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11.10.2012
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Influenza-Vorbeugung

So kommen Sie gesund durch die Grippe-Saison

Von
Corbis

Sie hat es erwischt: Eine Grippe lässt sich in der Regel daran erkennen, dass schlagartig hohes Fieber einsetzt

Schniefen Sie auch schon? Kratzen im Hals? Kopfschmerzen? Klarer Fall: Die Grippe-Saison beginnt. Gegen eine Infektion kann man sich schützen. Die wichtigsten Fakten zu Vorsorge, Symptomen und Behandlung.

Es ist, als würde die Energie so schlagartig verpuffen wie die Luft aus einem angepiksten Luftballon. Plötzlich sind die Glieder schwach, der Körper fröstelt, der Hals kratzt. Wer noch am Tag zuvor im Fitnessstudio stolz den Beginn sportlicher Zeiten feierte, liegt schon am nächsten Tag flach im Bett. Der Auslöser: Grippeviren, die sich in den Schleimhäuten einnisten und das Immunsystem zu Höchstleistungen zwingen.

Für die meisten ist eine Grippe schlicht unangenehm. Etwa eine Woche zehren Fieber und Husten am Körper, auch zwei bis drei Wochen nach der Genesung kann ein dumpfes, schlappes Gefühl den Erkrankten allen Elan nehmen. Dann allerdings kehrt der Körper zu alten Kräften zurück. Für manche jedoch bedeutet die Infektion weit mehr als das.

Mit dem Alter, einer Schwangerschaft oder Erkrankungen wie Asthma, Diabetes und Multipler Sklerose steigt das Risiko, dass die Grippeviren gefährliche Komplikationen mit sich bringen, zum Beispiel durch eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung.

In einem durchschnittlichen, deutschen Grippejahr sterben laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 8000 Menschen an den Folgen einer Infektion. Wie viele es genau sind, hängt von der Stärke der Grippewelle ab. Die Erreger sind extrem wandelbar, jedes Jahr werden andere Formen der Viren von Mensch zu Mensch weitergegeben. Sie sind verschieden aggressiv und ansteckend, außerdem sprechen sie unterschiedlich auf Medikamente und Impfstoffe an.

Wie stark die Grippewelle dieses Jahr wird, lässt sich noch nicht abschätzten. Das RKI meldet in seiner aktuellen Statistik noch keine Grippefälle (Anm.d.Red.: Inzwischen hat das RKI die Zahlen aktualisiert: Zum 20. Februar 2013 gab das RKI bekannt, dass es sich um eine starke Grippesaison 2012/2013 handelt ) In der Regel startet die Erkrankungswelle erst im Januar oder Februar, bis dahin grassieren vor allem harmlosere Erkältungsviren. Wer umgangssprachlich von der Grippe spricht, meint meistens den von verschiedenen Viren ausgelösten grippalen Infekt. Die echte Grippe, für die Influenzaviren verantwortlich sind, verläuft dagegen schwerer.

Vor allem für immungeschwächte Menschen ist es wichtig, schon jetzt vorzusorgen: Das Risiko für den Einzelnen kann sehr hoch sein - ganz unabhängig davon, wie stark die Grippewelle dieses Jahr ausfällt. Wer sich früh wappnet, kommt eher gesund durch die Saison.

Vorsorge durch Impfen und Hygiene

Ein Stück weit ist eine Ansteckung Pech: Eine virusbelastete Türklinke, eine unbedachte Bewegung der Hand an Mund oder Nase können ausreichen, schon verbreitet sich das Virus in den Atemwegen. Wahrscheinlich ist eine Infektion über Tröpfchen, die beim Sprechen oder Husten eines Erkrankten in die Luft gelangen. Mit ein paar einfachen Vorsichtmaßnahmen allerdings lässt sich eine Infektion vermeiden. So passieren etwa drei von vier Übertragungen des Virus im Haushalt. Sind Familienmitglieder erkrankt, hilft schon häufiges Lüften, um einen Teil der in der Luft wabernden Viren zu verbannen.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich außerdem gegen das Virus impfen lassen. Für gefährdete Personengruppen, also für Menschen ab 60, für Schwangere ab dem vierten Monat und für Menschen mit Vorerkrankungen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung. Auch wer im Gesundheitswesen arbeitet, sollte sich impfen lassen - zu seinem eigenen Schutz und dem der betreuten Personen. Dasselbe gilt seit dem Auftreten der Vogelgrippe für Personen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln.

Bei gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 Jahren hingegen ist das Risiko überschaubar, die Stiko empfiehlt die Impfung daher nicht ausdrücklich. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Immunisierung vollkommen abwegig ist: Der Impfstoff gilt als gut verträglich, Nebenwirkungen wie eine Rötung der Einstichstelle klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder ab. Wer sich impfen lassen möchte, sollte seinen Arzt ansprechen. Auch bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten Impfungen an, um Infektionswellen im Betrieb zu vermeiden.

Nach dem Pikser dauert es etwa 10 bis 14 Tage, bis sich der volle Schutz aufgebaut hat. Gerade gefährdete Personen sollten sich deshalb rechtzeitig - am besten noch im Oktober oder November - impfen lassen. Einen hundertprozentigen Schutz kann jedoch auch die Spritze nicht bieten. Zwar versuchen Forscher jedes Jahr, den Impfstoff an die aktuellen Virustypen anzupassen. Allerdings können die prognostizierten Viren von den zirkulierenden abweichen. Auch kann es sein, dass gerade bei älteren Menschen das Immunsystem auf die Impfung nicht mehr so gut mit der Bildung von Antikörpern reagiert. Infizieren sich Geimpfte, verläuft die Grippe aber in der Regel milder.

Symptome: Hohes Fieber? Ab zum Arzt!

Eine Grippe lässt sich häufig nur schwer von einem weniger dramatischen grippalen Infekt unterscheiden, auch verläuft die Krankheit bei jedem Patienten anders. Dennoch gibt es Anhaltspunkte, die auf eine Grippe hindeuten: Während beim grippalen Infekt die Krankheit allmählich einsetzt, fesselt die Grippe ihre Patienten von einem Tag auf den anderen mit hohem Fieber ans Bett.

Wer einen Verdacht auf Grippe hat, sollte schnell zum Arzt: Gegen die Viren helfen keine Antibiotika. Allerdings existieren Medikamente, die den Krankheitsverlauf um etwa einen Tag verkürzen können. Jedoch nur, wenn sie in den ersten zwei Tagen der Infektion eingenommen werden. Ansonsten heißt es Ruhe halten und aussitzen: Es gibt weder für Hühnerbrühe noch andere Hausmittelchen eindeutige Belege, dass sie wirken.

Abgesehen davon können die antiviralen Medikamente auch vor einer Ansteckung schützen. Allerdings mit Nebenwirkungen: Die häufigste unerwünschte Wirkung der Medikamente ist Übelkeit, im Durchschnitt leidet eine von 20 Personen nach dem vorsorglichen Einnehmen der Tabletten darunter.

Das Wichtigste zur Grippeschutzimpfung
Für Mobilnutzer: Hier lesen Sie die wichtigsten Fakten zur Grippeschutzimpfung für Risikogruppen (Ältere, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen)

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 124 Beiträge
1. Wegen jedem Jucken zum Arzt?!
zarahboldt 11.10.2012
Warum soll man eigentlich immer wegen jedem Jucken gleich zu einem Arzt rennen? Völlig unnötig, solange man nicht tagelang 40° Fieber oder starke Schmerzen hat! Ist das hier eine Umsatzbeschaffungsmaßnahme für Ärzte? [...]
Warum soll man eigentlich immer wegen jedem Jucken gleich zu einem Arzt rennen? Völlig unnötig, solange man nicht tagelang 40° Fieber oder starke Schmerzen hat! Ist das hier eine Umsatzbeschaffungsmaßnahme für Ärzte? Solange man kein Antibiotika o.ä. benötigt, kann sich der Körper selbst helfen. Lutschtabletten oder Hustensaft haben meist eh' nur eine psychologische Wirkung.
2. Wo sind sie denn, die guten Tipps?
Ernesto_de_la_Vita 11.10.2012
der Beitrag liest sich wie eine Werbebroschüre eines Impfstoffherstellers.
der Beitrag liest sich wie eine Werbebroschüre eines Impfstoffherstellers.
3. optional
Knuffelbeest 11.10.2012
Wer einmal eine richtige Grippe hatte, der wird bereuen, nicht geimpft gewesen zu sein. Gegen eine so gut verträgliche und hilfreiche Impfung wie die jährliche Grippeimpfung zu wettern, ist auch ein Stück [...]
Wer einmal eine richtige Grippe hatte, der wird bereuen, nicht geimpft gewesen zu sein. Gegen eine so gut verträgliche und hilfreiche Impfung wie die jährliche Grippeimpfung zu wettern, ist auch ein Stück Verantwortungslosigkeit. 8000 Tote haben sich schließlich irgendwo angesteckt.
4. Genau, wo sind die Tipps?!
viewer2 11.10.2012
Im Teaser-Text heißt es: "Schniefen Sie auch schon? Kratzen im Hals? Kopfschmerzen? Klarer Fall: Die Grippe-Saison beginnt. Gegen eine Infektion kann man sich schützen - auch ohne Impfung. " - und dann ist der einzige [...]
Im Teaser-Text heißt es: "Schniefen Sie auch schon? Kratzen im Hals? Kopfschmerzen? Klarer Fall: Die Grippe-Saison beginnt. Gegen eine Infektion kann man sich schützen - auch ohne Impfung. " - und dann ist der einzige Tipp, dass man regelmäßig zu Hause durchlüften soll. Dagegen besteht die Hälfte des Artikels aus Informationen über das Impfen!
5. Los, los
tiefenrausch1968 11.10.2012
Lasst euch mal schön Impfen, erhöht die Gewinne der Pharma-Industrie und tut was dafür, dass eure kostbare Arbeitskraft noch sinnlos im Krankenbett vertrödelt wird.
Lasst euch mal schön Impfen, erhöht die Gewinne der Pharma-Industrie und tut was dafür, dass eure kostbare Arbeitskraft noch sinnlos im Krankenbett vertrödelt wird.

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Zur Autorin

  • Iris Carstensen
    Irene Berres, studierte Wissenschaftsjournalistin, hat sich auf Themen rund um den Körper spezialisiert. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Verwandte Themen

Grippe: So schützt man sich

1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.

2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.

3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sich zu küssen oder zu umarmen.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de

Grippe: So schützt man andere

1. Beim Niesen Nase und Mund bedecken, am besten in ein Papiertaschentuch oder den Ärmel niesen und husten, auf keinen Fall in die Hand!

2. Benutzte Taschentücher umgehend entsorgen, so dass sie andere Menschen möglichst nicht berühren können. Am besten Einwegtücher benutzen.

3. Häufig die Hände waschen, vor allem, nachdem man ein Taschentuch angefasst hat.

4. Enge Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermeiden und mindestens zwei Meter Abstand halten. Dies gilt vor allem beim Kontakt mit Schwangeren, chronisch Kranken, Kindern und älteren Menschen.

5. In der akuten Erkrankungsphase möglichst zu Hause bleiben und regelmäßig lüften, damit der Körper frische Luft erhält und sich die Zahl der virusbelasteten feinen Tröpfchen in der Luft reduziert.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de

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