06.02.2013
Alzheimer
Forscher sagen rasante Demenz-Zunahme voraus
Angewiesen auf Hilfe: Bis 2050 könnte sich die Zahl der Alzheimer-Patienten verdreifachen
Minneapolis - Im Jahr 2050 werden etwa dreimal so viele Menschen in den USA an Alzheimer erkrankt sein wie heute. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher im Fachjournal "Neurology" mit einer Hochrechnung. Die Zahl der Erkrankten werde von 4,7 Millionen im Jahr 2010 auf 13,8 Millionen Menschen steigen, prophezeit das Team um Liesi Hebert vom Rush University Medical Center in Chicago. Etwa sieben Millionen der Betroffenen seien im Jahr 2050 85 Jahre alt oder älter.
Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Bei der Erkrankung verlieren die Betroffenen, die meist älter als 65 Jahre sind, zunächst langsam das Erinnerungsvermögen, haben Wortfindungs- und Orientierungsstörungen. Nach und nach verändert sich die gesamte Persönlichkeit, ohne Hilfe kann ein Alzheimer-Patient im Endstadium nicht mehr leben.
Auch für Deutschland sagen Experten voraus, dass es immer mehr Alzheimer-Kranke geben wird. Nach jüngsten Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 mehr als verdoppeln - von derzeit 1,4 Millionen auf rund 3 Millionen Betroffene. Etwa zwei Drittel der Betroffenen haben demnach Alzheimer. Die WHO hatte im vergangenen Jahr gewarnt, dass sich auch die Zahl aller Demenzkranker weltweit bis 2050 auf 115 Millionen Menschen verdreifachen werde.
Zukunft mit dramatischen Aussichten
"Unsere detaillierten Berechnungen nutzen zwar die neuesten Zahlen, aber die Ergebnisse gleichen den Prognosen von vor Jahren und Jahrzehnten", sagt die Mitautorin der US-Studie Jennifer Weuve. "All diese Projektionen sagen eine Zukunft mit einer dramatischen Zunahme von Menschen mit Alzheimer voraus. Das sollte uns zwingen, uns darauf vorzubereiten."
Das Problem dabei ist: Bislang ist Alzheimer unheilbar. Arzneien, die derzeit eingesetzt werden, sollen den Verlauf verzögern und Symptome wie Depressionen oder Halluzinationen behandeln. Eine ursächliche Therapie, die die Krankheit stoppt, gibt es noch nicht. Gelingt kein Durchbruch in der Therapieforschung, wird die Zahl der Alzheimer-Kranken weiter rasant steigen. Denn ein wichtiger Grund für die starke Zunahme ist der wachsende Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft.
"Unsere Studie macht auf etwas Dringendes aufmerksam: Diese Epidemie muss durch mehr Forschung, Behandlung und Prävention eingedämmt werden", sagt Weuve. Gemeinsam mit ihren Kollegen wertete Weuve Daten von 10.802 Menschen aus Chicago aus. Die Informationen umfassen einen Zeitraum von fast 20 Jahren. Die Teilnehmer waren mindestens 65 Jahre alt und wurden alle drei Jahre auf Demenz untersucht. Die Forscher verknüpften errechnete Alzheimer-Risiken unter anderem mit Sterberaten und Bevölkerungsschätzungen der US-amerikanischen Behörden und kamen so zu ihrer Prognose.
Die WHO schätzt die Kosten für die Pflege von Demenzkranken bereits jetzt auf jährlich 460 Milliarden Euro. In der Bundesrepublik braucht ein Demenzkranker nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK pro Monat im Schnitt gut 500 Euro mehr von den Pflege- und 300 Euro mehr von den Krankenkassen als ein durchschnittlicher Versicherter.
hei/dpa