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einestages

Gerichte mit Geschichte - Folge eins

Fisch wie in der Steinzeit

Für ein Fischrezept nach der Paleo-Diät braucht man viel Salz. Aber warum liegt da Heu? Fernsehkoch Christian Rach hat es ausprobiert. SPIEGEL GESCHICHTE präsentiert: Gerichte mit Geschichte.

Foto: SPIEGEL TV
Von
Sonntag, 03.02.2019   07:27 Uhr

Paleo-Diät liegt im Trend. Sich ernähren, wie es angeblich die Steinzeitmenschen taten, also mit Nüssen, getrockneten Früchten und Fleisch - aber ohne Getreide und Milch. Doch wie steinzeitlich ist diese Diät überhaupt?

Kommt darauf an, von welcher Periode in der Steinzeit man genau spricht. Denn im Laufe der Steinzeit wurden die Menschen sesshaft, begannen, Getreide anzubauen und erfanden Brot und Bier - sie änderten also auch ihre Ernährungsweise. Ötzi beispielsweise, der Jäger aus dem Ötztal, der um 3000 v. Chr. lebte, hatte nachweislich Einkorn im Magen, eine der ersten kultivierten Getreidesorten.

Weil die Menschen keine Aufzeichnungen hinterließen, können Archäologen sich dem Essen von damals nur annähern. So ist es etwa schwierig zu bestimmen, ob die Menschen damals schon Salz nutzten oder ihr Essen mit Asche oder mitgekochten Steinen salzten.

Mehr dazu in SPIEGEL GESCHICHTE 1/2019

Sicher ist: Backöfen hatten sie damals nicht. Wer einen Fisch originalgetreu nachkochen will, braucht deshalb ein offenes Feuer und Lehm. Darin wurde der Fisch luftdicht eingepackt und in der Nähe des Feuers gegart. Wer weniger Wert auf Authentizität legt, greift zur küchenfreundlichen Variante, verpasst dem Fisch einen Mantel aus Salzteig und lässt den Backofen arbeiten.

Im Video oben demonstriert Fernsehkoch Christian Rach, wie es geht - er erklärt auch, warum man für die echte Paleo-Speise unbedingt einige Hände voll Heu besorgen sollte. Und mehr historische Rezepte finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "SPIEGEL Geschichte".

Das Rezept zum Steinzeit-Fisch:

Ein Fisch im Ganzen, ca. 1,5 kg, ausgenommen, nicht geschuppt (z.B. Wolfsbarsch)
1 kg grobes Meersalz
1 kg Mehl
3 Eiweiß
Ca. 400 ml Wasser
1 Eigelb
3 Handvoll Heu (aus der Zoohandlung)

1. Backofen auf 180°C (Umluft) vorheizen. Fisch innen und außen kalt abbrausen und trockentupfen.

2. Für den Salzteig alle Zutaten in einer Schüssel zu einem homogenen Teig verkneten.

3. Den Salzteig auf der Arbeitsfläche mit einem Nudelholz zu einem Rechteck ausrollen, das ca. 10 cm länger als das Fisch und etwa dreimal so breit ist. Eigelb verquirlen und damit die Ränder ringsum bestreichen.

4. Die Hälfte des Heus in der Mitte des ausgerollten Salzteigs in der Länge des Fisches verteilen, darauf den Fisch setzen. Das restliche Heu auf dem Fisch verteilen.

5. Salzteig über den Fisch klappen, an den Enden zusammendrücken und die Ränder festdrücken.

6. Fisch im Salzmantel mit einer großen Palette auf ein Backblech setzen und für 45 - 50 Min. auf zweiter Schiene von unten in den heißen Backofen geben.

7. Das Blech aus dem Ofen nehmen und kurz etwas abkühlen lassen. Salzteig mit einem Sägemesser vorsichtig aufschneiden, ohne dabei den Fisch zu verletzen.

Guten Appetit!

insgesamt 13 Beiträge
Daniel Schiele 03.02.2019
1.
Wir wäre es, den Fisch am Spieß über ein offenes Feuer zu halten? Dann wäre Jagen und Zubereiten eine Einheit.
Wir wäre es, den Fisch am Spieß über ein offenes Feuer zu halten? Dann wäre Jagen und Zubereiten eine Einheit.
Anette Nagel 03.02.2019
2. Und warum nun das Heu?
Das erklärt der Artikel nicht. Nur, was man damit macht. So kann ich nur mutmaßen. Schade. Aber ich finde Paleo überbewertet. Wobei es natürlich darauf ankommt, was man damit bezweckt. Rein als Versuch könnte ich mir es [...]
Das erklärt der Artikel nicht. Nur, was man damit macht. So kann ich nur mutmaßen. Schade. Aber ich finde Paleo überbewertet. Wobei es natürlich darauf ankommt, was man damit bezweckt. Rein als Versuch könnte ich mir es nicht uninteressant vorstellen. Oft haben ja solche Umstellungen etwas Reinigendes (als eine Art Askese), um sich mal wieder bewusst zu machen, wie denaturiert unser Esen oft ist. Wenn es nur um das Abnehmen gehen sollte, da glaube ich dass es eher darauf ankommt hochwertige Lebensmittel und die in geringerer Menge zu sich zu nehmen. Letztendlich ist es eine Frage der Physik: Wer mehr zu sich nimmt als er verbraucht, wird dick. Dass es wertvollere Lebensmittel gibt, die den Körper besser sättigen, und eine Diät langfristig mehr Erfolg verspricht weiß mittlerweile jeder (z.B. Produkte aus Vollkorn anstatt Weißmehl). Also geht es auch um die Psyche und das Durchhaltevermögen. Wer an eine Diät glaubt, hält länger durch. Da ist natürlich hilfreich nicht wirklich hungern zu müssen (und den Jojo-Effekt darf man auch nicht unterschätzen). Wer also nicht lernt, wie er seine Ernährung grundsätzlich verbessert (z.B. dass er Softdrinks durch Wasser oder Kräutertee ersetzt) wird langfristig nicht abnehmen können. Zum Salzteig: Ich wurde mal zum Fisch in Salzteig eingeladen, da schmeckte der Fisch komplett versalzen. Seither habe ich Respekt vor der Salzteigkruste. Vielleicht tut das Heu hier seinen Dienst?!?
Klaus Muche 03.02.2019
3. Warum Salzteig?
Geht nicht auch Brotteig?
Geht nicht auch Brotteig?
Ingo Schmidt-Philipp 03.02.2019
4. Paleo heisst alt - es geht um die Altsteinzeit
und die endet spätestens mit der letzten Kaltzeit. Alle Getreide dagegen werden ab dem Neulothicum kultiviert und frühestens seit dem Mesolithicum dazwischen genutzt. Als Beispiel einen Fisch in Brotteig zu bringen - mit [...]
und die endet spätestens mit der letzten Kaltzeit. Alle Getreide dagegen werden ab dem Neulothicum kultiviert und frühestens seit dem Mesolithicum dazwischen genutzt. Als Beispiel einen Fisch in Brotteig zu bringen - mit MEHL - ist also totaler, völliger Unsinn. Übrigens auch das Salz.
Harald Wilden 03.02.2019
5. Lebensmittelvernichtung
Hier wird erklärt, wie ein Kilo Mehl und drei Eier, also Lebensmittel, ungenießbar gemacht werden. Oder wird irgendjemand den Salzteig als Beilage verspeisen?
Hier wird erklärt, wie ein Kilo Mehl und drei Eier, also Lebensmittel, ungenießbar gemacht werden. Oder wird irgendjemand den Salzteig als Beilage verspeisen?

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