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21.11.2012
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Gefährliche Tropenkrankheit

Dengue-Fieber breitet sich auf Madeira aus

Fotos
Oxitec/ Derric Nimmo

Hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Hautausschläge: Auf Madeira grassiert das Dengue-Fieber. Reisende sollten sich vor Mücken schützen, die das gefährliche Virus übertragen. Behörden zufolge ist es der größte Ausbruch in Europa seit den zwanziger Jahren.

Es ist ein Erreger, gegen den es noch keinen Impfstoff gibt und der in manchen Fällen tödlich sein kann: Auf Madeira breitet sich derzeit das Dengue-Fieber aus. Nach Angaben des Europäischen Zentrums zur Vorbeugung und Kontrolle von Krankheiten (European Centre for Disease Prevention and Control - ECDC) handelt es sich sogar um den größten Dengue-Ausbruch in Europa seit den zwanziger Jahren.

Zentrum der Epidemie ist dem ECDC zufolge die portugiesische Insel Madeira. In dem beliebten Urlaubsziel registrierten Behörden seit dem Ausbruch Anfang Oktober 1357 Fälle. Wie das ECDC berichtet, wurde das Fieber auch bei 25 Personen in anderen Teilen Europas festgestellt. Demnach handelt es sich um Rückkehrer aus Madeira in Portugal, Großbritannien, Schweden und Frankreich.

"Angesichts der dramatischen weltweiten Ausbreitung des Dengue-Fiebers in den vergangenen 20 bis 30 Jahren und der großen Anzahl von Besuchern Madeiras ist es ein großer Ausbruch, der als bedeutendes Ereignis für die öffentliche Gesundheit gewertet wird", erklärte das ECDC. Von den mehr als 1300 gemeldeten Infektionen seien 669 durch Laboruntersuchungen bestätigt worden, 688 Fälle gelten als wahrscheinlich, heißt es. Todesfälle habe es bisher noch nicht gegeben.

Erst grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber und Schüttelfrost

Das Dengue-Fieber ist eine Viruserkrankung, die von bestimmten Mücken übertragen wird und vor allem in tropischen und subtropischen Ländern verbreitet ist. Moskitos der Art Aedes aegypti, auch als Gelbfiebermücke oder Ägyptische Tigermücke bekannt, sind Hauptüberträger des Virus.

Wer sich mit dem Dengue-Virus ansteckt, wird nach drei Tagen bis zwei Wochen erst von teils hohem Fieber und Schüttelfrost geplagt. Heftige Kopfschmerzen, Schmerzen hinter den Augen, in den Muskeln und Gelenken sowie Hautausschläge können hinzukommen. Manchmal kommt es zum hämorrhagischen Fieber, das zu inneren Blutungen führt.

Nach Schätzungen der WHO erkranken jährlich 50 Millionen Menschen am Dengue-Fieber, Tendenz steigend. Mehr als 12.000 Menschen sterben daran. Und eine Impfung, wie sie etwa bei der tödlichen Tropenkrankheit Malaria in Sichtweite ist, gibt es bisher nicht.

Ein lokales Auftreten des Dengue-Fiebers wurde in Europa zuletzt 2010 in Frankreich und Kroatien registriert. Der Ausbruch auf Madeira ist die anhaltendste Verbreitung seit den zwanziger Jahren. Das ECDC hat keine Reisebeschränkungen für Madeira empfohlen. Das Forschungsinstitut rät aber dazu, sich gegen Mückenstiche zu schützen. Die Mücken, die das Fieber übertragen, sind tagaktiv, ein Schutz sei daher nicht nur in der Nacht erforderlich. Auf Flughäfen und in Häfen sollten die Mücken bekämpft werden.

Denguefieber
Die Krankheit
Denguefieber ist eine Vireninfektion, die von Mücken auf den Menschen übertragen wird. Die Krankheit wird auch als Knochenbrecherfieber bezeichnet und kann bis zu zehn Tage nach dem Mückenstich auftreten. In schweren Fällen kann die Vireninfektion zum Tod führen. Jährlich erkranken weltweit bis zu hundert Millionen Menschen. Die Zahl der Todesfälle ist dank Früherkennung und medizinischer Versorgung relativ gering. Etwa 2,5 Prozent der schweren Fälle (etwa 500.000 im Jahr) enden tödlich.
Symptome
Die Erkrankung beginnt wie eine Grippe mit hohem Fieber. Dazu kommen mindestens zwei dieser Symptome: Starke Schmerzen im Kopf, hinter den Augen, in den Muskeln oder in den Gelenken. Betroffene klagen häufig auch über Übelkeit, Erbrechen, geschwollene Lymphknoten und Ausschlag. Die Symptome dauern meist zwei bis sieben Tage lang an. In schweren Fällen ist der Krankheitsverlauf anders. Hier geht das Fieber zwar nach drei bis sieben Tagen etwas zurück. Dafür kommen aber Symptome wie starke Bauchschmerzen, andauerndes Erbrechen, Kurzatmigkeit, Zahnfleischbluten sowie Blut im Erbrochenen, Erschöpfung und Ruhelosigkeit dazu. Betroffene müssen in diesen Fällen unbedingt im Krankenhaus behandelt werden.
Übertragung
Denguefieber wird nur von den Weibchen der beiden Mückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus auf den Menschen übertragen. Nicht alle Weibchen tragen das Virus in sich, sie müssen sich erst selbst anstecken. Das geschieht, wenn sie einen Menschen stechen, der Denguefieber hat. Nach einer Inkubationszeit von vier bis zehn Tagen kann eine Mücke das Denguevirus für den Rest ihres Lebens auf Menschen übertragen. Für die Infektionen im Mittelmeerraum ist Aedes alboptictus verantwortlich. Diese Mückenart stammt ursprünglich aus Asien, ist aber sehr anpassungsfähig. Deshalb kann sie auch kälteren Temperaturen trotzen. Von Mensch zu Mensch kann die Krankheit nicht übertragen werden.
Verbreitungsgebiet
Mehr als 2,5 Milliarden Menschen - über 40 Prozent der Weltbevölkerung - leben in Risikogebieten. Denguefieber ist besonders im westlichen Pazifik, in Asien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika verbreitet. Im Jahr 2010 sind aber auch Menschen in Frankreich und Kroatien am Knochenbrecherfieber erkrankt. Der Mittelmeerraum gehört also inzwischen auch zu den Risikogebieten.
Virus
Denguefieber wird durch Arboviren ausgelöst. Es gibt vier Untergattungen des Virus (DEN-1 bis DEN-4), die eng miteinander verwandt sind. Die gute Nachricht: Wer einmal Denguefieber hatte, ist für den Rest seines Lebens gegen das Virus immun. Die schlechte Nachricht: Betroffene sind nur gegen die entsprechende Untergattung, also DEN-1 oder DEN-3 dauerhaft gewappnet. Bei den anderen drei Virustypen währt die Immunität nicht lange. Hinzu kommt: Menschen, die mehrmals an Denguefieber erkranken, sind anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf.
Behandlung
Eine Impfung oder eine spezialisierte Behandlung gibt es nicht. Ärzte können nur die Symptome der Erkrankung behandeln, also zum Beispiel das Fieber senken und die Schmerzen lindern. Wichtig ist auch, den Körper mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. In schweren Fällen haben viele Betroffene nämlich mehr als 20 Prozent weniger Blutplasma im Körper als gesunde Menschen.
Epidemien
Denguefieber kann immer und überall dann zur Epidemie werden, wenn infizierte Menschen immer wieder von Mücken gestochen werden. Die Insekten verbreiten die Krankheit dann in der umliegenden Bevölkerung. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der Epidemien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge rasant zugenommen. In Asien und Südamerika ist Denguefieber die Hauptursache für Krankenhausaufenthalte und den Tod von Kindern. 2010 kam es zum Beispiel auf den französischen Karibikinseln Guadeloupe und Martinique zur Epidemie. In sechs Monaten gab es 60.000 Infektionen und 17 Todesfälle. In Argentinien meldeten die Gesundheitsbehörden im April 2009 7700 Fälle der Erkrankung. Die Dunkelziffer wurde auf bis zu 14.000 geschätzt. Erst kürzlich hat das Knochenbrecherfieber die brasilianische Stadt Rio de Janeiro erfasst. Im Januar und Februar 2012, also kurz vor dem Karneval, wurden 3500 Denguefälle gemeldet, gestorben ist aber keiner. Der berühmte Karneval fand trotzdem statt.
Prävention
Aktuell ist Prävention das beste Mittel gegen Denguefieber. In Singapur und Malaysia ist es verboten, Wasser in offenen Gefäßen zu lagern. Der Grund ist, dass Mücken in solchen Behältern brüten. Wichtig ist auch, Müll so zu entsorgen, so dass dort keine Wasserpfützen entstehen. Autoreifen sind bei den Mücken zum Beispiel besonders beliebt. Die Behörden besprühen sie deshalb oft mit Insektengift. Wenn Denguefieber bereits ausgebrochen ist, werden ganze Wohnviertel mit Insektiziden besprüht. Nur so können die infizierten Mücken getötet werden.
Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO)

cib/Reuters

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insgesamt 21 Beiträge
1. Korrektur
roflem 21.11.2012
Der Übertrager ist nicht nur die Ägyptische, sondern vor allem die Asiatische Tigermücke, die sich seit den 90er Jahren vor allem von Genua aus in Nordeuropa verbreitet. Sie kam in Altreifen aus Südchina, in denen sich Pfützen [...]
Der Übertrager ist nicht nur die Ägyptische, sondern vor allem die Asiatische Tigermücke, die sich seit den 90er Jahren vor allem von Genua aus in Nordeuropa verbreitet. Sie kam in Altreifen aus Südchina, in denen sich Pfützen gebildet hatten. Zusätzlich zu Dengue überträgt sie auch das http://de.wikipedia.org/wiki/Chikungunyafieber.
2.
ulf-ulf 21.11.2012
Also auch wenn Madeira zu Portugal gehört und somit formell zur Europäischen Union finde ich die Aussage: "Behörden zufolge ist es der größte Ausbruch in Europa seit den zwanziger Jahren." eher irreführend ;)
Also auch wenn Madeira zu Portugal gehört und somit formell zur Europäischen Union finde ich die Aussage: "Behörden zufolge ist es der größte Ausbruch in Europa seit den zwanziger Jahren." eher irreführend ;)
3. die eigentliche gefahr
ebensolchen 21.11.2012
die grösste gefahr die nicht erwähnt wird ist die der zweitinfektion mit einem anderen Dengue-Serotypen. hier treten dann im allgemeinen die schwersten und auch tödlichen krankeitsverläufe auf. die darstellung in der [...]
Zitat von sysopHohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Hautausschläge: Auf Madeira grassiert das Dengue-Fieber. Reisende sollten sich vor Mücken schützen, die das gefährliche Virus übertragen. Behörden zufolge ist es der größte Ausbruch in Europa seit den zwanziger Jahren. Dengue-Fieber breitet sich auf Madeira aus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/dengue-fieber-breitet-sich-auf-madeira-aus-a-868468.html)
die grösste gefahr die nicht erwähnt wird ist die der zweitinfektion mit einem anderen Dengue-Serotypen. hier treten dann im allgemeinen die schwersten und auch tödlichen krankeitsverläufe auf. die darstellung in der zusammenfassung unter virus ist schlichtweg hin falsch.
4.
bicyclerepairmen 21.11.2012
Das dicke Ende wird ja noch kommen, das Ganze ist ja wohl nur eine Frage kürzester Zeit wann diese Krankheit über Portugal Spanien nach Nordeuropa kommt. Ich kenne Dengue aus Asien und aus Südamerika, zu Spaßen, vor allen [...]
Zitat von ulf-ulfAlso auch wenn Madeira zu Portugal gehört und somit formell zur Europäischen Union finde ich die Aussage: "Behörden zufolge ist es der größte Ausbruch in Europa seit den zwanziger Jahren."eher irreführend ;)
Das dicke Ende wird ja noch kommen, das Ganze ist ja wohl nur eine Frage kürzester Zeit wann diese Krankheit über Portugal Spanien nach Nordeuropa kommt. Ich kenne Dengue aus Asien und aus Südamerika, zu Spaßen, vor allen bei Kindern und Alten ist da nicht....
5. Gut
agua 21.11.2012
dass Spon einen Artikel darueber schreibt.Hier in der Zeitung wird seit Oktober darueber berichtet.In der hiesigen Zeitung wird von 700 Faellen gesprochen und gestern von franzoesischen und auch deutschen Touristen,die erkrankt [...]
dass Spon einen Artikel darueber schreibt.Hier in der Zeitung wird seit Oktober darueber berichtet.In der hiesigen Zeitung wird von 700 Faellen gesprochen und gestern von franzoesischen und auch deutschen Touristen,die erkrankt sind.Es soll darauf geachtet werden keine Gefaesse herumstehen zu lassen,in denen sich Mueckenlarven bilden koennen,als Vorsichtsmassnahme.gruss aus Portugal

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