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Druck auf Notenbank: Erdogan-Äußerung drückt türkische Währung auf Rekordtief

REUTERS In der Theorie sollen Notenbanken unabhängig von der Politik sein - nicht so in der Türkei. Staatspräsident Erdogan erhöht den Druck auf die Währungshüter, mit drastischen Folgen für die Lira.
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#1 - 15.05.2018, 11:36 von muellerthomas

"In einer solchen Lage würden Währungshüter in der Regel die Zinsen erhöhen, um die Teuerung zu dämpfen - auch auf die Gefahr hin, das Wirtschaftswachstum dadurch zu dämpfen"

Nicht "auf die Gefahr hin", sondern genau mit dem Ziel. Zinserhöhungen wirken negativ auf die Inflation eben weil Sie die Konjunktur bremsen.

#2 - 15.05.2018, 11:38 von womo88

Endlich mal ein Fachmann am Werk!

Mit Erdo, dem kleinen Sultan vom Bosporus, wird dann endlich ein ausgewiesener Währungsexperte die Geschäfte der türkischen Notenbank übernehmen, und alles wird gut! *Ironie aus*

#3 - 15.05.2018, 11:38 von joG

Die technokratische Unabhängigkeit....

...der Zentralbank ist so eine Sache. Es ist zwar gut, wenn sie unabhängig ist. Das ist sie aber meist nicht. So war das Umstellungsverhältnis sowohl der Ostmark zur DM als auch die zum Euro politisch und gegen dem, was die Bundesbank wollte. Ähnlich wollte die Bundesbank eine Buchprüfung Griechenlands, die politisch untersagt wurde. Oder auch heute sind die Anleihenaufkäufe, also die Refinanzierung europäischer Staaten und später sogar Unternehmen politischen Entscheidungen geschuldet, die sogar teilweise durch Gerichte entschieden werden mussten. Man soll sich da nicht ins Tütchen tun lassen, dass oft die Unabhängigkeit der Zentralbank kompromitiert wird.

#4 - 15.05.2018, 11:59 von joG

Zur Zinsanhebung ist technisch zu sagen....

...dass ein Land oft durch eine stürzende Währung gezwungen sein kann mit hohen Kurzfristzinsen zu reagieren. Das haben wir immer wieder gesehen. Die UK oder Schweden kommen in den Sinn.

#5 - 15.05.2018, 12:02 von De facto

Unabhängige Zentralbanken

Jawohl, eigentlich gut. Da aber die Unabhängigkeit der Zentralbank eine parlamentarische Kontrolle, zum Teil, entzieht muss das Mandat sehr eng und gut definiert sein. EZB und die Euro-Rettung ist ein guter Beispiel wie es nicht sein soll. Die Eurorettung war Aufgabe der Politiker und nicht der Zentralbank. EZB hat nur ein Mandat - Preisstabilität. Punkt! EZB hat - mit Bewilligung der Politiker - die Eurozone vom Zerfall gerettet aber ohne politisches Mandat das zu tun.

#6 - 15.05.2018, 12:15 von Popsin

Warum hat die EZB die Leitzinsen nach der Finanzkristauf 0,0% gesenkt?

"Eine Aussage, die die meisten Volkswirte so nicht unterschreiben würden. Im Gegenteil: Niedrige Zinsen treiben in der Regel die Preise in die Höhe - die Inflation steigt."

Seit fast zehn Jahren haben wir in Europa fast keine Zinsen von der Zentralbank, und trotzdem ist die Inflation unter 2% jährlich. Daher trifft diese Aussage der Ökonomen nicht. Warum fragen sich die Ökonomen nicht, warum nach der Finanzkrise die EZB die Zinsen auf Null gesenkt haben und nicht erhöht? Genau: Sie wollten die Wirtschaft ankurbeln. Und genau das will Erdogan auch! So einfach ist es mit dem Erdogan-Bild der Medien nicht, wie meist suggeriert wird...

#7 - 15.05.2018, 12:30 von pnegi

Letztendlich...

Letztendlich versucht Erdogan genau das zu tun, was Euro-Diktator Draghi 2012 getan hat, ohne all die "Demokraten" in Berlin, Paris und Rom zu fragen. Nämlich in einer Zeit wirtschaftlichen Niedergangs einfach massenhaft Geld zu drucken und damit Corporate und Gouvernment Bonds zu kaufen. In der Euro-Welt hat es zumindest SCHEINBAR den Niedergang aufgehalten. Italien, Spanien, Portugal waren 2012 in der selben Lage wie die Türkei heute. Gigantische Zinsen und Niedergang der Wirtschaft. Heute nun sind diese Länder de-industrialisiert und de fakto pleite. Aber die Zinsen zB für Italienische 10-Jahres Bonds sind bei witzigen 1,7%. Nun ja, es hat ja auch niemand anders als Herr Draghi diesen Schrott gekauft. Die Türkei sollte diesen Fehler nicht machen. Sie hat gewissermassen einen Vorsprung, es regiert immer noch Erdogan, und nicht Euro-Draghi. Dh, durchhalten, de-Dollarisieren, weiter Gold und Silber Reserven aufbauen und neue Märkte suchen...

#8 - 15.05.2018, 12:31 von Atheist_Crusader

Keine Sorge, wenn's mit der Wirtschaft bergab geht, haben die Türken ja die selbe Option wie alle anderen auch:
Einfach in den Westen flüchten, pausenlos die dortigen Systeme kritisieren, sich der Leitkultur verweigern - und ihre tollen Staatsoberhäupter dann aus der Ferne glorifizieren. Ohne sich jemals zu fragen, ob es eben diese Unterschiede sein könnten, die das eine Land einen Ort zum Davonlaufen machen und das andere einen guten Ort zum Leben.

#9 - 15.05.2018, 12:45 von geddon

Experten sind gefragt!

Was würde Özil dazu sagen?

Aber im Ernst: er ist ein lupenreiner Autokrat, nach seiner Wiederwahl wird er die Katze aus dem Sack lassen, alles bisher Geschehene war erst der Anfang.

Arme Türkei, arme knapp 50%, die seinen Kurs nicht mittragen wollten.

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