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einestages

Augenblick mal!

Riese spielt Murmeln

Das war so was von knapp: Um Haaresbreite verfehlte die riesige rollende Gesteinskugel das Wohnhaus in den Weinbergen. Was war da los? einestages erzählt die Geschichten hinter verblüffenden Fotos.

Tareom
Von
Montag, 16.05.2016   07:18 Uhr

Die Landschaft sieht aus, als hätte dort jemand Murmeln gespielt. Jemand sehr großes. Mit sehr, sehr großen Murmeln. Auf ihrer Bahn hangabwärts hinterließ die rollende Steinkugel eine tiefe Furche; inmitten von Weinstöcken blieb sie liegen. In der Luftaufnahme wirkt die Szenerie wie ein Spiel der Natur, Boccia würde man hier wohl sagen.

Das Foto entstand in Norditalien, in dem kleinen Örtchen Rungg südlich von Tramin an der Südtiroler Weinstraße. Felsbrocken hatten sich am Abend des 21. Januar 2014 aus den Grauner Wänden gelöst und waren über die Weinhänge des Freisingerhofs gedonnert. Die Bewohner nahmen ein Geräusch wahr, als wäre ein Güterzug durch ihr Haus gerauscht.

Was in der Luftaufnahme nach einem Riesen-Spiel aussieht, hatte in der Realität mit viel Glück oder höherem Beistand zu tun: Niemand wurde verletzt. Allerdings walzte die gigantische Steinkugel nicht nur den Acker platt, sondern gleich auch die Scheune des Hofes samt Fahrzeugen und Maschinen. Sie war über das Wirtschaftsgebäude einfach hinweggerollt - und stoppte mit wenig Abstand vor einer noch größeren Gesteinskugel.

Das vermeintliche Spiel ist offenbar auf lange Zeit angelegt: Bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, dass der größere Fels sich seinen Weg schon vor vielen Jahren gebahnt hatte - vom Weingut des jahrhundertealten Hofes wurde er sorgsam eingehegt.

Noch weit dramatischer wirkt ein anderes Foto aus dieser Serie der Tareom-Luftaufnahmen: Der größte Gesteinsbrocken, der an diesem Abend zu Tal rauschte, blieb nur wenige Zentimeter vor dem Wohngebäude liegen - und kappte die Gemeindestraße.

Die Aufräumarbeiten dauerten Monate, noch länger der Wiederaufbau. Auf Facebook posteten Anwohner Fotos vom Verbleib des haushohen Brockens: Der bildet, passgerecht zerlegt und in handliche Stücke zerkleinert, die neue Begrenzungsmauer der Straße.

Die insgesamt rund 3000 bis 4000 Kubikmeter abgestürzten Gesteins reichten zwischenzeitlich auch noch für den Bau eines Steinschlagschutzdamms zur Absicherungen gegen künftige Ereignisse dieser Art. Zumindest für dieses Bauvorhaben gilt: Die Materiallieferung erfolgte prompt, wenn auch etwas rumpelig.

Harry Warnecke/NY Daily News Archive/Getty Images

The LIFE Picture Collection/Getty Images

Library of Congress

Library of Congress

Nationaal Archief/Collectie Spaarnestad/Het Leven

Burton Historical Collection, Detroit Public Library

Stanford University

Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz

insgesamt 6 Beiträge
Andreas Kielmann 16.05.2016
1. höherer Beistand
Gott hat wieder nicht getroffen. Looser ! Glück wars was die Leute hatten.
Gott hat wieder nicht getroffen. Looser ! Glück wars was die Leute hatten.
Klausi Fuchs 16.05.2016
2. Interessantes Detail:
Um den Überlandleitungsmast wurde eilig ein Wall aufgeschüttet - kann ja nicht sein, dass wegen sowas blödem überall das Licht ausgeht. Die Bauern müssen halt schauen wie und ob sie überleben...
Um den Überlandleitungsmast wurde eilig ein Wall aufgeschüttet - kann ja nicht sein, dass wegen sowas blödem überall das Licht ausgeht. Die Bauern müssen halt schauen wie und ob sie überleben...
Jay Siebzig 16.05.2016
3. Dort Steinschlagschutz Wallanlagen aufzuschütten...
wird bei der Murmelgröße wohl nur bedingt Schutz bieten, denke ich. Der Klümpchen das da so elegant durch die Scheune marschiert ist, dürfte nach meiner Schätzung, obwohl ich die Gesteinsart nicht kenne, locker an die 50 [...]
wird bei der Murmelgröße wohl nur bedingt Schutz bieten, denke ich. Der Klümpchen das da so elegant durch die Scheune marschiert ist, dürfte nach meiner Schätzung, obwohl ich die Gesteinsart nicht kenne, locker an die 50 Tonnen wiegen. Das multipliziert mit der Geschwindigkeit durch die Sturzhöhe... nee... Autsch! Sicherlich ist das ein zig- Jahrhunderte- ereignis gewesen, wie schon das Klümpchen im Weinberg zeigt. Aber ob das beim nächsten mal solche "kleinen" Steinchen bleiben, das sei, nach ansicht des Drohnen Videos dahingestellt. Und der Gittermast ist für solche Ereignisse trotz Schutzwall aus (Braune Erde??? = Mutterboden = kein Schutz gegen 50 Tonnen Massives Gestein mit bestimmt 100 Km/Std. Eigengeschwindigkeit) dann auch kein ernst zu nehmender Gegner.
Karl Bund 16.05.2016
4. @ Andreas Kielmann
Ich bin ganz der gegenteiligen Meinung. Schauen Sie hin, genauer kann man nicht zielen...
Ich bin ganz der gegenteiligen Meinung. Schauen Sie hin, genauer kann man nicht zielen...
Dieter M. Schulz-Hoos 17.05.2016
5. Warnung ...
Schaut man sich die Formation oben am Berg an, so erkennt man, dass solch ein Abbruch und dessen Folgen genau so wieder eintreten können. Die Warnung war deutlich, aber wenn man sie nicht hört oder sieht oder beides nicht [...]
Schaut man sich die Formation oben am Berg an, so erkennt man, dass solch ein Abbruch und dessen Folgen genau so wieder eintreten können. Die Warnung war deutlich, aber wenn man sie nicht hört oder sieht oder beides nicht will...

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