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22.02.2013
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Südafrika

Einsatz von HIV-Medikamenten lohnt sich

AFP

Sie senken das Infektionsrisiko und erhöhen die Lebenserwartung: Antivirale Mittel gegen HIV verbessern das Leben vieler Infizierter. Eine aktuelle Studie belegt, dass die Therapie auch in armen Ländern wie Südafrika Wirkung zeigt - und sich die finanziellen Kosten im Kampf gegen Aids lohnen.

Vor wenigen Jahren noch war die Unsicherheit groß: Wie wirksam sind jene Medikamente, die das HIV-Ansteckungsrisiko verringern sollen? Und tragen solche Mittel nicht dazu bei, dass Menschen sich in Sicherheit wiegen und den Schutz mit Kondomen vernachlässigen?

In Südafrika hat sich jetzt gezeigt, dass sich die verstärkte Anwendung der antiretroviralen HIV-Therapie (ART) gelohnt hat: Zwei Studien zufolge, die im Wissenschaftsblatt "Science" am Freitag veröffentlicht wurden, steckten sich in einer untersuchten Region des Landes weniger Menschen mit dem Aids-Erreger an, nachdem die ART dort deutlich ausgeweitet worden war. Gleichzeitig sei die Lebenserwartung der Infizierten erheblich gestiegen. Auch die Volkswirtschaft profitiere von dem finanziellen Einsatz, so das Ergebnis der Forscher.

Jacob Bor von der Universität von KwaZulu-Natal und seine Mitarbeiter hatten untersucht, wie sich die Lebenserwartung von mehr als 100.000 Bewohnern in einer ländlichen Region der Provinz KwaZulu-Natal in den Jahren zwischen 2000 und 2011 veränderte. Dort sind viele Menschen mit dem Aids-Erreger infiziert: etwa die Hälfte aller Frauen zwischen 30 und 49 Jahren und ein Drittel aller Männer zwischen 35 und 49 Jahren. 2004 wurde dort von der südafrikanischen Regierung mit Unterstützung eines US-amerikanischen Aids-Nothilfe-Programms die Behandlung mit der antiretroviralen Kombinationstherapie ausgeweitet.

Lebenserwartung gestiegen

Infolgedessen stieg nun die Lebenserwartung der Bewohner um mehr als elf Jahre an, berichten die Forscher um Bor. Konnte ein 15-Jähriger 2003 nur damit rechnen, ein Alter von gerade 49,2 Jahren zu erreichen, stieg die mittlere Lebenserwartung im Jahr 2011 auf 60,5 Jahre. Die Forscher ermittelten anschließend, dass sich die Kosten der Behandlung auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnen.

Insgesamt seien bis zum Ende der Studie schätzungsweise 10,8 Millionen US-Dollar (etwa acht Millionen Euro) in das Programm investiert worden. Pro Patient müssten jährlich zwischen 500 und 900 US-Dollar bereitgestellt werden. Diesen Ausgaben müssten die Kosten entgegengestellt werden, die dem Staat zum Beispiel durch den Verlust von Arbeitskräften oder durch die notwendigen Unterstützungen für Witwen oder Waisen entstehen. Insgesamt überwiegen die Vorteile der ART die Kosten bei weitem, wie die Forscher schreiben.

Ein Team um Frank Tanser, ebenfalls von der Universität von KwaZulu-Natal, hatte in derselben Region Daten von mehr 16.500 Bewohnern ausgewertet, die zu Beginn der Untersuchung im Jahr 2004 nicht HIV-infiziert waren. Mit der Ausweitung der ART-Behandlung sank nun deren Infektionsrisiko deutlich, fanden die Forscher heraus. So habe ein nichtinfizierter Mensch in einer Gemeinde, in der die Kombinationstherapie verbreitet eingesetzt wird, ein um 38 Prozent geringeres Infektionsrisiko als einer, der in einer Gemeinde lebt, in der nur wenige HIV-Infizierte nach diesem Standard behandelt werden.

Ihre Untersuchung belege, dass eine weitere Ausweitung des ART-Programms in Afrika südlich der Sahara erheblich dazu beitragen könne, die Zahl der sexuell übertragenen HIV-Infektionen bis 2015 zu halbieren - ein Ziel, das die Vereinten Nationen auf ihrer Generalversammlung 2011 ausgegeben hatten. Die Länder südlich der Sahara gehören noch immer zu den Aids-Brennpunkten der Welt. 2011 lebten dort nach Uno-Angaben etwa 23 Millionen HIV-Infizierte.

Antiretrovirale HIV-Therapie

Hintergrund: Lesen Sie hier, warum HIV-Medikamente inzwischen als so sicher wie Kondome gelten.

cib/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
1. ja ja ja die pharmaindustrie lässt grüßen
m.tondera 22.02.2013
in einem test ,wo antikörper als hiv nachweis dienen.gott sei dank entwickeln wir antikörper und in afrika müßten ja schon soviele an aids verreckt sein und sie leben immer noch,weil hiv kein virus ist sondern eine kombination [...]
in einem test ,wo antikörper als hiv nachweis dienen.gott sei dank entwickeln wir antikörper und in afrika müßten ja schon soviele an aids verreckt sein und sie leben immer noch,weil hiv kein virus ist sondern eine kombination von vielen faktoren und nur tödlich,wenn man ganz viele andere krankheiten hat. bestes beispiel warum sterben in afrika viel weniger wie angenommen, weil sie den teuren dreck von der pharmaindustrie nicht bezahlen können und nicht schlucken
2.
Markenfetischist 22.02.2013
Es glauben diesen Schwachsinn tatsächlich immer noch Leute. HIV *ist* unbehandelt tödlich! Es gibt keine Verschwörung tausender Wissenschaftler.
Zitat von m.tonderasterben in afrika viel weniger wie angenommen, weil sie den teuren dreck von der pharmaindustrie nicht bezahlen können und nicht schlucken
Es glauben diesen Schwachsinn tatsächlich immer noch Leute. HIV *ist* unbehandelt tödlich! Es gibt keine Verschwörung tausender Wissenschaftler.
3.
umberto04 22.02.2013
An m.tondera: Halbwissen muss dann wohl so eine Krankheits sein, die HIV tödlich werden läßt....? So viel Blech habe ich ja schon seit dem Kindergarten nicht mehr gehört.
Zitat von m.tonderain einem test ,wo antikörper als hiv nachweis dienen.gott sei dank entwickeln wir antikörper und in afrika müßten ja schon soviele an aids verreckt sein und sie leben immer noch,weil hiv kein virus ist sondern eine kombination von vielen faktoren und nur tödlich,wenn man ganz viele andere krankheiten hat. bestes beispiel warum sterben in afrika viel weniger wie angenommen, weil sie den teuren dreck von der pharmaindustrie nicht bezahlen können und nicht schlucken
An m.tondera: Halbwissen muss dann wohl so eine Krankheits sein, die HIV tödlich werden läßt....? So viel Blech habe ich ja schon seit dem Kindergarten nicht mehr gehört.
4.
weißbrot 22.02.2013
HIV ist kein Virus? Raten Sie einmal für was das "V" in HIV stehen könnte?
Zitat von m.tonderain einem test ,wo antikörper als hiv nachweis dienen.gott sei dank entwickeln wir antikörper und in afrika müßten ja schon soviele an aids....
HIV ist kein Virus? Raten Sie einmal für was das "V" in HIV stehen könnte?
5.
ColynCF 22.02.2013
Das ist richtig. Theoretisch könnten Antikörper auch von einer Impfung stammen. Da es aber für HIV noch keine Impfung gibt, können entsprechende Antikörper also nur durch eine Infektion entstehen. Es gibt auch Tests für den [...]
Zitat von m.tonderain einem test ,wo antikörper als hiv nachweis dienen.gott sei dank entwickeln wir antikörper
Das ist richtig. Theoretisch könnten Antikörper auch von einer Impfung stammen. Da es aber für HIV noch keine Impfung gibt, können entsprechende Antikörper also nur durch eine Infektion entstehen. Es gibt auch Tests für den direkten Nachweis der Viren. Aber die sind sehr aufwendig und nicht 100% sicher, da man u.U. bei geringer Virenlast (in bestimmten Krankheitsphasen) die Viren nur schwer nachweisen kann. Antikörper sind aber immer da. Außerdem ist der direkte Virennachweis mWn sehr teuer. Er wird also nur bei Infizierten gemacht um etwa den Erfolg der Behandlung zu überprüfen. Auch richtig. Das ist aber ja bekanntlich genau die Wirkungsweise des HI-Virus. Es zerstört die T4-Helferzellen und damit die Immunabwehr woraus dann AIDS entsteht. Tatsächlich stirbt man dann an den Folgeerkrankungen (Hautkrebs, Lungenentzündungen...) Ich dachte eigentlich das wäre inzwischen Allgemeinbildung. In Afrika sind bereits Millionen an dem Virus gestorben. Dass es weniger sind als man früher gedacht hat liegt an den Verbesserungen der med. Versorgung und damit den verlängerten Lebenserwartungen. Das steht doch im Artikel

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HIV-Therapie als Kondomersatz

Unter bestimmten Voraussetzungen ist bei HIV-Infizierten bei sexuellen Kontakten ohne Kondom eine Übertragung des Virus unwahrscheinlich. Dafür müssen folgende Bedingungen auf jeden Fall erfüllt sein:

1. Punkt: die Viruslast des HIV-positiven Partners/ der HIV-positiven Partnerin ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze

2. Punkt: die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen

3. Punkt: bei den Sexualpartnern/-partnerinnen liegen keine Schleimhautdefekte zum Beispiel als Folge sexuell übertragbarer Infektionen vor

4. Punkt: der Infizierte lässt regelmäßig seine Viruslast bestimmen, um Resistenzen auszuschließen

Schon eine vergessene Tablette kann die Viruslast wieder in die Höhe schnellen lassen und die Schutzwirkung gefährden. Kondome schützen zudem auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Medikamente hingegen haben den Vorteil, dass sie auch sogenannte kleine Risiken bei Praktiken wie dem Oralverkehr abdecken, bei denen häufig kein Kondom benutzt wird.

Quellen: HIV-Therapie und Prävention - Positionspaper der Deutschen Aids-Hilfe, HIV-Report 5/2011: Medikamente in der Prävention

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