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Gesundheit

Gefährlicher Grund

Forscher enträtseln Krankheitsausbruch in Uganda

Im Westen Ugandas ist eine Krankheit ausgebrochen, die meist von Fadenwürmern ausgelöst wird. Doch vor Ort entdecken Ärzte keine Spur der Parasiten. Was ist die wahre Ursache?

Christine Kihembo
Mittwoch, 12.04.2017   11:40 Uhr

Im Kamwenge-Distrikt im Westen Ugandas leiden immer mehr Menschen unter der Krankheit Elephantiasis, bei der Beine und Füße extrem anschwellen - davor warnte eine Hilfsorganisation 2015. Eine bekannte Form der Elephantiasis wird von Fadenwürmern ausgelöst. Die Parasiten können von Mücken übertragen werden und befallen das Lymphsystem. Dadurch staut sich Flüssigkeit in den Beinen, sodass diese anschwellen. Dies kann auch an den äußeren Geschlechtsorganen passieren.

In der Region war die Krankheit bislang nicht aufgetreten. Infolge der Warnung schickten das Gesundheitsministerium Ugandas, die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie die US-Seuchenschutzbehörde CDC gemeinsam ein Team nach Kamwenge. Nun berichten die Ärzte im "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene" über ihre Untersuchung.

Tatsächlich fanden sie viele Betroffene, die unter geschwollenen Füßen litten. Meist brannte oder juckte die Haut, zum Teil trat Lymphe aus oder die Zehen waren steif. Doch bei keinem der Erkrankten konnten die Helfer die Würmer nachweisen, die Elephantiasis auslösen, schreibt das Team um Christine Kihembo vom ugandischen Gesundheitsministerium.

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Uganda: Krank vom Acker

Die Ärzte untersuchten gut 50 Betroffene genauer, sodass sie auch Lepra und andere Hautkrankheiten als Ursache ausschließen konnten.

Was löste die Beschwerden aus?

Es ist der Boden, meinen Kihembo und Kollegen. Die Ärzte befragten 40 Betroffene sowie 80 nicht von dem Leiden betroffene Nachbarn zu einigen Lebensgewohnheiten. Nämlich danach, ob sie bei der Arbeit sowie in ihrem Haus Schuhe trugen und ob sie sich die Füße direkt nach der Arbeit oder erst vor dem Schlafengehen wuschen. Tatsächlich gaben die Erkrankten deutlich häufiger an, dass sie barfuß arbeiteten und ihre Füße erst spät am Abend säuberten.

Die meisten Menschen in Kamwenge sind Bauern. Nicht jeder besitzt Schuhe.

Der Boden in der Region besteht laut dem Fachartikel aus verwittertem vulkanischem Gestein. Er enthält kleine, scharfe Kristalle, die sich in die Fußsohlen bohren können. Bei manchen Menschen löst dies einen immer wieder aufflammenden Entzündungsprozess aus. Das Gewebe vernarbt, die Lymphgefäße werden blockiert, sodass sich die Lymphe in den Füßen und Unterschenkeln staut und diese anschwellen lässt.

Diese Form der Elephantiasis nennt sich Podokoniose. Weltweit sind etwa vier Millionen Menschen von der Krankheit betroffen, die unter anderem in Äthiopien und Indien und vor allem in Höhenlagen über 1000 Metern über dem Meeresspiegel vorkommt.

Kihembo und Kollegen kommen deshalb auch zu dem Schluss, dass es in Kamwenge gar keinen plötzlichen Ausbruch gibt. Viele Betroffene leiden schon seit Jahren oder sogar Jahrzehnten.

Ist die Krankheit schon fortgeschritten, lässt sie sich nicht mehr umkehren. Kihembo betont daher, wie wichtig es sei, frühe Anzeichen des Leidens zu bemerken - die Ärzte wollen die Bevölkerung über das Risiko aufklären. Sie schlagen vor, dass den Menschen zudem Schuhe zur Verfügung gestellt werden. Denn das Tragen von Schuhen und regelmäßiges Waschen der Füße schützen vor der Krankheit oder verhindern das Fortschreiten.

wbr

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