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17.01.2013
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Akromegalie

Riesenwüchsige Frau stirbt an Organversagen

Bulls / Incredible Features

Tanya Angus im Alter von 30 Jahren: Erneute Operation unmöglich

Bis ins Teenageralter entwickelte sich Tanya Angus normal. Dann ließ ein Tumor im Kopf die US-Amerikanerin unkontrolliert wachsen - sie war 2,18 Meter groß und 180 Kilogramm schwer. Jetzt starb die 34-Jährige an Organversagen.

Der letzte Eintrag in Tanya Angus' Blog ist die Meldung ihres eigenen Todes. Ihre Patentante Tina Valle schreibt, Angus sei am Mittag des 14. Januar gestorben. Die US-Amerikanerin aus Las Vegas wurde nur 34 Jahre alt - ihr Tod war am Ende eine Frage der Zeit. Dass sie im November noch ihren letzten Geburtstag feiern konnte, war schon eine Überraschung.

Ein Tumor im Kopf hatte Tanya Angus jahrelang unkontrolliert wachsen lassen, bis ihre Organe jetzt versagten und sie offenbar an Herzschwäche oder den Folgen eines Schlaganfalls verstorben ist.

AP

Tanya Angus vor dem Tumor

Es gibt ein Foto der 16 Jahre alten Tanya, auf dem sie im Bikini am Strand steht. Zu sehen ist ein normaler Teenager. Das Bild entstand Jahre, bevor Tanya Angus auffiel, dass ihre Schuhe nicht mehr passten und sie regelmäßig neue Kleider benötigte.

Ärzte entdeckten bei Angus einen Tumor, der auf die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) drückt. Die Drüse setzte dadurch unkontrolliert Hormone frei. Bei Angus war es das Wachstumshormon Somatotropin, das auch bei Erwachsenen den Körper weiterwachsen lässt.

Im Fachjargon heißt die Krankheit Akromegalie, weil vor allem Hände, Füße, Nase und Ohren auffällig wachsen. Bleibt es wie bei Tanya Angus nicht dabei, sondern wächst der ganze Mensch überproportional, sprechen Mediziner von Gigantismus - Riesenwuchs. Tanya Angus trieb das außer Kontrolle geratene Hormon von einer Körpergröße von ehemals 1,73 Metern bis auf 2,18 Meter. Die früher schlanke Frau wog zuletzt mehr als 180 Kilogramm.

Wachstum trotz mehrfacher Operationen

Bei vielen Patienten kann das Wachstum gestoppt werden, indem Ärzte das gutartige Geschwulst an der Hirnanhangsdrüse entfernen. Auch Tanya Angus wurde mehrfach operiert - allerdings konnten die Mediziner den Tumor offensichtlich nie ganz beseitigen. Das von Tanyas Patentante betriebene Blog berichtet, eine vollständige Entfernung des Geschwulsts hätte sie unter Umständen nicht überlebt. Jahrelang versuchten ihre behandelnden Ärzte, das Wachstumshormon mit Hilfe von Medikamenten zu bremsen - doch die Patientin wuchs immer weiter.

Während Tanya Angus in den mehr als zehn Jahren seit ihrer Diagnose zunehmend Schmerzen und die Auswirkungen des Wachstums auf ihre Organe plagten, wurde sie zu einer Fürsprecherin von Betroffenen. Sie engagierte sich im US-Selbsthilfeverein von Patienten mit Hypophysentumoren, trat in verschiedenen Fernsehsendungen auf und ließ die Öffentlichkeit über ihr Blog an ihrem Leben teilhaben.

Bereits 2011 erlitt Angus einen Schlaganfall, von dem sie sich nur teilweise erholte. Nichtsdestotrotz trat sie weiter in Fernsehsendungen auf, um für die Anliegen betroffener Patienten zu werben. Sie musste mehrfach wegen Thrombosen im Krankenhaus behandelt werden, zudem quälten sie zunehmend Schmerzen. Der Bericht eines lokalen Fernsehsenders zeigt sie 2012 im Pool beim Schwimmen. "Das hier ist der einzige Ort, der einzige Moment, an dem ich keine Schmerzen spüre", sagt Angus in dem Bericht.

Erst im Sommer 2012 konnte Angus hoffen, ihren Ärzten war es gelungen, das Wachstumshormon mit Hilfe von Medikamenten einzudämmen. Nachdem der Tumor eine Weile nicht weitergewachsen war, dachten ihre Ärzte laut Angus' Blog über eine erneute Operation nach. Nur wenige Monate später folgte allerdings der nächste Rückschlag: Der Blutspiegel des Hormons war wieder extrem angestiegen.

Seltene Krankheit, eigentlich gut heilbar

Akromegalie ist eine seltene Krankheit - zwischen drei und vier Menschen unter einer Million erkranken daran. Eigentlich ist die Hormonstörung mit einer heikel anmutenden Operation gut heilbar: Ein Großteil der Tumore wird durch die Nase operiert, wo die Hypophyse wenige Millimeter entfernt und nur durch dünne Knochenplatten von Nasenraum und Nasennebenhöhle getrennt sitzt. Bei bis zu 80 Prozent der Patienten kann der Tumor so entfernt werden, dass sein Wachstum endgültig aufhört.

Entscheidend ist, bei Symptomen rasch den Arzt aufzusuchen. Typischerweise fällt Betroffenen oder Angehörigen auf, dass Schuhe oder Kleidung zu klein werden - oder Nase und Ohren wachsen.

In mehreren Fernsehberichten über Tanya Angus wird erwähnt, sie sei die einzige bekannte Patientin, bei der es den Ärzten nicht gelungen ist, die immer weiter Wachstumshormon produzierende Hirnanhangsdrüse in den Griff zu bekommen. Nach verschiedenen US-Medienberichten und Informationen aus Tanya Angus' Blog hat ihr Herz schließlich einfach nicht mehr mithalten können.

dba

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Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
1.
thanks-top-info 17.01.2013
"ihr Tod war am Ende eine Frage der Zeit. Dass sie im November noch ihren letzten Geburtstag feiern konnte, war schon eine Überraschung." An Zynismus ist diese Schreiberei wohl kaum zu überbieten!
"ihr Tod war am Ende eine Frage der Zeit. Dass sie im November noch ihren letzten Geburtstag feiern konnte, war schon eine Überraschung." An Zynismus ist diese Schreiberei wohl kaum zu überbieten!
2. Rest in peace
mikesch0815 17.01.2013
Was soll man nun sagen? Mein Beileid der Familie.
Zitat von sysopBulls / Incredible FeaturesBis ins Teenageralter entwickelte sich Tanya Angus normal. Dann ließ ein Tumor im Kopf die US-Amerikanerin unkontrolliert wachsen - sie war 2,18 Meter groß und 180 Kilogramm schwer. Jetzt starb die 34-Jährige an Organversagen. Riesenwuchs: US-Frau wächst immer weiter und stirbt an Herzversagen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/riesenwuchs-us-frau-waechst-immer-weiter-und-stirbt-an-herzversagen-a-878092.html)
Was soll man nun sagen? Mein Beileid der Familie.
3. Recherche??
drno002 18.01.2013
1. Gigantismus heisst die Erkrankung bei Beginn in der Kindheit, wenn die Epiphysenfugen noch nicht geschlossen sind und nicht dann wenn man überproportional groß wird. 2. Der Tumor wächst nicht in der Nähe der Hyophyse und [...]
1. Gigantismus heisst die Erkrankung bei Beginn in der Kindheit, wenn die Epiphysenfugen noch nicht geschlossen sind und nicht dann wenn man überproportional groß wird. 2. Der Tumor wächst nicht in der Nähe der Hyophyse und drückt da drauf. Der Tumor geht von Zellen der Hypophyse selbst aus und produziert dann mehr Hormon (GH- Somatotropin). Das in 95% der Fälle, selten Ursachen für Akromegalie können auch ausserhalb der Hypophyse liegen. 3. Wen interessiert das? Jeden Tag nähert sich die ehemals beste Nachrichten Seite des Internets näher an welt.de und bild.de an. Immer schnellere Aktualisierung der Artikel mit immer weniger Inhalt. Und oft schlecht recherchiert, besonders medizinische Geschichten und habt ihr mal gemerkt wie oft inzwischen Schreibfehler in den Artikeln sind?
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