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Gesundheit

Kopfschmerzen

"Die Migräne lauert permanent im Hintergrund"

Stechen, dröhnen, pochen: Es gibt etwa 360 Formen von Kopfschmerzen. Als besonders belastend empfinden Betroffene Migräne oder Clusterkopfschmerzen. Was tun, wenn der Kopf schmerzt?

Christin Klose/ TMN

Frau mit Kopfschmerzen

Mittwoch, 09.08.2017   17:27 Uhr

Dass mal der Schädel brummt, das kennt jeder. Was dahintersteckt, bleibt jedoch häufig unklar. Laut Hartmut Göbel, Gründer und Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, gibt es mehr als 360 Formen des Kopfschmerzes.

Doch bei manchen Menschen ist der Kopfschmerz kein Symptom für eine andere Erkrankung, der Kopfschmerz ist die Erkrankungen selbst. Zu diesen sogenannten primären Kopfschmerzen gehören Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerz. Ein Überblick:

Clusterkopfschmerz

Als besonders belastend wird der Clusterkopfschmerz wahrgenommen - ein einseitiger Schmerz im Augenbereich. Betroffene sagen, es fühle sich an, als ob ein Messer durch ein Auge in den Kopf gestochen werde. Vom Clusterkopfschmerz ist unter 1000 Menschen nur ungefähr einer betroffen.

Die Attacken können zwischen 15 Minuten und drei Stunden dauern und mehrfach am Tag auftreten. Begleitend hängt oft ein Augenlid herab, die Nase läuft oder ist verstopft, oder das Auge tränt. Behandelt werden die Betroffenen mit Triptanen - entweder als Nasenspray oder als Injektion - oder mit Sauerstoff, den sie über eine Maske inhalieren. Vorbeugend können Betroffene unter anderem auch Kortison bekommen.

Migräne

Unter 100 Menschen haben laut Göbel 15 bis 20 Migräne. Der Schmerz ist in der Regel einseitig, hämmernd oder pochend und zwingt Betroffene zur Bettruhe. Zusätzlich ist ihnen oft übel, sie müssen sich übergeben, sind licht-, lärm- und mitunter auch geruchsempfindlich. Die Attacken dauern vier Stunden bis drei Tage. Bestimmte Faktoren können Migräne auslösen - Mediziner sprechen von sogenannten Triggern. Dazu zählen etwa Stress, grelles Licht, laute Musik oder Alkohol.

Günter Rambach, Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga, hat häufig Migräne. Manchmal an bis zu 20 Tagen pro Monat. Bestimmte Gerüche, Lichteffekte, Wetterumschwünge und Stress, egal ob positiv oder negativ, triggern bei ihm Migräneattacken. "Die Migräne lauert permanent im Hintergrund"

Um Attacken vorzubeugen, sollten Betroffene sich einen konstanten und regelmäßigen Lebensstil angewöhnen. "Regelmäßige Schlaf- und Pausenzeiten sowie regelmäßige Essenszeiten können sich günstig auf den Verlauf der Migräne auswirken", erklärt Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Er empfiehlt zudem regelmäßigen Ausdauersport wie Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Walken.

Spannungskopfschmerzen

Mehr als die Hälfte aller Kopfschmerzen ist von diesem Typ, sagt Göbel. Die Schmerzen sind weniger stark als die bei Migräne. Sie werden von Patienten als dumpf-drückend beschrieben, treten meist beidseitig auf und können zwischen 30 Minuten und einer Woche andauern. "Die Kopfmuskeln weisen eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf, sie sind reflektorisch angespannt", erklärt Göbel. Spannungskopfschmerzen treten zum Beispiel auf, wenn jemand den ganzen Tag am PC gesessen hat und Schultern und Nacken zu lange einseitig aktiviert sind.

Zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen empfiehlt Gaul, Pfefferminzöl auf die Schläfen aufzutragen. Vorbeugend hilft ebenfalls Bewegung und Entspannung. "Die Einnahme von Schmerzmitteln sollte nur dann erfolgen, wenn sie aufgrund der Schmerzintensität unverzichtbar erscheinen", so Gaul.

Höchsten an zehn Tagen im Monat Schmerzmittel nehmen

Auch Schmerzexperte Göbel warnt davor, Kopfschmerzen zu häufig mit Schmerzmitteln zu bekämpfen. Denn Schmerzmittel reduzieren die Schmerzempfindlichkeit. Nimmt man sie über einen längeren Zeitraum sehr häufig ein, reagiert das Nervensystems sensibler auf Schmerzen.

Lässt die Wirkung des Schmerzmittels nach, schießt die Schmerzempfindlichkeit hoch, es treten spontan sogenannte Rückschlagkopfschmerzen auf, die erneut die Schmerzmitteleinnahme fordern - ein Teufelskreis. Betroffene können dem nur entkommen, wenn sie bis zu 30 Tage komplett auf Schmerzmittel verzichten, so Göbel. Er empfiehlt die sogenannte 10-20 Regel: Demnach sollten nur an zehn Tagen im Monat Schmerzmittel eingenommen werden, 20 von 30 Tagen sollte man ohne die Medikamente überstehen.

von Elena Zelle/dpa/koe

insgesamt 25 Beiträge
global.payer 09.08.2017
1. Brillengläser nicht als selbsttönende Gläser
nach jahrelang wiederkehrenden Migräneanfällen habe ich eine ungetönte Brille gekauft, da beim Motorrad fahren die Brille zu langsam auf hell wechselte, wenn man bei Schnee und Sonnenschein in einen Tunnel fuhr. Seitdem ich nun [...]
nach jahrelang wiederkehrenden Migräneanfällen habe ich eine ungetönte Brille gekauft, da beim Motorrad fahren die Brille zu langsam auf hell wechselte, wenn man bei Schnee und Sonnenschein in einen Tunnel fuhr. Seitdem ich nun keine selbsttönenden Gläser mehr trage, habe ich keine Migräneanfälle mehr bekommen.
elkemeis 09.08.2017
2. Migräne mit mäßiger Schmerzintensität
Meine Migräne blieb lange unerkannt, weil ich dem Irrtum unterlag, bei Migräne müsse einem der Kopf "zerspringen". Ich hatte einen einseitigen, dumpfen Schmerz im Bereich der Augenhöhlen und Augenbrauen von geringer [...]
Meine Migräne blieb lange unerkannt, weil ich dem Irrtum unterlag, bei Migräne müsse einem der Kopf "zerspringen". Ich hatte einen einseitigen, dumpfen Schmerz im Bereich der Augenhöhlen und Augenbrauen von geringer bis mäßiger Intensität, der sich ganz langsam über mehrere Stunden hinweg aufbaute und dann zwischen eineinhalb und drei Tagen andauerte. Manchmal wanderte der Schmerz während eines längeren Anfalls langsam von einer Kopfseite zur anderen. Schlimmer als der Schmerz waren die Begleitsymptome wie starke Lichtempfindlichkeit, Schwächegefühl, leichter Schwindel und eine latente Übelkeit. Meistens fing eine Attacke freitags am Nachmittag oder am Samstag Vormittag an, am Ende einer anstrengenden oder stressigen Arbeitswoche. Paradoxerweise hat mir manchmal eine geringe Dosis Sonne und Wärme (auch im Solarium) geholfen, wenn die Migräne erst im Entstehen und noch nicht voll ausgebildet war. Lebensmittel oder Getränke hatten keinen Einfluss, allerdings gab es neben Stress einen deutlichen Zusammenhang mit Hormonschwankungen. Die bin ich los und damit auch die Migräne.
lathea 09.08.2017
3. Man kann Migräne auch ....
.... mit Hilfe der Psyche angehen. Ich habe in meinem Leben zwei extrem starke Migräneanfälle gehabt (inkl. Aura und Übelkeit mit Erbrechen, d.h. auch Medikamente konnten nicht eingenommen werden). Nach dem zweiten Mal habe [...]
.... mit Hilfe der Psyche angehen. Ich habe in meinem Leben zwei extrem starke Migräneanfälle gehabt (inkl. Aura und Übelkeit mit Erbrechen, d.h. auch Medikamente konnten nicht eingenommen werden). Nach dem zweiten Mal habe ich nach einem psychischen Zusammenhang zwischen beiden gesucht und habe ihn glücklicherweise durch Zufall gefunden. Danach folgten noch mehrere Anfälle, die sich jedoch relativ schnell auflösen ließen und die wesentlich leichter verliefen bis sie dann von selbst ganz aufhörten. Außerdem helfen bei Migräne und auch bei Krämpfen "chininium sulfuricum"-Globulis. Natürlich wirken homöopathische Mittel nicht bei allen Menschen, aber wenn dieses Medikament wirkt, dann wirkt es innerhalb von ca. 20 Minuten - (getestet bei mehreren Patienten). Wenn nach spätestens 1 Stunde und 3 Globuli-Einnahmen keinerlei Wirkung eintritt, braucht man es m.E. nicht lânger probieren, weil es dann vermutlich nicht das Richtige ist. Kann ich zumindest zum Austesten empfehlen.,
vinzenz 09.08.2017
4. kann helfen, muss aber nicht
bei mir hat ein strikteres Zeitmanagement geholfen, sprich.. mehr oder weniger zu den gleichen Zeiten ins Bett und auch aufstehen (gerade als Jugendlicher hats mich an Samstagen zerlegt, wo man endlich ausschlafen konnte.. meist [...]
bei mir hat ein strikteres Zeitmanagement geholfen, sprich.. mehr oder weniger zu den gleichen Zeiten ins Bett und auch aufstehen (gerade als Jugendlicher hats mich an Samstagen zerlegt, wo man endlich ausschlafen konnte.. meist konnte ich dann gleich im Bett beiben, weils mir den Schädel gesprengt hat) und - bei mir - (viel) Ausdauersport.. Schwimmen, Radfahren, Laufen, vor allem draussen.. auch wenns mal nicht so schön draussen ist - es geht! bei beginnender Migräne kann ab und zu Bewegung helfen - der Schuss kann auch nach hinten losgehen.. aber der Versuch ists allemal wert bevor man sich was einwirft Lebensmittel waren bei mir eher nicht der Auslöser, evtl Stress und (zu)niedriger und stark schwankernder Blutdruck (was beides durch Ausdauersport reguliert werden kann)
langenscheidt 10.08.2017
5. Migräne vorbeugen
Migräne bekommen Menschen, die keine ausgewogene Ernährung sich antun. Regelmäßige Zuführung von geringen Dosen tierischen Fetts minimiert Migräneattacken drastisch.
Migräne bekommen Menschen, die keine ausgewogene Ernährung sich antun. Regelmäßige Zuführung von geringen Dosen tierischen Fetts minimiert Migräneattacken drastisch.

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