11.07.2012
Avastin
Mittel gegen Brustkrebs floppt bei Studienanalyse
Bösartiger Knoten in der Brust (Illustration): Manche Medikamente können das Wachstum von Tumoren verlangsamen
Es ist der größte Blockbuster des Schweizer Pharmaherstellers Roche: Avastin (Wirkstoffname Bevacizumab) ist in Europa für die Behandlung von verschiedenen Krebsarten im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. 3000 bis 6000 Euro im Monat kostet das Medikament - je nach Krebsart. 2009 machte der Pharmariese mehr als vier Milliarden Euro Umsatz damit.
Doch in der letzten Zeit hat sich Avastin immer mehr zum Sorgenkind von Roche entwickelt. Zuletzt entzog die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) dem Medikament die Zulassung zur Behandlung von Brustkrebs. Auch als Mittel gegen Prostatakrebs hatte der Wirkstoff die Studienziele verfehlt.
Jetzt bestätigt eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration die Entscheidung der FDA: Zwar könne das Krebsmittel bei Frauen mit metastasierendem Brustkrebs das Fortschreiten der Erkrankung leicht verzögern. Auf das Gesamtüberleben - also den Zeitraum zwischen Therapiebeginn und dem Tod der Patientin - hat der Wirkstoff allerdings keinen Einfluss.
Nutzen überwiegt Nebenwirkungen nicht
Zu dem gleichen Schluss war die US-Gesundheitsbehörde gekommen. Im November 2011 begründete sie den Entzug der Zulassung damit, dass der Nutzen des Medikaments gegenüber dem Schaden durch Nebenwirkungen nicht überwiegt. Zu den Nebenwirkungen gehören unter anderem Bluthochdruck sowie Erschöpfung, Müdigkeit und Durchfall. In seltenen Fällen können aber auch gefährliche Blutungen auftreten.
Bei der aktuellen Studie der Cochrane-Autoren um Anna Dorothea Wagner von der Universität Lausanne handelt es sich um eine Metaanalyse, also eine Arbeit, in der die bisherige Studienlage analysiert wird. Die Forscher werteten dafür sieben Studien mit insgesamt 4032 Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs aus. Diese hatten entweder eine Chemotherapie oder zusätzlich Avastin erhalten.
Doch die Wirkung des Medikaments ist weiterhin umstritten - die europäische Zulassungsbehörde EMA ist bisher anderer Auffassung und hält den Nutzen für ausreichend. Avastin ist deshalb hierzulande in Kombination mit gängigen Chemotherapeutika zugelassen.
Bei dem Medikament handelt es sich um einen Antikörper. Dieser verlangsamt das Wachstum eines Tumors, indem er die Angiogenese, also die Neubildung von Blutgefäßen hemmt. Ab einer bestimmten Größe können die Krebszellen durch umliegendes Gewebe nicht mehr versorgt werden. Der Tumor gibt dann Botenstoffe ab, um die Blutgefäße zum Wachstum anzuregen und so mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt zu werden.
cib