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Gesundheit

Lebenskrise: Vom Schwergewicht zum Gleichgewicht

Getty Images/EyeEm Weg von höher, schneller, weiter: Michael Klotzbier, Ex-160-Kilo-Mann, begräbt seine Mission, unter 100 Kilo zu wiegen. Warum? Weil er als "Botschafter der Dicken" gegen die Stigmatisierung von Übergewichtigen kämpft.
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#10 - 11.02.2019, 13:33 von acitapple

Zitat von bunterepublik
Aber dazu braucht man nicht nur die Zeit, sondern darf letztlich nicht außer Haus essen gehen (keine Kantine, keine Restaurants etc.); und wer hat dazu schon immer Lust oder den Nerv, gerade in schwierigen Lebensumständen? Nur Aufgeben ist keine Alternative; der Herr muss sich innerlich sammeln und wieder abnehmen!
Man kann dem entgegnen, indem man selbst kocht und sich damit befasst. Man kann dann z.B. für 2-3 Tage im Voraus was zubereiten und mitnehmen. Da gibts dann keine versteckten Kalorien und man weiß genau was drin ist. Trotzdem kann man ins Restaurant oder in die Kantine, nur eben nicht mehr jeden Tag. Ich denke Sie wissen, dass sich auch solche Kleinigkeiten läppern. Man muss auch nicht gleich Veganer, Frutarier oder sonstwas werden. Bewußt essen !

Mich hat es viel Zeit und Überwindung gekostet täglich die Tupperdose mitzuschleppen. Wenn dann andere daneben sitzen und sich ne Pizza bestellt haben ekelt mich das schon richtig an im Vergleich zu meiner leckeren, selbst gemachten Mahlzeit. Aber ja, die Zeit muss man sich nehmen, dafür muss man aber auch nicht jeden Tag kochen.

#11 - 11.02.2019, 13:43 von golfstrom1

Übergewicht

Ja, das Thema Übergewicht ist in der westlichen Welt extrem präsent, weil es doch im Wesentlichen ein hausgemachtes Problem unserer Gesellschaft ist. Faktum ist, dass Übergewicht im Hauptteil anerzogen ist meiner Meinung nach. Das bedeutet, wie bringe ich Kindern das Thema Ernährung bei. In unserer Gesellschaft wird sich, wie im Artikel schon beschrieben, mit Essen oder Trinken belohnt. Dazu kommt, dass wir in den meisten Fällen anerzogen bekommen, dass stark gesüßte Lebensmittel besser schmecken als naturbelassene. Bei Feiern oder ähnlichem wird ungesund getrunken oder gegessen. Das bedeutet, wenn wir das Thema Übergewicht in unserer Gesellschaft angehen wollen, müssen wir bei den Kleinsten anfangen. In Kitas, Schulen und ähnlichen Einrichtungen muss auf deutlich höherem Niveau Essen serviert werden. Gesunde Lebensmittel müssen günstiger sein als ungesunde. Das bedeutet es müsste eine Steuer erhoben werden auf Cola, Schokolade, Chips und ähnlichen. Wenn man für 0,60 Cent eine Tüte Erdnussflips kaufen kann, dann stimmt hier was nicht. Warum kostet solch eine Tüte keine 5,-?

#12 - 11.02.2019, 13:47 von DidierSix

Danke!

Lieber Michael, dein Artikel ist stark! Ich bin beeindruckt, wie offen und authentisch Du von deinem Weg berichtest. Und ich wünsche mir, dass er allen, die immer mal wieder Umwege gehen müssen, Auszeiten und Pausen haben, davon ermutigt werden, sich nicht abzuwerten. Dir wünsche ich eine gute Weiterreise :-), herzlichst, Judith

#13 - 11.02.2019, 13:49 von DidierSix

Zitat von acitapple
Ich kann es echt nicht fassen. Klingt wie ein Ex-Raucher, der Jahre durchgehalten aber doch wieder mit dem Rauchen angefangen hat. Alle Mühen und Kämpfe ignoriert und wieder zurückgefallen. Wo bleibt das genannte Kindervorbild ? Und von welcher Stigmatisierung redet er ? Dicke, hab selbst ein paar Pfunde zuviel und weiß es daher, gelten als faul und undiszipliniert weil sie es eben tatsächlich sind. Hat er doch selbst beschrieben, ließ die Zügel schleifen, hat sich was „gegönnt“ und schwupps, all die Arbeit dahin. Die einzige Botschaft aus der ganzen Story heißt „schönreden“. Wie toll man sich doch fühlt beim Abnehmen und wenn das Ziel erreicht ist. Offenbar fühlt man sich mit ekligen Törtchen doch noch besser. Selbst die Angst vor einem Tumor bewirkt kein Umdenken. Sehr traurig, dabei habe ich stets mit ihm mitgefiebert. Das Ziel sollte nicht der dämliche Marathon sein, sondern ein gesundes, langes Leben. Wer darauf keinen Wert legt soll eben rauchen und essen und die Rentenkasse entlasten. Sorry, ich bin echt fassungslos…
Worüber ärgerst du dich eigentlich wirklich? Was genau hat Michaels Weg mit dir zu tun? Schreib doch gern darüber

#14 - 11.02.2019, 13:53 von Newspeak

...

Zitat von MADmanOne
[...] Aber was die Diziplin angeht würde ich eher sagen "Nicht jeder Dicke ist krank, faul oder undiszipliniert". Viele aber leider schon. Denn "ein Bierchen hier" und ein "Törtchen da" ist eben nun mal eine Disziplinschwäche, da gibt es nichts dran zu rütteln. [...]
Es muss nicht Disziplin sein. Fragen sie doch mal einen Duennen, der essen kann, was er will, in durchaus groesseren Mengen, ob es die Disziplin ist, die ihn von mehr essen abhaelt. Ist es naemlich normalerweise nicht. Er hat nur einfach kein Verlangen danach. Disziplin heisst aber, ein grundsaetzliches Verlangen aktiv zu unterdruecken. Das ist doch ganz etwas Anderes. Haette der Duenne naemlich dasselbe Verlangen, wuerde er bald feststellen, wie dumm es ist, von Disziplin zu reden, weil er sie selbst nicht aufbringen koennte.

Man darf auch die Vorgeschichte nicht vergessen. Wer dick ist, hat meistens auch einen groesseren Magen. Es gibt im Magen aber Rezeptoren, die ueber die Ausdehnung dem Gehirn sagen, wann das Hungergefuehl verschwinden soll, wann man sich satt fuehlt. Wenn sie dem nicht nachkommen, weil sie Diaet machen, dann haben sie dauernd Hunger, egal, ob sie gerade etwas gegessen haben, oder nicht. Solange, bis sie zuviel gegessen haben, naemlich so, wie sie es sich angewoehnt haben. Diese Gewoehnung hat also physische Ursachen, die nicht einfach so verschwinden, weil man sich nun das Ziel setzt, weniger Kalorien aufzunehmen. Das wird alles ignoriert.

Auf Herrn Klotzbier angewandt heisst das: Er hat unter Bedingungen abgenommen, die voellig unrealistisch dauerhaft aufrechtzuerhalten sind. Niemand faehrt sein ganzes folgendes Leben lang mehrere 100 km Rad. Es fahr von vorneherein klar, dass man das nicht durchhalten kann. Wenn man abnehmen will, dauerhaft, dann muss man sein Verhalten in einem realistischen Masse umstellen. Und vor allem ueber die Ernaehrung. Nicht ueber Sport. Sport ist immer etwas, dass man aktiv machen muss. Bei der Ernaehrung faellt es viel leichter auch mal passiv etwas sein zu lassen, etwas nicht zu kaufen, etwas nicht zu essen. Das ist fuer den dauerhaften Erfolg viel wichtiger. Man muss Dinge, die aktiv sind, allenfalls in seinen Alltag einbauen. Die Treppe nehmen, und nicht den Lift. Kleinigkeiten. Die in der Summe wirksam sind. Nicht diese Marathon Geschichten, die einmal im Jahr stattfinden.

#15 - 11.02.2019, 13:57 von super-m

Schön, dass hier einige Kommentare in die richtige Richtung gehen, zB #4 und #9. Dick sein hat nichts mit Stigmatisierung zu tun, body positivity ist hier auch gänzlich fehl am Platz. Das Problem in unserer Gesellschaft ist nicht, dass dicke stigmatisiert werden, sondern dass immer weiter versucht wird Übergewicht als normal darzustellen. Der Text ist ein wunderbares Beispiel dafür: viele Entschuldigungen, viele Relativierungen... das "Special Snowflake"-Syndrom. "Sehr mich an, ich hab es besonders schwer",obwohl jeder Mensch ähnliche Probleme hat, mit denen er täglich umgehen muss. Und selbst die üble Diagnosen bewirken kein Umdenken. Es nervt mich, dass sich so viele übergewichtige auf Kosten anderer gehen lassen, dass ich deren Folgekrankheiten mit meinen Angaben finanzieren muss und die Behandlung von Menschen, die ohne eigenes Verschulden unter Krankheiten leiden, deswegen möglicherweise zu kurz kommt. Jeder Raucher zahlt indirekt für sein Laster über die Tabaksteuer an die Krankenkassen, wann müssen endlich stark Übergewichtige ihren Beitrag leisten?

#16 - 11.02.2019, 13:58 von Newspeak

...

Zitat von acitapple
[...] Und von welcher Stigmatisierung redet er ? Dicke, hab selbst ein paar Pfunde zuviel und weiß es daher, gelten als faul und undiszipliniert weil sie es eben tatsächlich sind. [...]
Die meisten Duennen, die ich kenne, sind deswegen nicht fleissig und diszipliniert. Die machen einfach auch keinen Sport, nehmen aber deshalb nicht zu.

Es ist ungefaehr so, als ob man einem 1,90 m grossen Menschen vorwirft, dass er keine Disziplin habe, kleiner zu werden, wo das doch viele andere Menschen problemlos sind.

Ich bin nicht dafuer, dass man sich das schoenreden muss. Body Positivity ist Unsinn. Dick sein hat immer gravierende Nachteile. Deshalb muss man sich aber nicht hassen, deshalb koennen andere einem mit Respekt begegnen, und deshalb braucht es das Gerede von der Disziplin auch nicht.

#17 - 11.02.2019, 13:59 von olli08

Auf das Stigma kommtz es gar nicht an ...

... und auch nicht darauf, ob jemand "faul oder undiszipliniert" ist. Das ist m.E. Privatesache und häufig von anderen nicht zu beurteilen.
Aber, Herr Klotzbier, was ihnen erst ihr Körper, dann ihr Arzt früher oder später sagen wird, damit müssen hoffentlich auch nur sie alleine klar kommen. Und sie alleine müssen sich die Frage beantworten, ob sie dann damit leben wollen ...

#18 - 11.02.2019, 14:32 von Anna156464641156

Levve un levve losse

Zunächst einmal finde ich den Artikel schön geschrieben und erfrischend ehrlich. Öffentlich sein scheitern einzugestehen braucht definitiv Überwindung. Nur verstehe ich teilweise Ablehnung hier im Forum überhaupt nicht. Ja mir ist klar das Dicke ungesünder Leben und das Risiko auf Krankheiten erhöht ist. Aber was soll das Gerede von Disziplin und man muss sich nur gesund ernähren. Ja und dann wird man auch irgendwann alt und krank und dement und muss auf Kosten anderer leben. Es ist doch quark zu glauben das man nur einen gesunden Lebensstiel haben muss und man lebt ewig oder wie stellen sich die Leute das vor? Bei Dicken tritt das unvermeidliche einfach nur früher ein. Dadurch ist es aber nicht schlimmer oder besser oder irgendwas. Also einfach die Leute leben lassen.

#19 - 11.02.2019, 14:43 von MarcoX

Ich habe mich früher immer lustig über die Leute gemacht, die es nicht einmal schaffen, das bisschen Selbstdisziplin aufzubringen und jeden Tag etwas weniger zu essen. Bis ich eines Tages feststellte, dass ich mir selber mit 100 kg nicht mehr gefiel und von einem Tag auf den anderen das Frühstück ausfallen und Mittag- und Abendessen quantitativ auf dem ursprünglichen Level ließ. Nach 3 Monaten war ich bei 80 kg, die ich ein Jahr später immer noch mühelos halte. Natürlich hat man zwischendurch mal gewaltig Hunger dabei, aber da muss man eben hart bleiben. Jetzt finde ich es noch viel lustiger, wenn die Leute davon faseln, wie schwer abnehmen doch ist und sie ihre Charakterschwäche vor großem Publikum breit treten müssen. Es ist so einfach: Kalorienverbrauch>Kalorienaufnahme --> Gewichtsverlust

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