Schrift:
Ansicht Home:
Forum
Gesundheit

Gesetzentwurf: Bayern will Daten von Psychiatrie-Patienten über Jahre speichern

DPA In Bayern ist ein neues Psychiatrie-Gesetz auf dem Weg, das stark kritisiert wird. Denn in dem vorliegenden Entwurf geht es vor allem um Gefahrenabwehr - und Datensammlung.
zum Artikel
Im mobilen Forum können sie die Beiträge nur lesen.
Um zu kommentieren, verwenden Sie bitte die Kommentarfunktion im Artikel.
    Seite 1/4    
#1 - 16.04.2018, 22:33 von hannibalanteportas

Liebe CSU-Wähler

Sollten Sie Ihr Kreuz im Herbst bei der CSU machen, seien sie sich gewahr, dass noch mehr solche menschenverachtenden Gesetzte beschlossen werden.
Und wenn Sie denken, dass Sie von der Novelle des PAG und dieser amoralischen Gesetzesvorlage nicht betroffen sind, dann irren Sie sich gewaltig. Es wird irgendwann letztlich jeden betreffen.
Als Psychotherapeut kann ich mir über diese Gesetzesvorlage nur die Haare raufen. Da fehlt nicht nur jeglicher gesunde Menschenverstand oder wissenschaftlicher Hintergrund, sondern auch jedwede menschliche Güte.
Aber in Deutschland haben wir ja eine christliche Wertekultur, nicht wahr Hr. Söder.
An dieser Vorlage und dem neuen PAG sehen wir, was unsere ach so hochgeliebte Wertekultur in Wirklichkeit ist. Stigmatisierung, Überwachung, Entmenschlichung und Willkür.
Ich weiß wo ich im Herbst mein Kreuz mache.

#2 - 17.04.2018, 03:26 von quark2@mailinator.com

Wir regen uns zurecht über die teilweise Auflösung des Rechtsstaats in Polen oder der Türkei auf. Andererseits schafft sich Bayern mit seinem neuen Polizeigesetz, welches unbegrenztes Festhalten von Personen ohne Anklage oder gar Urteil erlaubt und diesem neuen Psychiatriegesetz Möglichkeiten, die man leicht bößartig als Guantanamo-light bezeichnen könnte. Wenn der Osten solche Dinge früher gemacht hat, denn hat die Bundesregierung dies zurecht als nicht rechtsstaatlich gegeiselt. Mir gruselt bei der Vorstellung, daß ein deutsches Bundesland sich hier offenbar ganz gezielt Möglichkeiten schafft, Menschen gegen ihren Willen und ohne anwaltliche Vertretung unbegrenzt wegzusperren. Das ist mir in der Praxis zu leicht zu mißbrauchen.

#3 - 17.04.2018, 04:13 von dasfred

Sind psychisch Kranke tickende Zeitbomben?

Die allermeisten Kranken sind ungefährlich und brauchen zeitnahe Behandlung. Selten ist dabei die Unterbringung in der Klinik wirklich die beste Lösung. Dort werden viele Patienten nur dauerhaft ruhig gestellt und bleiben unter "Beobachtung". Das heißt, mehr als eine Stunde Behandlung durch einen Facharzt pro Woche ist kaum drin, stattdessen wird mit Medikamenten experimentiert, da richtige Diagnosen auf Anhieb Glücksache sind. Vereinzelt hat man in Deutschland für Kranke eine Fallpauschale eingeführt. Im Ergebnis verkürzt sich die Zeit in der Klinik enorm und der Patient wird Zuhause ambulant weiterbetreut. Die meisten Patienten waren wesentlich schneller wieder stabilisiert. Was in Bayern geplant wird, geht in die Gegenrichtung. Oberstes Ziel ist nicht mehr die effiziente Behandlung, sondern der vermeintliche Schutz der Bevölkerung. Wer will sich freiwillig in Behandlung begeben, wenn er sofort mit dem Stigma eines Kampfhundes belegt wird. Als unberechenbar gefährlich. Bayern sollte sich zuerst um eine flächendeckende ambulante Versorgung kümmern in Verbindung mit Integration statt Separation der Betroffenen.

#4 - 17.04.2018, 06:27 von anonguest

Mollath

... darf nie wieder passieren. Also nicht, dass er jahrelang illegal weggesperrt war, nein, dass es aufflog.
Den Eindruck macht das Gesetz.

#5 - 17.04.2018, 08:24 von aurora77

Die bayerische Angst ist psychotisch

Man kann nur hoffen, dass dieses Gesetz - sollte es tatsächlich kommen- schnell vor dem Verfassungsgericht landet. Menschen, die lediglich sich selbst gefährden, wie Straftäter zu behandeln, ist nicht verfassungsgemäß, denn Suizid ist nicht strafbar. Leider gelten in der Psychiatrie zudem viele strafrechtliche Grundsätze nicht, wie z.B. der In-dubio-pro-reo- Grundsatz. Therapiebedürftig finde ich vor allem die übertriebene bayerische Angst. Wer die Geschichte der Psychiatrie kennt, weiß, wieviel Missbrauch damit schon immer getrieben wurde. Solche Gesetze halten Menschen davon ab, sich freiwillig behandeln zu lassen und werden den Kreis der tatsächlich leidenden deutlich vergrößern.

#6 - 17.04.2018, 08:41 von frenchie3

Wenn der Fall Mollath die Basis ist

sprich: alles was da schief ging muß absolut auszuschließen sein - spricht nichts gegen so ein Gesetz. Es muß eindeutig und uninterpretierbar sein damit nicht, wie in D üblich, Richter A so und Richter B ganz anders entscheiden kann

#7 - 17.04.2018, 10:21 von T. Waldmann

Weise Worte

Zitat von hannibalanteportas
Sollten Sie Ihr Kreuz im Herbst bei der CSU machen, seien sie sich gewahr, dass noch mehr solche menschenverachtenden Gesetzte beschlossen werden. Und wenn Sie denken, dass Sie von der Novelle des PAG und dieser amoralischen Gesetzesvorlage nicht betroffen sind, dann irren Sie sich ......
Letztendlich wird es passieren da auf der einen Seite Paranoia verbreitet wird durch genau die Medien wo es die meisten trifft und auf der anderen Seite diejenigen die tatsächlich etwas bewirken könnten das Risiko nicht eingehen wollen wegen möglichen Machtverlust oder noch eher "wovon ich ausgehe" es denen einfach absolut egal ist da Kapitalismus&Egoismus im völligen Einklang stehen und die Zeiten von einem Für- und Miteinander dahinschwinden. Die zukünftige Jugend besteht "fast" nur aus "leider" beschränkten Konsumenten ... ich schweife ab.
Zitat: „Stigmatisierung, Überwachung, Entmenschlichung und Willkür.
Ich weiß wo ich im Herbst mein Kreuz mache."
Dem kann ich nur zustimmen!!

#8 - 17.04.2018, 10:48 von murksdoc

Berufsordnung

Ärzte und Kliniken müssen ALLE Patientendaten 10 Jahre lang aufbewahren, Röntgenbilder und Therapiedaten mit radioaktiven Stoffen 30 Jahre, D-Arzt-Verfahren (Betriebsunfälle) und Behandlung mit Blutprodukten 15 Jahre. Wo genau ist jetzt das Problem? https://is.gd/nETx2o

#9 - 17.04.2018, 11:06 von bronstin

Aktenaufbewahrung

Warum nicht - es kann auch dazu dienen, familiäre Prädispositionen aufzuklräen... War bis in die 1970er üblich, wurde genutzt und trug mehr als die 30-Jahresfrist dazubei, bestimmte Sachen besser nachvollziehen zu können. Heutzutage wird eine neue Akte angelegt und anschließend wundert man sich über den Aufwand, den eine Familienanamnese erfordert.

Es sei nur nebenher bemerkt, dass die Psychiatriegeschichte mittels Krankenakten bis Anfang der 1960er recht gut nachvollziebar ist und dann wird es seheeer eng. Ein Problem ist, dass Archiv nur noch drei Anfangsbuchtsaben von Nachnamen aufheben (mit dem Hinweis, dies sei repräsentativ). Mit der Methode würde ein Großteil der Akten zu Euthanasieopfern aus dem Postkartenmalerreich zwangsweise vernichtet werden müssen... Wer weis denn wirklich, ob man in der Zukunft nicht nochmal Längsschnittstudien dazu erarbeiten muss, um bestimmte Krankheitsbilder auf eine validere Basis zu heben? Keiner - aber hauptsache Datenschutz ist alles (übrigens darf man Psychiatrieakten nur mit besonderer Genemigung einsehen und das aus mehreren guten wie berechtigten Gründen)

MfG

    Seite 1/4