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einestages

Hollywood-Liebe Burton-Taylor

"Auf ewig von den Göttern gestraft"

Sie waren laut, obszön und einander verfallen: Elizabeth Taylor und Richard Burton waren das glamouröseste Hollywood-Paar der Filmgeschichte. In der Öffentlichkeit tauschten sie Treueschwüre und Anzüglichkeiten aus - privat machten sie sich das Leben zur Hölle.

ddp images
Von
Mittwoch, 23.03.2011   20:03 Uhr

Schon ihren allerersten Kuss sollen sich die beiden vor einer laufenden Filmkamera gegeben haben - zwischen den pompösen Pappmaché-Aufbauten von "Cleopatra", einer der größten Filmkatastrophen in der Geschichte Hollywoods. Er im Kostüm des römischen Generals Antonius, sie im Gewand der ägyptischen Herrscherin, der schönsten Frau aller Zeiten. Schon da kamen sie nicht mehr voneinander los.

"Würdet ihr zwei es mir übel nehmen, wenn ich 'Schnitt' sage", fragte Joseph L. Mankiewicz, der Regisseur des Epos. Doch die beiden küssten einfach weiter.

"Interessiert es euch, dass es Zeit für das Mittagessen ist?" Nichts zu machen. Zu diesem Zeitpunkt waren beide verheiratet, Burton zum ersten, Taylor zum vierten Mal.

Als das "Time"-Magazin die legendäre Klatsch-Kolumnistin Liz Smith vor einigen Jahren nach der größten Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts fragte, musste sie nicht lange überlegen. "Die Burtons, das gekidnappte Lindbergh-Baby und das Attentat auf Kennedy waren die größten Geschichten unserer Zeit", stellte sie fest. "Und wenn einer sagt 'der und der ist ein großer Star', sage ich nur: 'wurden sie vom Vatikan verdammt?'" Denn das wurden die beiden, als ihr Ehebruch auf dem Set von "Cleopatra" schließlich öffentlich wurde. Doch auch die Führer der katholischen Kirche vermochten nicht, die beiden zu trennen.

Es waren zwei dramatische Schwergewichte, die da gemeinsam in den Ring gestiegen waren, um für die ganz große Liebe zu kämpfen - vorzugsweise gegeneinander. In der linken Ringecke: Elisabeth Taylor, aufgewachsen als Kinderstar auf Filmsets, vor Kameras. Verhätschelt von Managern, Fans und Studiobossen, erzogen von Regisseuren und dem romantischen Auf und Ab auf Massengeschmack getrimmter Drehbücher. In der anderen Ecke: Richard Burton, ein schwermütiger Waliser, der schon mit 26 für seine Trinkfestigkeit bekannt war. Seine Leidenschaft: die Literatur. Proust, Hemingway. "Doch am meisten wurde ich von Dylan Thomas verdorben." Noch so ein schwermütiger Waliser. Mit Inbrunst liebte er natürlich auch die ganz großen Dramen - Goethes "Faust", Shakespeare (darunter machte er es ungern) - und die ganz großen Gefühle, die er mit Leidenschaft in große Worte kleidete.

Er nannte ihre Brüste "atomar"

2010 erschien ein Buch, in dem Elizabeth Taylor die Briefe von Richard Burton erstmals veröffentlichte. Der Band trägt den brachialen Titel "Furious Love: Elizabeth Taylor, Richard Burton, and the Marriage of the Century". Und natürlich sind Burtons Botschaften nicht weniger als Donnerschläge ungezähmter Emotionalität. Manche erinnern an seine großen literarischen Vorbilder, andere an einen Kitschroman. "Du bist wahrscheinlich die beste Schauspielerin der Welt, was dich zusammen mit deiner außerordentlichen Schönheit einzigartig macht", delirierte er in einem seiner frühen Briefe trunken vor Liebe.

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Skandalpaar Burton-Taylor: Ehe - Krise - Ehe

An die Öffentlichkeit gelangten andere Zitate. Da liebten es die beiden derbe, ja vulgär. Er nannte ihre Brüste "atomar", sie konterte: "Wenn man beim Scrabble spielen erregt wird, das ist Liebe, Baby!"

Am 15. März 1964 heirateten sie zum ersten Mal, zehn Jahre sollte diese Ehe halten. In dieser Zeit entstand das Taylor/Burton-Imperium. In elf Filmen spielten sie zusammen - und verdienten Unmengen von Geld. Liz Taylor war die bestbezahlte Schauspielerin ihrer Zeit, Burton bekam immer ein bisschen weniger. Das Geld investierten sie in Statussymbole. Einen Privatjet für eine Million Dollar, den sie "Elizabeth" tauften. Gemälde von Monet, Picasso, van Gogh, Degas und in einen Rolls Royce für jeden - seiner silber, ihrer grün.

Und manchmal gingen Millionen in gigantische Gesten der Liebe: Am 23. Oktober 1969 überbot Burton Aristoteles Onassis bei der Versteigerung des Cartier Diamanten, ein Stein von 69,42 Karat, der Größe eines Taubeneis - und der Form einer Träne. "Ich wollte den Stein, weil er unvergleichlich reizend ist", notierte Burton in sein Tagebuch, "und er sollte der reizendsten Frau der Welt gehören."

In der Öffentlichkeit äußerten sich die Burtons anders über den Kauf.

Er: "Dieser Diamant hat so viele Karat, dass er fast eine Rübe ist."
Sie: "Große Mädchen brauchen große Diamanten."

Die Liebe von Taylor und Burton "war die erste Reality-Show, eine Ehe mit Publikum", schreiben die Autoren von "Furious Love". Zu ihrer besten Zeit hätten sie die Liebe in der Ehe "glamourös und sexy" erscheinen lassen - am Ende waren sie eine Parodie ihrer selbst.

Sie spielten ihre Liebe ja auch nicht nur vor den Kameras und Mikrofonen der Reporter immer wieder durch, sondern auch in ihren Filmen. Schon als Cleopatra und Antonius liebten und starben sie wie Shakespeares Romeo und Julia, die größten Liebenden aller Zeiten. Wie sollte die Realität das überbieten. In "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" stiegen sie eine halbe Dekade später gemeinsam in die düstersten Tiefen der Ehehölle hinab. In der Verfilmung von "Der Widerspenstigen Zähmung" führten sie ein Jahr später das Bändigen der Liebe als Komödie auf. Und die Autoren von "Furious Love" bringen wohl einen Wesenszug von Elizabeth Taylor auf den Punkt, wenn sie behaupten, dass die Schauspielerin eine Art "umgekehrtes Method Acting" betrieben habe - sie nahm ihre Rollen als Inspiration für ihr Leben.

"Wenn du mich verlässt, muss ich mich umbringen"

Wohl deshalb waren die beiden auch als die "battling Burtons" bekannt. Es war eine der großen Leidenschaften Taylors, ihren Mann zu reizen: "Richard gerät mit wahrem Genuss in Rage. Es ist herrlich anzuschauen", schrieb sie einmal. "Unsere Kämpfe sind erfrischende Schreiwettbewerbe und Richard explodiert dabei jedes Mal wie eine kleine Atombombe."

Am Ende sollte eine Mischung aus Alkohol, Egozentrik und Temperament ihre Ehe gleich zwei Mal zerreißen. Die erste hielt zehn Jahre, die zweite keine zehn Monate. Die Briefe, die der Verlassene seiner Angebeteten in dieser Zeit schrieb, sind Hollywood pur, ebenso schmalzig wie herzerweichend. So scheut Burton nicht, sich in einem Brief mit Prometheus zu vergleichen: "Ich bin auf Ewig von den Göttern gestraft, weil mir das Feuer gegeben wurde, dass ich zu löschen versuche. Und dieses Feuer bist du", schrieb er in einem Brief.

Ein anderer ist eine wortgewaltige, verzweifelte Drohung: "Also, erstens, musst du verstehen, dass ich dich verehre. Zweitens, auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, ich liebe dich. Drittens, und hier komme ich wieder mit meiner außerordentlichen Beherrschung der Sprache, ich kann ohne dich nicht leben. Drittens, ich meine viertens, hast du eine enorme Verantwortung, denn wenn du mich verlässt, muss ich mich umbringen. Es gibt kein Leben ohne dich, fürchte ich. Und ich fürchte mich schrecklich. Fürchterlich. Betreffend meines Lebens bin ich verängstigt. Verloren. Allein. Stumpf. Dumm."

Burton überlebte die Trennung von Taylor - wohl aber nicht seine Alkoholabhängigkeit. Zeitweise soll er drei Flaschen Wodka am Tag getrunken und damit seine Gesundheit ruiniert haben. Er starb im Alter von 58 Jahren an einer Hirnblutung.

Wie es sich für eine große Liebe und ein großes Drama gehört, schrieb Burton den letzten Brief an seine Liz am Abend vor seiner Todesnacht. Taylor fand ihn, als sie von seiner Beerdigung nach Hause kam. Es ist der einzige Brief, den sie nicht für die Buchveröffentlichung freigab. Sie soll ihn bis zu ihrem Tod in ihrer Nachttischschublade aufbewahrt haben.

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