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10.01.2013
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Niedrige Lebenserwartung in USA

Der kürzere Way of Life

Corbis

Vereinigte Staaten: "Das ist nicht die Schuld einer bestimmten Regierung"

Die Lebenserwartung von US-Amerikanern ist erschreckend niedrig. Männer liegen in einem neuen Vergleich unter 17 Industrienationen auf dem letzten, Frauen auf dem vorletzten Platz. Die Studie nennt die Ursachen für das schlechte Abschneiden: Unfälle, Drogen - und Schusswaffen.

Der Report ist vernichtend. Auf knapp 400 Seiten listen die Autoren auf, wie es um die Gesundheit der US-Bürger im internationalen Vergleich bestellt ist. Das Autorenteam zweier Behörden hatte die Vereinigten Staaten mit 16 anderen Nationen verglichen, einer Peergroup, zu der sich auch die USA zählen. Doch die Ergebnisse schließen die USA aus dem Club der reichen Industrienationen mit einem adäquaten Gesundheitssystem aus.

Was die Lebenserwartung ihrer Bürger betrifft, landet die Supermacht auf dem letzten (Männer) beziehungsweise dem vorletzten Platz (Frauen). Bei den Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Krankheiten belegen die USA den vorletzten Platz, bei Todesfällen aufgrund von Lungenerkrankungen ebenfalls. Nummer eins sind die USA nur, wenn es um die höchste Rate an Diabetikern geht.

"Wir hatten erwartet, einige schlechte und einige gute Ergebnisse zu bekommen", zitiert die "New York Times", die am Donnerstag über den Report berichtet, den Mitautor Steven Woolf von der Virginia Commonewealth University. "Doch die USA liegen bei praktisch jedem Gesundheitsindikator knapp vor oder auf dem letzten Platz. Das hat uns verblüfft."

Für die Studie verglichen die Forscher des National Research Council und des Institute of Medicine die US-Gesundheitsdaten mit jenen Australiens, Dänemarks, Deutschlands, Finnlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Japans, Kanadas, Norwegens, Österreichs, Portugals, Spaniens, Schwedens, der Schweiz und der Niederlande.

Säuglingssterblichkeit, Teenagerschwangerschaften, Diabetes

US-Bürger leben nicht so lange wie die Einwohner anderer reicher Industrienationen, das ist bereits lange bekannt. Die neuen Zahlen machen allerdings deutlich, dass vor allem früh sterbende Amerikaner, die ihren 50. Geburtstag nicht mehr erleben, für die Unterschiede verantwortlich sind. Die Autoren machen dafür Unfälle, Drogen und die vielen Toten durch Schusswaffen in den USA verantwortlich.

Insbesondere Todesfälle durch Autounfälle und Gewalt seien in den Vereinigten Staaten ein viel größeres Problem als in den Vergleichsländern. Sie gehörten zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern und Jugendlichen. Seit den fünfziger Jahren würden mehr US-amerikanische Jugendliche und junge Erwachsene durch Autounfälle und Gewaltverbrechen ums Leben kommen als Gleichaltrige in anderen Staaten.

Der Bericht zählt weitere problematische Gesundheitsgebiete auf:

Die Unterschiede seien bei ärmeren US-Bürgern besonders deutlich, schreiben die Autoren. Doch auch Amerikaner, denen es wirtschaftlich gutgehe, schnitten immer noch schlechter ab als zum Beispiel vergleichbare Briten: "Das heißt, US-Amerikaner, die sich gesund verhalten, zur weißen US-Bevölkerung gehören, versichert sind, mit einem College-Abschluss ausgestattet sind oder zu höheren Einkommensklassen zählen, scheinen in einer schlechteren gesundheitlichen Verfassung zu sein als ähnliche Gruppen in Vergleichsländern", heißt es in dem Bericht.

"Da läuft etwas grundsätzlich schief"

Auf der Suche nach einer Erklärung für die deutlichen Unterschiede zwischen den USA und dem Rest der industrialisierten Welt geben sich die Studienautoren ratlos: "Da läuft etwas grundsätzlich schief", zitiert die "New York Times" Woolf. "Das ist nicht die Schuld einer bestimmten Regierung oder politischen Partei. Irgend etwas im Kern sorgt dafür, dass die Vereinigten Staaten hinter diesen anderen einkommensstarken Nationen zurückfallen. Und es wird schlimmer."

Die Autoren weisen auf das zerstückelte US-Gesundheitssystem hin, in dem zum Beispiel die hausärztliche Versorgung limitiert sei und es viele nicht versicherte Menschen gebe. Auch sei die Armutsrate im Vergleich mit den 16 anderen Staaten in den USA am höchsten.

US-Bürger würden nicht nur mehr Kalorien pro Kopf verbrauchen als Menschen in den Vergleichsländern, sie missbrauchten auch häufiger rezeptpflichtige Arzneimittel und Drogen. Zudem nutzten die US-Bürger weniger häufig die Sicherheitsgurte im Auto, verursachten mehr Verkehrsunfälle durch Alkoholmissbrauch - und besäßen mehr Schusswaffen.

Schließlich öffne sich die Einkommensschere in den USA deutlicher als in den Vergleichsländern, so die Studienautoren: Soziale Ungleichheiten träten deutlicher zutage.

Die Ergebnisse sind auch deshalb erstaunlich, weil die USA im Vergleich mit den 16 anderen Nationen in einem Punkt die Liste klar anführen: Kein anderes Land investiert mehr in die Gesundheit seiner Bürger - während die Pro-Kopf-Ausgaben in OECD-Ländern im Median bei gut 3200 US-Dollar liegen, geben die Vereinigten Staaten fast 8000 US-Dollar aus.

dba

Forum

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insgesamt 76 Beiträge
1. optional
steelman 10.01.2013
"Da läuft etwas grundsätzlich schief" Mehr Gott und Religion im Alltag, dazu noch geringere Steuern, das wäre doch eine probate, amerikanische Lösung.
"Da läuft etwas grundsätzlich schief" Mehr Gott und Religion im Alltag, dazu noch geringere Steuern, das wäre doch eine probate, amerikanische Lösung.
2.
jejo 10.01.2013
---Zitat--- Teenagerschwangerschaften: Seit den neunziger Jahren haben US-Jugendliche im Vergleich nicht nur die höchste Rate, sondern auch das höchste Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken. ---Zitatende--- Ich [...]
---Zitat--- Teenagerschwangerschaften: Seit den neunziger Jahren haben US-Jugendliche im Vergleich nicht nur die höchste Rate, sondern auch das höchste Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken. ---Zitatende--- Ich würde eine Schwangeschaft nicht unbedingt als "Geschlechskrankheit" bezeichnen...
3.
saarpirat 10.01.2013
Der Autor meinte sicher etwas anders. Wobei der Grund (für Ansteckung oder Schwangerschaft) wohl der Gleiche sein dürfte.
Zitat von jejoIch würde eine Schwangeschaft nicht unbedingt als "Geschlechskrankheit" bezeichnen...
Der Autor meinte sicher etwas anders. Wobei der Grund (für Ansteckung oder Schwangerschaft) wohl der Gleiche sein dürfte.
4. Oder:
Mo2 10.01.2013
Gegen zu viel Junkfood hilft noch mehr Junkfood - logisch, oder?
Zitat von steelman"Da läuft etwas grundsätzlich schief" Mehr Gott und Religion im Alltag, dazu noch geringere Steuern, das wäre doch eine probate, amerikanische Lösung.
Gegen zu viel Junkfood hilft noch mehr Junkfood - logisch, oder?
5. optional
SenseSeek 10.01.2013
Zitat: "Die Ergebnisse sind auch deshalb erstaunlich, weil die USA im Vergleich mit den 16 anderen Nationen in einem Punkt die Liste klar anführen: Kein anderes Land investiert mehr in die Gesundheit seiner Bürger - während [...]
Zitat: "Die Ergebnisse sind auch deshalb erstaunlich, weil die USA im Vergleich mit den 16 anderen Nationen in einem Punkt die Liste klar anführen: Kein anderes Land investiert mehr in die Gesundheit seiner Bürger - während die Pro-Kopf-Ausgaben in OECD-Ländern im Median bei gut 3200 US-Dollar liegen, geben die Vereinigten Staaten fast 8000 US-Dollar aus." Zitatende Wo geht dieses ganze Geld denn hin?! Es gibt kein vernünftiges Gesundheitssystem und in Aufklärung bzgl. Ernährung wird es offenbar auch nicht investiert. Ich kann nur immer wieder staunen...

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