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Leben und Lernen

Hilfe von der WG-Therapeutin: "Mein Mitbewohner zockt bis in den Morgen"

Getty Images Nicos Mitbewohner besucht keine Vorlesungen mehr, sondern spielt den ganzen Tag Computer. Die WG verlässt er nur, um ins Fitnessstudio zu gehen. Wie kann Nico ihm helfen?
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#1 - 11.02.2019, 08:53 von Johnnynameless

Thema verfehlt Frau Psychologin!

Der Briefschreiber sollte sein Helfersyndrom bearbeiten, und nicht das Verhalten seines Freundes. Vielleicht bereitet dieser sich auf eine Karriere als Profispieler vor, das gibt es ja auch. Er ist jedenfalls erwachsen. Möglicherweise ist es schwer auszuhalten, was er macht, aber er hat jedes Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er will, solange er niemandem wehtut damit. Abgesehen davon, dass er das Geld seiner Eltern ausgibt ist er harmlos! Mit seinen Fitnessstudio-Besuchen scheint er sich ja auch um sein körperliches Wohlergehen zu kümmern - jedenfalls mehr als mancher regulärer Student.
Und übrigens sind seine Eltern mitnichten in der Pflicht, sich darum zu kümmern, dass ihr Kind sein Leben anders gestaltet! Das muss er selbst tun. Die Pflicht der Eltern zur Erziehung endet mit Vollendung des 18. Lebensjahres!

#2 - 11.02.2019, 09:10 von loeweneule

Zitat von Johnnynameless
Der Briefschreiber sollte sein Helfersyndrom bearbeiten, und nicht das Verhalten seines Freundes. Vielleicht bereitet dieser sich auf eine Karriere als Profispieler vor, das gibt es ja auch. Er ist jedenfalls erwachsen. Möglicherweise ist es schwer auszuhalten, was er macht, aber er hat jedes Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er will, solange er niemandem wehtut damit. Abgesehen davon, dass er das Geld seiner Eltern ausgibt ist er harmlos! Mit seinen Fitnessstudio-Besuchen scheint er sich ja auch um sein körperliches Wohlergehen zu kümmern - jedenfalls mehr als mancher regulärer Student. Und übrigens sind seine Eltern mitnichten in der Pflicht, sich darum zu kümmern, dass ihr Kind sein Leben anders gestaltet! Das muss er selbst tun. Die Pflicht der Eltern zur Erziehung endet mit Vollendung des 18. Lebensjahres!
Harmlos? Jemand, der mit "körperlichen Konsequenzen" droht? Von wegen: niemandem weh tun. Hätte jemals im Leben ein Freund mir auf solche Weise gedroht, er wäre die längste Zeit Freund gewesen.

#3 - 11.02.2019, 09:18 von danduin

naja so eine Phase hatte ich auch mal

Wenn es nur um ein paar Monate geht, dann ist das in Ordnung. Ich hab auch schon ein paar Monate nur vor dem Rechner verbracht als Student. Wenn es um Jahre geht, wie ich das auch von Kollegen kenne, dann sollte man therapeutische Maßnahmen einleiten.

#4 - 11.02.2019, 09:22 von Indigo76

Zitat von Johnnynameless
Der Briefschreiber sollte sein Helfersyndrom bearbeiten, und nicht das Verhalten seines Freundes. Vielleicht bereitet dieser sich auf eine Karriere als Profispieler vor, das gibt es ja auch. Er ist jedenfalls erwachsen. Möglicherweise ist es schwer auszuhalten, was er macht, aber er hat jedes Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er will, solange er niemandem wehtut damit. Abgesehen davon, dass er das Geld seiner Eltern ausgibt ist er harmlos! Mit seinen Fitnessstudio-Besuchen scheint er sich ja auch um sein körperliches Wohlergehen zu kümmern - jedenfalls mehr als mancher regulärer Student. Und übrigens sind seine Eltern mitnichten in der Pflicht, sich darum zu kümmern, dass ihr Kind sein Leben anders gestaltet! Das muss er selbst tun. Die Pflicht der Eltern zur Erziehung endet mit Vollendung des 18. Lebensjahres!
Ich stimme zu. Der Briefschreiber scheint mir kein besonders guter Freund zu sein. Er versucht seinen Freund auf einen Weg zu drängen, der in seinen Augen der richtige ist, ohne auf die Bedürfnisse seines Gegenübers einzugehen. Er schreckt sogar vor Drohungen nicht zurück. Sein Freund braucht Zeit, um sein Leben zu überdenken. Er hat vermutlich sein bisheriges Leben nicht selbst geplant, sondern ist einem ihm bestimmten Plan gefolgt. Mit einem abgeschlossenen Hura Grundstudium sollte er um die 20 Jahre alt sein. In diesem Alter festzustellen, dass man sein bisheriges Leben nichts geleistet hat, was einen seinem Ziel im Leben näherbringt, muss ein einschneidendes Erlebnis sein, das man nicht eben in ein paar Tagen abtut. Der Briefschreiber scheint mir ein braves Herdentier zu sein, das seinen Weg entlangtrottet und noch nie an so einen Punkt geraten ist. Er sollte für seinen Freund ein Freund sein und ihn unterstützen und nicht ihm drohen.

#5 - 11.02.2019, 09:31 von ty coon

Zitat von loeweneule
Harmlos? Jemand, der mit "körperlichen Konsequenzen" droht? Von wegen: niemandem weh tun. Hätte jemals im Leben ein Freund mir auf solche Weise gedroht, er wäre die längste Zeit Freund gewesen.
Da stimme ich Ihnen zu. Ich hatte selbst mal einen WG-Mitbewohner, der es nicht bei Drohungen beließ, sondern sogar tatsächlich gewalttätig wurde. Der wurde noch am selben Abend aus der WG geworfen. Das war auch so ein Dauerzocker, der nie zur Arbeit ging und stattdessen "Siedler" bis zum Erbrechen spielte.

#6 - 11.02.2019, 09:34 von touri

Zitat von loeweneule
Harmlos? Jemand, der mit "körperlichen Konsequenzen" droht? Von wegen: niemandem weh tun. Hätte jemals im Leben ein Freund mir auf solche Weise gedroht, er wäre die längste Zeit Freund gewesen.
Wenn mir ein Freund mal gedroht hätte damit mein Lebensmodell zu zerstören wäre er auch die längste Zeit mein Freund gewesen.

Ich habe schon lange gelernt, das Freundschaft bedeutet, das man sich gegenseitig die Meinung sagen kann, aber das Hilfe nur geleistet werden sollte, wenn sie auch gewollt und angenommen wird. Ansonsten ist die Freundschaft schnell aus und man bleibt auf einem Berg Frust sitzen.

#7 - 11.02.2019, 09:41 von annoo

Profispieler, ja klar

Zitat von Johnnynameless
Der Briefschreiber sollte sein Helfersyndrom bearbeiten, und nicht das Verhalten seines Freundes. Vielleicht bereitet dieser sich auf eine Karriere als Profispieler vor, das gibt es ja auch. Er ist jedenfalls erwachsen. Möglicherweise ist es schwer auszuhalten, was er macht, aber er hat jedes Recht, sein Leben so zu gestalten, wie er will, solange er niemandem wehtut damit. Abgesehen davon, dass er das Geld seiner Eltern ausgibt ist er harmlos!
Naja, so wie loeweneule bereits anmerkte ist Androhung von körperlicher Gewalt nicht das, was man einem Freund eigentlich angedeihen lässt und ich würde das auch nicht als harmlos bezeichnen. Abgesehen davon, dass ich davon ausgehe, dass der Mitbewohner sich selbst in gewisser Weise wehtut.

Klar, es ist eine Gratwanderung zwischen "leben lassen" (ist ja schließlich ein Erwachsener) und zwischen Unterstützung. Ich finde es eher erschütternd, wie oft Situationen eskalierten, Menschen in Schwierigkeiten waren und man sich hinterher fragen muss, ob denn niemand die Sitation hat kommen sehen, ob es denn niemanden im Umfeld gab, der die Notsituation hätte erkennen müssen und hätte intervieren können/müssen. Ich möchte nicht derjenige sein, der diese Schuld mitträgt. Abgesehen davon, dass für mich zu einer guten Freundschaft auch gehört, schwierige Themen zu besprechen. Es sind ja keine weitläufigen Kumpels sondern Mitbewohner.

Ich würde genau dieses Spannungsfeld dem Mitbewohner gegenüber ansprechen, dass er natürlich selbst entscheiden kann, was er mit seinem Leben macht und man sich aber gleichzeitig wirklich Sorgen macht und nicht als gleichgültiger Mensch dastehen will. Die Eltern würde ich vielleicht doch versuchen einzubeziehen, jedoch abhängig davon wie das Verhältnis ist - und keinesfalls hinter dem Rücken sondern dahingehend, dass sich alle an einen Tisch setzen und gemeinsam überlegen, wie es weiter gehen soll.

Das Leben des Mitbewohners wirkt auf jeden Fall nicht so, als ob er glücklich ist, vielleicht täte ihm ja eine Auszeit gut oder irgendwas, was die Situation durchbricht. Ich bin mir recht sicher, dass die belastende Krebserkrankung einen großen Anteil trägt - die Belastung erstmal durch die Krankheit selbst sowie die damit einhergehende Nichtbeachtung der Probleme des "Kindes". Sicher denkt der Sohn, er müsse funktionieren und dürfe nicht auch noch Probleme machen, weil seine Sorgen ja im Vergleich zu der familiären Belastung wie Pippifax wirken. Aber das hängt alles zusammen. Ich hoffe der Mitbewohner holt sich Hilfe, so was gibt es für genau solche Fälle.

#8 - 11.02.2019, 09:47 von dasfred

Mir gefällt dieser Ratschlag

Die Autorin hat gut dargestellt, dass zuerst mal der Schreiber kommt, dass dieser seinem Freund zumindest in Grenzen Alternativen vorstellen kann. Immerhin kann er nur vermuten, inwieweit der Freund spielsüchtig ist oder nur eine vorübergehende Phase durchlebt.

#9 - 11.02.2019, 09:57 von Patriot75

Es könnte auch Suchtverhalten sein

Ein guter Artikel. Leider fürchte ich, dass es für den Mitbewohner erst noch viel schlimmer werden muss, bevor die Einsicht kommt. Bei dem Kommentar mit dem E-Sport Profi muss ich schmunzeln: Die professionellen Teams achten sehr darauf, dass ihre Spieler physisch in Balance bleiben. Schlafmangel senkt beispielsweise die für Profispiele essentielle Reaktionsfähigkeit. Ansonsten scheint der Mitbewohner viele Anzeichen eines Suchtverhaltens aufzuweisen. Das wird sehr schwer da wieder rauszukommen und ich wünsche ihm baldige Einsicht und dass er sich professionelle Hilfe sucht. Seinem Freund kann ich nur empfehlen, ihm im vertraulichen Gespräch Klartext zu reden. Ansonsten kann man meiner Lebenserfahrung nach niemanden vor sich selbst retten.

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