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Entfernungsbestimmung: Forscher vermessen die Milchstraße

NSF/ Robert Hurt/ NASA Wie sieht die Milchstraße von oben aus? Forscher wollen unsere Galaxie vermessen, um ein besseres Bild zu erhalten. Einen ersten Schritt machten sie nun mithilfe einer fast 200 Jahre alten Methode.
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#1 - 12.10.2017, 20:59 von rips55

Milchstraße von oben

Das Adverb "oben" scheint mir als Sichtposition im All recht schlicht und unpräzise zu sein. Wurde das tatsächlich so gesagt ?

#2 - 12.10.2017, 21:33 von cottoncandy86

#1: Was erwarten Sie? Den "galaktischen Norden"? "Von außerhalb, über dem Milchstraßenzentrum, senkrecht zur Ekliptik"?

#3 - 12.10.2017, 22:09 von rips55

#2

Senkrecht zur Ekliptik wäre eine eindeutige Bezugsrichtung, wenn es um unser Sonnensystem ginge - für die Milchstraße eher untauglich. Genauso wie "oben". Da ich nicht weiß wo für den Autor des Artikels ( oder das MPIA) oben und unten ist ( aus Sicht der Milchstraße) kann ich Ihnen natürlich nicht weiterhelfen. Und da schließt sich dann auch der Kreis zum meinem Kommentar. Wo also ist " oben, " ?

#4 - 12.10.2017, 22:59 von poisonnuke

"oben" ist eindeutig und wurde auch definiert

Zitat von rips55
Das Adverb "oben" scheint mir als Sichtposition im All recht schlicht und unpräzise zu sein. Wurde das tatsächlich so gesagt ?
Denn in sämtlichen Darstellungen zeigt die Nordrichtung der Erde nach oben. Weiterhin haben sich alle Astromomen darauf geeinigt, dass die Milchstraße als Scheibe gleichermaßen dargestellt wird, nämlich mit der Seite nach oben, die der Nordrichtung hier auf der Erde entspricht.

Kurzum: die Erde ist unser Bezugssystem und historisch gewachsen ist der Norden "oben" und damit ist es auch ohne Zweifel eindeutig, was damit im Bezug auf die Milchstraße gemeint ist.

Mal ganz davon abgesehen kommt es der gewünschten inhaltlichen Bedeutung am nächsten. Es gibt keine andere Formulierung, die das gewünschte unkompliziert und präzise ausdrücken kann.

#5 - 12.10.2017, 23:21 von permissiveactionlink

#1,2,3 Oben und unten

Ja, das ist alles sehr kompliziert. Es existieren nämlich d r e i wichtige Koordinatensysteme, mit denen Himmelsbeobachter umgehen. Das erste ist das äquatoriale System. Dabei liegen alle Punkte am Himmel, die sich über dem Erdäquator am Himmel befinden, auf dem Himmelsäquator mit der äquatorialen Breite Delta=0°. Der Nordpol liegt exakt über dem geographischen Nordpol (im Sternbild Ursa minor in der Nähe des Polarsterns), der äquatoriale Südpol genau über dem geographischen Südpol im Sternbild Octans. Längengrade werden in Stundenwinkeln gezählt (1h = 15°), Breitengrade als normale Winkel bis +/- 90°. Das ekliptikale Koordinatensystem hat als Zentrum die Sonne. Seine Pole befinden sich senkrecht auf der Bahnebene der Erde um die Sonne genau über und unter der Sonne am Himmel. (Der ekliptikale Nordpol befindet sich aber auch auf der Nordhalbkugel des äquatorialen Systems, nur eben nicht an dessen Nordpol, sondern etwa mittig zwischen den Sternen Deneb im Schwan und Alioth im großen Wagen). Das galaktische Koordinatensystem hat die Sonne als Zentrum, nicht das Zentrum der Milchstraße. Von der Erde ausgehend findet man die x-Achse als Linie durch das galaktische Zentrum (Sternbild Schütze) Von dort wird gegen den Uhrzeigersinn nach Osten gezählt. In Richtung 90° weist die y-Achse. Die z-Achse steht senkrecht zur Milchstraßenebene. Sie weist auf den galaktischen Nord- und Südpol. Der galaktische Nordpol liegt ebenfalls auf der Nordhalbkugel des äquatorialen Systems, genauer bei 12h 49min Länge (Rektazension) und +27,4° äquatorialer Breite (Deklination) im Sternbild "Haar der Berenike" (Coma berenices). Damit sollte oben und unten ungefähr geklärt sein ;-)

#6 - 12.10.2017, 23:44 von permissiveactionlink

Was für eine Auflösung !

Ein 66000 Lichtjahre entferntes Sternentstehungsgebiet ist 20236 pc (Parsec) von uns entfernt. Daraus lässt sich errechnen, dass dieses Sternentstehungsgebiet für uns am Himmel nur eine Paralaxe von 1,4 * 10 ^ -8 ° besitzt, sich für irdische Beobachter also nur in einem Raumwinkel mit einem Durchmesser von 2,75 * 10 ^ -8 ° zwischen Sommer- und Winterbeobachtung am Himmel verändert. Dies entspricht dem 10118 ten Teil einer Bogensekunde, die selbst nur dem 3600sten Teil eines Winkelgrades entspricht. Zum Vergleich : Die Sonne oder der Vollmond erscheinen uns am Himmel als Scheibchen mit dem Winkeldurchmesser 0,5° oder 1800 Bogensekunden. In den Durchmesser des Mondes am Himmel, wie er uns erscheint, passt die jahreszeiliche Positionsveränderung des 66000 Lichtjahre entfernten Sternentstehungsgebietes 18.211.864 mal hinein.Das entspricht auf der Mitte der für uns sichtbaren Mondfläche etwas mehr als 19 cm (!).

#7 - 13.10.2017, 00:18 von brucewillisdoesit

can't wait

Dürfte interessant werden zu erfahren, ob es sich bestätigt, das die Milky way tatsächlich eine eher häßliche Balken-Galaxie ist, wie gegenwärtig vermutet oder vielleicht doch eine hübsche Spiralgalaxie wie Andromeda, oder die Whirlpool galaxy.

#8 - 13.10.2017, 06:25 von naeggha

@1

Grundsätzlich haben Sie Recht. Begriffe wie oben und unten gehören nicht in den Weltraum. Da es zum Verständnis des Artikels anhand der Bebilderung aber egal sein dürfte, ist es hier doch gerade nicht von Relevanz, oder?

#9 - 13.10.2017, 07:58 von schwerpunkt

Zitat von brucewillisdoesit
Dürfte interessant werden zu erfahren, ob es sich bestätigt, das die Milky way tatsächlich eine eher häßliche Balken-Galaxie ist, wie gegenwärtig vermutet oder vielleicht doch eine hübsche Spiralgalaxie wie Andromeda, oder die Whirlpool galaxy.
Ja, klassische Spiralgalaxien haben eine besondere Ästhetik. Ganz besonders schön zu sehen bei M101 oder M33.
Andromeda (M31) ist ebenfalls eine besondere Galaxie, vor allem da sie sich so herrlich direkt vor unseren Augen ausbreitet. Wenn wir sie zwischen den Sternbildern Andromeda und Kassiopeia ausbreitet, mit derselben Lichtintensität, wie sie auf den belichteten Fotos durch Teleskope zu sehen ist, sehen könnten, wäre sie deutlich größer als der Vollmond (ca. 1,5° Winkeldurchmesser). So sehen wir in klaren Nächten gerade mal ihren hellen Kern. Übrigens das entfernteste Objekt, dass wir permanent mit bloßem Auge sehen können (ca. 2,1 Millionen Lichtjahre entfernt), die sich uns in tollem Winkel präsentiert.
Darüber hinaus ist sie noch etwas größer als unsere eh schon stattliche Milchstraße.

Allerdings erkenne ich auf keinen Bildern der Andromedagalaxie eine ausgeprägte Spiralstruktur. Man erkennt beeindruckende Ringe von Sternentstehungsgebieten, welche aber zumindest ich gerade bei ihr nicht zu deutlich zu erkennen vermag.
https://de.wikipedia.org/wiki/Andromedagalaxie

Insofern bin ich deren explizite Typisierung als Spiralgalaxie verwundert. Insofern scheinen beide großen Geschwister der lokalen Gruppe, die Milchstraße und die Andromedagalaxie etwas aus dem Rahmen zu fallen.

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