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Arbeitsrecht: Warum Beamte leichter versetzt werden können als Angestellte

DPA "Ab morgen arbeiten Sie in unserer Außenstelle im Archiv!" Arbeitgeber haben ein starkes Weisungsrecht, auch bei Versetzungen ihrer Mitarbeiter. Was Sie sich gefallen lassen müssen - und was nicht.
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#1 - 15.05.2018, 20:22 von kirschlorber

Auf welchem Planeten lebt Herr Himmelrath?

Arbeitnehmer können jederzeit gekündigt werden wenn die Tätigkeit betriebsbedingt wegfällt. Sie können dann froh sein wenn der Betrieb einen vergleichbaren Job an einem anderen Standort anbietet. Dazu nehmen sie meist weite Anfahrten in Kauf. Wann wird denn mal ein Beamter gegen seinen Willen versetzt? Soldaten vielleicht. Aber in Behörden? Sehr selten. Außerdem dürften die Privilegien den Schmerz lindern. Z.B. Rente. Arbeitnehmer 43%. Beamte 71,5%.

#2 - 15.05.2018, 20:35 von jozu2

Zwangsweise Umzug bei Beamten

Beamte können sogar gezwungen werden, in der Nähe des Dienstortes zu wohnen. Der Dienstherr bezahlt dann den Umzug inkl. etwaiger Maklerkosten.

#3 - 15.05.2018, 22:59 von grotefend

Naja

Zitat von kirschlorber
Arbeitnehmer können jederzeit gekündigt werden wenn die Tätigkeit betriebsbedingt wegfällt. Sie können dann froh sein wenn der Betrieb einen vergleichbaren Job an einem anderen Standort anbietet. Dazu nehmen sie meist weite Anfahrten in Kauf. Wann wird denn mal ein Beamter gegen seinen Willen versetzt? Soldaten vielleicht. Aber in Behörden? Sehr selten. Außerdem dürften die Privilegien den Schmerz lindern. Z.B. Rente. Arbeitnehmer 43%. Beamte 71,5%.
Ihr Beitrag beinhaltet ein paar Fehler bzw. Unwahrheiten. Zunächst einmal herrscht für den Beamten Residenzpflicht. D.h. dass der Dienstherr den Beamten verpflichten kann - und das ist die Regel - in der Nähe des Dienstortes zu leben. Weite Anfahrten sind damit für den Beamten ausgeschlossen.
Zur Altersversorgung: Das Rentenniveau ist aktuell bei 48% festgeschrieben, nicht bei 43%. Zudem ist die Pension bereits jetzt voll zu versteuern, die Rente noch nicht. Fällt das Rentenniveau weiter, fällt auch das Pensionsniveau. Angestellte im ÖD erhalten zusätzlich zur Rente noch eine Betriebsrente (VBL), sodass sie fast auf Pensionsniveau kommen. Gemäß BVerfG muss bei der Bemessung der Beamtenbezüge das künftige Pensionsniveau mit berücksichtigt werden. Die Pension ist also Teil der Bezüge - würde man die Pensionen abschaffen, müssten die Bezüge also steigen, um die Gehaltsdifferenz zur freien Wirtschaft bei gleicher Qualifikation zu kompensieren.

#4 - 16.05.2018, 06:11 von ulrics

Auch Beamte können nicht von einem auf den anderen Tag an einen so weit entfernt liegenden Ort versetzt werden. Abgeordnet vielleicht noch wobei dies von der Reisezeit im Zusammenhang mit den Arbeitszeiten unzulässig wäre, wenn bereits am nächsten Tag gestartet werden soll.

#5 - 16.05.2018, 07:10 von hersp58

so einfach geht es auch nicht

Dass ein Beamter aus dem Norden erst abends erfährt, dass er am nächsten Tag in Bayern seinen Dienst antreten soll, halte ich für ein Gerücht. Es gibt auch da Mitarbeitervertretungen, die erst einer Versetzung zustimmen müssten. Im Übrigen werden Beamte, die sich nach Bayern versetzten lassen, grundsätzlich eine Stufe schlechter gestellt. Mit gleicher Besoldung ist es dann erst einmal nichts. Es fehlt dann am entscheidenden Kriterium "derselben Besoldung", wenn die Versetzung angeordnet wird.
Alles etwas unausgegoren.

#6 - 16.05.2018, 07:49 von Der_Franke

Sieht in der Regel ein bischen anders aus

Zitat von kirschlorber
Arbeitnehmer können jederzeit gekündigt werden wenn die Tätigkeit betriebsbedingt wegfällt. Sie können dann froh sein wenn der Betrieb einen vergleichbaren Job an einem anderen Standort anbietet. Dazu nehmen sie meist weite Anfahrten in Kauf. Wann wird denn mal ein Beamter gegen seinen Willen versetzt? Soldaten vielleicht. Aber in Behörden? Sehr selten. Außerdem dürften die Privilegien den Schmerz lindern. Z.B. Rente. Arbeitnehmer 43%. Beamte 71,5%.
Meist wird die Versetzung nur vorgeschoben, weil man den Mitarbeiter loswerden will. Die vorgeschobene Versetzung ersetzt also nur die eigentliche betriebsbedingte Kündigung, weil der AG befürchtet, bei der Klage durch den AN sich vor Gericht nicht durchsetzen können. Also gauckelt er den Wegfall des Arbeitsplatzes an Ort A vor.

#7 - 16.05.2018, 08:03 von Plasmabruzzler

Zitat von kirschlorber
1) Wann wird denn mal ein Beamter gegen seinen Willen versetzt? Soldaten vielleicht. 2) Aber in Behörden? Sehr selten. 3) Außerdem dürften die Privilegien den Schmerz lindern. Z.B. Rente. Arbeitnehmer 43%. Beamte 71,5%.
1) Schon mal was vom Bonn-Berlin-Gesetz gehört? Ich kenne aus dem Bekanntenkreis einige, die von Bonn nach Berlin abgeordnet bzw. versetzt wurden. Damit kann man auch Familien auseinanderreißen, wenn bspw. in der Familie der Mann versetzt wird und die Frau am ursprünglichen Dienstort zu verweilen hat.
2) Ein befreundeter Polizist wurde mehrmals in NRW versetzt. Aus dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ist mir auch bekannt, dass man in Koblenz, Eckernförde, Munster und co. munter hin und her versetzt wird.
3) Die ziemlich genau 71,75 Prozent erreicht der Beamte aber nur, wenn er Vollzeit 40 Jahre lang [als Beamter] gearbeitet hat. Die 43% Rente gelten übrigens erst ab 2030. Hinzufügen sollte man noch, dass der Beamte seine Krankenversicherung zahlen muss und dies auch ggf. für den Ehepartner.
Nein, Beamte sind nicht unterprivilegiert, aber nur die Vorteile des Beamtentums aufzuzeigen ist einseitig.

#8 - 16.05.2018, 08:57 von unaufgeregter

Viel Lärm

Es ist für Beamte entscheidend, bei welchem Dienstherrn sie tätig sind. Beamte einer Stadtverwaltung können innerhalb der Stadt versetzt werden und wenn sich jemand für die Beamtenlaufbahn im Bereich des Bundes entscheidet, kann er bundesweit versetzt werden. Das dürfte aber auch jedem klar sein.
Dass jemand mit den Worten "Morgen arbeiten Sie...." versetzt wurde, habe ich in meinem ganzen Berufsleben nicht erlebt. Das lässt u. U. Rückschlüsse auf das Betriebsklima bzw. der Verträglichkeit des Beamten zu.
Als Tarifbeschäftigter im ÖD neide ich meinen verbeamteten Kollegen nichts. In wenigen Jahren erhalte ich neben meiner guten Rente Leistungen der VBL und werde damit gut leben können.
Auch die Meinung einiger Leute, dass privatversicherte Beamte beim Arzt "besser behandelt" werden, ist eine Mär. Ich habe schon oft erlebt, das Beamte aus Gründen der Einnahmenerhöhung des Arztes regelrecht übertherapiert wurden. Die jeweiligen Ergebnisse waren schockierend für mich.

#9 - 16.05.2018, 10:01 von isar56

Die Rechte von Angestellten

kratzen so manchen bayerischen Landrat nicht. Bei uns im Amt werden Angestellte versetzt wie es Euer Gnaden gerade passt. Mehrfach schon kamen Kollegen aus dem Urlaub und erfuhren, dass sie ihre Sachen zusammen packen müssen, weil sie versetzt wurden. Überraschung! Fürsorgepflicht, Hinzuziehen des Personalrats scheren den Herren Landrat wenig. Wer meckert fliegt. Gründe finden sich immer. Running gag nach dem Urlaub: erst mal schauen, wo ich ab heute eingesetzt bin.

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