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16.11.2012
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Bewegung

Ausdauersport kann Krebs-Müdigkeit lindern

Corbis

Mit dem Fahrrad auf Tour: Ausdauersport kann - im Gegensatz zu Kraftsport - Krebspatienten munterer machen

Viele Krebspatienten leiden über Monate oder gar Jahre unter Müdigkeit. Ausdauersport wie Radfahren oder Walken kann die Erschöpfung mildern, hat eine Studie jetzt bestätigt. Die Forscher werteten 56 Untersuchungen zum Thema mit mehr als 4000 Patienten aus.

Viele Krebskranke fühlen sich andauernd müde und sind extrem niedergeschlagen. Bett oder Sofa sind viel attraktiver als ein strammer Spaziergang an der frischen Luft, als eine Fahrradtour oder eine Runde Schwimmen im Bad um die Ecke. Geben die Betroffenen der Müdigkeit (Fatigue) nach und bewegen sich kaum, verstärken sie ihr Problem jedoch nur noch. Ausdauersport hingegen kann helfen, die Erschöpfung während und nach der Therapie zu lindern, hat eine Studie der Cochrane Collaboration jetzt gezeigt.

Für Cochrane-Analysen suchen Forscher in Datenbanken nach allen Studien zu einer medizinischen Frage, bewerten deren Qualität und fassen die Inhalte zusammen. Die Wirkung von Ausdauersport auf die Müdigkeit von Krebspatienten hatte sich das Netzwerk 2008 schon einmal zum Thema gemacht. Damals stießen die Forscher allerdings nur auf 28 Studien - eine etwas schwache Datenbasis. Nun hat eine Gruppe um Fiona Cramp von der University of West England die Analyse um 28 Studien erweitert.

Die neuen Ergebnisse mit insgesamt 4068 Krebspatienten unterstreichen, was schon die erste Analyse gezeigt hatte: Treiben Krebspatienten während oder nach der Therapie Ausdauersport wie Fahrradfahren oder Walken, werden sie in der Regel fitter und können die mitunter Monate und Jahre andauernde Müdigkeit lindern. Krafttraining oder ähnliche Sportarten hingegen hatten keinen Einfluss auf die Müdigkeit. "Die aktualisierte Übersichtsstudie ermöglicht eine klarere Schlussfolgerung als die erste", sagt Studienleiterin Cramp in einer Mitteilung. "Sie zeigt, dass Patienten während und nach ihrer Behandlung von Ausdauersport profitieren können."

Dennoch bleiben laut den Forscher noch viele Fragen offen. So müssen weitere Studien etwa zeigen, wie häufig und intensiv der Sport ausfallen muss, um einen möglichst guten Effekt zu haben. Auch ist noch nicht klar, bei welchen Krebsarten die Bewegung gegen die Müdigkeit helfen kann: "28 der Studien, die wir in die Analyse mit einbezogen haben, beziehen sich auf Brustkrebspatienten", sagt Camp. "Wir müssen also noch viel mehr darüber erfahren, wie Bewegung Menschen mit einer weiteren Reihe an Diagnosen helfen kann und auch bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung wirkt."

Auf einen Zusammenhang zumindest weist die Studie schon hin: Von der Bewegung scheinen vor allem Patienten mit soliden Tumoren zu profitieren, wie sie etwa bei Brustkrebs und Prostatakrebs entstehen. Bei Patienten mit hämatologischen Tumoren (Blutkrebs) hingegen konnten die Forscher noch keinen Einfluss auf die Müdigkeit beobachten. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch sie vom Sport profitieren können. Eine weitere Cochrane-Studie hatte erst vor Kurzem gezeigt, dass Bewegung bei Krebspatienten die Lebensqualität verbessern kann.

In der Praxis kommt es vor allem darauf an, dass Bewegungsprogramme gut auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten und mit dem Arzt abgesprochen sind. Herz- und Kreislauf müssen fit genug sein, der Sitz der Tumoren sollte beachtet werden. Dann kann es losgehen.

irb

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insgesamt 6 Beiträge
1. Dümmer geht's nimmer ...
westerwäller 17.11.2012
... wie man eine "Studie" durchführt, bei der das gewünschte Ergebnis garantiert ist, zeigt uns dieses Musterstück an edimeiologischer Untersuchung: Frage: "Sie haben Krebs und fahren Fahrrad. Fühlen Sie [...]
Zitat von sysopViele Krebspatienten leiden über Monate oder gar Jahre unter Müdigkeit. Ausdauersport wie Radfahren oder Walken kann die Erschöpfung mildern, hat eine Studie jetzt bestätigt. Die Forscher werteten 56 Untersuchungen zum Thema mit mehr als 4000 Patienten aus. Krebs: Ausdauersport hilft gegen Müdigkeit durch Bewegung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/krebs-ausdauersport-hilft-gegen-muedigkeit-durch-bewegung-a-867599.html)
... wie man eine "Studie" durchführt, bei der das gewünschte Ergebnis garantiert ist, zeigt uns dieses Musterstück an edimeiologischer Untersuchung: Frage: "Sie haben Krebs und fahren Fahrrad. Fühlen Sie sich dauermüde?" Antwort: "Nein." Also: Mehr Leute die nicht dauermüde sind, fahren Fahrrad... Und wer dauermüde ist, nicht ... Welche Überraschung! Frage: "Sie haben Krebs und sind dauermüde. Fahren Sie Fahrrad?" Antwort: "Nein."
2. Folgen der Chemotherapie
El_Lobo 17.11.2012
Die Müdigkeit hat oft mit den Folgen der Chemotherapie zu tun. Dann sinkt die Zahl der roten (und weißen) Blutkörperchen rapide und man wird schnell müde bei Bewegung. Sind die Behandlungen vorbei, sollte sich alles wieder regeln. [...]
Die Müdigkeit hat oft mit den Folgen der Chemotherapie zu tun. Dann sinkt die Zahl der roten (und weißen) Blutkörperchen rapide und man wird schnell müde bei Bewegung. Sind die Behandlungen vorbei, sollte sich alles wieder regeln. Dann kann man mit dem Ausdauersport wieder anfangen. Nur nicht aufgeben. Ich habe das alles leider selber erfahren.
3. Fatigue-Syndrom bei Krebspatienten auf andere Weise los werden
raul1707 17.11.2012
Müdigkeit, Abgespanntheit, das Gefühl "ausgepowert" zu sein stellt sich bereits im Vorfeld der Krebserkrankung ein. Ich selbst war davon betroffen. Dies hängt damit zusammen, dass die Krebszelle unseren Stoffwechsel auf [...]
Müdigkeit, Abgespanntheit, das Gefühl "ausgepowert" zu sein stellt sich bereits im Vorfeld der Krebserkrankung ein. Ich selbst war davon betroffen. Dies hängt damit zusammen, dass die Krebszelle unseren Stoffwechsel auf Vergärung umstellt um den zerstörerischen Milchsäurepanzer um sich herum auf zu bauen und verhindert somit, dass unser Immunsystem den Krebs nicht mehr bekämpfen kann und ausserdem wirkt die Chemo weniger gut. Nach neuesten Erkenntnissen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ), die auch für Laien verständlich beschrieben werden in dem Buch "Die 8 anti Krebs Regeln" von Dr. F. Coy und Co-Autoren, hängt dies zusammen mit unserer Kohlehydratreichen überschüssigen Ernährung. Brot, Reis, Kartoffeln, Nudeln enthalten reichlich Kohlehydrate die zu Zucker verstoffwechselt werden. Schokolade und Kekse sind sowieso Zuckerbomben und dieser Zucker ist Treibstoff Nr. 1 für die Krebszelle und sorgt mit dafür, dass der Krebs in der Lage ist die Vergärung aufrecht zu erhalten. Mit einer proteinreichen Kost kombiniert mit hochwertigen Omega-3 Fettsären und drastisch reduzierter Kohlehydrataufnahme ist unser Körper in der Lage die Vergärung wieder auf Energie freisetzende Verbrennung in den Mytochondrien umzustellen. Eine konsequente Umsetzung reseultierte bei mir innerhalb von 12 Tagen in der Verabschiedung des Milchsäurepanzers (über 2 1/2 Tage) und Umstellung auf Verbrennung in den Mytochondrien und von einem Tag auf den anderen fühlte ich mich wie neugeboren und hatte Energie und Ausdauer ohne Ende. Die folgende Krebsbehandlung war erfolgreicher, da die Krebszelle ohne Milchsäurepanzer wieder vom Immunsystem bekämpft werden kann, die Chemo wirkt wesentlich effektiver und selbst die Bestrahlung ist effizienter. Ich kann nur sagen es wirkt, da ich nach 8 1/2 monatiger Behandlung als vom Krebs geheilt gelte. Ich kann nur jedem Krebspatienten dieses Buch empfehlen mit den neuesten Erkenntnissen des DKFZ und auf eine konsequente Umsetzung bedacht zu sein bei entsprechend zu erwartendem Erfolg. Vor allem hat es den Vorteil sich nicht als geschwächter und energieloser Mensch sportlich noch exzessiv quälen zu müssen und ausserdem den Prozess der Vergärung noch zu manifestieren. Meiner Meinung nach eine "Gratwanderung".
4. Müdigkeit kommt von Depression!
Till.Wollheim 18.11.2012
Müdigkeit ist ein Signal für Niedergeschlagenheit, Zukunftspessimismus und Depression. Das man darunter bei Krebs leidet wundert den geneigten Leser nicht! Dafür aber wieder Forschungsgelder zu verbraten wundert dagegen schon mehr [...]
Müdigkeit ist ein Signal für Niedergeschlagenheit, Zukunftspessimismus und Depression. Das man darunter bei Krebs leidet wundert den geneigten Leser nicht! Dafür aber wieder Forschungsgelder zu verbraten wundert dagegen schon mehr ...
5. Wer gesund ist, hat keine Probleme
bundespiepmatz 18.11.2012
Wer gesund ist, kann Ausdauersport betreiben wie es ihm beliebt. Krebspatienten aber schaffen es oft vor Muskelschwäche nicht einmal mehr ohne Hilfe zur Toilette. Als Krebspatient (Morbus Hodgkin) empfinde ich die Aussagen [...]
Zitat von sysopViele Krebspatienten leiden über Monate oder gar Jahre unter Müdigkeit. Ausdauersport wie Radfahren oder Walken kann die Erschöpfung mildern, hat eine Studie jetzt bestätigt. Die Forscher werteten 56 Untersuchungen zum Thema mit mehr als 4000 Patienten aus. Krebs: Ausdauersport hilft gegen Müdigkeit durch Bewegung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/krebs-ausdauersport-hilft-gegen-muedigkeit-durch-bewegung-a-867599.html)
Wer gesund ist, kann Ausdauersport betreiben wie es ihm beliebt. Krebspatienten aber schaffen es oft vor Muskelschwäche nicht einmal mehr ohne Hilfe zur Toilette. Als Krebspatient (Morbus Hodgkin) empfinde ich die Aussagen Ihres Artikel und jener Studio deshalb als höchst zynisch. Wenn ich mir lese, ich solle schwimmen, dann käme dies einer Aufforderung zum Suizid gleich, denn ich würde jämmerlich ertrinken vor Kraftlosigkeit. Vom Fahrrad fiele ich aller Wahrscheinkeit nach, weil mein Gleichgewichtssinn zusätzlich gestört ist. In einer Spezialklinik habe ich alternativ zur vorherigen Chemotherapie (die teilsweise versagt hat) Bestrahlung erhalten und um Fatigue zu verhindern Vitaltrainig. Letzteres aber hat nichts genützt. Wesentlich zum Muskelschwund beigetragen hat bei mir laut medizinischem Befund die notwendige Einnahme von Cortison, welche mir auch die Blutzuckerwerte massiv in die Höhe treibt und mittels Insulin nun ständig behandelt werden muss. Wer kein Krebs hat, hat leicht reden! Klugschnacker gibt es leider zu viele.

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