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Gesundheit

Alternativmedizin

Mann vergiftet sich mit Aprikosenkernextrakt

Bei einer OP bemerken die Ärzte, dass im Blut ihres Patienten gefährlich wenig Sauerstoff kursiert. Schnell finden sie die Ursache - der Mann allerdings erweist sich als beratungsresistent.

Getty Images
Mittwoch, 13.09.2017   10:10 Uhr

Ein Mann hat sich eine Zyanid-Vergiftung zugezogen, nachdem er große Mengen Aprikosenkern-Extrakt geschluckt hat. Wie australische Mediziner in der Fachzeitschrift "BMJ Case Reports" berichten, konsumierte der 67-Jährige fünf Jahre lang täglich die Alternativmedizin in der Hoffnung, Krebs vorzubeugen. Es gibt allerdings keine Belege dafür, dass Aprikosenkerne tatsächlich helfen. Stattdessen enthalten sie das Gift Zyanid, das lebensbedrohlich sein kann.

Die Vergiftung fiel durch Zufall auf. Während einer Routine-Operation bemerkte der Narkose-Arzt, dass im Körper seines Patienten extrem wenig Sauerstoff zirkuliert. Bei anschließenden Bluttests stießen die Ärzte auf alarmierend hohe Mengen Zyanid. Als der Patient aus der Vollnarkose aufwachte, informierte er die Ärzte über seine Selbstmedikation: zwei Teelöffel eines hausgemachten Aprikosenkernextraktes und zusätzlich drei Fruchtkern-Tabletten pro Tag.

Anschließende Analysen der Präparate zeigten 220 Milligramm Zyanid pro Kilogramm in den gekauften Tabletten, das selbstgemachte Pulver enthielt sogar 1600 Milligramm Zyanid pro Kilogramm. Der Mann habe somit täglich 17 Milligramm des Giftes zu sich genommen, schreiben die Mediziner. Das reichte aus, um den Zyanidgehalt im Blut auf das 25-Fache der Menge zu erhöhen, die als unbedenklich gilt.

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Beratungsresistenter Patient

Der Fall zeige, dass Selbstmedikation mit Alternativmedizin gefährlich sein kann, so die Mediziner. Sie erklärten dem Mann ihre Bedenken und rieten ihm dazu, für einen ersten Test drei Tage lang auf die Präparate zu verzichten. In der Zeit erholten sich seine Blutwerte. Trotzdem habe sich der Mann dazu entschieden, den Aprikosenkernextrakt in Zukunft weiterhin zu nehmen, schreiben die Mediziner.

Als ungefährlich bewertet die europäische Lebensmittelbehörde Efsa die Einnahme von höchstens 0,02 Milligramm Zyanid pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht bei Erwachsenen ungefähr der Zyanid-Menge, die in einem großen oder drei kleinen Aprikosenkernen steckt. Zum Teil werde bei Produkten aus der Alternativmedizin jedoch die Einnahme von 10 bis 60 Kernen pro Tag empfohlen, warnt die Efsa.

Die Alternativmedizin nutzt nicht die kompletten Aprikosenkerne, sondern nur die Samen, die in ihrer Mitte stecken. Sie sind es auch, die das Zyanid enthalten.

Wer gern Aprikosen isst, kann übrigens unbesorgt sein: Das Fruchtfleisch ist nicht mit Zyanid belastet.

irb/AFP

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