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einestages

Stadtviertel South of Market in San Francisco

Bevor die Hipster kamen

Heimat für Künstler, Arbeiter, Schwule: Janet Delaney fotografierte in den Siebziger- und Achtzigerjahren den Stadtteil South of Market in San Francisco. Ihre Aufnahmen zeigen eine verschwundene Welt.

Janet Delaney
Von
Sonntag, 31.12.2017   07:07 Uhr

Twitter, Airbnb oder Yelp - South of Market, ein Stadtteil in San Francisco, ist heute Heimat vieler Internetunternehmen. Doch wie sah es hier in SoMa aus, bevor sich diese Firmen ansiedelten? Die US-Fotografin Janet Delaney hat das Viertel in den Siebziger- und Achtzigerjahren fotografiert, als es noch zu großen Teilen aus Lagerhallen, Autohäusern sowie kleinen Läden bestand und überwiegend Arbeiter und Künstler, Homosexuelle und Einwandererfamilien anzog.

Die Fotografin lebte selbst ab 1978 in der Nachbarschaft, um am San Francisco Art Institute zu studieren. Damals war sie 26 Jahre alt und freute sich über die günstigen Mietpreise. Der Bau des riesigen Moscone North Kongresszentrums hatte zu dieser Zeit gerade begonnen. Er markierte den Beginn eines umfangreichen Sanierungsprozesses in South of Market, der das Gesicht des Viertels stark verändern und das Leben der Menschen tief beeinflussen sollte.

Fotostrecke

South of Market früher: Arbeiterviertel und Künstlerhochburg

Delaney erkannte, was dieser Wandel für ihren Stadtteil bedeutete - und begann, ihn mit der Kamera zu dokumentieren. In ihrem Bildband "South of Market" zeigt sie 150 Fotografien, die zwischen 1978 und 1986 entstanden sind.

Über acht Jahre hinweg fotografierte Delaney Gebäude, Straßen und Baumaßnahmen. Sie achtete besonders auf die Menschen und die kleinen Momente des alltäglichen Lebens: eine Angestellte, die ein Auto repariert; drei Jungen, die an der Ecke warten; eine Frau, die die Vorhalle eines Hotels fegt. Delaney zeigt Schmiede, Friseure, Künstler: "Ich wollte den Menschen, die schon lange hier leben, eine Stimme geben - denjenigen, die am meisten von der der Gentrifizierung betroffen sein würden."

Die Fotografin sprach mit den Anwohnern, um zu erfahren, was der Wandel für sie bedeutete. Meist seien die Leute begierig gewesen, ihre Geschichte zu erzählen, so Delaney. Sie hätten gespürt, dass die Fotografien ein Bewusstsein für ihre Situation schaffen könnten.

Damals erreichten Delaneys Fotografien allerdings nur begrenzte Anerkennung. "Ich begann zu glauben, dass die Arbeit nicht so toll war", sagt sie. Doch in den letzten Jahren erhielt die Serie mehr Aufmerksamkeit: "Diese Fotos zeigen ein Viertel, das jüngere Leute so nicht mehr kennen und an das sich ältere Menschen nur noch erinnern können", so Delaney. "Dieser Ort existiert nicht mehr."

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Janet Delaney:
South of Market

FAMSF PUBLICATIONS, 104 Seiten.

Auch wenn die Fotografin die Veränderungen der Stadt miterlebt hat, beklagt sie nicht, was aus South of Market geworden ist: "Es ist einfach, nostalgisch zu sein, aber die Vergangenheit war kein einfacher Platz zum Leben." Viele Dinge hätten sich in South of Market zum Besseren entwickelt.

Seit 2011 fotografiert Janet Delaney ihre alte Wohngegend erneut: Mit dem Projekt "SoMa Now" will sie zeigen, wie es heute dort aussieht - und dass der Stadtteil immer noch im Wandel ist.

insgesamt 6 Beiträge
stefan_in_ca 31.12.2017
1. Tolle Bilder...
... besonders wenn man die Gegend heute kennt. Bei Bild 14 ist ein kleiner Fehler, die 645th Street gibt es nicht, so groß ist San Francisco dann auch nicht... "Traum in Rot: Die Bar eines Tennisclubs in der 645th Street [...]
... besonders wenn man die Gegend heute kennt. Bei Bild 14 ist ein kleiner Fehler, die 645th Street gibt es nicht, so groß ist San Francisco dann auch nicht... "Traum in Rot: Die Bar eines Tennisclubs in der 645th Street (Foto von 1980)"
Holger Poppendieck 31.12.2017
2. Nützt ja nix
80er eher 90er kahm ich als junger Schwuler in die Stadt. Fand die ob ihrer Lage und Kultur faszinierend und abstoßend, weil Getto, gleichzeitig, Dann später als Ingenieur habe ich für dortige Firmen gearbeitet. Nun alles [...]
80er eher 90er kahm ich als junger Schwuler in die Stadt. Fand die ob ihrer Lage und Kultur faszinierend und abstoßend, weil Getto, gleichzeitig, Dann später als Ingenieur habe ich für dortige Firmen gearbeitet. Nun alles völlig überlaufen und teuer. Das Leben geht eben immer weiter wohl gut so.
E. Lerch 31.12.2017
3. Wow!
Eins Stadtteil, der aus Lagerhallen und Autohäusern bestand, dessen billige Mieten vorrangig Migranten und (Lebens-)Künstler anlockte. Klingt paradiesisch. Bis die fiesen Hipster kamen und dieses Idyll vernichteten. Schön, [...]
Eins Stadtteil, der aus Lagerhallen und Autohäusern bestand, dessen billige Mieten vorrangig Migranten und (Lebens-)Künstler anlockte. Klingt paradiesisch. Bis die fiesen Hipster kamen und dieses Idyll vernichteten. Schön, dass Frau Delaney (oder Delanay? Man weiß es nicht. Korrektur gelesen wird bei SPON wohl nicht mehr) wenigstens äußert, dass es früher nicht besser war. Dem geneigten Leser bleibt wohl aber eher die provokante Titelzeile im Gedächtnis.
Out dated 01.01.2018
4. Vertreibung?
Ich denke das ist es worum es hier gewissermaßen geht. Die alten Einwohner, ihre Leben und ihre Gesellschaft wurden ... aufgelöst. Klar mögen die Häuser heute schöner sein, doch es sind jetzt eben andere Menschen dort und [...]
Ich denke das ist es worum es hier gewissermaßen geht. Die alten Einwohner, ihre Leben und ihre Gesellschaft wurden ... aufgelöst. Klar mögen die Häuser heute schöner sein, doch es sind jetzt eben andere Menschen dort und das alte Viertel ist fort. Das mag man für nichtig halten, Ich kann das gefühl von verlorener Heimat nachempfinden.
maxtab muster 02.01.2018
5.
Schade, dass die eigentliche Information, das Gegenüberstellen von Bildern Damals/Heute fehlt So ist der Artikel wenig wert, allenfalls für Locals
Schade, dass die eigentliche Information, das Gegenüberstellen von Bildern Damals/Heute fehlt So ist der Artikel wenig wert, allenfalls für Locals

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