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05.02.2013
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Alkoholvergiftung

Mehr Jugendliche nach Vollrausch in Klinik

DPA

Trinken ohne Limit: Wenn der Rausch in der Klinik endet

Komasaufen bleibt ein Problem: Die Zahl der Jugendlichen, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt wurden, ist 2011 wieder leicht gestiegen. Besonders besorgniserregend ist die Zunahme der Fälle bei den 10- bis 15-Jährigen. Generell scheinen Jungs gefährdeter zu sein.

Die ersten Erfahrungen mit Alkohol können verheerend sein, vor allem wenn sie im sogenannten Komasaufen enden. Manche Jugendliche kennen ihr Limit nicht, sie wollen mithalten, spüren, was der Alkohol mit ihrem Körper anstellt: Wodka wird wie Wasser getrunken, Bier heruntergekippt. Am nächsten Morgen droht im besten Fall ein übler Kater. Im schlimmsten Fall allerdings endet der Alkoholexzess in der Notaufnahme.

Im Jahr 2011 wurden insgesamt 26.349 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 20 Jahren nach einem Trinkgelage im Krankenhaus behandelt, berichtet das Statistische Bundesamt. 2010 waren es noch 25.995 Kinder, damit ist die Zahl der Betroffenen leicht angestiegen. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung kamen 2011 von 100.000 10- bis 20-Jährigen 325 wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2005 kamen 19.423 Kinder und Jugendliche mit einem Rausch ins Krankenhaus - seitdem lagen die Zahlen jedes Jahr deutlich über 20.000.

Besorgniserregend sei vor allem, dass die Zahl der Fälle bei den 10- bis 15-Jährigen wieder zugenommen habe, bewertete die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans (FDP) die Ergebnisse. In der Gruppe der Jugendlichen stiegen die Fälle um 2,1 Prozent an. "Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht nachlassen dürfen, Kinder und Jugendliche über die Gefahren des Rauschtrinkens aufzuklären", sagte Dyckmans. "Früher Alkoholkonsum kann bei Kindern und Jugendlichen zu langfristigen Gesundheitsschäden führen und erhöht die Gefahr, später abhängig zu werden."

Die größte Gruppe der alkoholbedingten Krankenhauspatienten bilden allerdings nach wie vor die 15- bis 20-jährigen jungen Männer mit 670 Alkoholvergiftungen pro 100.000 Einwohner. Die Zahlen in der Altersgruppe haben sich in den letzten zwölf Jahren mehr als verdreifacht. Während es 2000 noch 4726 Fällen gab, waren es im Jahr 2011 bereits 14.239. Generell scheinen Jungs anfälliger für einen übermäßigen Alkoholkonsum zu sein. Sie machten rund 62 Prozent der Behandelten aus, obwohl ihr Anteil in der Bevölkerung in der Altersgruppe nur 51 Prozent beträgt.

Als Reaktion auf die als Komasaufen bekanntgewordenen Alkoholexzesse Jugendlicher startete die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2009 die Kampagne "Kenn Dein Limit". Während die BZgA ihre Aktion als "großen Erfolg" bewertete, blieben die Zahlen der Jugendlichen im Vollrausch weiterhin bedenklich. Laut dem Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2012 geben 14 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, regelmäßig, also mindestens einmal wöchentlich, Alkohol zu trinken. Bei den 18- bis 25-Jährigen sind es knapp 40 Prozent. In Deutschland gelten insgesamt rund 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig.

irb

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insgesamt 65 Beiträge
1.
Atheist_Crusader 05.02.2013
Ich hoffe nur, diese Idioten werden dann in der Notaufnahme zuletzt behandelt, und drängeln sich nicht noch vor Leute, die ihren Zustand nicht selbst verschuldet haben. Ich hab meine Zweifel, ob pure Aufklärung von [...]
Ich hoffe nur, diese Idioten werden dann in der Notaufnahme zuletzt behandelt, und drängeln sich nicht noch vor Leute, die ihren Zustand nicht selbst verschuldet haben. Ich hab meine Zweifel, ob pure Aufklärung von staatlicher Seite da hilft. Oder Verbote. Wirksam kann man dem eigentlich nur an einem Ort begegnen: dem Elternhaus.
2. Wodka, Gin, Whiskey fuer 5 Euro
Tr1ple 05.02.2013
Wenn man billig hochprozentigen Alkohol kaufen kann soll man sich nicht wundern. Die Flasche sollte bei 15 Euro anfangen (ab 20% alk.)
Wenn man billig hochprozentigen Alkohol kaufen kann soll man sich nicht wundern. Die Flasche sollte bei 15 Euro anfangen (ab 20% alk.)
3. optional
ich2010 05.02.2013
ob selbstverschuldet oder nicht - patient ist patient. und die werden immer noch alle nach dringlichkeit und nicht nach dem grad ihres "verschuldens" behandelt.
ob selbstverschuldet oder nicht - patient ist patient. und die werden immer noch alle nach dringlichkeit und nicht nach dem grad ihres "verschuldens" behandelt.
4. ambivalente Betrachtung notwendig
Thaeve 05.02.2013
Leider verscheigt der Beitrag die andere Seite der Medaille. Richtig ist das gesagte ja, die Fälle von Saufexzessen steigen - gleichzeitig nimmt der Alkoholkonsum im Ganzen, auch in der Altergruppe der Jugendlichen ab. Es wird [...]
Leider verscheigt der Beitrag die andere Seite der Medaille. Richtig ist das gesagte ja, die Fälle von Saufexzessen steigen - gleichzeitig nimmt der Alkoholkonsum im Ganzen, auch in der Altergruppe der Jugendlichen ab. Es wird weniger getrunken - dafür wenn dann umsomehr. Gleichzeitig nimmt auch die Zahl der Trinkenden ab - die dafür um so heftiger zugreifen. Das sollte erwähnt sein, damit nicht das falsche Bild einer zunehmend alkoholisierten Jugend entsteht, das so nicht richtig ist.
5. kann mir das einen erklären?
benoit_sowas 05.02.2013
Eine Schwangere muss den Krankenwagen zur Entbindungstation selber bezahlen. Besäuft sich ein Jungentlicher bis zur Excess, wird er eine ganze Nacht in der Intensivstation kostenlos betütelt!! Schick doch mal den die [...]
Eine Schwangere muss den Krankenwagen zur Entbindungstation selber bezahlen. Besäuft sich ein Jungentlicher bis zur Excess, wird er eine ganze Nacht in der Intensivstation kostenlos betütelt!! Schick doch mal den die Rechnung. Die Aufklärung wird dann garantiert höchstwirksam über Facebook verteilt.

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