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Gesundheit

Wechseljahre

Hormonersatztherapie erhöht Eierstockkrebsrisiko

Hormone können typische Beschwerden der Wechseljahre unterdrücken - doch die Therapie birgt viele Risiken. Neben einem erhöhten Brustkrebsrisiko steigt auch die Gefahr für Tumoren in den Eierstöcken.

Corbis

Eierstöcke (Illustration): Auch Übergewicht und Kinderlosigkeit erhöhen das Risiko für den eher seltenen Krebs

Von
Freitag, 13.02.2015   13:01 Uhr

Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen: Gegen die akuten Beschwerden, die viele Frauen in den Wechseljahren erleben, kann eine Hormonersatztherapie helfen. Viele Jahre lang wurden Östrogen und Progesteron großzügig verschrieben, Ärzte hofften damit auch die langfristigen negativen Folgen der hormonellen Umstellung zu unterdrücken.

Doch es zeigte sich, dass die Behandlung langfristig mehr schadet als nützt: Frauen, die die Hormone einnehmen, erkranken häufiger an Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Leiden. Zu diesem Ergebnis kamen zwei große US-amerikanische Studien. Die Hormone werden seitdem deutlich seltener verschrieben.

Eine im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichte Analyse 52 verschiedener Studien aus Nordamerika, Europa und Australien beleuchtet ein weiteres Risiko: Eierstockkrebs. Die Forscher um Richard Peto von der Oxford University in Großbritannien werteten insgesamt knapp 21.500 Fälle von Eierstockkrebs aus.

Wer hat es bezahlt?

Finanziert wurde die Studie vom britischen Medical Research Council, einer staatlichen Institution, sowie der Organisation Cancer Research UK.
Im "Lancet" schreiben sie: Von 1000 Frauen, die fünf Jahre lang eine Hormontherapie erhalten, erkrankt statistisch gesehen eine mehr an Eierstockkrebs als in einer Gruppe von 1000 Frauen, welche die Hormone nicht einnehmen. Im gleichen Zeitraum gibt es wegen der Hormonersatztherapie pro 1700 Frauen einen Todesfall mehr wegen Eierstockkrebs.

Diese Zahlen beruhen auf den Erkrankungsraten in Großbritannien, die allerdings etwas höher sind als in Deutschland. Im Jahr 2010 gab es in Großbritannien 17,5 Eierstockkrebs-Fälle unter 100.000 Frauen, in Deutschland waren es rund 12.

Was die Analyse noch ergab

Auch Frauen, die erst seit weniger als fünf Jahren eine Hormontherapie machen, haben bereits ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs. Dabei steigerte sowohl die Einnahme von Östrogen-Präparaten als auch die einer Östrogen-Progesteron-Kombination die Wahrscheinlichkeit, an dem Krebs zu erkranken.

Es gibt verschiedene Typen von Eierstockkrebs, erhöht ist das Risiko allerdings nur für zwei dieser Subtypen - unter ihnen der insgesamt häufigste. Dies ist nach Angaben der Forscher ein Hinweis darauf, dass die Hormongabe tatsächlich für die erhöhte Krebsgefahr verantwortlich ist und nicht einer oder mehrere andere Faktoren, die sie bei der Auswertung möglicherweise nicht hinreichend bedacht haben.

In einem Kommentar im "Lancet" betonen zwei Forscher des US-amerikanischen Institutes of Health, dass die vorliegende Analyse die Einschätzung der Risiken der Hormontherapie nicht grundsätzlich verändern werde. Sie begründen dies damit, dass Eierstockkrebs im Vergleich zu Brustkrebs und Herz-Kreislauf-Leiden, deren Risiken ja ebenfalls erhöht werden, eher selten sei.

Die deutsche Leitlinie zur Hormontherapie wird derzeit überarbeitet. Dort wird die Hormontherapie zur Behandlung der typischen Beschwerden in den Wechseljahren ohnehin nur nach einer Risikobewertung empfohlen.

Insgesamt erhielten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 7790 Frauen im Jahr 2010 in Deutschland die Diagnose Eierstockkrebs, knapp 5600 starben an den Folgen der Krankheit. Das RKI nennt die Hormontherapie als einen Risikofaktor für diese Krebsform. Übergewicht, Kinderlosigkeit beziehungsweise Unfruchtbarkeit erhöhten demnach ebenfalls das Risiko.

NATÜRLICHE MITTEL GEGEN WECHSELJAHRSBESCHWERDEN

insgesamt 12 Beiträge
hansulrich47 13.02.2015
1. Schwache Datenbasis?
Erst wird von 1 zusätzlichen Fall unter 1.000 Frauen die Hormone nehmen geschrieben, dann aber von nur 17,5 Fällen pro 100.000 Frauen generell. Wenn 100.000 Frauen Hormone schluckten, müsste die Zahl der zusätzlichen Fälle [...]
Erst wird von 1 zusätzlichen Fall unter 1.000 Frauen die Hormone nehmen geschrieben, dann aber von nur 17,5 Fällen pro 100.000 Frauen generell. Wenn 100.000 Frauen Hormone schluckten, müsste die Zahl der zusätzlichen Fälle bei 100 liegen. Was bedeutet, kaum eine Frau nimmt was, oder??? Da wird wohl wieder kräftig an der Statistik gedreht, nur um etwas publizieren zu können?
areyoushure? 13.02.2015
2. Bitte etwas besser
in der Recherche! 1. Es sind eine Studie aus UK (Million Women Study) und eine aus den USA gewesen (WHI Studie), welche zum Rückgang der Verordnungen geführt hatten. 2. Immer noch ist gerade die WHI Studie in der Kritik, da [...]
in der Recherche! 1. Es sind eine Studie aus UK (Million Women Study) und eine aus den USA gewesen (WHI Studie), welche zum Rückgang der Verordnungen geführt hatten. 2. Immer noch ist gerade die WHI Studie in der Kritik, da dort Frauen mit einem Altersdurchschnitt >60 mit Hormonen behandelt wurden, um zu schauen, ob Herz-Kreißlauf-Risiken dadurch sinken! Was für ein Quatsch! 3. Wurden dort Hormone verwendet, welche in der Masse hier in D nicht verschrieben werden. Das ist so nicht vergleichbar. 4. Eine Studie aus England mit den miesen Daten des NHS würde ich nicht glauben. Das eine Verordnung eines Hormones nur individuell und nach Risikoabwägung erfolgen sollte, ist doch eigentlich selbstverständlich; oder? In England machen das die GP's so nebenbei.....
lemmy 13.02.2015
3. Niemals Ersatztherapie !
Ich wurde im letzten Jahr wegen einer Tumorerkrankung einer Totaloperation unterzogen. Die Ärzte haben mir quasi "verboten" irgendetwas einzunehmen, auch nichts pflanzliches. Das Risiko einer Krebserkrankung ist dadurch [...]
Ich wurde im letzten Jahr wegen einer Tumorerkrankung einer Totaloperation unterzogen. Die Ärzte haben mir quasi "verboten" irgendetwas einzunehmen, auch nichts pflanzliches. Das Risiko einer Krebserkrankung ist dadurch einfach zu hoch. Also: Finger weg ! Durch die "Hölle" des kompletten Hormonausfalls von heute auf morgen muss man/frau durch. Und es geht schon, irgendwie….. Bekannte Risikofaktoren sind aber auch tatsächlich Übergewicht und Kinderlosigkeit. Warum allerdings eine oder mehrere Geburten vor Eierstockkrebs schützen, das haben die Wissenschaftler noch nicht abschließend klären können. Also: Runter mit dem Hüftengold und fleissig Kinder kriegen ;-)
maulipauli 13.02.2015
4. @lemmy naja
ihr schicksal gibt ihnen nicht automatisch recht. ärzte "verbieten" gerne hormonersatztherapien weil die erstens kosten (jaja, das budget...) und sie sich zweitens so auf der absolut sicheren seite befinden, wie es der [...]
ihr schicksal gibt ihnen nicht automatisch recht. ärzte "verbieten" gerne hormonersatztherapien weil die erstens kosten (jaja, das budget...) und sie sich zweitens so auf der absolut sicheren seite befinden, wie es der patientin dabei geht ist dann oft nebensächlich. nein, man muss da nicht um jeden preis durch und unumstrittene studien die ein signifikant höheres risiko ergeben gibt`s meines wissens nach auch nicht. frau sollte das selbst entscheiden und wenns geht ohne die übliche panikmache
odapiel 14.02.2015
5.
Die Daten beziehen sich auf künstliche Hormone. Pflanzliche Östrogene und vor allem pflanzliches Progesteron sind Alternativen, insbesondere da viele Frauen eher eine Östrogendominanz statt eines Defizits haben.
Die Daten beziehen sich auf künstliche Hormone. Pflanzliche Östrogene und vor allem pflanzliches Progesteron sind Alternativen, insbesondere da viele Frauen eher eine Östrogendominanz statt eines Defizits haben.

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Zur Autorin

  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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