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01.02.2013
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Früherkennung

Bundestag beschließt bundesweites Krebsregister

DPA

Volkskrankheit Krebs: Die Deutsche Krebshilfe bezahlt den Aufbau der Register

Die Daten aller deutschen Krebspatienten werden bald in umfangreichen Krebsregistern erfasst. Der Bundestag hat das dafür notwendige Gesetz jetzt beschlossen. Die Datenbanken sollen die Behandlung verbessern - für die Versicherten wird es mehr Vorsorgeprogramme geben.

Berlin - Die Daten aller deutschen Krebspatienten von der Diagnose bis zur Heilung oder dem Tod sollen künftig in Krebsregistern erfasst werden. Am Donnerstag hat der Bundestag mit den Stimmen der Koalition das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz beschlossen. Die Datenbanken sollen Früherkennung und Behandlung von Tumorkrankheiten verbessern. Das Gesetz muss noch vom Bundesrat gebilligt werden.

Die einheitlichen Register sollen sämtliche Patientendaten erfassen, damit jeder Kranke die für ihn optimale Behandlung erhalten kann. Geplant ist, die Bürger umfangreicher als bisher zur Früherkennung einzuladen. Sie sollen regelmäßige persönliche Briefe zu Darm- und Gebärmutterhalskrebs-Untersuchungen bekommen. Bisher gibt es ein solches organisiertes Programm nur bei der Brustkrebsvorsorge.

Betriebskosten tragen die gesetzliche Krankenkassen

Die unterschiedlichen klinischen Krebsregister werden bundesweit ergänzt und vereinheitlicht. Künftig würden dann die Daten der Patienten zu Diagnose, Behandlung, aber auch Nachsorge und Rückfällen erfasst. Bereits während der Therapie könnten so Schwächen der Behandlung vermindert werden. Im Nachhinein sollen zudem Lehren für künftige Patienten gezogen werden können.

Die Kosten für den Aufbau der Krebsregister in Höhe von mehr als sieben Millionen Euro trägt zu einem großen Teil die Deutsche Krebshilfe. In den Folgejahren müssen die gesetzlichen Krankenkassen mit jährlichen Betriebs- und Vergütungskosten von insgesamt rund 60 Millionen Euro rechnen.

Beschluss gegen Bonusvereinbarungen

Teil des beschlossenen Gesetzesentwurfs ist auch ein Auftrag an die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), bis Ende April Empfehlungen auszuarbeiten, nach denen Bonusvereinbarungen mit leitenden Ärzten in Kliniken ausgeschlossen würden.

Die Zielvereinbarungen für verantwortliche Klinikärzte sehen häufig einen Bonus vor, wenn bestimmte Fall- oder Operationszahlen erreicht werden. Medizinische Fachgesellschaften und Krankenkassen machen die Verträge für die in den vergangenen Jahren gestiegenen OP-Zahlen mitverantwortlich.

Während Unionsabgeordnete im Gesundheitsausschuss sagten, die beschlossene Regelung sei die schärfste, die rechtlich möglich sei, kritisierten Abgeordnete der Opposition, die Regeln gingen nicht weit genug. Die Beschränkung auf die im beschlossenen Gesetzesentwurf genannten leitenden Ärzte erfasse Oberärzte und Assistenzärzte nicht, mit denen es ebenfalls Zielvereinbarungen in Krankenhäusern gebe.

dba/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
1. (°_°)
Just4fun 01.02.2013
na, mit der Begründung können wir dann auch gleich ein bundesweites HIV-Register, bundesweites Raucher-Register, bundesweites Alkoholiker-Register, bundesweites Grippe-Register bundesweites (nach Belieben [...]
Zitat von sysopDPADie Daten aller deutschen Krebspatienten werden bald in umfangreichen Krebsregistern erfasst. Der Bundestag hat das dafür notwendige Gesetz jetzt beschlossen. Die Datenbanken sollen die Behandlung verbessern - für die Versicherten wird es mehr Vorsorgeprogramme geben. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/krebsregister-bundestag-beschliesst-gesetz-zur-frueherkennung-a-880898.html
na, mit der Begründung können wir dann auch gleich ein bundesweites HIV-Register, bundesweites Raucher-Register, bundesweites Alkoholiker-Register, bundesweites Grippe-Register bundesweites (nach Belieben einzusetzen)-Register und vor allem ein bundesweites Datenschutz-Register einführen ... und wer wird - und mit welcher wachsweichen Begründung - hierauf Zugriff haben???
2. Wer soll das bezahlen?
diplpig 01.02.2013
Der Betrieb der Register ist die eine Sache, die Datengewinnung eine andere. Derzeit erhalten die Kliniken ca. 3,5 Euro für eine Meldung ans Krebsregister, wohlgemerkt an das epidemiologische Register. Zukünftig soll das [...]
Der Betrieb der Register ist die eine Sache, die Datengewinnung eine andere. Derzeit erhalten die Kliniken ca. 3,5 Euro für eine Meldung ans Krebsregister, wohlgemerkt an das epidemiologische Register. Zukünftig soll das Register klinisch sein, das heißt es müssen aufwendig Daten ermittelt und in die Systeme gepflegt werden. Wer mal in die Tumordokumentation geschnuppert hat, der weiß, dass das nicht mal so eben aus der elektronischen Patientenakte registergerecht extrahierbar ist. Es gibt Untersuchungen, die schätzen den Dokumentationsaufwand pro Fall auf 80 bis 100 Euro. Wer zahlt das den Krankenhäusern, Pathologen, niedergelassenen Ärzten? Die Kliniken haben derzeit einen erheblichen Aufwand um die Anforderungen für ausgewählte onkologische Zentren (Brust, Darm, Prostata etc.) zu erfüllen. Demnächst sollen klinische Daten für alle Tumorarten ermittelt werden? Wer soll das machen? Das Personal, das eh schon am Limit ist? Aus welcher Schatulle soll das bezahlt werden? Welche Qualität darf denn stattdessen sinken? Da haben doch Leute auf 10000 Flughöhe etwas entscheiden, was in Bodennähe dann doch etwas anders aussieht.
3.
b.lödheimer 01.02.2013
Naja, es wird wohl auf das "berechtigte Interesse" rauslaufen - also Leute wie 'du und ich' schon mal nicht ...
Zitat von Just4funna, mit der Begründung können wir dann auch gleich ein bundesweites HIV-Register, bundesweites Raucher-Register, bundesweites Alkoholiker-Register, bundesweites Grippe-Register bundesweites (nach Belieben einzusetzen)-Register und vor allem ein bundesweites Datenschutz-Register einführen ... und wer wird - und mit welcher wachsweichen Begründung - hierauf Zugriff haben???
Naja, es wird wohl auf das "berechtigte Interesse" rauslaufen - also Leute wie 'du und ich' schon mal nicht ...
4. Dr.
braintainment 01.02.2013
Ich musste erst mal genau auf den Kalender schauen... Nein, es ist der 1. Februar und nicht der 1. April. Unglaublich, was soll das? Was ist, wenn ich gar nicht in dieses Register aufgenommen werden möchte? Hab ich [...]
Ich musste erst mal genau auf den Kalender schauen... Nein, es ist der 1. Februar und nicht der 1. April. Unglaublich, was soll das? Was ist, wenn ich gar nicht in dieses Register aufgenommen werden möchte? Hab ich irgendwelche Widerspruchsmöglichkeiten? Warum nicht gleich eine Armbinde? Bin mal gespannt, ob das Gesetz den Ansprüchen der informationellen Selbstbestimmung genügt?
5. Extrem wertvoll für die Therapieoptimierung
xmix 01.02.2013
Ja, so ein Register bringt viele Herausforderungen mit sich. Sei es nun finanziell oder bezüglich des Datenschutzes. Allerdings wird es zukünftigen Patienten sehr zu gute kommen. Denn nur mit Hilfe eines solchen Registers [...]
Ja, so ein Register bringt viele Herausforderungen mit sich. Sei es nun finanziell oder bezüglich des Datenschutzes. Allerdings wird es zukünftigen Patienten sehr zu gute kommen. Denn nur mit Hilfe eines solchen Registers kann man nachverfolgen, welche Therapien in welchen Patientengruppen langfristig funktionieren - und auch was man sich sparen kann, weil es für den Patienten keinen Nutzen hat. Ausserdem kann man durch ein solches Register auch Misstände wie z.B. Altersdiskriminierung aufdecken.

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