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18.02.2013
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Rückruf von Hüftgelenksprothesen

DePuy-Patienten sollten zum Arzt

DPA

Operation am Hüftgelenk (2005): Schadhafte Implantate können Schmerzen verursachen

Der US-Hersteller DePuy hat künstliche Hüftgelenke seiner Marke Adept zurückgerufen. Für Patienten bedeutet das: Wer eine solche Prothese erhalten hat, sollte sich von seinem Arzt untersuchen lassen. Doch nicht jeder Patient muss operiert werden.

Schmerzen am Hüftgelenk, Probleme beim Gehen: Menschen mit künstlichen Hüftgelenksprothesen sollten auf solche Symptome besonders achten, denn sie könnten auf ein schadhaftes Implantat hinweisen. Der Hersteller DePuy Synthes - eine Tochterfirma des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson - hat deshalb Bestandteile von Hüftgelenksprothesen zurückgerufen. Betroffen ist der sogenannte Modularkopf der Marke Adept 14/12. Das Produkt wurde von 2004 bis September 2011 vertrieben und soll nicht weiter verkauft oder verwendet werden.

Dem Unternehmen zufolge musste es öfter als erwartet ausgetauscht werden. Das heißt, mehr Patienten als üblich mussten erneut operiert werden, weil es Probleme mit dem Implantat gab. Patienten mit einer künstlichen Hüfte sollten daher in ihrem Prothesenpass nachsehen, ob sie Träger dieses Teils sind, empfiehlt die unabhängige Patientenberatung in Bielefeld.

Wer keinen Pass hat, wendet sich am besten an seinen Orthopäden und klärt diese Frage ab. In jedem Fall sollten sich betroffene Patienten vom Arzt untersuchen lassen - auch wenn sie noch keine Beschwerden haben. Der Orthopäde könne feststellen, ob das Gelenk noch einwandfrei funktioniert. "Nicht jeder muss die Prothese entfernen lassen", sagt Judith Storf von der Patientenberatung. Patienten sollten ihr künstliches Gelenk aber auch nach der Untersuchung gut beobachten.

DePuy nennt neben Schmerzen und Reaktionen im Gewebe als Hauptgrund für einen Austausch, dass sich der Hüftschaft gelockert hat. Dabei handelt es sich um das Stück der Prothese, das im Oberschenkelknochen verankert ist. Dem Unternehmen zufolge sind etwa 7700 Stück des Adept-14/12-Modularkopfs in 21 Ländern verkauft worden. Nach Angaben des AOK-Bundesverbandes sind es in Deutschland 1800 Stück.

Wer Beschwerden hat und das künstliche Gelenk deswegen nun erneuern lassen muss, sollte sich nach Meinung der Patientenberatung anschließend Gedanken über Schmerzensgeldforderungen machen. "Die Firma hat ein klares Zugeständnis gemacht, dass es mit dem Implantat Probleme gibt", sagte Storf. Wichtig sei, den Austausch gut dokumentieren zu lassen. Das geschehe in der Regel durch die OP-Unterlagen des Krankenhauses: Damit könne der Patient beweisen, dass er Träger des zurückgerufenen Modells war.

"Mit diesen Unterlagen sollte er sich dann an die Herstellerfirma wenden", erläuterte die Patientenberaterin. Ein Anwalt sei bei diesem Schritt nicht nötig. Unterstützung könne sich ein Betroffener aber bei einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit schadhaften Hüftprothesen holen. Zu erwarten sei, dass die Firma ein Schmerzensgeld anbiete. Der Patient müsse dann entscheiden, ob er es für angemessen hält.

DePuy war schon 2011 wegen schadhafter Implantate in die Schlagzeilen geraten. Damals ging es um das ASR-Hüftsystem, das im Juli 2003 auf den Markt gekommen war. Auch mit diesem Gelenk mussten Patienten öfter als erwartbar erneut operiert werden.

Nina Zimmermann, dpa

Forum

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insgesamt 8 Beiträge
1. tja
paulroberts 18.02.2013
Privatwirtschaft, Profitdenken und Gesundheitssystem-das passt einfach nicht zusammen.Viel zu viele Sollbruchstellen.
Zitat von sysopDer US-Hersteller DePuy hat künstliche Hüftgelenke seiner Marke Adept zurückgerufen. Für Patienten bedeutet das: Wer eine solche Prothese erhalten hat, sollte sich von seinem Arzt untersuchen lassen. Doch nicht jeder Patient muss operiert werden. Rückruf von Hüftgelenksprothesen: DePuy-Patienten sollten zum Arzt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/rueckruf-von-hueftgelenksprothesen-depuy-patienten-sollten-zum-arzt-a-884132.html)
Privatwirtschaft, Profitdenken und Gesundheitssystem-das passt einfach nicht zusammen.Viel zu viele Sollbruchstellen.
2.
Andre83 19.02.2013
Ja weil du gut moralisch einwandfrei staatlich hergestellten Medizinischen Produkte Z.b. in der DDR oder Sowjetunion niemals Qualitätsprobleme hatten.
Zitat von paulrobertsPrivatwirtschaft, Profitdenken und Gesundheitssystem-das passt einfach nicht zusammen.Viel zu viele Sollbruchstellen.
Ja weil du gut moralisch einwandfrei staatlich hergestellten Medizinischen Produkte Z.b. in der DDR oder Sowjetunion niemals Qualitätsprobleme hatten.
3. Google Play
Rechtschreibkorrektur 19.02.2013
Jeder App-Entwickler, der seine App über den Google Play-Store verkauft, bekommt automatisch alle Daten des App-Käufers durchgereicht. Somit weiß der App-Entwickler wer seine App einsetzt. DePuy hat keinen Schimmer wer mit [...]
Jeder App-Entwickler, der seine App über den Google Play-Store verkauft, bekommt automatisch alle Daten des App-Käufers durchgereicht. Somit weiß der App-Entwickler wer seine App einsetzt. DePuy hat keinen Schimmer wer mit Ihren Hüftgelenken "rumrennt".
4. Es geht nur um den Profit.
spon-facebook-10000009156 19.02.2013
Ich selbst habe ein künstliches Hüftgelenk bekommen nach einen Unfall, ich weiß wie schwierig es ist wieder auf die Beine zu kommen. Wenn ich so etwas lese, wird mir schlecht. Bei jedem Auto was gebaut wird, wird jedes Teil [...]
Ich selbst habe ein künstliches Hüftgelenk bekommen nach einen Unfall, ich weiß wie schwierig es ist wieder auf die Beine zu kommen. Wenn ich so etwas lese, wird mir schlecht. Bei jedem Auto was gebaut wird, wird jedes Teil genauestens kontrolliert, nur nicht ein Hüftgelenk. Man sollte all die Krankenhäuser und auch die Regierung voll zu Verantwortung ziehen. All das Leid der Patienten ist denen anscheinend völlig egal. Es geht nur um den Profit.
5. optional
der_namenslose 19.02.2013
Nun ja, da bei Medizinprodukten das Marketing wichtiger ist als das Engeneering sind soclhe Skandale zu erwarten. Die Prothesenhersteller arbeiten fast ohne Ingenieure - die meisten "Entwickler" haben einen medizinischen [...]
Nun ja, da bei Medizinprodukten das Marketing wichtiger ist als das Engeneering sind soclhe Skandale zu erwarten. Die Prothesenhersteller arbeiten fast ohne Ingenieure - die meisten "Entwickler" haben einen medizinischen Background ohne Ahnung von Mechanik und Tribologie. Dank Ihres "Dr." med. sind diese Herren (in der Regel) absolut beratungsresistent. Als Ingenieur wunderts nur immer, dass diese stümperhaften Designs nicht noch öfter Versagen.

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INFORMATIONEN FÜR BETROFFENE

Was ist ein Behandlungsfehler?
Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn ein Arzt einen Patienten nicht ordungsgemäß - das heißt nicht sorgfältig oder entsprechend der anerkannten medizinischen Standards - behandelt hat. Auch eine fehlende, falsche oder lückenhafte Aufklärung des Patienten über die Risiken eines medizinischen Eingriffes gilt als Behandlungsfehler.
An wen wende ich mich?
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit rät dazu, zuerst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder dem leitenden Klinikdirektor zu suchen. In vielen Kliniken existieren auch Beschwerdestellen, an die sich Patienten wenden können.

Weitere wichtige Ansprechpartner sind laut Bundesgesundheitsministerium die Krankenkassen: Viele können eine außergerichtliche Rechtsberatung vermitteln oder ein Gutachten durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung einholen. Dieses ist für Ärzte und Krankenhäuser zwar nicht bindend, kann aber bei einem Gerichtsverfahren nützlich sein.

Ebenfalls Hilfe bieten Verbraucherzentralen, Selbsthilfegruppen oder Patientenberatungsstellen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland betreibt unter der Rufnummer 0800-0117722 ein bundesweites kostenloses Beratungstelefon.
Welche Rolle spielen die Schlichtungsstellen der Ärztekammern?
Die Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen der Ärztekammern sind neben der Krankenkasse die wichtigsten Anlaufstellen, wenn ein Patient ein Gutachten zu seinem Fall wünscht. Ihr Ziel ist es, Meinungsverschiedenheiten außergerichtlich zu klären. Die Kommissionen behandeln etwa ein Viertel aller vermutlichen Arztfehler.

Die Kommissionen haben für Patienten den Vorteil, dass ihre Arbeit für sie kostenlos ist, allerdings wird ihnen vorgeworfen, dass sie nicht komplett unabhängig sind, da sie zu den Ärztekammern gehören. Vorsitzender der Gutachterkommission ist ein Jurist, der die Befähigung zum Richteramt haben muss, hinzu kommen zwei ärztliche Mitglieder, von denen mindestens einer im gleichen Fachgebiet arbeiten muss wie der betroffene Arzt.

Das Einschalten der Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen ist freiwillig, die Fälle sollten noch nicht Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens sein und dürfen in der Regel nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Sind Patient oder Arzt mit dem Ergebnis nicht einverstanden, können sie anschließend noch vor Gericht ziehen.
Wie läuft ein Gerichtsverfahren ab?
Um den Verdacht eines Behandlungsfehlers zu klären, benötigen die Patienten die Dokumentation ihrer Behandlung. Jeder Patient hat grundsätzlich den Anspruch darauf, in die Akten einzusehen und Kopien zu erhalten.

Zieht der Patient vor Gericht, muss grundsätzlich er beweisen, dass er durch eine fehlerhafte Behandlung einen Gesundheitsschaden davongetragen hat. Das Gericht unterstützt ihn jedoch bei der Aufklärung und geht den Vorwürfen nach.
Weitere Informationen
Liste des Aktionsbündnisses Patientensicherheit mit Einrichtungen, die im Schadensfall helfen: http://www.aktionsbündnis-patientensicherheit.de

Broschüre "Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern - ein Wegweiser der Bundesärztekammer": http://www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de

Broschüre "Patientenrechte in Deutschland" des Bundesgesundheitsministeriums: http://www.bmg.bund.de

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