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Brexit: Wen May jetzt umstimmen muss - Skeptiker, Ultras, Rebellen

DPA Theresa May muss ihren Brexit-Deal verkaufen - doch im Unterhaus stellen Proeuropäer ebenso wie Aussteigs-Hardliner auf stur. Die Premierministerin muss beide Gruppen zufrieden stellen. Einfach wird das nicht.
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#1 - 03.12.2018, 16:21 von Murmeltier

Wieder mal viel Getöse

Ich weiß nicht, wie oft ich inzwischen schon gelesen habe, dass irgendein Datum besonders schicksalsschwer sei. Konkret würde mich aber interessieren - und das geht aus dem Artikel nicht hervor -, ob diese Abstimmung denn dann so endgültig ist. Könnte das Parlament dann nicht einfach noch mal abstimmen? Und schwuppdiewupp haben wir schon wieder ein neues GANZ DRAMATISCHES Datum, an dem sich ENDGÜLTIG alles entscheiden wird ... Darüber hinaus wundere ich mich höchstens, dass die Industrie die Evakuierungsaufrufe offenbar noch immer nicht ernst nimmt. Noch ist für eine Standortverlagerung Zeit, und Warnungen gab es nun wirklich genug.

#2 - 04.12.2018, 10:14 von YoRequerrosATorres

Des Volkes Wille geschieht...

...wenn es einen Brexit gibt. Die Premierministerin versucht es hinzubekommen, diesen selbstmörderischen Brexit abzumildern - das wollen aber viele Abgeordnete nicht. Da scheint der politische Selbstmord der Hardliner (und genau das wird im Neuwahlfall geschehen) erstaunlicherweise die bessere Alternative zu sein. May hat dieses Thema ja eigentlich geerbt, obwohl sie es nicht wollte. Dem Fahnenflüchtigen Cameron sei Dank.

#3 - 04.12.2018, 10:14 von Mähtnix

Zitat von quark2@mailinator.com
Das Einzige, was sie da verkauft, ist ihr Volk; und zwar für dumm. Der Vertrag ist wie Hotel California "You can check out any time you like, but you can never leave". Die Remainer verlieren jeglichen Einfluß in der EU, die Brexiter kommen nicht vom Europäischen Gerichtshof und den ganzen Regeln weg und man hat ihnen ja schon klare Ansagen bzgl. Zugang zu den Gewässern gemacht, etc. Wozu soll UK diesen Vertrag unterschreiben ? Nur wegen der Zuwanderer ? Völlig absurd. Hinzu kommt, daß unter diesem Vertrag im Laufe der nächsten Jahre ein langsamer aber sicherer Wanderprozess der Firmen von UK zur EU stattfinden würde. Jede größere neue Investition würde eher in Irland stattfinden. Sorry, aber aus meiner Sicht ist es für UK höchste Zeit, diesen Pfad zu verlassen. Das ist loose-loose-losse für die Insel.
Sie haben ja nach meiner Ansicht durchaus Recht. Aber das interessiert kaum jemand mehr. Die Brexit-Abstimmung ist gegessen. Eine erneute Abstimmung wäre (wohl) theoretisch möglich, wenn der Deal scheitert. Aber die andere Option wäre eben dann der absolut chaotische Brexit. Und davor werden die "Vernünftigen" zu große Angst haben. Deswegen könnte es meiner Ansicht nach sein, dass May ihren Deal mit Unterstützung der eigentlichen Brexit-Gegner durchbekommt. Perverse Logik.

#4 - 04.12.2018, 13:47 von schadland

Schöne und verständliche Übersicht über die Lager und Interessen,

danke dafür.
Das wird in jedem Fall ein dramatischer Tag, ich bin ausgesprochen gespannt, was Frau May bewegen kann, um die eigentlich vorprogrammiere Niederlage abzuwenden.

#5 - 06.12.2018, 14:09 von mostly_harmless

Optimal für die europaweite Betrachtung der Qualität der "Lösungen" der Rechtspopulisten ist ein Brexit ohne Vertrag. Das eröffnet IMHO die besten Chancen, dass signifikante Teile der Wähler dieser Leute ihren Gehirnausfall beheben.

#6 - 06.12.2018, 16:19 von gantenbein3

Ich hätte nie gedacht...

...dass das Mutterland der Demokratie der Welt einmal so eine armselige Vorstellung bieten würde. So langsam bedauere ich es nicht mehr, dass die Briten gehen (Tränchenverdrück).

#7 - 06.12.2018, 16:24 von emo.alberich

Zu spät, viel zu spät ...

Wie will May beide Lager zufrieden stellen können, wenn sie weiter die Grundlagen unterdrückt. Nichts konkretes über "ihren Deal" mit Barnier & Co. bekannt gibt? Brüssel mauert in solchen Angelegenheiten aus Prinzip, gemäss Junckers Credo: wenn's ernst wird, muss man lügen.
Erst unterschreiben, dann dürft ihr Eure Bürger, Parlamentarieren, Eure "Zivilgesellschaft" informieren, WAS ungefähr ihr unterschrieben habt. So bedrängt Brüssel jede Regierung in Europa, egal, ob es gilt, einen "Freundschaftsvertrag" zu erzwingen oder den Austritt des UK zu verhindern.
Einfach nur: MEIN Deal oder das totale Chaos genügt wohl beiden Lagern im UK nicht oder nicht mehr.

Es gibt für niemanden einen sachlichen Grund, dem "Deal" zuzustimmen, er kombiniert nur alle Pflichten und alle Nachteile einer EU-Mitgliedschaft und "hält" das UK in der EU gebunden oder gefangen enger noch als jedes Mitglied und ohne Freiheiten eines beliebigen Drittstaates. Sogar zu Putins bösem Russland ist die EU lockerer und freundlicher. Vielleicht nicht freundlicher, aber sie übt sogar da entschieden weniger Zwang aus als gegen an sich befreundete europäische Staaten, die sich Brüssel nicht bedingungslos und auf ewig unterwerfen wollen.


Die Panikmache von wegen Chaos ohne Abkommen wird auch nicht mehr so gut funktionieren wie vor zwei oder drei Jahren.

Bleibt noch die Loyalität, das Mitleid oder was auch immer mit Premierministerin Theresa May persönlich und die mächtige Lobby der Konzerne und der Hochfinanz. Aber die denken eben auch eher global denn europazentristisch. Bleibt die mittelständische Im- und Exportwirtschaft hüben wie drüben, für die es keine Leben ohne und ausserhalb Brüssels Gehege zu geben scheint.