart.

Meine Frau Angelika war gleich Feuer und Flamme, als der Sohn eines Arbeitskollegen seinen Wagen verkaufen wollte. Erst war ich ziemlich skeptisch. Doch bald stellte ich fest, dass das Fahren einen Riesenspaß machte. Auch wenn die Sitze bessere Gartenstühle waren. So ein Auto hatte schließlich nicht jeder. Angelika sagte immer, in der Ente fühle sie sich ganz frei. Das Schöne war auch, dass sich alle Enten-Fahrer auf der Straße grüßten. Als sich meine Schwägerin den Wagen einmal auslieh, wunderte sie sich, woher wir so viele Leute kannten.

Kurven zu fahren, war ein besonderes Erlebnis. Die Ente lag dann ganz schräg. Mein Schwager öffnete in Linkskurven aus Jux die Beifahrertür. Wie ein Motorradrennfahrer lehnte er sich dann zur rechten Seite, um das Auto im Gleichgewicht zu halten. Man dachte ja, irgendwann kippt es um. Lustig war auch die Schaltung am Lenkrad, eine Stange mit Knauf.

privat

Ente von Friedel Grimm, Duisburg

Natürlich gab es immer wieder mal Pannen. Die Ente hatte ein Rolldach, das mit Klammern fixiert war. Auf einer unserer Fahrten löste es sich plötzlich an einer Seite und riss von vorn nach hinten durch. Unsere Tochter fing vor Schreck an zu weinen.

Mit Dränglern hingegen hatten wir keine Probleme, auf den Autobahnen war damals noch nicht viel los. Und die dicken Autos, die viel Sprit fraßen und höchstens mit Tempo 80 fuhren, konnten wir sogar überholen.

Die erste Urlaubsreise mit der Ente machten wir nach Österreich, an den Wörther See. Wenn wir einen Berg hinunterfuhren, gab ich bis zum Anschlag Gas. Dann kamen wir auf maximal 100, 110 Stundenkilometer. Bergauf geriet die Ente bei 70 bis 80 Stundenkilometer ordentlich ins Schnaufen. Kaum waren wir wieder zu Hause, ging der Motor kaputt. Wir hatten Glück, dass wir überhaupt so weit gekommen waren.

Nach fünf Jahren trennten wir uns von dem Wagen. Vergessen haben wir ihn aber nie. Wenn wir heute irgendwo eine Ente sehen, sind wir noch immer begeistert.

Formationsflug auf der Autobahn
Ulrich Booms, SPIEGEL-Dokumentar im Ruhestand

Als ich Mitte der Achtziger meinen ersten Neuwagen kaufte, eine weiße Ente, war der 2CV schon lange nur noch automobile Nostalgie. Aber noch immer die billigste Form, Cabrio zu fahren. Fortan gehörte ich zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Was gab es erhebenderes, als auf der A 8 im Anflug an die Schwäbische Alb auf der berüchtigten Geislinger Steige zwei Artgenossen zu treffen. Im Formationsflug hielten wir uns den Rücken von drängelnden PS-Protzen frei und entgingen so dem Schicksal, hinter einem kriechenden Lkw an der Steigung zu verhungern.

Je länger ich Ente fuhr, desto mehr begeisterte mich ihr praktischer Aspekt. Für Transporte ließ sich die Rückbank schnell ausbauen, was eine voluminöse Ladefläche schuf. Für lange Urlaubsfahrten bot diese Fläche, richtig gepackt, sogar Platz genug, um ausgestreckt zu schlafen.

Auch den innen liegenden Skisack hatten die Ente-Macher schon erfunden, bevor er Einzug in Oberklassemodellen hielt. Die Skier wurden einfach vom Kofferraum aus unter den Sitzen nach vorne durchgeschoben. Man musste nur darauf achten, dass die Bindungen nicht unter dem Gesäß eines Mitfahrers platziert waren. Dann nämlich drohte beim erstbesten Schlagloch eine empfindliche Verletzung des Steißbeins. Die hauchdünnen Polstersitze der Ente waren nicht gerade für ihre dämpfenden Eigenschaften berühmt.

Es war nicht der Urlaub in England, der mich und meine Ente trennte. Obwohl sich dort bei dreiwöchigem Dauerregen doch Schwächen auftaten: Das Faltdach weichte mehr und mehr durch, Lüftungssyteme und Heizung waren überfordert. Die Ente war eben ein Cabrio, ein SUV, ein Funcar, wie es im automobilen Marketingkauderwelsch heute hieße. Sie musste irgendwann dem Ernst des Lebens und damit einem praktischen Strich Achter von Mercedes weichen. Auch ein schöner Wagen, aber das ist eine andere Geschichte.

Anfangs jedenfalls zuckte mir in dem neuen Auto bei der Begegnung mit Enten die Hand zum Gruß nach oben. Schnell ließ ich sie sinken, denn mir wurde bewusst, dass ich nun zur grauen Alltagsautoklasse gehörte. Und dass niemand mein Verhalten mehr verstand. Etwa, wenn ich auf der Autobahn bremste, um einem einsamen Entlein eine Überholchance an der Geislinger Steige zu lassen.

Ein Traum in Himmeltaubenblau
Sven Kuhlenkamp, Fotograf, aufgezeichnet von Sabrina Knoll

Abends mit aufgerolltem Verdeck übers Land fahren, aufstehen, mit den Beinen lenken und übers Dach rausgucken - das sollte jeder Entenfahrer mal gemacht haben. Aber die Ente war nicht nur das günstigste Cabrio der Welt. Meine Ente war auch der beste Transporter. Zwei Fahrräder, ein Fernseher, Bettzeug, jede Menge Bücher und Klamotten von einem Jahr Zivi in München waren kein Problem für sie, schließlich war die Rückbank mit zwei schnellen Handgriffen ganz einfach ausgebaut. Zum Übernachten übrigens auch super geeignet!

Was aber mit Abstand am meisten Spaß gemacht hat, war das Kurvenfahren. Die Ente hob sich da richtig hoch! Bei Rechtskurven konnte man sich schön reinlegen. Den hohen Reifenverschleiß habe ich dafür gern in Kauf genommen. Meine Ente war himmeltaubenblau, nach ein paar Umbauten sogar von außen und von innen. Kurz, nachdem ich sie gekauft hatte, war ich damals auf dem Land bei einem Entensammler. Und der hatte doch tatsächlich Sitze und eine Rückbank mit Cord-Bezügen in "Himmeltaubenblau", die er einfach so gegen meine hässliche graue Innenausstattung getauscht hat. Danach war meine Ente für mich perfekt!

Seit einigen Wochen wohnt bei mir in der Straße eine Ente. Blassgrün, sehr gut gepflegt. Jedes Mal, wenn ich an ihr vorbeigehe, denke ich daran, wie sich das anfühlte: übers Land zu fahren, nur mit den Beinen am Lenkrad.

Enten-Einbruch
Matthias Kaufmann, SPIEGEL-ONLINE-Textchef Panorama und Wirtschaft

Es war Mitte der Neunzigerjahre, ich war gerade ins Studentenwohnheim am Rande von Marburg gezogen. Mein Nachbar, nennen wir ihn: Sven, war ein erfahrener Langzeitstudent, Hauptfach Religion, der sich nebenher mit einem kleinen Software-Gewerbe finanzierte. Wenn ich mich recht erinnere, war er bereits damals im 13. Semester, und niemand konnte erklären, wie er es geschafft hatte, all die Jahre sein geliebtes Wohnheimzimmer zu behalten, was gegen sämtliche Fristen des Studentenwerks verstieß.

Sven brachte nichts aus der Ruhe. Er war die gute Seele des Stockwerks, organisierte praktisch alle Feten und war unser Verbindungsmann zur Hausmeisterin. Klar, dass so jemand eine Ente fuhr. Eine rote Ente.

So weit die Klischees. Ansonsten war Svens Ente anders, als man es vermuten könnte: absolut zuverlässig. Vor allem im Vergleich mit meiner Gurke, einem 15 Jahre alten Fiesta, den ich immer bergab parken musste, um beim Starten nicht schieben zu müssen. Seine Ente dagegen sprang zu jeder Jahreszeit mühelos an und lief wie ein Uhrwerk.

Dieses automobile Idyll wurde jäh durch dreiste Diebe gestört - und dämlich waren sie auch noch. Offenbar hatten sie es auf einen Stapel CDs abgesehen, die Sven auf dem Beifahrersitz hatte offen liegen lassen. Aber statt einfach das Dach aufzuschneiden oder eine Scheibe einzuschlagen, was der einfachste und schnellste Weg gewesen wäre, machten sie sich am Türschloss zu schaffen.

So brachen sie die Tür auf. Und verbogen sie dabei so stark, dass Sven eine neue brauchte. Kostenpunkt: 500 Mark.

Das brachte dann selbst Sven kurz aus der Ruhe.

Dieses Jucken in den Fingern
Magdalena Hamm, Autorin im SPIEGEL-ONLINE-Ressort Gesundheit

Ich habe keine Ente besessen und saß auch noch nie in einer. In meiner Kindheit gab es aber ein Spiel: Wer eine rote Ente sah, ob auf der Straße oder dem Parkstreifen, hatte die Berechtigung, jemanden zu kneifen. Wie die meisten Kinderspiele gaben Ältere auch dieses an die Jüngeren weiter, ohne dass Erwachsene dabei eine Rolle spielten. Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Autos, konnte die Ente jedoch zuverlässig erkennen. Die Gelegenheiten zu kneifen waren schon damals selten - heute ist das Spiel bestimmt ausgestorben. Wenn ich alle drei Jahre mal eine Ente sehe, juckt es mir aber immer in den Fingern.

insgesamt 32 Beiträge
Anja Herter 07.10.2018
1. Ich vermisse sie wieder...
Meine rote 2CV 6, wenn ich diese Geschichten lese. Mein erstes und einziges Auto, das ich in Teilen selbst reparieren konnte. Es „starb“ beim zu schnellen Rückwärtsfahren. Getriebeschaden. Das konnte ich leider nicht [...]
Meine rote 2CV 6, wenn ich diese Geschichten lese. Mein erstes und einziges Auto, das ich in Teilen selbst reparieren konnte. Es „starb“ beim zu schnellen Rückwärtsfahren. Getriebeschaden. Das konnte ich leider nicht reparieren. Als Gedenken, fährt seither in allen meinen Autos eine kleine Ente mit.
Jens Sendke 07.10.2018
2. Ente vs. Käfer
In meiner Studentenzeit gab es an der FU Berlin zwei Fraktionen: die "Käferfraktion" und die "Entenfraktion". Ich fuhr Käfer - deutsche Wertarbeit! Groß war das Hallo, wenn ein Käfer eine liegengebliebene [...]
In meiner Studentenzeit gab es an der FU Berlin zwei Fraktionen: die "Käferfraktion" und die "Entenfraktion". Ich fuhr Käfer - deutsche Wertarbeit! Groß war das Hallo, wenn ein Käfer eine liegengebliebene Ente einschleppte. Das kam leider viel zu selten vor. Umgekehrt gab es das natürlich nicht, jedenfalls wurde es nicht bekannt. Die Zeiten sind natürlich lange vorbei. Heute fahre ich aus Liebhaberei nebenher einen Mercedes 124 Kombi (deutsche Wertarbeit!). Ich vermute, die ehemalige Entenfraktion fährt mittlerweile Fahrrad...
Roland Jenniges 07.10.2018
3. Wehmütig
denke ich an meine rote Kastenente zurück, die ich 1981 kaufte und damit bis Griechenland und zurück fuhr. Ohne Probleme!! Eine schöne Zeit, schnief!!
denke ich an meine rote Kastenente zurück, die ich 1981 kaufte und damit bis Griechenland und zurück fuhr. Ohne Probleme!! Eine schöne Zeit, schnief!!
Henning Birnschein 07.10.2018
4. Das Entenspiel?!
Ich kenne das Entenspiel anders. Bei einer roten Ente wurde geküßt, bei gelben vor das Schienenbein getreten und bei grünen gekniffen. Was weiß, blau und andere Farben bedeuteten habe ich längst vergessen. Das Auto [...]
Ich kenne das Entenspiel anders. Bei einer roten Ente wurde geküßt, bei gelben vor das Schienenbein getreten und bei grünen gekniffen. Was weiß, blau und andere Farben bedeuteten habe ich längst vergessen. Das Auto selbst konnte ich nicht leiden, weil meine Schwester eine Ente hatte, die sie ständig gegen meinen Bulli tauschen wolllte/musste.
Clemens Hellmann 07.10.2018
5. Ein
schönes Auto. Hatte Platz für eine 4 köpfige Familie, inklusive Gepäck und Konserven für 2 Wochen Urlaub. Es gab hinten keine Sicherheitsgurte, da konnten wir auf der decke schlafen. Ein geiles Cabrio im Sommer und wenn im [...]
schönes Auto. Hatte Platz für eine 4 köpfige Familie, inklusive Gepäck und Konserven für 2 Wochen Urlaub. Es gab hinten keine Sicherheitsgurte, da konnten wir auf der decke schlafen. Ein geiles Cabrio im Sommer und wenn im Winter die Batterie streikte wurde der Motor mit der serienmäßigen Handkurbel manuell gestartet. Und die LKW`auf der A7 auf dem Weg nach Dänemark konnten mit der Hand gezählt werden. Schön wars.

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