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01.12.2012
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Coronavirus

Mehr Opfer als bisher gedacht

DPA / Health Protection Agency

Das neue Coronavirus unter dem Mikroskop: Die Zahl erkannter Fälle ist gestiegen

Das im Oktober identifizierte neue Coronavirus hat mehr Opfer gefordert als bisher bekannt. Konservierte Blutproben beweisen, dass schon im April zwei Jordanier an der von der neuen Virus-Variante verursachten, Sars-ähnlichen Krankheit starben.

Genf/Berlin - Das neue gefährliche Coronavirus, das Wissenschaftler erst im Oktober 2012 identifizieren konnten, hat zwei Menschenleben mehr als bisher gedacht gefordert. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitagabend in Genf mitteilte, handelt es sich um zwei Personen in Jordanien. Sie starben schon im April, doch zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Nachweismethode für die neue Viren-Variante. Jetzt konnte mit Hilfe konservierter Blutproben nachgewiesen werden, dass sie sich mit dem neuen Virus infiziert hatten: Schon zum Zeitpunkt der Erkrankung der Männer hatte der Verdacht auf eine Infizierung mit Coronaviren bestanden.

Nach den jüngsten WHO-Angaben erkrankten damit neun Menschen an dem Virus, von denen fünf starben. Zu den zwei Todesfällen in Jordanien kommen zwei Erkrankte in Katar. Einer der beiden Katarer wurde in einer Lungenklinik in Nordrhein-Westfalen behandelt und nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) Mitte November geheilt entlassen. In Saudi-Arabien erkrankten fünf Menschen an dem Virus, drei von ihnen starben.

Zu Jordanien teilte die WHO nun mit, es habe dort im April eine Reihe schwerer Fälle von Lungenentzündung gegeben. Das Gesundheitsministerium in Amman habe daraufhin die WHO um Hilfe gebeten. Ein WHO-Team reiste ins Land und teilte am 24. April mit, dass keines der damals bekannten Coronaviren nachgewiesen wurde.

Nachdem im Oktober der neue Coronavirus entdeckt wurde, schickte das jordanische Gesundheitsministerium seit April aufbewahrte Proben an das WHO-Zentrum für Infektionskrankheiten. Dieses konnte nun das neue Virus bei den beiden Verstorbenen nachweisen. Ein Team der WHO sei am Mittwoch in Amman eingetroffen, um die örtlichen Behörden bei der Epidemie-Kontrolle zu unterstützen.

Coronaviren befallen Menschen, zahlreiche Säugetiere sowie Vögel und verursachen eine große Bandbreite von Krankheiten von Darm- bis zu Lungenerkrankungen. Immer wieder beobachtet man dabei Zoonosen - Erkrankungen, die von Tier zu Mensch oder umgekehrt wandern.

Das im Oktober identifizierte Virus scheint mit dem Sars-Erreger verwandt, der vor zehn Jahren die Welt in Schrecken versetzte. Auch das Krankheitsbild ist ähnlich: Besonders auffallend ist bei den meisten Patienten ein schweres Atemnotsyndrom, ähnlich dem Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom (Sars), bei gleichzeitigem akuten Nierenversagen.

Sars ist mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Zoonose, das Virus wurde 2005 bei Fledermäusen gefunden. Ob die aktuelle Coronavirus-Erkrankung überhaupt von Mensch zu Mensch übertragbar ist oder sich möglicherweise nur über Nahrung oder Nutztiere verbreitet, ist unklar.

pat/dpa

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