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Gesundheit

Kampf gegen Aids

Berlin will mehr HIV-Infizierte behandeln

Bis 2020 will Berlin 90 Prozent der HIV-Infizierten in der Stadt eine Therapie ermöglichen. So soll auch die Ansteckungsrate gesenkt werden.

DPA

HIV-Schnelltest

Donnerstag, 05.10.2017   16:21 Uhr

Als Stadt mit den meisten HIV-Infizierten in Deutschland will Berlin mehr Infizierte in Behandlung bringen. Es sei noch ein Rätsel, warum es in der Stadt eine relativ hohe Quote von Menschen gebe, die zwar ihren Status kennen, aber nicht in Therapie seien, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Donnerstag beim Kongress "HIV im Dialog".

Ein Fokus liege dabei auf Zuwanderern, die keinen Aufenthaltsstatus hätten. Um ihnen, aber auch allgemein Menschen ohne Krankenversicherung unabhängig vom Gesundheitsproblem den Weg in Behandlung zu ebnen, ist ab 2018 eine sogenannte Clearingstelle geplant, wie Kolat sagte.

Geschätzt stecken sich in der Hauptstadt pro Jahr 430 Menschen mit HIV an. Auch deshalb hatte sich Berlin 2016 als bislang einzige Stadt in Deutschland einer Initiative angeschlossen, die bis 2030 die Aids-Epidemie in Städten beenden will. Bereits bis 2020 soll eines der Etappenziele erreicht sein: 90 Prozent der Menschen mit HIV wissen von ihrer Infektion, 90 Prozent erhalten eine Therapie, bei 90 Prozent davon ist HIV nicht mehr nachweisbar. Ihre Sexualpartner sind dann mindestens ebenso gut vor dem Virus geschützt wie durch ein Kondom.

Teure Prophylaxe

Ein Schwerpunkt liegt auch darin, weitere Ansteckungen zu verhindern. "Wir müssen bei der Prävention ansetzen", betonte Kolat. Kondome seien trotz der heutzutage möglichen medikamentösen Prophylaxe nicht aus der Mode geraten. Sie seien wichtig, auch weil eine Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen beobachtet werde.

Die Prophylaxe mit Tabletten, kurz PrEP, die bis vor Kurzem wegen ihres hohen Preises außerhalb des Schwarzmarktes als kaum zugänglich galt, wird in manchen Städten zwar in einem Pilotprojekt von Apotheken erschwinglicher. In dessen Rahmen soll eine Tablette etwa 1,79 Euro statt mindestens 18,22 Euro kosten. Die Kosten für die ärztliche Beratung vor der Einnahme und die engmaschige Betreuung währenddessen werden aber weiter nicht von den Kassen übernommen.

"Das Einkommen darf nicht darüber entscheiden, ob jemand die PrEP nehmen kann oder nicht", sagte Ute Hiller von der Berliner Aids-Hilfe.

Bei dem Kongress beraten Fachleute am Freitag und Samstag, wie Berlin die Zahl der HIV-Infektionen reduzieren und das Auftreten von Aids verhindern kann.

jme/dpa

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HIV/Aids - Die Fakten

Die HIV-Infektion
Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase (Aids Related Complex) treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome).

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.

Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut des Wirtskörpers, in diesem Falle des Menschen, einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.

Die weltweite Verbreitung
Laut UNAIDS sind weltweit schätzungsweise 37 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Mit mehr als zwei Drittel der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas ein Zentrum der Epidemie.

Im Jahr 2014 hatten 15,8 Millionen Menschen mit HIV Zugang zu einer antiretroviralen Therapie, die den Ausbruch von Aids verzögert. Die Versorgung der Infizierten ist weltweit sehr unterschiedlich. So erhalten laut Uno nur etwa 14 Prozent der Betroffenen in Nordafrika und dem Mittleren Osten eine Therapie. Ähnlich gering sind die Aussichten auf Behandlung in Osteuropa und den ehemaligen Sowjetrepubliken. Überdurchschnittlich gut sind die Chancen für Infizierte in Europa, Nord- und Lateinamerika sowie der Karibik.
Die Verbreitung in Deutschland
In Deutschland lebten 2014 nach einer Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 83.000 Menschen mit HIV/Aids. Die Zahl der Neuinfektionen lag bei 3200 und damit ähnlich hoch wie 2013. 480 Menschen starben demnach 2014 an den Folgen von Aids. Zum Vergleich: Mitte der neunziger Jahre starben in Deutschland bis zu 2500 Menschen pro Jahr an der Krankheit. Am häufigsten (72 Prozent) steckten sich homosexuelle Männer neu mit HIV. In 18 Prozent der Fälle erfolgte die Ansteckung nach heterosexuellem Kontakt, in 7 Prozent durch Gebrauch von Drogen.
Chronik
1981: Vor allem in Kalifornien und New York sterben junge Männer an einer Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über die auffällige Zunahme seltener Krebs- und Lungenentzündungsformen bei jungen Homosexuellen.

1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.

1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).

1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aidstod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.

1986: Aus Afrika werden die ersten Aidsfälle gemeldet.

1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.

1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.

1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.

1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aidsmedikament auf den Markt.

1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.

1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.

2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aidsmedikamenten in den USA auf den Markt.

2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.

2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.

2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.

2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.

2012: Die Uno feiert größere Erfolge im Kampf gegen Aids. Die Zahl der Neuinfektionen weltweit ist deutlich gesunken.

2014: Forscher rekonstruieren frühe Ausbreitung von HIV. Die weltweit häufigste Variante des HI-Virus ist demnach wahrscheinlich um 1920 in Kinshasa entstanden.

2015: Immer mehr Menschen haben Zugang zu Medikamenten gegen HIV. Mehr als 40 Prozent der 37 Millionen Infizierten bekommen eine antiretrovirale Therapie.

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