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einestages

Gerichte mit Geschichte

Christian Rachs dekadente Ente

Die Römer sind berühmt für ihre ausschweifenden Gelage - aber mundete das Essen überhaupt? Fernsehkoch Christian Rach hat ein Rezept für Ente mit Rotwein von damals im Römertopf nachgekocht.

Foto: SPIEGEL TV
Von , SPIEGEL GESCHICHTE
Samstag, 09.02.2019   08:03 Uhr

Reiche Römer mussten bei Tisch ordentlich auffahren - denn wer es kulinarisch krachen ließ, zeigte, dass er zur Führungsschicht gehörte. Die Gäste speisten auf Sofas, halb liegend, während Sklaven Schüssel nach Schüssel hereinbrachten; bis zu 30 verschiedene Gänge wurden gereicht, von eher Geläufigem wie Enten, Schnecken oder Hasen bis zu dekadenten Köstlichkeiten wie Saueuter, Quallen oder Flamingozungen. Dazu gab es Wein in Mengen.

Den Römern war ihr Essen also durchaus wichtig. So stammt auch das älteste überlieferte Kochbuch aus der Römerzeit: "De Re coquinaria" ("Über die Kochkunst"), eine wohl immer wieder ergänzte Sammlung von Rezepten. Darin findet sich auch die Zubereitungsanweisung für den römischen Entenbraten, der sehr gut in einem Römertopf - vorher gut wässern! - gelingt (wer keinen hat, kann auch einen anderen verschließbaren, ofenfesten Topf nehmen).

Durch die lange Garzeit wird der Braten sehr zart. Zu Zeiten der Römer war das wichtig, denn man nutzte auch in feiner Gesellschaft noch kein Besteck, sondern aß mit den Fingern.

Mehr dazu in SPIEGEL GESCHICHTE 1/2019

Und wie schmeckte so eine Ente im alten Rom? Fernsehkoch Christian Rach zeigt im Video, wie die Ente gelingt - probieren müssen Sie dann selbst. Und mehr historische Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "SPIEGEL Geschichte".

Das Rezept für den Entenbraten auf römische Art:

1 Ente (alternativ: Rebhuhn, Wachtel)
1 Bund Dill
1 Bund Oregano
etwas hochwertige asiatische Fischsauce (Asialaden)
2 TL Koriandersamen
Rotwein
1 Bund Liebstöckel
2 TL Kümmel
1 Bund Weinrautenblätter, wenn erhältlich
süßer Weißwein
1 EL Honig
Essig
Mehl

1. Die Ente grob zerteilen und in den Topf geben, je nach Geschmack auch mit den Innereien.

2. Mit Wasser angießen und Salz, Dill (grob zerhackt) hinzufügen. Die Flüssigkeit sollte im Topf etwa 2-3 cm hoch stehen.

3. Den Ofen auf 200 Grad stellen und die Ente für etwa 1 Stunde darin schmoren lassen. Wichtig: Wird ein Römertopf verwendet, nicht vorheizen, sondern den Topf in den kalten Ofen stellen.

4. Koriander und Kümmel mörsern und mit Fischsauce, Honig und Oregano über die Ente geben. Einen guten Schuss Rotwein hinzufügen und ohne Deckel ca. 1 bis 1,5 Stunden weitergaren.

5. Wenn das Fleisch gar ist, das Fleisch hinausnehmen und warm stellen. Flüssigkeit durch ein Sieb in einen Kochtopf abgießen.

6. Zu der Soße nun etwas süßen Wein und einen Schuss Essig geben und einkochen lassen, mit Pfeffer und Salz abschmecken. Evtl. mit etwas Mehl binden.

7. Die Ente auf einer Platte anrichten, die Soße darüber gießen und mit den Kräutern dekorieren.

Guten Appetit!

insgesamt 10 Beiträge
Markus bollig 09.02.2019
1. Wer in der Region Xanten unterwegs ist...
... kann in der dort ausgegraben und teilaugebauten Römerstadt des LVR im Gasthaus diverse römische Gerichte verköstigen. Sehr leckere Sachen dabei.
... kann in der dort ausgegraben und teilaugebauten Römerstadt des LVR im Gasthaus diverse römische Gerichte verköstigen. Sehr leckere Sachen dabei.
Amit Das Gupta 09.02.2019
2. Interessante Zutat
Typisch römisch: Asiatische Fischsauce! Es soll auch noch Köche geben, die ohne derartige Geschmacksverstärker auskommen, und in der Antike mussten sie es mit Sicherheit ;-)
Typisch römisch: Asiatische Fischsauce! Es soll auch noch Köche geben, die ohne derartige Geschmacksverstärker auskommen, und in der Antike mussten sie es mit Sicherheit ;-)
nchris23 09.02.2019
3. Anachronistische …
… Rezepte, in denen das Essen von Tieren befördert wird. Wie wäre es stattdessen mit Vorschlägen für gesundes, klimafreundliches & tierleidfreies Essen? Zukunftsorientiert statt rückwärtsgewandt - wäre toll :-)
… Rezepte, in denen das Essen von Tieren befördert wird. Wie wäre es stattdessen mit Vorschlägen für gesundes, klimafreundliches & tierleidfreies Essen? Zukunftsorientiert statt rückwärtsgewandt - wäre toll :-)
Uwe von Allwörden 09.02.2019
4. Zu Nr.2 Amit Das Gupta
Die Antike kannte bereits Garum. Das ist eine fermentierte salzige Fischsoße, die der Asiatischen sehr ähnlich ist und daher dann auch in diesem Rezept verwendet werden kann.
Die Antike kannte bereits Garum. Das ist eine fermentierte salzige Fischsoße, die der Asiatischen sehr ähnlich ist und daher dann auch in diesem Rezept verwendet werden kann.
Petra Schiemer 09.02.2019
5. Geschmacksverstärker
Liebe/r @Amit Das Gupta, ob man asiatische Fischsauce nun als Geschmacksverstärker oder als Gewürz sieht sei dahingestellt. Aber auch die Römer liebten so etwas: „Garum“ war eine Sauce, vielleicht vergleichbar mit Fischsauce, [...]
Liebe/r @Amit Das Gupta, ob man asiatische Fischsauce nun als Geschmacksverstärker oder als Gewürz sieht sei dahingestellt. Aber auch die Römer liebten so etwas: „Garum“ war eine Sauce, vielleicht vergleichbar mit Fischsauce, Maggi, Sojasauce, Worcester-Sauce etc. und war extrem beliebt.

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