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Homosexuelle Männer dürfen Blut spenden - nach einem Jahr Enthaltsamkeit

Männer, die Sex mit Männern haben, waren bisher ein Leben lang von der Blutspende ausgeschlossen. Jetzt fällt dieses Verbot. Doch auch die neue Regelung wird kritisiert.

DPA

Blutkonserve

Montag, 07.08.2017   15:41 Uhr

Homosexuelle Männer können künftig unter bestimmten Bedingungen Blut spenden. Die Bundesärztekammer (BÄK) überarbeitete die entsprechende Richtlinien zur Blutgewinnung und zur Verwendung von Blutprodukten.

Zwölf Monate nach Beendigung "sexuellen Risikoverhaltens" dürfen Schwule demnach künftig Blut spenden, weil dies "nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfänger von Blut und Blutprodukten führt".

Bisher waren nicht nur Männer, die Sex mit Männern haben, ein Leben lang von der Blutspende ausgeschlossen. Dies galt auch für männliche und weibliche Prostituierte sowie für Heterosexuelle mit sexuellem Risikoverhalten - also etwa häufig wechselnden Partnern. Hintergrund ist, dass diese Personengruppen ein höheres Risiko haben, sich mit Infektionskrankheiten wie etwa HIV und Hepatitis C anzustecken.

Aus dem lebenslangen Ausschluss von der Blutspende wurde nun ein auf ein Jahr begrenzter. Die Frist gilt für schwule Männer, Heterosexuelle mit häufigen Sexkontakten, Prostituierte sowie Transsexuelle mit "sexuellem Risikoverhalten". Denn nach Ansicht der Arbeitsgruppe, welche die Richtlinie überarbeitete, führt eine "Zulassung zur Blutspende zwölf Monate nach Beendigung des sexuellen Risikoverhaltens nicht zu einer Erhöhung des Risikos für die Empfänger".

Dauerhaft ausgeschlossen bleiben Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Die Angaben zum Lebensstil werden wie bisher per Fragebogen erhoben.

Verbot der Diskriminierung

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2015 die EU-Regelungen zum Blutspendeverbot für Homosexuelle präzisiert, auf denen auch die deutschen Regelungen beruhen. Wenn der Gesundheitsschutz von Blutspendenempfängern durch neue Nachweistechniken zu HIV oder Befragungen der Spender gesichert werden könne, seien generelle Verbote unzulässig, urteilte der EuGH und verwies auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und das Verbot der Diskriminierung wegen der sexuellen Ausrichtung.

Der Deutschen Aidshilfe geht die neue Richtlinie nicht weit genug. "Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen", sagte Vorstandsmitglied Björn Beck. Eine Frist von einem Jahr schließe hingegen die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus.

"Faktisch ausgeschlossen"

Auch Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland, kritisierte die Richtlinie als "wissenschaftlich nicht haltbar". So werde nicht berücksichtigt, dass bei geschütztem Sex ein weitaus geringeres Übertragungsrisiko bestehe. Nicht zuletzt sei davon auszugehen, "dass ein gesunder homosexueller Mann niemals ein Jahr lang zölibatär leben kann und wird, um dann endlich Blut spenden zu dürfen".

Tatsächlich betonten die Experten in ihrer Stellungnahme, dass sexuell aktive Homosexuelle sowohl durch ein komplettes Verbot einer Blutspende als auch durch eine zeitlich befristete Rückstellung "faktisch von der Blutspende ausgeschlossen sind".

wbr/AFP

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