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09.01.2013
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Gleicher Wirkstoff - andere Pille

Millionen Patienten müssen sich umgewöhnen

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Apothekerin in Berlin: Generika werden nach Rabattverträgen an Patienten abgegeben

Andere Verpackung, andere Farbe, anderer Hersteller: Millionen Deutsche müssen damit rechnen, vom Apotheker nicht mehr ihr gewohntes Medikament zu bekommen. Grund sind neue Rabattverträge, die Krankenkassen alle zwei Jahre mit Pharmafirmen aushandeln.

Berlin - Millionen gesetzlich Krankenversicherte müssen sich auf andere Arzneimittel einstellen. Der Grund sind neue Rabattverträge vieler Krankenkassen, die Anfang des Jahres in Kraft treten. Das hat jetzt der Deutsche Apothekerverband (DAV) in Berlin bekanntgegeben.

Hintergrund ist ein Gesetz, das die ständig steigenden Ausgaben für Arzneimittel unter Kontrolle halten soll. Dazu verhandeln die Krankenkassen mit Herstellern über die Kosten einzelner Medikamente. Es geht dabei um sogenannte Generika, also Nachahmungen von Arzneien, für die der Patentschutz bereits abgelaufen ist.

Die verschiedenen Mittel der unterschiedlichen Hersteller haben also alle denselben Wirkstoff und wirken somit gleich. Dennoch dürfen die Apotheker nur jenes Mittel an den Patienten abgeben, für den die Krankenkasse mit einem Hersteller den Preisnachlass verabredet hat. Seit dem 1. April 2007 sind sie dazu verpflichtet.

Das Verfahren sieht vor, dass die Krankenkassen bekanntgeben, für wie viele Patienten sie ein bestimmtes Medikament benötigen werden. Daraufhin geben die Hersteller Angebote ab. Zudem müssen sie garantieren, dass sie die gewünschte Menge in der erforderlichen Qualität rechtzeitig liefern können. Wer das kann und den günstigsten Preis anbietet, erhält den Zuschlag.

Verunsicherung bei den Patienten

In der Regel laufen diese Rabattverträge alle zwei Jahre aus. Das Problem: Gerade bei chronisch kranken Menschen, die ihre Medikamente genau kennen, führe die Umgewöhnung zu einer Verunsicherung, sagte der DAV-Vorsitzende Fritz Becker. Es liege an den Apothekern, das Vertrauen der Patienten in ihre Medikation wieder herzustellen. Viele der Betroffenen glauben, es handle sich um ein anderes Medikament, weil es anders aussieht oder anders verpackt ist. Dabei sind die Wirkstoffe bei den Generika absolut identisch.

Laut DAV gelten seit dem 1. Januar unter anderem Rabattverträge der IKK Classic über etwa 150 Wirkstoffe. Zum 1. Februar würden mehr als 40 Betriebs- und Innungskrankenkassen ihre Versicherten mit neuen Rabattarzneimitteln für mehr als 150 Wirkstoffe versorgen. Ebenfalls zum 1. Februar habe die Techniker Krankenkasse Rabattverträge für mehr als 20 Wirkstoffe abgeschlossen.

Obwohl Auswertungen zufolge die Rabattverträge dazu beigetragen haben, die Ausgaben der Krankenkassen für Arzneien in den letzten Jahren zu senken, stehen die Verträge mitunter in der Kritik: Im Oktober waren Lieferengpässe bei der Versorgung mit Grippeimpfstoffen bekannt geworden. Kritiker machten unter anderem die Exklusivverträge dafür verantwortlich. Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge haben die Kassen 2011 durch die Ausschreibungen der Generika jedoch insgesamt 1,6 Milliarden Euro gespart.

cib/dpa

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insgesamt 85 Beiträge
1. optional
Der Meyer Klaus 09.01.2013
Humbug. Nur weil der entscheidene Wirkstoff gleich ist, ist die Verträglichkeit noch lange nicht gegeben. Deswegen kann ein Arzt auch darauf bestehen das sein Patient ein bestimmtes Medikament bekommt das nicht rabbatiert ist, so [...]
Humbug. Nur weil der entscheidene Wirkstoff gleich ist, ist die Verträglichkeit noch lange nicht gegeben. Deswegen kann ein Arzt auch darauf bestehen das sein Patient ein bestimmtes Medikament bekommt das nicht rabbatiert ist, so denn eine Unverträglichkeit vorliegt. Davon abgesehen ändert sich das nicht nur alle zwei Jahre sondern auch schon einmal alle zwei Monate. Zumindest bei der HKK.
2. Milliarden Rabatt für die Krankenkassen...
co_pa 09.01.2013
...auf den Schulter der Patienten, die mal wieder die Dummen sind. Durch den Zwang für Apotheken die "rabattierten" Arzneien auzugeben, kann der Patient i.d.R. nicht auf die über 5000 Zuzahlungsbefreiten Arzneitmittel [...]
...auf den Schulter der Patienten, die mal wieder die Dummen sind. Durch den Zwang für Apotheken die "rabattierten" Arzneien auzugeben, kann der Patient i.d.R. nicht auf die über 5000 Zuzahlungsbefreiten Arzneitmittel zurückgreifen. Denn das sind Präparate die der Hersteller (mind. 30%) günstiger abgibt und der Patient 5 - 15 Euro sparen könnte. Ist ja klar das für diese Medikamente der Hersteller keinen Rabatt an die Krankenkasse gibt....
3.
Robert_Rostock 09.01.2013
Und was ist daran jetzt neu? Das ist doch schon seit Jahren so? Was kommt als nächste Spitzenmeldung? Vielleicht: Jahreszahlen jetzt mit "20" am Anfang statt "19": Millionen Deutsche müssen sich [...]
Zitat von sysopAndere Verpackung, andere Farbe, anderer Hersteller: Millionen Deutsche müssen damit rechnen, vom Apotheker nicht mehr ihr gewohntes Medikament zu bekommen. Grund sind neue Rabattverträge, die Krankenkassen alle zwei Jahre mit Pharmafirmen aushandeln. Neue Rabattverträge: Patienten müssen sich bei Medikamenten umgewöhnen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/neue-rabattvertraege-patienten-muessen-sich-bei-medikamenten-umgewoehnen-a-876423.html)
Und was ist daran jetzt neu? Das ist doch schon seit Jahren so? Was kommt als nächste Spitzenmeldung? Vielleicht: Jahreszahlen jetzt mit "20" am Anfang statt "19": Millionen Deutsche müssen sich umgewöhnen
4. Tatsächlich ist es so...
privado 09.01.2013
...dass bei vielen Generika zwar der Wirkstoff identisch ist mit dem des Originalprodukts, aber die Zusatzstoffe können durchaus variieren. Und daher können Generika durchaus unterschiedliche (Neben-)Wirkungen haben.
...dass bei vielen Generika zwar der Wirkstoff identisch ist mit dem des Originalprodukts, aber die Zusatzstoffe können durchaus variieren. Und daher können Generika durchaus unterschiedliche (Neben-)Wirkungen haben.
5. Nicht nur Krebsmedikamente...
ego_me_absolvo 09.01.2013
sondern auch Blutzucker senkende Präparate für Diabetiker waren in der verordneten Packungsgröße längere Zeit vom auserwählten Kassenlieferanten nicht erhältlich. Aber den Kassen ist das offensichtlich völlig Wurst, denn dieser [...]
sondern auch Blutzucker senkende Präparate für Diabetiker waren in der verordneten Packungsgröße längere Zeit vom auserwählten Kassenlieferanten nicht erhältlich. Aber den Kassen ist das offensichtlich völlig Wurst, denn dieser Engpass dauerte länger als ein halbes Jahr. Wo dann der Apotheker am Ort noch etwas drehen kann, ist man bei Internetapotheken in solchen Fällen völlig überfordert. Von D*c M*rris bin ich jedenfalls kuriert!

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