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Lehman Brothers und die Finanzkrise: Die Großmutter aller Probleme

AFP Ohne den Crash der Investmentbank Lehman vor zehn Jahren gäbe es keinen Aufstieg der AfD. Zeit für ein neues Glaubensmodell der Finanzwelt.
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#80 - 14.09.2018, 22:46 von linksrechtsmitte

Leider Wahr, wo sind die Konsequenzen?

Natürlich hat der Autor Recht, nur die Politik fährt die falsch getroffenen ordnungspolitischen Entscheidungen nicht zurück! Wer versteht schon, warum ein Einkommensmillionär mit den aus Kapital erzielten Einkünften niedriger besteuert wird(25%), als ein gut verdienender ehrlicher Malocher mit dem Einkommen aus seiner Arbeit(über 40%)! Das System produziert seine eigene Kriese oder seine Abschaffung / Ersetzung - womit wissen wir nur noch nicht. Da die Granden der AFD momentan eher den Besserverdienenden nahe stehen, den Pöpel verführen und benutzen, ist sie also eher auch nicht als Lösung zu sehen. Wehe aber, wenn ein rhetorischer Dämon wieder aufersteht, der die richtigen Strategen auf seiner Seite hat! Dann können die einfachen Menschen schon mal den Notstand üben - in der Einen oder Anderen Art und Weise! Herr Fricke, könnten Sie das doch bitte mal den Finanzexperten unter unseren beruflich der Politik verschriebenen Bürgern erklären? Das Einbeziehen aller Einkünfte in die Einkommenssteuer hat Jahrzehnte lang verhindert, dass die Schere bei den Einkommen zu weit auseinander ging und kleine Gruppen nicht zu viel Macht erlangten. Das ist leider nicht mehr der Fall, zumal seit dem die mit Finanzen befassten Institute nur noch die Menschen mit Kapital für Kapitalbildung beraten wollen, bei den normalen Einkommen ist ja nichts mehr zu holen.

#81 - 15.09.2018, 23:35 von UnternehmerMitHerz

Welche Hebel sollen wir nun drücken?

Nur welche Hebel es zu drücken gilt um die Welt wieder ins Lot zu bringen, das wissen vielen Menschen einfach nocht nicht. Grundsätzlich sind viele Ansätze der politischen Linken sicher nicht falsch. Diese erfolgreich an den Mann zu bringen und umzusetzen ist aber eine andere Sache. Das konnte man an Martin Schulz sehr gut sehen.

#82 - 15.09.2018, 13:01 von Gebr.Engels

Der Krug geht solange zum Brunnen...

Zitat von sonnemond
Die Welt lebt seit Jahrzehnten auf Pump. Staatsschulden sind in den USA, Italien, Spanien, Griechenland, Deutschland, Japan, Argentinien, der Türkei, China etc. etc. nie wieder zurückzahlbar. 250 Billionen Dollar. Das reicht für eine Weltwirtschaftskrise hoch drei. Die Welt ist total pleite.
Dieses dürfte ein Grund sein, ein anderer ist das die "Finanzhaie" immer noch freie Bahn haben. Trump hat einige -sehr zaghafte- Versuche der Regulierung des Finanzsektors durch Obama inwischen ja wieder kassiert. Ich empfehle interessierten ja immer folgende Lektüre: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/wirtschaft/freut-euch-nicht-zu-frueh-80309 , danach hat man vielleicht eine Ahnung wie es um uns steht. Hier wird auch einer der wenigen Banker vorgestellt, der hierfür tatsächlich gesessen hat, nämlich Kweku Adoboli (UBS). Wie konnte er 2,3Mrd Dollar (Platz 3 der Weltrangliste der "Schurkenhändler") verzocken? -Ganz einfach: "Er schob Verluste in die Zukunft, Gewinne in die Vergangenheit, er schreibt sie ins System, und sie sind Wirklichkeit". Es wird auch dargestellt wie es früher einmal war: Damals konnten die Händler ihre Verluste nach Glockenschluss nicht einfach irgendwohin buchen, "es wurde abgerechnet. Auf dem Parkett. Cash. Und fehlte einem dazu das Geld, verlor er noch am Abend seinen Sitz." Btw: Verluste in die Zukunft buchen? kommt mir irgendwie bekannt vor, wie war das nochmal mit den Griechenland-Krediten?

#83 - 15.09.2018, 22:20 von zeitgenosse99

Die Welt ist (noch) nicht pleite!

Zitat von sonnemond
Die Welt lebt seit Jahrzehnten auf Pump. Staatsschulden sind in den USA, Italien, Spanien, Griechenland, Deutschland, Japan, Argentinien, der Türkei, China etc. etc. nie wieder zurückzahlbar. 250 Billionen Dollar. Das reicht für eine Weltwirtschaftskrise hoch drei. Die Welt ist total pleite.
Ich gehe sogar noch von etwas mehr Schulden aus 260-265 Bio $ ( (inklusive über 60 Bio $ financial Corp Debt), da nicht alles und nicht alle Länder erfasst sind in diesen BIS, Weltbank etc. Statistiken.
Das Institute for International Finance geht im Q1 2018 von 247 Bio $. (+8 Bio $ nur für Q1 2018 - gut FX Schwankungen sind da immer auch noch zu berücksichtigen, da alles in US$ ausgedrückt.
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Nur müssen Sie sehen, der weltweite Realestatwert (Resident, Commercial & Farmland) ist auf 228 Bio $ angestiegen gemäss, die Aktienmärkte auf 85 Bio (von 29 Bio im 2009 Tief), die Financial Assets von Banken, ZB, Staaten, PK Funds, Schattenbanken etc. bis Ende 2016 auf 340 Bio angestiegen. Auch die Firmenassets haben zugenommen, ebenso die Zentralbankbilanzen etc.
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Von dem her stehen den 250-265 Bio Schulden eben nach wie vor globale Assets (reale & "Wertpapiere") im Wert von 600-650 Bio gegenüber.
2017 stiegen die Schulden gemäss IIF um 22Bio $, nur Aktienmärkte und Real Estate stiegen um 26-30 Bio $.
Solange die Assets stärker steigen als die Liabilities kann sich das System noch einigermassen stabil halten, aber wenn diese Aufwärtsspirale mal dreht, dann könnts echt übel werden.

#84 - 16.09.2018, 01:44 von Hinterfrager1

das Kapital erwirtschaftet gar kein Geld

Zitat von linksrechtsmitte
Natürlich hat der Autor Recht, nur die Politik fährt die falsch getroffenen ordnungspolitischen Entscheidungen nicht zurück! Wer versteht schon, warum ein Einkommensmillionär mit den aus Kapital erzielten Einkünften niedriger besteuert wird(25%), als ein gut verdienender ehrlicher Malocher mit dem Einkommen aus seiner Arbeit(über 40%)! Das System produziert seine eigene Kriese oder seine Abschaffung / Ersetzung - womit wissen wir nur noch nicht. Da die Granden der AFD momentan eher den Besserverdienenden nahe stehen, den Pöpel verführen und benutzen, ist sie also eher auch nicht als Lösung zu sehen. Wehe aber, wenn ein rhetorischer Dämon wieder aufersteht, der die richtigen Strategen auf seiner Seite hat! Dann können die einfachen Menschen schon mal den Notstand üben - in der Einen oder Anderen Art und Weise! Herr Fricke, könnten Sie das doch bitte mal den Finanzexperten unter unseren beruflich der Politik verschriebenen Bürgern erklären? Das Einbeziehen aller Einkünfte in die Einkommenssteuer hat Jahrzehnte lang verhindert, dass die Schere bei den Einkommen zu weit auseinander ging und kleine Gruppen nicht zu viel Macht erlangten. Das ist leider nicht mehr der Fall, zumal seit dem die mit Finanzen befassten Institute nur noch die Menschen mit Kapital für Kapitalbildung beraten wollen, bei den normalen Einkommen ist ja nichts mehr zu holen.
- das Kapital ermöglicht nur das Wirtschaften, Gewinne erarbeiten immer nur die arbeitenden Menschen
- Die Verschuldung der Staaten und der Menschen führt zu niedrigen Löhnen und zu einer Beschleunigung der Umverteilung (Wer Schulden hat, der stellt keine Forderungen).
Gegensteuern könnte nur die Politik, aber man propagiert lieber jahrzehntelang den schlanken (gleich "armen") Staat und läuft dann wegen der horrenden Staatsschulden am Gängelband der Reichen.
- "Soziale Marktwirtschaft" kennt man inzwischen nur noch als Begriff aus der Geschichte. Mit dem Zerfall der UDSSR und dem damit einhergehenden Wegfall eines konkurrierenden Systems wurde sie dem Kapital(ismus) überflüssig.

#85 - 16.09.2018, 08:46 von Patrik74

Die Urgroßmutter

Zitat von
Es wird höchste Zeit, zumindest im zweiten Jahrzehnt nach dem Lehman-Crash ein neues Glaubensmodell zu entwickeln - jenseits vom immer noch naiven Glauben in die stete Weisheit der Finanzwelt.
Das neue Glaubensmodell ist eigentlich ein uraltes, nämlich dass es letztlich immer nur um die Realwirtschaft geht und nicht um Geld, und dass Ziel einer vernünftig verfassten Volkswirtschaft Wohlstand für alle und nicht absurder Reichtum für wenige ist.

Geld ist nur Scheinvermögen, wirklicher Wohlstand erwächst aus Gesundheit, Sicherheit, Bildung und den realen Lebensverhältnissen, also Wohnraum, Nahrung, Kleidung, und alle anderen REALEN Güter.

Bei der nächsten - voraussehbaren - Krise sollte die Politik natürlich wieder robust intervenieren - denn "die Märkte" aka Geldelite agieren nur wie pubertierende: große Klappe, wissen alles besser, aber wenn es schief geht, ist irgendwie immer Papi schuld und soll es richten - aber dieses Mal sollte der warne Geldregen nicht den Hazardeuren zur Verfügung gestellt werden, sondern direkt der Realwirtschaft, also den Unternehmen und Haushalten. Die Geldhäuser sollen und müssen reihenweise pleite gehen. Das ist Marktwirtschaft.

Widerspricht das der vorherrschenden neoliberalen Doktrin? Natürlich, und das ist auch gut so, denn wenn die Bankenkrise die Großmutter aller Probleme ist, dann ist der Neoliberalismus die Urgroßmutter. Ohne dieses perfide Rechtfertigungskonstrukt für die schamlose Selbstbedienungsmentalität der sog. "Elite" gäbe es diese verrückten Geld- und Vermögensakkumulationen gar nicht, die diese ständige Blasenbildung treiben und von einer Krise in die nächste führen.

Beim nächsten Mal dürfen nicht Menschen bluten, sondern die Verursacher; und wenn dabei sog. "Milliardenwerte vernichtet" werden, dann umso besser, denn es handelt sich ohnehin nur um virtuelles Scheinvermögen. Das neue Glaubensmodell muss lauten: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, und nicht der Mensch für die Wirtschaft.

In der Konsequenz muss es nach der nächsten Krise demokratiekonforme Märkte und nicht mehr marktkonforme Demokratien geben.

Banken sind Scheinriesen, die umso kleiner werden, je näher man sie betrachtet. Wir sollten sie uns ganz genau betrachten und die nächste Krise als Befreiungsschlag nutzen und sie auf die Größe stutzen, die ihnen als Diener der Realwirtschaft zusteht.

Fraglich ist allerdings, ob unsere Politiker einen solchen Befreiungsschlag überhaupt anstreben, oder ob sie sich nicht schon längst als willfährige Diener ihrer Herren eingerichtet haben; und wer beißt schon die Hand, die einen füttert. Geld ist eben Macht, und diese Macht liegt mittlerweile in ganz wenigen - demokratisch nicht legitimierten -Händen; gewünschtes Ergebnis der neoliberalen Agenda: Plutokratie.

#86 - 16.09.2018, 09:30 von berthold.oesterle

Eine wenig überzeugende Analyse

1.Dass die Lehman-Pleite ursächlich für das Erstarken der AfD gewesen sein soll, ist eine kühne Behauptung. Selbst wenn sich statistisch zeigen mag, dass in den letzten 150 Jahren nach Finanzkrisen häufig politischer Rechtsextremismus aufgekommen sei, heißt das noch lange nicht, dass es zwischen diesen beobachteten Phänomenen auch einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gibt. Das Erstarken der AfD hat m.E. völlig andere Ursachen.
2.Auch mit einer stärkeren Regulierung der Finanzmärkte werden wir die Krisenanfälligkeit unseres Bankensystems nicht lösen können. Das hat weniger mit der „Weisheit der Finanzwelt“ zu tun, sondern mit den stumpfen Waffen unserer Finanzaufsicht. Wenn man Insider fragt, wie die letzten Stresstests der europäischen Banken abgelaufen sind, kann man nur den Kopf schütteln. Auch eine Finanztransaktionssteuer kann die Krisenanfälligkeit des globalen Finanzsystems nicht verhindern.
3.Ursächlich für derartige Finanzkrisen sind m.E. die unverändert bestehenden asymmetrischen Anreizsysteme in unserer Finanzwelt. Gewinne werden individualisiert, Verluste sozialisiert. Die beschränkte Haftung der Akteure führt dazu, dass die Risikoaversion der Beteiligten außer Kraft gesetzt wird.
4. Und dann gibt es noch das Phänomen des Schneeballsystems. Der Bitcoin ist ein gutes Beispiel hierfür.
5.Ihre Seitenhiebe auf Herrn Schäuble und Herren Seehofer helfen übrigens auch nicht weiter, Ihre Thesen zu untermauern. Sie sind allenfalls anmaßend und arrogant.
6.Wenn Sie meinen, ein neues „Glaubensmodell“ kann das Problem lösen, so machen Sie doch mal einen konkreten Vorschlag! Mit Spiritualität oder Esoterik kommen Sie bestimmt nicht weiter.

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