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29.01.2013
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Aufmerksamkeitsstörung bei Kindern

Zahl der ADHS-Diagnosen steigt rasant

DPA

Die Aufmerksamkeitsstörung ADHS trifft in Deutschland immer mehr Kinder und Jugendliche: Nach Zahlen der Krankenkasse Barmer GEK hat die Zahl der Diagnosen bei unter 19-Jährigen stark zugenommen. Ärzte kritisieren die Störung seit Jahren als Modekrankheit.

Berlin - Neue Zahlen der Krankenkasse Barmer GEK befeuern die Diskussion über ADHS: Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen in Deutschland stellen Ärzte demnach Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen fest. Die Zahl der diagnostizierten Fälle stieg bei den unter 19-Jährigen zwischen 2006 und 2011 um 42 Prozent, wie aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Barmer-Arztreport 2013 hervorgeht. Im Alter von elf Jahren erhielten rund sieben Prozent der Jungen und zwei Prozent der Mädchen eine Verordnung mit dem Medikament Ritalin.

Vor wenigen Tagen erst hatte eine aktuelle Auswertung von US-Daten ähnliche Ergebnisse erbracht: Mediziner einer US-Versicherung zeigten, dass von 2001 bis 2010 die Rate der ADHS-Diagnosen deutlich angestiegen war.

ADHS hat den Ruf, eine willkommene Modediagnose zu sein, wenn Kinder nicht so funktionieren, wie sie sollen. Die Trennung zwischen einem anstrengenden, aber gesunden Kind und einem, das tatsächlich an der Aufmerksamkeitsstörung leidet, fällt auch Experten mitunter schwer. Unter dieser Unschärfe müssen vor allem ADHS-Patienten leiden, die es schwer haben, mit ihrer Krankheit ernst genommen zu werden.

Generation ADHS

Nach den Angaben der Barmer GEK wurde 2011 bei etwa 750.000 Menschen in Deutschland die Diagnose ADHS gestellt. Der Großteil der Betroffenen ist unter 19 Jahren alt: 620.000 Kinder und Jugendliche, die überwiegende Mehrheit davon Jungen (472.000), gelten als ADHS-Kranke.

Besonders hoch seien die Diagnoseraten, wenn die Kinder von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln, schreiben die Autoren des Barmer-Reports. "In Deutschland wird immer häufiger ADHS diagnostiziert, obwohl das öffentliche und fachliche Bewusstsein für dieses Erkrankungsbild bei uns schon seit mehr als einem Jahrzehnt hoch ist", sagt Studienautor Friedrich Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG).

Kinder- und Jugendmedizinern sehen die ansteigenden Diagnoseraten für ADHS auch deshalb als Problem an, weil viele der Betroffenen in der Folge Methylphenidat verschrieben bekommen, besser bekannt unter dem Markennamen Ritalin. Nach Zahlen des Arzneiverordnungsreports wurden in Deutschland 2011 56 Millionen Tagesdosen Methylphenidat verschrieben, 2002 waren es nur 17 Millionen gewesen. Seit 2010 hat die Zahl der Ritalinrezepte zwar nicht mehr zugenommen, allerdings waren damals auch die Hürden für eine Verordnung erhöht worden.

Ein Viertel aller Männer bekommt im Leben die Diagnose ADHS

Während der Einsatz des Medikaments bei tatsächlich von ADHS betroffenen Kindern und Jugendlichen vielen Ärzten gerechtfertigt erscheint, wäre die Behandlung gesunder Kinder nicht nur unnötig, sondern würde sie auch Nebenwirkungen und eventuellen Langzeitfolgen aussetzen.

Nach den Daten der Hannoveraner Gesundheitsforscher steigt das Risiko einer ADHS-Diagnose für Kinder, deren Eltern weniger gut ausgebildet, arbeitslos oder unter 30 Jahren alt sind. Bei Kindern gut verdienender Familien wird die Aufmerksamkeitsstörung weniger oft festgestellt.

Rund ein Fünftel aller Jungen, die im Jahr 2000 geboren wurden, bekamen zwischen 2006 und 2011 die Diagnose ADHS, berichten die ISEG-Forscher. Bei den Mädchen lag diese Rate unter zehn Prozent. Die Wissenschaftler schätzen, dass im Laufe eines Lebens bei einem Viertel aller Männer und mehr als jeder zehnten Frau die Aufmerksamkeitsstörung festgestellt wird.

Rolf-Ulrich Schlenker von der Barmer GEK äußerte sich angesichts der zunehmenden Diagnoseraten sorgenvoll: "Dieser Anstieg erscheint inflationär. Wir müssen aufpassen, dass ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren. Pillen gegen Erziehungsprobleme sind der falsche Weg." Er wies auf Alternativen zur medikamentösen Behandlung Betroffener hin, zum Beispiel Elterntrainings oder Verhaltenstherapie.

dba/dpa

Forum

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insgesamt 346 Beiträge
1. Fernseher und Playtstaion
huettenfreak 29.01.2013
Kein Wunder wenn alle nur noch vor ihren elektronischen Geräten herumhängen und niemand mehr raus in die Natur geht um sich körperlich abzureagieren. Da hätte ich dann auch "Aufmerksamkeitsdefizite".
Kein Wunder wenn alle nur noch vor ihren elektronischen Geräten herumhängen und niemand mehr raus in die Natur geht um sich körperlich abzureagieren. Da hätte ich dann auch "Aufmerksamkeitsdefizite".
2. Die Zahl...
universaldillettant 29.01.2013
...der Diagnosen steigt rasant. Vor wenigen Jahren existierte diese Krankheit gar nicht. Die nächste Sau, die durchs dorf getrieben werden wird heißt GAD - General Anxiety Disorder, oder auf deutsch: allgemeine Angststörung. [...]
...der Diagnosen steigt rasant. Vor wenigen Jahren existierte diese Krankheit gar nicht. Die nächste Sau, die durchs dorf getrieben werden wird heißt GAD - General Anxiety Disorder, oder auf deutsch: allgemeine Angststörung. Bei jedem Unwohlsein gibt es künftig die Pille - lebenslang versteht sich.
3. unheiliges kartell
lebenslang 29.01.2013
in deutschland führt man eine verkorkste sexismus-debatte und stopft aktive kindern denen es an betätigungsmöglichkeiten mangelt mit drogen voll. pharmaindustrie, mediziener, psychologen und überforderte eltern bilden ein [...]
in deutschland führt man eine verkorkste sexismus-debatte und stopft aktive kindern denen es an betätigungsmöglichkeiten mangelt mit drogen voll. pharmaindustrie, mediziener, psychologen und überforderte eltern bilden ein kartell an dem alle gut verdienen, die eltern können wieder ungestört auf selbstfindungstrip gehen - alles zu lasten der kinder - und niemanden stört es.
4. Reizüberflutung
spätzlesschwoab 29.01.2013
Liebe Eltern, stoppt den Medienwahn Eurer Kinder, insbesondere den Eurer Jungs. Es muss ja nicht gar nichts sein, aber weniger ist mehr und gezielter die Medien nutzen bildet!
Liebe Eltern, stoppt den Medienwahn Eurer Kinder, insbesondere den Eurer Jungs. Es muss ja nicht gar nichts sein, aber weniger ist mehr und gezielter die Medien nutzen bildet!
5.
Dengar 29.01.2013
Früher nannte man das "Pubertät" und soweit ich weiß, wurden auch keine Medikamente dagegen verschrieben...ja, die Pharmaindustrie, die so gerne "Studien" finanziert...ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Früher nannte man das "Pubertät" und soweit ich weiß, wurden auch keine Medikamente dagegen verschrieben...ja, die Pharmaindustrie, die so gerne "Studien" finanziert...ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

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ADHS bei Kindern und Erwachsenen

Diagnose
Bei Kindern und Jugendlichen wird ADHS von Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychotherapeuten mit Hilfe von speziellen Testverfahren und Fragebögen diagnostiziert. Zusätzlich werden noch neurologische Untersuchungen und Verhaltensbeobachtungen durchgeführt. Bei Erwachsenen sind die Kriterien für eine Diagnose im Wesentlichen die gleichen. Hinzu kommt, dass bei Erwachsenen die Symptome aber bereits das ganze Leben über schon bestehen.

Etwa ein Drittel aller ADHS-Kinder behalten die Störung ein Leben lang. Schätzungen zufolge leiden etwa drei Prozent aller Erwachsenen an der Aufmerksamkeitsstörung. Allerdings wandelt sich die Störung im Laufe der Jahre: Überaktivität und Impulsivität verschwinden meist mit der Zeit - Betroffene leiden dafür häufig unter einer allgemeinen Leistungs- und Konzentrationsschwäche.

Die Kriterien für die Diagnose sind im Diagnostischen und Statistischen Handbuch Psychischer Störungen (DSM) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung sowie im Klassifikationssystem ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegt. Die Neuauflage des DSM (DSM-5) soll die Kriterien künftig besser an die Beschwerden der Erwachsenen anpassen.
Symptome
Menschen mit ADHS haben oft erhebliche Schwierigkeiten im Alltag: Ihre Aufmerksamkeit ist gestört, besonders in Gruppen fällt es ihnen schwer, dem Gespräch zu folgen. Beim Lesen haben sie häufig Schwierigkeiten, sich auf den Inhalt zu konzentrieren und ihn auch zu behalten. Binnen kürzester Zeit vergessen sie ganze Passagen oder müssen eine Seite immer wieder von vorne beginnen.

Betroffene lassen sich auch leicht ablenken, haben einen starken Rededrang und schweifen gerne vom Thema ab - es ist auch schwer, sie zu unterbrechen. Ein fehlendes Zeitgefühl, Desorganisation, Unordnung können ebenfalls zu den klassischen Auffälligkeiten zählen. Manche Betroffene neigen dazu, diese Verhaltensmuster durch einen zwanghaften Perfektionismus überzukompensieren.

Weil ihre Gedanken häufig "kreuz und quer" laufen, arbeiten Erwachsene mit ADHS auch sehr langsam oder ihnen unterlaufen viele Flüchtigkeitsfehler. Betroffene gelten daher auch als besonders unfallgefährdet.

Die für die Kindheit typische Hyperaktivität kompensieren Erwachsene häufig durch ein großes Verlangen, Sport zu treiben. Bei anderen verwandelt sie sich dagegen in eine innere Unruhe - sich zu entspannen, fällt ihnen schwer.

Stimmungsschwankungen können die Folge sein. Ungeduld, Unsausgeglichenheit, Niedergeschlagenheit oder Euphorie wechseln sich häufig ab, die Betroffenen haben ihre Emotionen nur schlecht im Griff. Ebenso ist ihre Stresstoleranz eher gering. Da ihr Verhalten oft unberechenbar ist, haben Menschen mit ADHS häufiger Beziehungskonflikte.

Oft ziehen die ADHS-Symptome andere psychische Erkrankungen nach sich: Vor allem Frauen mit ADHS leiden häufig unter Depressionen.
Hilfe
Erwachsene werden ebenso wie Kinder mit dem Wirkstoff Methylphenidat (MPH) behandelt, besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin. Allerdings gibt es bisher nur wenige Studien zu den Langzeiteffekten einer solchen Therapie. Dennoch lassen sich die Symptome mit Hilfe der Medikamente deutlich lindern. Insbesondere der Leidensdruck, den viele ADHS-Betroffene spüren, verringert sich dadurch. Doch erst seit April 2011 ist das Medikament auch für die Behandlung Erwachsener zugelassen. Allerdings dürfen nur Spezialisten den Wirkstoff verschreiben.

Auch psychotherapeutische Behandlungen können die Symptome mindern. In Einzeltherapien lernen die Patienten etwa, ihre Selbstwahrnehmung zu verändern und so wieder mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.

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