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Gesundheit

Infektionskrankheit

Erkrankungen durch Hantaviren nehmen zu

Mediziner warnen vor dem Hantavirus - derzeit verbreitet sich die Infektionskrankheit in einigen deutschen Regionen besonders stark. Das liegt vermutlich an einer Mäuseart.

Getty Images

Hantaviren unter dem Elektronenmikroskop

Donnerstag, 13.04.2017   13:01 Uhr

Das Hantavirus breitet sich derzeit in einigen Teilen Deutschlands aus. In Baden-Württemberg wurden dem Landesgesundheitsamt seit Jahresbeginn bereits 108 Fälle gemeldet. 2016 habe es dort insgesamt nur 84 Erkrankungen gegeben. Auch bundesweit haben die Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr zugenommen: Dem Robert Koch-Institut (RKI) seien bis Mitte März 136 Fälle gemeldet worden - deutlich mehr als im vergangenen Jahr mit 38 Fällen.

Allerdings schwankten die Zahlen generell von Jahr zu Jahr erheblich, sagte eine Sprecherin des RKI. Und 2016 sei ein Jahr mit sehr geringen Fallzahlen gewesen: Nur 282 Menschen seien damals erkrankt, 2012 seien es 2825 gewesen.

Für Baden-Württemberg rechnen Experten derzeit mit mehr als 2440 Erkrankungen im Jahr 2017. "Die aktuellen Fallzahlen sprechen für eine erhöhte Hantavirus-Aktivität", sagte eine Sprecherin des Landesgesundheitsamtes. Im bundesweiten Vergleich gehört Baden-Württemberg nach RKI-Angaben zu den Ländern mit den meisten Fallzahlen.

Grund für die hohen Zahlen sei der gute Ertrag der Buchen in den Wäldern im vergangenen Jahr. Dadurch habe es viele Bucheckern gegeben, die vor allem der Rötelmaus als Nahrung dienten. Vor allem Rötelmäuse aber auch Brand- und Gelbhalsmäuse übertragen das Hantavirus.

Beim Menschen verursacht eine Infektion nach RKI-Angaben eine grippeähnliche Krankheit mit Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. Auch Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen treten auf. Typisch ist Blut im Urin, da die Viren die Blutgefäße in den Nieren schädigen. Sogar zu Nierenversagen kann es kommen.

Einige Patienten müssen auch nach dem Abklingen der Krankheit eine Zeit lang eine Dialyse bekommen. Im Gegensatz zu einer US-amerikanischen Hantavirusvariante, an der 2012 viele Menschen starben, verläuft die Infektion hierzulande nur sehr selten tödlich.

Vorsicht bei aufgewirbeltem Staub

Am häufigsten infizieren sich Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Um sich zu schützen, sollten Menschen nach Expertenangaben vor allem in Gebieten mit viel Buchenwald den Kontakt mit Ausscheidungen von Nagern vermeiden - beispielsweise bei Holzarbeiten in Wald und Garten und bei der Reinigung von Kellern, Schuppen, Scheunen und Ställen.

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Hantavirus-Infektionen: Risiko Rötelmaus

Denn Hantaviren stecken im Mäusedreck. Der Mensch infiziert sich, indem er aufgewirbelten Staub einatmet, der den Erreger enthält. Auch durch den Biss einer Maus kann eine Übertragung erfolgen.

Der Name des Virus stammt vom Hantan-Fluss in Südkorea. Dort erkrankten während des Koreakrieges in den Fünfzigerjahren Tausende Soldaten an unklarem Fieber. Erst 1977 wurde der Erreger isoliert und Hantavirus genannt.

joe/dpa

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