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Bitcoin, Blockchain, Hashgraph: Die Blase, die bleibt

REUTERS Bitcoin ist nur deshalb so viel wert, weil so viele Menschen daran glauben, dass Bitcoin so viel wert ist. Die Krypto-Währung ist nichts anderes als das jüngste, digitale Gesicht des Kapitalismus.
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#1 - 06.12.2017, 16:23 von marty_gi

Glaube

Die ganze Boerse basiert doch nur auf Glaube, und der Kapitalismus ist nichts anderes als eine Religion. Man schaue sich in Frankfurt doch nur mal die "Kirchtuerme" an....

#2 - 06.12.2017, 16:33 von zeichenkette

Naja

In mancher Hinsicht ist Bitcoin das genaue Gegenteil der Wachstumsideologie: Die Menge der jemals existierenden Bitcoins ist eng begrenzt, ihr Wert ist deflationär, also ist das Geld, das man möglichst erstmal NICHT ausgibt, solange es geht. Theoretisch ist es durchaus denkbar, dass irgendwann sämtliche Geldgeschäfte darüber abgewickelt werden und dann wäre es vorbei mit der Wertsteigerung (auch wenn der Kurs bis dahin auf mindestens eine Million Dollar gestiegen sein dürfte, wenn das die gesamte Weltwirtschaft abbilden können soll). Dass der Wertwachstum nicht unendlich weitergeht, ist logisch. Dass darauf ein Absturz folgen muss, ist aber nicht zwangsläufig so, wenn erstmal genug Geld drinsteckt und man damit auch Dinge kaufen kann, kann es genausogut dazu kommen, dass das Wachstum einfach abflacht. Dann wird es neue Millionäre und Milliardäre geben und ein paar weniger von den alten. Dass Bitcoin einfach wieder verschwindet, ist aber eher unwahrscheinlich. Eher könnte man sagen, dass ein Übergang zu einem neuen Geldsystem so oder so nicht ohne Umbrüche vor sich gehen wird.

#3 - 06.12.2017, 16:34 von Kurt-C. Hose

Liber Herr Lobo

Einen Aspekt haben Sie vergessen. Weder Steine auf der Insel, noch der Bitcoin kennen einen Zins. Das mag bei einem Spekulationsobjekt genauso egal sein, wie bei einem Stein, der alle zehn Jahre mal im Tausch gegen eine Farm den Besitzer wechselt. In unserem Wirtschaftssystem aber ist ein zentraler Zins (einer Noten- oder Zentralbank) von entscheidender Bedeutung, weil sich alle anderen Zinsen (Guthaben, Hypotheken, Kredite unterschiedlicher Laufzeit) und eben auch Renditeansprüche an Anlageklassen risikoadjustiert an diesem Zins orientieren. Mit einer "Währung" ohne Zins, kann genau genommen niemand etwas anfangen, weil eben das zentrale Element unseres Wirtschaftssystems nicht der Tausch von etwas Brot oder Fisch gegen Geld ist, was zugegebenermaßen am wahrnehmbarsten weil alltäglichsten ist, sondern weil das zentrale Element unserer Wirtschaft Kredite und Zinsen sind, die Unternehmen und Menschen ermöglichen zu investieren und Werte zu schaffen. Eine "Währung" ohne Zins katapultiert uns wirtschaftlich in die Tauschwirtschaft zurück. Das Einzige, was Bitcoin geschafft hat, ist einen virtuellen Tauschgegenstand zu schaffen - das ist von einer Währung aber noch ganz weit weg.

#4 - 06.12.2017, 16:37 von Leser161

Da fehlt die Hälfte

Man hätte jetzt mal schreiben können, warum das gefährlich ist. Gefährlich ist es, weil Psychologie abgekoppelt von gegenständlichem Gegenwert ungeheure Schwankungen ermöglicht. Oder nein das ist falsch. Das Problem ist das die ungeheuren Schwankungen der Massenpsychologie eben doch an reale Gegenwerte angekoppelt sind.

Der Punkt ist. Im Kapitalismus ist ein Mensch, sein Leben so viel Wert wie seine Arbeitskraft. Das denke ich mir nicht aus, dass war unter anderem der Mechanismus hinter der grossen irischen Hungersnot. Die Menschen hungerten, starben, Nahrungsmittel wurden aber trotzdem exportiert, weil das finanziell mehr brachte. Die Menschen hatten leider nicht genug Arbeitskraft um die notwendige Nahrung wert zu sein.

Wir wären in der globalisierten Welt also gut beraten unser aller Wohlergehen nicht von den Schwankungen des virtuellen Marktgeschehens abghängig zu machen. Sonst kann irgendwann in naher Zukunft der grosse Finanzcomputer* auf die Idee kommen, dass es rein finanziell mehr brächte ALLE Lebensmittel in Sprit umzuwandeln, weil das wirtschaftlich mehr brächte. Und dann sind wir am Popo.

#5 - 06.12.2017, 16:42 von rgom

Zitat von marty_gi
Die ganze Boerse basiert doch nur auf Glaube, und der Kapitalismus ist nichts anderes als eine Religion. Man schaue sich in Frankfurt doch nur mal die "Kirchtuerme" an....
Da habe. sie sich nicht wirklich intensiv mit der Börse auseinandergesetzt. Dort werden Aktien gehandelt, die einen Anteil am Eigenkapital eines Untermehmens darstellen. Das sind materielle Werte, da Unternehmen zum einen u.a. aus materiellen Gütern bestehen und zum anderen meist materielle Gewinne erwirtschaften. Während Bitcoins an Anteil an gar Nichts sind.

#6 - 06.12.2017, 16:44 von zeichenkette

Zitat von Kurt-C. Hose
Einen Aspekt haben Sie vergessen. Weder Steine auf der Insel, noch der Bitcoin kennen einen Zins. Das mag bei einem Spekulationsobjekt genauso egal sein, wie bei einem Stein, der alle zehn Jahre mal im Tausch gegen eine Farm den Besitzer wechselt. In unserem Wirtschaftssystem aber ist ein zentraler Zins (einer Noten- oder Zentralbank) von entscheidender Bedeutung, weil sich alle anderen Zinsen (Guthaben, Hypotheken, Kredite unterschiedlicher Laufzeit) und eben auch Renditeansprüche an Anlageklassen risikoadjustiert an diesem Zins orientieren. Mit einer "Währung" ohne Zins, kann genau genommen niemand etwas anfangen, weil eben das zentrale Element unseres Wirtschaftssystems nicht der Tausch von etwas Brot oder Fisch gegen Geld ist, was zugegebenermaßen am wahrnehmbarsten weil alltäglichsten ist, sondern weil das zentrale Element unserer Wirtschaft Kredite und Zinsen sind, die Unternehmen und Menschen ermöglichen zu investieren und Werte zu schaffen. Eine "Währung" ohne Zins katapultiert uns wirtschaftlich in die Tauschwirtschaft zurück. Das Einzige, was Bitcoin geschafft hat, ist einen virtuellen Tauschgegenstand zu schaffen - das ist von einer Währung aber noch ganz weit weg.
Man könnte genauso gut sagen, dass Zinsen genau das ist, was wir in Zukunft abschaffen müssen. Dass man ohne Zinsen nicht investieren kann, ist nämlich Blödsinn. Wahr ist eher das Gegenteil.

#7 - 06.12.2017, 16:44 von sol7

»Bitcoin ist primär kein digitales Phänomen, sondern ein marktpsychologisches.«
... ja, genau wie Bargeld, Münzen oder Geld auf der Bank, das ebenso wenig real ist, wie Bitcoins.

#8 - 06.12.2017, 16:45 von muellerthomas

Zitat von Kurt-C. Hose
Einen Aspekt haben Sie vergessen. Weder Steine auf der Insel, noch der Bitcoin kennen einen Zins.
Das ist bei Bargeld auch so.

#9 - 06.12.2017, 16:50 von kurpi

Bis die große Blase platzt

Der kleine digitale Ableger des Kapitalismus ist so lange überlebensfähig, bis das ganze System vor die Wand fährt. Wenn das nicht passiert, haben die Menschen es sich redlich verdient.
Wie lange soll es so weitergehen?
-Bis der erste endlich aufwacht und aus seiner Bequemlichkeit in den Widerstand geht. Das bedeutet auch, dass man sich gegen die Verrohung des Journalismus stellt, aber das würde heißen -nicht mehr zu publizieren und in den Spiegel zu schauen und was sieht man dann ?
Sein schwarzes Spiegelbild.
..und die Menschen lieben ihr eigenes Spiegelbild einfach zu sehr.

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