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Gesundheit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Schichtarbeit erhöht Risiko für Infarkt

Nine to five klingt nach langweiligem Beamtenalltag, hat aber auch Vorteile - vor allem für die Gesundheit. Denn Schichtarbeit kann krank machen. Eine aktuelle Studie zeigt: Durch Schichtdienste steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

dapd

Innere Uhr gestört: In Gesundheitsberufen wird häufig im Schichtdienst gearbeitet

Von
Freitag, 27.07.2012   13:43 Uhr

Frühschicht, Spätschicht, Nachschicht - andere schlafen, wenn sie ran müssen: Schichtdienstler sind rund um die Uhr im Einsatz. Sie ermöglichen den Besuch an der Tankstelle mitten in der Nacht, räumen den Schnee im Winter von der Straße oder schieben im Krankenhaus Dienste. Darunter leidet nicht nur das Familienleben und die Pflege von Freundschaften - auch die Gesundheit.

Dass der ständige Wechsel für die innere Uhr den Organismus belastet, ist schon länger bekannt. Wissenschaftler belegten bereits einen Zusammenhang zwischen Schichtdiensten und Bluthochdruck, einem hohen Cholesterinspiegel sowie der Entstehung von Diabetes. Auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wurde häufig angenommen, ein direkter Zusammenhang war bisher aber umstritten.

In der bisher größten Studie zu dem Thema konnten Wissenschaftler um Manav Vyas von der kanadischen Western University in London nun belegen: Schichtarbeiter haben tatsächlich ein leicht erhöhtes Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu leiden, schreiben die Forscher im "British Medical Journal". Dafür analysierten sie insgesamt 34 Studien und die Daten von mehr als zwei Millionen Menschen.

Todesrate durch Schichtdienste nicht erhöht

In Deutschland arbeitet derzeit jeder sechste im Schichtdienst. In den letzten Jahren sind es immer mehr Menschen geworden. 1991 verdienten nur 38 Prozent der Beschäftigten außerhalb der normalen Arbeitszeiten ihr Geld, 2005 waren es schon 51 Prozent, wie eine Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung zeigte.

Für alle Schichtarbeiter ist das Risiko für eine Herz- Kreislauferkrankung erhöht - bei einem Herzinfarkt um 23 Prozent und einem Schlaganfall um fünf Prozent, errechneten die Forscher. Wer regelmäßig Nachschichten leistet, hat sogar ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko.

In ihrer Studie verglichen die Wissenschaftler Schichtarbeiter mit Personen, die geregelte Arbeitszeiten von 9 Uhr bis 17 Uhr hatten. Mehr als 17.000 der zwei Millionen Studienteilnehmer litten unter einer Herz- Kreislauferkrankung, etwa 6600 bekamen einen Herzinfarkt und 1850 einen Schlaganfall. Dabei kam es bei Schichtdienstlern häufiger zu solchen Erkrankungen als bei Menschen mit geregelten Arbeitszeiten. Eine erhöhte Todesrate sei laut den Forschern bei Schichtarbeitern aber nicht zu verzeichnen gewesen.

Die innere Uhr versagt

Die Wissenschaftler gaben zu bedenken, dass Schichtarbeiter in der Regel ungesünder leben würden. Sie rauchten öfter und würden sich auch häufig schlechter ernähren. Solche Faktoren seien aber in der Studie berücksichtigt worden.

Den kanadischen Arbeitsmarkt analysierten Vyas und seine Kollegen separat: Dort haben in den Jahren 2008 bis 2009 etwa 33 Prozent der Menschen zu unregelmäßigen Arbeitszeiten im Schichtdienst gearbeitet. Sieben Prozent aller Herzinfarkte und 1,6 Prozent aller Schlaganfälle in Kanada könnten auf Schichtarbeit zurückzuführen seien, berechneten die Wissenschaftler.

Für solche Erkrankungen könnte die Störung der inneren Uhr verantwortlich sein, schreiben die Forscher. Wie die organischen Zusammenhänge genau aussehen, sei aber noch unklar.

insgesamt 11 Beiträge
moev 27.07.2012
1. optional
WoW, selten so eine nutzlose Studie gelesen. Dinge die als Hauptauslöser solcher Erkrankungen gelten werden also einfach ausgeklammert damit man sich reich auf die Schichtarbeit konzentrieren kann? Wie soll dabei ein brauchbares [...]
WoW, selten so eine nutzlose Studie gelesen. Dinge die als Hauptauslöser solcher Erkrankungen gelten werden also einfach ausgeklammert damit man sich reich auf die Schichtarbeit konzentrieren kann? Wie soll dabei ein brauchbares Ergebnis raus kommen? Er rauchte wie ein Schlot und aß immer das Schweinshaxenbrötchen in der Kantine, der Herzanfall muss ganz klar von der Schichtarbeit kommen!
blurps11 27.07.2012
2.
Wurde in diesen Studien eigentlich auch auf die Jobs selbst kontrolliert ? Schichtarbeit gibt's ja meist in eh schon sehr belastenden Aufgabenfeldern.
Wurde in diesen Studien eigentlich auch auf die Jobs selbst kontrolliert ? Schichtarbeit gibt's ja meist in eh schon sehr belastenden Aufgabenfeldern.
Tubus 27.07.2012
3. Problem
Dass Wechselschichten nicht gerade gesundheitsfördernd sind ist ja wohl eine Binse, übrigens wie Autofahren, Fußballspielen auch. Das Leben ist tatsächlich lebensgefährlich. Ein vernünftiges Kohlenhydratmanagement ist für [...]
Dass Wechselschichten nicht gerade gesundheitsfördernd sind ist ja wohl eine Binse, übrigens wie Autofahren, Fußballspielen auch. Das Leben ist tatsächlich lebensgefährlich. Ein vernünftiges Kohlenhydratmanagement ist für Diabetiker bei Wechselschichten kaum möglich. Da sich aus ökonomischen Gründen Wechselschichten nicht vermeiden lassen, sollte man eben keine zusätzlichen Risikofaktoren anhäufen. Als Betroffener weiß ich auch, dass ich fast genau bis zu meinem 40. Lebensjahr Wechselschichten völlig problemlos wegstecken konnte. Erst danach wurde Schichtbetrieb zum Problem, weil die innere Uhr dann mindestens 24 h brauchte, um wieder normal zu ticken.
Tubus 27.07.2012
4. Lesen hilft
Im Artikel wurde darauf hingewiesen, dass solche anderen Risiken in der Studie berücksichtigt wurden. Offen bleibt ob sowas tatsächlich mit genügender Genauigkeit gelingt.
Zitat von moevWoW, selten so eine nutzlose Studie gelesen. Dinge die als Hauptauslöser solcher Erkrankungen gelten werden also einfach ausgeklammert damit man sich reich auf die Schichtarbeit konzentrieren kann? Wie soll dabei ein brauchbares Ergebnis raus kommen? Er rauchte wie ein Schlot und aß immer das Schweinshaxenbrötchen in der Kantine, der Herzanfall muss ganz klar von der Schichtarbeit kommen!
Im Artikel wurde darauf hingewiesen, dass solche anderen Risiken in der Studie berücksichtigt wurden. Offen bleibt ob sowas tatsächlich mit genügender Genauigkeit gelingt.
Jonny_C 27.07.2012
5. Schichtdienst ist möderisch,
Das ist nichts neues. Man verliert nicht nur seine innere Uhr, man verliert auch die meisten Bekannten & Freunde und erwiesenermaßen prozentual auch seine/seinen Lebenspartner.
Das ist nichts neues. Man verliert nicht nur seine innere Uhr, man verliert auch die meisten Bekannten & Freunde und erwiesenermaßen prozentual auch seine/seinen Lebenspartner.

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  • Jörg Römer (Jahrgang 1974) ist freier Journalist in Hamburg. Er schreibt über Gesundheitsthemen, Sport und ist KarriereSPIEGEL-Autor.

Details zur Studie

Was wurde untersucht?
Das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung bei Schichtdienstlern.
Wie wurde untersucht?
In einer Übersichtsstudie haben Forscher aus Kanada und Skandinavien 34 Studien zur Schichtarbeit und deren Folgen für die Gesundheit analysiert. Das ist die bisher größte Untersuchung zu dem Thema - insgesamt wurden Daten von über zwei Millionen Menschen erfasst. Überwiegend wurden Beobachtungsstudien untersucht.
Was waren die Ergebnisse?
Das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung ist für Menschen, die häufig außerhalb der regulären Arbeitszeiten von 9 Uhr bis 17 Uhr arbeiten, erhöht. Das Risiko für einen Herzinfarkt ist um 23 Prozent erhöht, für einen Schlaganfall um fünf Prozent. Wer regelmäßig Nachschichten leistet, hat sogar ein um 41 Prozent erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Vergleich mit anderen Studien
Bereits in früheren Studien haben sich gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit einer häufigen Umstellung der inneren Uhr gezeigt. So konnten Forscher Bluthochdurck, Diabetes und einen hohen Cholesterinspiegel im Zusammenhang mit regelmäßiger Schichtarbeit nachweisen.
Stärken und Schwächen der Studie
Eine Schwäche der Studie ist ihr quantitativer Charakter. Die Froscher können bei ihrer statistischen Analyse lediglich nahelegen, dass Schichtarbeit die wahrscheinlichste Ursache für das Erhöhte Aufkommen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Schichtdienstlern ist. Einen direkten organischen Zusammenhang können sie nicht nachweisen. Außerdem wird häufig kritisiert, dass die Vergleichbarkeit der einzelnen Studien problematisch sein könnte - ein generelles Problem von Metaanalysen. Der überwiegende Teil der Studien stammt aus Skandinavien. Globale Aussagen über Risiken im Schichtdienst sind daher nicht unbedingt übertragbar.

Eine Stärke der Studie ist ihre Größe - die Daten von über zwei Millionen Menschen wurden erfasst. So viel wie nie zuvor.

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