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17.11.2012
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Ein rätselhafter Patient

Der verrutschte Magen

Von
BMJ

Übelkeit treibt einen Briten in die Klinik, sonst fühlt sich der Mann gesund. Plötzlich verschlechtert sich sein Zustand rapide, die Situation wird lebensbedrohlich. Da fällt den Ärzten ein merkwürdiges Geräusch im Brustkorb auf.

Das Schwesterkrankenhaus überweist den Patienten als eiligen Fall ins Chelsea and Westminster Hospital der britischen Hauptstadt London. Als der Mittfünfziger bei James Houston und seinen Kollegen ankommt, hat er Schmerzen im Oberbauch, rund um das Brustbein, und übergibt sich gallig. Sein Magen ist schon leer, doch der Brechreiz ebbt nicht ab.

Die Ärzte befragen ihren Patienten. Seit fünf Monaten schon gehe es mit der Verdauung bergab, berichtet der Mann, ein Nichtraucher, der im Leben noch keine Nacht im Krankenhaus verbracht hat. Auch wegen der aktuellen Beschwerden war der Patient noch nicht beim Arzt, schreiben Houston und seine Kollegen in ihrem Fallbericht im Fachmagazin "BMJ Case Reports".

Bei der Untersuchung fällt den Medizinern der angespannte Oberbauch des Patienten auf, der Bereich fühlt sich hart an. Sie hören die Lunge ab, links unten hören sie weniger als erwartet, der Rest der Untersuchung ist unauffällig. Blut im Stuhl hat der Mann noch nie bemerkt, auch ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust - ein möglicher Hinweis auf eine Krebserkrankung - ist ihm nicht aufgefallen.

Beim Abhören fallen den Ärzten Ungereimtheiten auf

Kurz nach der Aufnahme in die Klinik geht es dem Mann auf einmal schlechter: Er atmet schneller, leidet unter Luftnot. Erneut hören die Ärzte seine Lunge ab, diesmal besonders aufmerksam. Jetzt fallen ihnen gluckernde Geräusche im linken unteren Brustkorb auf, die dort nicht hingehören.

Ein erstes Röntgenbild des Brustkorbs, aufgenommen noch bevor es dem Patienten schlechter geht, zeigt den Ärzten eindeutig, was das Problem ist: Auf der linken Körperseite sehen die Ärzte zwar die Lunge, allerdings füllt diese weniger als die Hälfte des linken Brustkorbs aus - darunter drängt sich der Magen nach oben. Offensichtlich ist das Zwerchfell des Mannes gerissen: Die Geräusche über der linken unteren Lunge waren Verdauungstöne.

Die Mediziner befragen ihren Patienten erneut, denn das Zwerchfell reißt nicht ohne weiteres: Ärzte kennen das Problem nach Autounfällen oder Stürzen aus großer Höhe. Normalerweise muss der Körper brachialen Kräften ausgesetzt sein, damit der stärkste Atemmuskel des Menschen nachgibt. Und tatsächlich berichtet der Mann nun, dass er acht Monate zuvor einige Treppenstufen hinuntergestürzt und mit den Rippen auf den Boden geknallt war. Er war damals zwar in die Notaufnahme gegangen, es war auch damals eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs angefertigt worden, der Patient allerdings hatte die Notaufnahme noch am gleichen Tag ohne starke Beschwerden verlassen.

Betrachtet man die Röntgenaufnahme heute, nachdem der Zwerchfellriss des Patienten bekannt ist, fällt auch auf der damaligen Aufnahme auf, wie hoch der Magen in den linken Brustkorb hineinreicht.

Die Lunge ist beinahe komplett verdrängt

Als es dem Patienten schlechter geht, machen die britischen Ärzte nicht nur noch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, auf der die linke Lunge beinahe komplett vom Magen verdrängt wird, sie schieben den Patienten auch in den Computertomografen (CT). Auf den Aufnahmen ist das gerissene Zwerchfell zu erahnen, der linken Lunge bleibt weniger als ein Drittel des Brustkorbs. Auch das Herz wird vom Magen in die Körpermitte gedrängt.

Die Situation kann für den Patienten noch Monate nach dem eigentlichen Unfall lebensbedrohlich werden: Irgendwann kommt die Lunge gar nicht mehr gegen den Druck von Magen und Darm an. Oder die Blutgefäße, die Lunge, Herz oder Magen und Darm versorgen, werden so verdreht und gequetscht, dass die Organe Schaden nehmen.

Der britische Patient allerdings hat Glück: Die Ärzte operieren ihn. Es gelingt ihnen sogar endoskopisch, mit kleinen Schnitten, den zehn Zentimeter langen Riss in seinem Zwerchfell zu flicken. Nach der Operation geht es dem Mann schnell besser - am Tag nach dem Eingriff wird er bereits nach Hause entlassen. Es war seine erste Nacht im Krankenhaus. Seine Ärzte schreiben abschließend, ein solch dramatischer Verlauf lange Zeit nach einem Unfall sei durchaus ungewöhnlich.

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. Und die Rippen?
Tineup 17.11.2012
Ist zwar über 40 Jahre her, dass ich das mal gelernt habe, aber ich sehe da auch noch drei Rippenbrüche, oder irre ich mich da?
Ist zwar über 40 Jahre her, dass ich das mal gelernt habe, aber ich sehe da auch noch drei Rippenbrüche, oder irre ich mich da?
2. Stimmt!
Dr.DoubleD 17.11.2012
Stimmt, nämlich die 6,5, und 4 Costa.
Stimmt, nämlich die 6,5, und 4 Costa.
3. Wer bietet mehr?
curiosus_ 17.11.2012
Ich hab's zwar nie gelernt - aber ich sehe da 5 Rippenbrüche (Bild 4, rechte Hälfte, die Rippen vor der Luftblase im Magen).
Zitat von TineupIst zwar über 40 Jahre her, dass ich das mal gelernt habe, aber ich sehe da auch noch drei Rippenbrüche, oder irre ich mich da?
Ich hab's zwar nie gelernt - aber ich sehe da 5 Rippenbrüche (Bild 4, rechte Hälfte, die Rippen vor der Luftblase im Magen).
4. Nicht das Zwerchfell
Friedrich der Streitbare 17.11.2012
sondern der/die Kaumuskel(n) sind die stärksten Muskeln.
sondern der/die Kaumuskel(n) sind die stärksten Muskeln.
5. Titellos
UnitedEurope 17.11.2012
Und ich habe gelernt, es sei die Zunge. Können wir uns nicht auf was einigen?
Zitat von Friedrich der Streitbaresondern der/die Kaumuskel(n) sind die stärksten Muskeln.
Und ich habe gelernt, es sei die Zunge. Können wir uns nicht auf was einigen?

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Zum Autor

  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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