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Psychologie

Wer nachahmt, macht sich beliebt

Ein ähnliches Lächeln, die gleiche Körperhaltung: Wer in Gesprächen die Gestik und Mimik seines Gegenübers imitiert, erscheint besonders sympathisch. Allerdings hat das Verhalten auch einen Nachteil.

Getty Images
Dienstag, 14.11.2017   10:52 Uhr

Wer andere beim Kennenlernen nachahmt, macht sich beliebt - zumindest innerhalb des eigenen Geschlechts. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Freien Universität Berlin und der Uni Leipzig.

Demnach gibt es Menschen, die andere besonders häufig nachahmen, sich also wie ein soziales Chamäleon verhalten. "In unserer Studie konnten wir zeigen, dass dieses Nachahmungsverhalten zu einer höheren Beliebtheit dieser sozialen Chamäleons führte", erklärt die Psychologin Helén Liebermann von der Freien Universität Berlin.

In einer Analyse mit insgesamt 139 Teilnehmern untersuchten die Wissenschaftler in nach Geschlechtern getrennten Kleingruppen, wie sich das unterbewusste Nachahmen von Verhaltensweisen, Körperhaltungen, Gesten, Gesichtsausdrücken oder Sprache auf das Kennenlernen auswirkt. Dieses auch Mimikry genannte Phänomen werteten die Forscher anhand von Videomitschnitten aus.

In dem Versuch begegneten sich die Mitglieder der Kleingruppen zu kurzen Kennenlerngesprächen. Davor und danach sagten die Teilnehmer, wie sympathisch sie die jeweiligen Gesprächspartner fanden. Kandidaten, die ihre Gesprächspartner schon nach dem ersten Eindruck sympathisch fanden, übernahmen während des Gesprächs zudem häufiger Verhaltensweisen oder Ausdrücke.

Besser gebunden, leichter getäuscht

"Durch Mimikry teilen wir unbewusst mit, dass wir jemanden mögen, und können damit unsere eigene Beliebtheit steigern", sagt Maike Salazar Kämpf von der Universität Leipzig. Wer ohnehin schon Sympathie empfindet, lässt sich stärker auf sein Gegenüber ein.

Unterbewusstes Nachahmen kann so anscheinend dabei helfen, Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Doch es gibt auch eine Kehrseite, wie Wissenschaftler von der Uni Leiden im niederländischen Enschede 2009 in einem Versuch herausfanden. Menschen, die andere nachahmen, können demnach von anderen leichter getäuscht werden.

In ihrer Studie mit 92 Teilnehmern bildeten die Wissenschaftler damals zwei Gruppen. Die Mitglieder der ersten Gruppe erhielten einen kleinen Geldbetrag, den sie selbst einsteckten oder für einen wohltätigen Zweck spendeten. Anschließend gaben sie Angehörigen der zweiten Gruppe - mal wahrheitsgemäß, mal unwahr - Auskunft darüber, was sie mit ihrem Geld gemacht hatten.

Die Zuhörer wurden nochmals geteilt. Eine Hälfte bekam die Aufgabe nachzuahmen. Die andere Hälfte sollte dies bewusst vermeiden. Anschließend mussten die Zuhörer bewerten, ob man ihnen die Wahrheit erzählt hatte. Dabei schätzten die Teilnehmer, die auf Nachahmung weitgehend verzichteten, ihre Gesprächspartner meist realistischer ein.

"Mimikry macht es uns leichter zu verstehen, was andere fühlen", schreiben die Wissenschaftler um Psychologin Marielle Stel, heute Uni Enschede, zunächst ganz allgemein. Wo aber das Verhalten des Gesprächspartners nicht zu dessen wahren Emotionen passe, sei es umgekehrt: "Im Fall irreführender Botschaften verhindert Mimikry dieses emotionale Verstehen."

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Namen der Universitäten, für die die Wissenschaftlerinnen arbeiten, nachträglich korrigiert.

hei/dpa

insgesamt 17 Beiträge
Tom Joad 14.11.2017
1. Noch mehr Nachteile ...
Menschen, die andere Menschen nachahmen, sind nicht authentisch. Und sollte die Nachahmerei einmal auffallen, so wirkt sie schnell lächerlich.
Menschen, die andere Menschen nachahmen, sind nicht authentisch. Und sollte die Nachahmerei einmal auffallen, so wirkt sie schnell lächerlich.
lachina 14.11.2017
2.
Herr Joad, die Nachahmung ist unterbewusst , nicht absichtlich - bitte Artikel genau lesen.
Herr Joad, die Nachahmung ist unterbewusst , nicht absichtlich - bitte Artikel genau lesen.
artusdanielhoerfeld 14.11.2017
3. Als Asperger-Autist...
...kann ich das weder bewusst noch unbewusst. Auch erkenne ich die Signale des Gegenüber nicht. Aber das hat auch Vorteile: Beim Poker-Spiel bemerke ich zwar auch nicht die Verhaltensauffälligkeiten meiner Mitspieler, dafür [...]
...kann ich das weder bewusst noch unbewusst. Auch erkenne ich die Signale des Gegenüber nicht. Aber das hat auch Vorteile: Beim Poker-Spiel bemerke ich zwar auch nicht die Verhaltensauffälligkeiten meiner Mitspieler, dafür werde ich von meinen Gegnern regelmäßig völlig falsch eingeschätzt, da meine Signale nichts mit meinem Blatt zu tun haben...
Tom Joad 14.11.2017
4.
Wieso unterstellen Sie mir, ich hätte den Artikel nicht genau gelesen? Auch unbewusstes Nachahmen kann auffallen. Ich habe so einen Fall in meinem Bekanntenkreis: sehr beliebt bei wenig eigener Persönlichkeit. Zudem ist [...]
Zitat von lachinaHerr Joad, die Nachahmung ist unterbewusst , nicht absichtlich - bitte Artikel genau lesen.
Wieso unterstellen Sie mir, ich hätte den Artikel nicht genau gelesen? Auch unbewusstes Nachahmen kann auffallen. Ich habe so einen Fall in meinem Bekanntenkreis: sehr beliebt bei wenig eigener Persönlichkeit. Zudem ist diese Person leicht zu beeinflussen.
vox veritas 14.11.2017
5.
Nachahmen, weil man sich sympathisch ist? Oder ist man sich sympathisch, weil man nachahmt?
Nachahmen, weil man sich sympathisch ist? Oder ist man sich sympathisch, weil man nachahmt?

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