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08.02.2013
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Brustkrebs

Mammografie alle zwei Jahre reicht aus

Corbis

Arzt untersucht Mammografiebild: Kein Nutzen durch jährliche Früherkennung

In Deutschland werden Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen. Das Brustkrebs-Screening in diesem Abstand reicht aus, hat eine US-Studie jetzt ergeben. Bei Frauen über 65 werden bei einem jährlichen Rhythmus nicht mehr Krebsfälle erkannt.

Jede deutsche Frau wird ab ihrem 50. Geburtstag eingeladen, zur Mammografie zu gehen. Die Röntgenaufnahmen der Brust, die von speziell trainierten Experten begutachtet werden, sollen helfen, Brustkrebs im Frühstadium zu erkennen, wenn die Tumore noch gut zu operieren und die Überlebenschancen hoch sind.

Das Screening-Programm wird in Deutschland viel diskutiert. Kritiker befürchten vor allem, dass es häufig zu Fehldiagnosen kommt und Frauen wegen auffälliger Röntgenbilder operiert werden, obwohl sie nicht an Brustkrebs erkrankt sind. Dennoch empfiehlt die American Cancer Society (ACS) Frauen sogar, schon ab dem 40. Geburtstag und jährlich zur Mammografie zu gehen.

Diese, von den deutschen Empfehlungen deutlich abweichenden Vorgaben erfahren jetzt einen Dämpfer: Bei Frauen über 65 Jahren finden Ärzte bei jährlichen Mammografien nicht mehr Tumoren als bei Frauen, die ihre Brüste alle zwei Jahre röntgen lassen, berichten Forscher um Dejana Braithwaite von der University of California in San Francisco im Fachmagazin "Journal of the National Cancer Institute". Allerdings führe der jährliche Takt dazu, dass bei mehr Frauen verdächtige Strukturen gefunden würden, obwohl sie gesund seien - sogenannte falsch-positive Ergebnisse. "Ein falsch-positives Ergebnis bereitet Sorgen und Unannehmlichkeiten durch weitere Untersuchungen", sagt Studienautorin Braithwaite.

Die Wissenschaftler hatten die Daten von mehr als 140.000 US-Bürgerinnen in unterschiedlichen US-Krebsregistern ausgewertet. Die Frauen zwischen 66 und 89 Jahren waren durchschnittlich sieben Jahre lang von den Forschern nachverfolgt worden. Während der Zeit erkrankten knapp 3000 der Studienteilnehmerinnen an Brustkrebs, 138.000 blieben gesund.

Kein Nutzen durch jährliche Mammografie

Unabhängig davon, ob sie jährlich oder alle zwei Jahre zur Früherkennung gegangen waren, entdeckten die Ärzte den Brustkrebs bei einem vergleichbaren Anteil der Frauen erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Etwa zwei Drittel der erkrankten Studienteilnehmerinnen hatten jährlich Mammografien anfertigen lassen.

Von den jährlich untersuchten Frauen erhielt allerdings knapp die Hälfte (47 bis 50 Prozent) während der Studienzeit eine Brustkrebsdiagnose, obwohl sie gesund waren. Bei den zweijährlich untersuchten Frauen lag dieser Anteil der tatsächlich nicht erkrankten Teilnehmerinnen unter einem Drittel (26 bis 30 Prozent).

"Unsere Studie zeigt, dass jährliche Mammogafien keinen Nutzen erbringen", sagt Braithwaite. Die Forscher berechneten, dass bei einem jährlichen Screening älterer Frauen jährlich nahezu vier Millionen falsch-positive Brustkrebsdiagnosen in den Vereinigten Staaten gestellt werden würden. Eine solche Diagnose führt fast immer zu weiteren Untersuchungen oder Operationen, die psychisch belastend sind und wiederum ein Risiko mit sich bringen und den Gesundheitszustand gefährden oder verschlechtern können. Deshalb gelte es, solche falsch-positive Diagnosen zu verhindern, so der Forscher.

"Die Studie zeigt uns eindeutig, dass ein Screening alle zwei Jahre sinnvoller sein könnte als ein jährliches Screening", sagt der Arzt Otis Brawley, der bei der American Cancer Society für die Vorsorgeprogramme verantwortlich ist. Allerdings gebe es andere Studien, die für den von der ACS beworbenen jährlichen Rhythmus sprechen.

Auch in den USA gibt es zurückhaltendere Empfehlungen, die sich für einen zweijährlichen Rhythmus aussprechen, wie er auch in Deutschland üblich ist: So rät etwa die vom US-Gesundheitsministerium berufene Preventive Services Task Force zu einem zweijährlichen Untersuchungsrhythmus für Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren.

dba/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
1. optional
Medienkenner 08.02.2013
Ich möchte an die Studie zweier dänischer Forscher am Nordic Cochrane Centre/Kopenhagen erinnern: Früherkennung von Brustkrebs sei nutzlos, Studien über die Verringerung von Brustkrebs-Todesfällen hätten gravierende methodische [...]
Ich möchte an die Studie zweier dänischer Forscher am Nordic Cochrane Centre/Kopenhagen erinnern: Früherkennung von Brustkrebs sei nutzlos, Studien über die Verringerung von Brustkrebs-Todesfällen hätten gravierende methodische Mängel und würden die Ergbenisse zu Gunsten der Röntgen-Checks verzerren. Wissenschaftliche Beweise für einen positiven Effekt des Screenings fanden die Forscher nicht. Stattdesen: Routine-Checks führen zu vermehrten Ängsten und zur Zunahme von agressiveren Therapien. Ohne Mammografie-Screening sterben in zehn Jahren vier von 1000 Frauen an Brustkrebs, mit Screening wären es drei. 99,9 Prozent der Frauen haben also keinen Nutzen davon -entweder, weil sie ohnehin nicht an Brustkrebs gestorben wären, oder weil ihnen auch das Screening nicht das Leben retten würde- dafür aber ein erhöhtes Risiko durch Fehlbefunde und entsprechende Therapien oder zu häufige Gewebeentnahmen. (Zit.: Medizinprof. Ingrid Mühlhauser). 'Nebeneffekt' des Screenings: Bei Anwendung der Mammografie sind vorhandene Röntgengeräte besser ausgelastet.
2.
nordschaf 10.02.2013
Man sollte die Übertragbarkeit amerikanischer Studien auf Europa generell anzweifeln. Genauso wie Grippewellen in den USA im Allgemeinen eine höhere Rate an Todesfällen haben, da mangels Krankenversicherung weniger Menschen [...]
Man sollte die Übertragbarkeit amerikanischer Studien auf Europa generell anzweifeln. Genauso wie Grippewellen in den USA im Allgemeinen eine höhere Rate an Todesfällen haben, da mangels Krankenversicherung weniger Menschen ärztliche Behandlung erfahren und weiter arbeiten gehen, dürfte sich der Krankenversicherungsstatus auch direkt auf alle andere Arten medizinischer Behandlung auswirken. Mithin wären sämtliche ärztlichen Statistiken nur eingeschränkt übertragbar.
3. Intervalltumor
fschuma 10.02.2013
Aggressive Tumore können sehr schnell wachsen. Beispiel aus der Familie (Mutter, 73 J.): Mammo 2007 - negativ Mammo 2009 - 6,5 cm großer Tumor, metastasiert, Tod 3 Jahre später Statistiken verallgemeinern und gehen im [...]
Aggressive Tumore können sehr schnell wachsen. Beispiel aus der Familie (Mutter, 73 J.): Mammo 2007 - negativ Mammo 2009 - 6,5 cm großer Tumor, metastasiert, Tod 3 Jahre später Statistiken verallgemeinern und gehen im Einzelfall ggf. völlig an der (u.U. furchtbaren) Realität vorbei

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