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Gesundheit

Deutschland

Zahl der Masernfälle steigt

Im Vergleich zu den Vorjahren erkranken derzeit deutlich mehr Menschen an Masern, meldet das Robert Koch-Institut. Am stärksten betroffen ist Nordrhein-Westfalen mit mehr als 510 Fällen.

imago/ Science Photo Library

Masernvirus (Computer-Illustration)

Dienstag, 05.09.2017   14:37 Uhr

In Deutschland sind in diesem Jahr schon mehr als zweieinhalb mal so viele Masern-Fälle gemeldet worden wie im gesamten Vorjahr. 860 Menschen erkrankten nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin nachweislich an dem hochansteckenden Virus. Im gesamten Vorjahr gab es demnach 325 Masern-Infektionen.

Mit gut 510 Masern-Fällen am stärksten betroffen ist in diesem Jahr das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, vor allem die Städte Duisburg und Essen. Höhere Fallzahlen waren in NRW zuletzt 2006 gezählt worden. Damals waren 1750 Menschen an Masern erkrankt.

Bei Masern-Ausbrüchen gibt es große jährliche und regionale Schwankungen, wie RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte. So wurden etwa in NRW im vergangenen Jahr nur 28 Fälle gezählt. Das RKI hatte schon im März damit gerechnet, dass 2017 nach den geringeren Zahlen von 2016 ein Jahr mit mehr Fällen werden würde.

Viele Fälle in Sachsen, Berlin und Hessen

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind neben NRW auch Sachsen mit knapp 70, Berlin mit knapp 60 und Hessen mit gut 70 Fällen verstärkt betroffen. Kein Bundesland ist ganz masernfrei, mehrere berichten allerdings nur von Einzelfällen, darunter Bremen (3), Saarland (2) und Mecklenburg-Vorpommern (1).

Mehr zum Thema

Masern gehen zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem und kann in sehr seltenen Fällen tödlich enden. Gefährlich sind Masern vor allem für Säuglinge und Kleinkinder.

Trotz bekannter Gefahren durch eine Infektion und vorhandenem Impfstoff sind die Impfquoten in Deutschland gering. Im Juli ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das die Impfquoten weiter verbessern soll und bestehende Regelungen der Gesetze zu Infektionsschutz (IfSG) und Prävention (PrävG) ergänzt. Demnach dürfen Arbeitgeber in Gesundheitsbereichen Einstellung und Einsatzort des Personals vom Impfstatus abhängig machen. Außerdem sollen Kitas künftig Eltern, die eine Impfberatung verweigern, an das Gesundheitsamt melden.

Links zum Thema Impfen und Masern

hei/dpa

insgesamt 82 Beiträge
rosenkohl1 05.09.2017
1. keine Panik, Masern schwankt, impfquote steigt; dreifach ist Zwang
"Im Vergleich zu den Vorjahren erkranken derzeit deutlich mehr Menschen an Masern" - schon verkehrt, 2015 gab es 2464 Fälle, viel mehr als bisher diese Jahr. Richtig ist daß Masern mit den Jahren sehr stark oszilliert, [...]
"Im Vergleich zu den Vorjahren erkranken derzeit deutlich mehr Menschen an Masern" - schon verkehrt, 2015 gab es 2464 Fälle, viel mehr als bisher diese Jahr. Richtig ist daß Masern mit den Jahren sehr stark oszilliert, für manche ein willkommener Anlass zur Panikmache. "Trotz bekannter Gefahren durch eine Infektion und vorhandenem Impfstoff sind die Impfquoten in Deutschland gering" Falsch, Impfquoten für die erste und zweite Masern- und Rötelnimpfung bei 4- bis 7-jährigen Kindern in den bundesweiten Schuleingangsuntersuchungen sind von 1998 bis 2014 kontinuierlich gestiegen, wohlgemerkt mit freiwliiger Impfung https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Praevention/elimination_04_01.html. "Vorhanden" ist ein "Masernimpstoff" allerdings gerade nicht, sondern per Rabattverträge der Krankenkassen nur die Dreifachimpfung ist vorhanden, Mumps und Röteln muss man unfreiwillig mitnehmen.
permissiveactionlink 05.09.2017
2. Im SPIEGEL 34/1999
schrieb ein Mediziner folgenden Leserbrief : "Tatsache ist sicher, dass durch die Ärzteschaft teilweise Fehlinformationen über notwendige und sinnvolle Impfungen an Patienten weitergegeben werden; Tatsache ist aber auch, [...]
schrieb ein Mediziner folgenden Leserbrief : "Tatsache ist sicher, dass durch die Ärzteschaft teilweise Fehlinformationen über notwendige und sinnvolle Impfungen an Patienten weitergegeben werden; Tatsache ist aber auch, dass in Teilen der Bevölkerung zu Impfungen ein eigenartiges, fast schon schizophrenes Verhältnis besteht, welches ich auch in zehn Jahren niedergelassener Tätigkeit nicht immer verstehen kann : Da kommen gut situierte Preisausschreiben-Gewinner einer Reise nach Schwarzafrika und scheuen die circa 100 Mark Kosten für eine Malaria-Prophylaxe. Fast jedes Jahr bei einer Grippewelle wird einem "die Bude eingerannt" wegen Impfungen, die von mir schon vor der Saison angeboten werden; die Verärgerung kommt, wenn der Impfstoff dann vergriffen ist, und ganz aktuell kommen Mallorca(!)-Urlauber wegen Gelbfieber-Impfungen, die sich dann nur dadurch abschrecken lassen, dass die Impfung keine Kassenleistung ist und 60 Mark kostet. vom gleichen Patienten werden aber sinnvolle und kostenlose Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie wegen angeblicher Nebenwirkungen abgelehnt ! O Herr, lass Hirn vom Himmel regnen !" Also alles beim alten, seit 18 Jahren. Schlussfolgerung : Impfpflicht einführen, Frankreich und Italien haben es schon getan, richtig so !
maryrose 05.09.2017
3. Betrifft Beitrag Nr. 2
Dieser Brief des Mediziners ist das Beste, dass ich zu dem Thema je gelesen habe. Das sagt alles. Und ich kann der Einfuehrung einer Impfpflicht nur zustimmen.
Dieser Brief des Mediziners ist das Beste, dass ich zu dem Thema je gelesen habe. Das sagt alles. Und ich kann der Einfuehrung einer Impfpflicht nur zustimmen.
the_mosvik_beast 05.09.2017
4. Mal gründlich nachgedacht. ..
...hatten unsere Grosseltern in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts auch so eine Höllenangst vor Masern? Wo sind die Berichte von dramatischen KrankheitsVerläufen zu dieser Zeit? Selbst in Kinderbüchern waren Masern neben [...]
...hatten unsere Grosseltern in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts auch so eine Höllenangst vor Masern? Wo sind die Berichte von dramatischen KrankheitsVerläufen zu dieser Zeit? Selbst in Kinderbüchern waren Masern neben Mumps und Windpocken ein Thema , das den Kindern keine Angst einjagen sollte.
jamsrhb 05.09.2017
5. Einfach wie in den USA!
Es wird eine Reihe von verpflichtenden Impfungen vorgeschrieben und wenn die Eltern das nicht nachweisen können, dann darf das Kind weder Kita noch Schule besuchen. Wenn man mit Aufklärung gegen den Humbug der Impfverweigerer [...]
Es wird eine Reihe von verpflichtenden Impfungen vorgeschrieben und wenn die Eltern das nicht nachweisen können, dann darf das Kind weder Kita noch Schule besuchen. Wenn man mit Aufklärung gegen den Humbug der Impfverweigerer nicht ankommt dann halt mit Zwang.
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